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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-21 · 29 (21.7.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
29 (21.7.1893)
Date
1893-07-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 552 Vesterreichifchr Wochenschrift Nr. 29 energisch vorzugehen und Polizei zu requiriren. Der Vorfall, welcher peinliches Aufsehen erregte, ist umso bedauerlicher, als die Wirthe ohnehin über schlechten Geschäftsgang klagen, und derartige widerliche Vorkommnisse sind gewiß nicht geeignet, den Wirthen zu nützen. Wenn das so fortgeht, so wird es dahin kommen, daß sich die besseren Gesellschaftskreise von allen öffentlichen Veranstaltungen zurückziehen 'werden, um solchen Ekel erregenden Scenen aus dem Wege zu gehen. Es wäre denn doch schon hohe Zeit, daß die Herren einmal zur Einsicht kämen und ihre fortwährenden, unsere Stadt so sehr schädigenden Stänkereien endlich aufgeben möchten. Mährisch-Ostrau. (Gegen die antisemitischen Hetzereien.) Vor kurzer Zeit wurde von dem hiesigen czechischen Advocaten Dr. Polkovsky, welcher sich seit seiner Etablirung zum Führer der hiesigen czechischen Partei aufgeworfen, und als solcher, da er bei der Geistlichkeit und den zahlreichen czechischen Grubenbeamten nachdrückliche Unterstützung gefunden, schon manchen Erfolg aufzuweisen hat, ein czechisches Kampfblatt „Ostravice" gegründet, welches, durch die genannten Factoren gleichfalls mit allen Mitteln gefördert und unterstützt, eine regelrechte Hetze gegen alles Deutsche und insbesonders gegen die jüdische Bevölkerung der ganzen Gegend inscenirte. In einer in den letzten Nummern begonnenen Artikelserie, betitelt „Wer ist unser Feind?", welche im Predigerton gehalten und aus zahlreichen biblischen Cftaten die Feder eines geistlichen Autors zweifellos errathen laßt, werden die Juden als die Aussanger und Ausbeuter der ländlichen und Arbeiterbevölkerung und zugleich als die ärgsten Feinde des czechischen Volkes hingestellt; die Landbevölkerung wird in diesen Artikeln zu Haß und Feindseligkeit gegen die Juden, welche darin in unglaublicher Weise geschmäht und beschimpft werden, aufgereizt und letzteren für den Fall, daß sie nicht zur czechischen Partei übergehen würden, mit Gewaltthätigkeiten und Entziehung des Erwerbes und der Existenz gedroht. Da diese Artikel, von welchen noch Fortsetzungen angekündigt wurden, allgemeine Entrüstung und bei einem Theile der israelitischen Bevölkerung auch die Besorgniß erregten, es könnten diese Artikel, welche massenhaft unter der Landbevölkerung und der Arbeiterschaft verbreitet wurden, ähnliche Folgen haben wie die Artikel, welche den bekannten Unruhen ' von Kolm, Kremsier rc. vorangingen, sah sich die Vertretung der hiesigen Cult us gemeinde veranlaßt, über allseitigen Wunsch der israelitischen Bevölkerung gegen diese Hetzereien Stellung zu nehmen. Es wurde in der Körperschaft beschlossen, überdiese verleumderischen Hetzartikel die Entrüstung auszusprechen, ferner an die politischen Behörden unter Vorlage dieser Artikel bezügliche Denkschriften zu richten und auf die zu befürchtenden Folgen solch systematisch betriebener Verhetzungen aufmerksam zu machen, sowie um Eingreifen der Staatsbehörden zu bitten. Weiters wurde der Vorstand ermächtigt, in geeigneter Weise bei den geistlichen Oberbehörden bittlich zu werden, daß die Geistlichkeit angewiesen werde, auf die Bevölkerung gegen diese Hetzereien beruhigend und aufklärend zu wirken, endlich solle auch bei den Gewerkschaften angesucht werden, daß seitens der Betriebsleitungen der Verbreitung solcher Hetzartikel unter der Arbeiterschaft entgegengetreten werde. Das entschiedene und rasche Eingreifen der Cultusgemeinde in dieser Angelegenheit hat außerordentlich beruhigend gewirkt, da man sich von diesen Schritten Erfolg, wenigstens in dem Sinne, verspricht, daß die Fortsetzung dieser gefährlichen Hetze verhindert wird. Es muß den Beamten der zumeist israelitischen Gewerke gewiß peinlich sein, wenn das von ihnen unterstützte Parteiblatt in solch gefährlicher Weise gegen die Juden, also auch unmittelbar gegen die jüdischen Gewerke, also gegen ihre Brotherren hetzt; in jedem Falle werden sie es wohl in Hinkunft unterlassen, ein solches Hetzblatt, welches den bestehenden confessionellen Frieden durch seine Hetzartikel stören will, mit allen Mitteln zu verbreiten und materiell zu unterstützen. Die czechische Partei wird im eigensten Jnterresse ihres Bestandes ein solches Hetzblatt und seine Patrone, die sich ihr gewaltsam aufgedrängt haben, abschütteln müsst n, da man für diese niedrigen Bestrebungen des Blattes sonst die ganze Partei und auch die zahlreichen anständigen Elemente derselben mit verantwortlich machen müßte. Dresden, 15. Juli. Der Gemeinderath unseres Vorortes Löbtau hat wieder einmal den patriotischen Mannesmuth seiner Mitglieder bewiesen. Man erinnert sich, daß diese Körperschaft sich vor kurzer Zeit dadurch so glänzend blamirte, daß sie eine Straße nach Ahlwardt benannte, um sie eine Woche darauf wegen plötzlich eingetretener Unwürdigkeit des auf diese Weise Geehrten umzutaufen. Dieser Vorort Löbtau besaß bisher eine Heinestraße. Um nun nicht in den bei einem Ort von der Vergangenheit Löbtaus völlig ausgeschlossenen Verdacht philosemitischer Gesinnung zugerathen, taufte man dieser Tage die Heinestraße in eine Poststraße um. Das Komischeste an der Sache aber war, daß die Straße gar nicht nach dem Dichter Heinrich Heine, sondern — nach dem bekannten Dresdener Maler Heine so benannt war, an dessen Arierthum auch kein Löbtaukr bisher zu zweifeln gewagt hat. Berlin, 15. Juli. Eine merkwürdige socialistisch-antisemitische Verbrüderung fand gestern in einer Böckel'schen Versammlung statt. Böckel erkannte die socialistische Kritik an Staat und Gesellschaft als vollberechtigt und sogar meisterhaft an. Die alten Parteien seien an Mark und Bein zerfressen Und für den Untergang reif. Nur die Antisemiten und Socialisten hätten noch Berechtigung. Nicht blos das jüdische, auch das christliche Capital müsse bekämpft werden. Diese Rede entfesselte Beifall auch bei den zahlreich anwesenden Socialisten. Alsdann ging es von Böckel und anderen Rednern über Stöcker her, der als ehrgeiziger Streber, Demagog und Verräther gebrandmarkt wurde, als Mensch, den aus Siegen „rausgeschmissen" zu haben sich Böckel rühmte. Dies Alles vollzog sich unter wahnsinnigem Jubel der Versammlung, die auch in den Reichstagskreisen gebührend beachtet wurde. In einem hiesigen antisemitischen Blatte liest man: Der antisemitische Reichstagscandidat und Vertheidiger von Ahlwardt und Paasch, der Rechtsanwalt Dr. Hertwig in Charlottenburg, ist vom Kriegsgericht in seiner Eigenschaft als Reserveofficier wegen Verweigerung des Gehorsams zu einer dreimonatlichen Festungsstrafe verurtheilt worden. Anläßlich seiner Reichstagscandidatur im Kreise Liegnitz-Haynau wurde Herr Hertwig vom königlichen Bezirks-Commando Teltow aufgefordert, über verschiedene seine Person betreffende Meldungen, die damals durch die gesammte Presse gingen, Bericht zu erstatten. Auf diese Aufforderung hin hatte Herr Hertwig nur kurz erklärt, daß diese Gerüchte nichts weiter als von den Gegnern in die Welt gesetzte unbegründete Wahlmanöverseien. Mehrere weitere dringende Ersuchen des Bezirkscommandos, einen genaueren Bericht darüber einzusenden, hatte Rechtsanwalt Hertwig unbeantwortet gelassen. Hierin erblickte das Kriegsgericht Ungehorsam nnd verurtheilte ihn deshalb zu dreimonatlicher Festungsstrafe, welche der Verurtheilte, wie es heißt, demnächst in Magdeburg verbüßen wird. — Will das antisemitische Blatt etwa damit für Herrn Hertwig Reclame machen? Bukarest. Der lange angekündigte Aufruf der hiesigen Studentenschaft an die Studenten des Auslandes ist heute erschienen, aber selbst beim besten Willen kann man dieser neuesten Kundgebung zu Gunsten der Siebenbürger Rumänen keine Bedeutung beilegen. Er enthält die alten Klagen und schließt mit der für die politische Unzurechnungsfähigkeit seiner Verfasser sehr bezeichnenden Bitte, die Studenten des Auslandes möchten bei ihren Regierungen im Namen der europäischen Freiheit, des Friedens nnd der Cultur für die Beseitigung des auf den Rumänen Ungarns lastenden Druckes Schritte thun. Ebenso wenig wie durch solche kaum ernst zu nehmende Kundgebungen wird der Sache der Siebenbürger Rumänen durch die Bundesgenossenschaft solcher Leute genützt, die mit den Gesetzen ihres eigenen Vaterlandes in Widerspruch gerathen sind. Eine Person dieser Art ist der gegenwärtig wegen Beleidigung des Ministers Miguel von Berlin aus steckbrieflich verfolgte antisemitische Agitator und frühere „Krenzzeitungs"- Mitarbeiter Ludwig Schwennhagen, der, im Vorjahre wegen seiner publicistischen Hetzereien gegen Ungarn zum Estrenmitgliede der hiesigen Culturliga ernannt, feinen jetzigen Aufenthalt in Rumänien angeblich dazu benützt, um aus der Gründungsgeschichte der rmuänischen Bahnen Material zur Fortsetzung der von Ahlwardt auch in das Parlament hineingezerrten widerlichen Verleumdungsfehde gegen Miguel zu gewinnen. In einem von der „Germania" veröffentlichten Briefe an die antisemitische Buchhandlung Höppner in Berlin hat sich Herr Schwennhagen sogar" gerühmt, daß er zur Erreichung seines Zweckes, mit reichlichen Geldmitteln versehen, in hiesigen amtlichen Kreisen das größte Entgegenkommen finde. Auf diese Ruhmredigkeit hin wird er vom hochofficiösen „Timpul" als Lügner gebrandmarkt und zur Erbringung des Beweises aufgefordert, daß er auch nur von einer einzigen, der Regierung nahestehenden Persönlichkeit empfangen worden sei. Auch steht

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