Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 29 (21.7.1893)
- Date
- 1893-07-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 550, Oesterreichifchr Wochenschrift „ Nr. 29 den.Bissen vom Munde weg. Das erinnert-doch an gewisse, nicht immer rassenreine Vierfüßler, die sich um einen mageren Knochen balgen. Denn ein magerer Knochen wird dieses Concurrenzblatt gegen Vergani sein. HerrWolf behauptet zwar, daß nach demselben Tausende seufzen, „die um Schönerer nicht minder als die um Steinwender". Aber von bloßen Seufzern kann ein Tagblatt nicht existiren, und da „die um Schönerer" nur mehr etliche hundert Burschenschafter sind, „die um Steinwender" aber Tag für Tag zusammenschmelzen, wie. der Schnee im Marz, so dürfte das Blatt von allem Anfang an Ueberfluß an Abonnentenmangel leiden. Bemerkenswerth ist der Umstand,, daß das neue Tagblatt zu dem Zeitpunkte ins Leben tritt, -zu welchem Schönerer nach fünfjährigem Ehrverlust seine bürgerlichen Rechte wiedererlangt und wahlfähig wird. Welches Schicksal nun auch immer der neuen Zeitungsgründung bevor, stehen mag, Ernst Vergani hat alle Ursache, zu zittern, ihm wird das Geschäft gründlich verdorben. Wie«. Am 7. Juli enthielt das „Deutsche Volksblatt" nachstehende Mittheilung vom Meister Stämpiglius: Löbliche Redactian! Ihr vor einigen Tagen veröffentlichter Artikel über daS Benehmen des Reserve-Osfiifiers Wertheim hat mich veranlaßt, Erkundigung über seine Abstammung einzuziehen. Sowohl Wertheim wie Bondy sind Juden. Damit erscheint Alles aufgeklärt. Mehrere Osficiere, mit denen ich über das von Ihnen besprochene Borkommniß Rücksprache gepflogen hatte, haben mich versichert, daß ihnen kein einziger .Fall bekannt ist, in welchem ein christlicher Reserve-Officier ähnlich a u f g e t r e t e n w ä r e. Ihr ganz ergebenster Ernest S ch n e i d e r, Reichsraths- und n -ö. Landtags-Abgeordneter. Am 18. Juli erschien folgendes „Eingesendet": Geehrte Schriftleitung!. Zwei Osficiere des k. und k. 46. Infanterie-Regimentes erklärten mir eben persö nli ch, daß meine Information, auf Grund welcher ich in meinem „Eingesendet" vom 7. Juli den k. und k. Lieutenant Wertheim als Inden bezeichnete, unrichtig ist und d a ß de r s e l b e k e i n I u d e i st. - . . .;••• E. S ch n e.i d c r. Also lediglich auf die Bermuthung hin, daß es ein jüdischer Officier ist, wurde er von Stämpiglius und seinen Spießgesellen beschimpft. Pan Verganew widmete ihm einen eigenen Schmähartikel, und nun merken die Herren, daß sie sich vergriffen. . Wien. (Arisch und semitisch.) Mit der Redaction des „Deutschen Volksblatt" scheint in jüngster Zeit ein.Spaßvogel sein Unwesen zu treiben. Wiederholt erscheinen in demselben Notizen, welche sich nach der Ueberschrift als eine Verhöhnung der Juden präsentiren, bei näherem Zusehen aber die arische Moral in ein höchst fragwürdiges Licht stellen. Da brachte am 13. d. M. das Blatt Vergani's einen Mahnbrief Mayer Amschel Rothschilds vom Jahre 1804 an einen hessischen Minister, in welchem sich derselbe bitter darüber beklagt, daß der Landgraf von Hessen an die Bezahlung seiner Schulden gar nicht denkt. „Scheint wohl", heißt es dann wörtlich, „daß Höchstderselbe vermeinen, daß ein Printz nicht Verpflicht ist, Pinktliche Zahlung zu besorgen, sollte das sein, so gestehe aub Schon mit meinem geringem Charakteur zufrieden bin, so wünsche ich nur ein Tag den Zahltag in der 3ten Meßwoch ein Printz zu sein, daß ich auch nichts zu bezahlen genehmigt wehre, allein daß sein Keine Sache, wenn es mich alles in der Welt soll kosten, so muß meine Zahlung -richtig leisten, so hoffe ich daß ein Printz das nehmliche zu thun Schuldig ist.-sollte den^ein Printz so ein Großes Vorrecht' .geniesen, da kan. uhne möglich jemand dabey bestehe bleibe, sein sie gesichert Mein Geld der haltet'mir meine Ehre und Meine Ehre ist mein Leben". Die Schatulle des Landgrafen von Hessen scheint einige Aehnlichkeit mit der Armencasse des „Deutschen Volksblatt" zu haben, die bekanntlich die zu wohlthätigen Zwecken eingelangten Gelder gleichfalls nicht ihrer Bestimmung zugeführt hat. Es ist höchst unvorsichtig von Herrn Vergani, solchen Beweisen arischer Redlichkeit in seinem Blatte Ausnahme zu gönnen. Es ist keineswegs die Moral des Judenthums, welche sich dabei als schäbig erweist. — Eine zweite Notiz spricht von einem jüdischen .Geschäftsmann, der sich an das P. T. Publicum mit der Bitte wendet, sich bei Verkauf von abgelegten Herrenkleidern seiner Firma zu bedienen, da ihm große Absatzgebiete zur Verfügung stehen. Die Notiz trägt das Schlggwort: „Jüdische Geschäftskniffe", und Herr Vergani sieht in dem erwähnten Circulär einen Beweis für die Findigkeit jüdischer Geschäftsleute. Wir. haben gegen diese Auslegung gar nichts einzuwenden und fügen nur hinzu, daß der Handel mit abgelegten Herrenkleidern eine viel ehrlichere Beschäftigung ist, als der Schacher mit der öffentlichen Meinung, den Vergani in seinem Blatte betreibt. Der Pauschalvertrag mit der Südbahn riecht nach weit schlimmeren Dingen, als nach abgelegten Herrenkleidern. E. B.' Wien. (Die antisemitische^Fructificirung de r . Ausstellun g in Innsbruck seitens des „Deutschen Volksblatt"), welche in der . „Oesterreichischen Wochenschrift^ in gebührender Weise eine Abfertigung erhielt, wird weiters durch die Thatsache illustrirt, daß außer der bereits erwähnten Reitlinger'schen Metallwaarenfabrik noch nachstehende Firmen, welche durchwegs Gediegenes exponirten, auf der Innsbrucker Ausstellung in würdiger Weise vertreten sind, u. zw.: -Brüder Dann Hauser, Wäsche-Fabrik, Innsbruck; Brüder D u b s k y, Erste Tiroler Weinessigessenz- Fabrik und Branntwein-Brennerei, Innsbruck; S. Sch indler, Branntwein-Brennerei und Liqueur-Fabrik, Innsbruck; Hermann Winter, Besitzer von Adambräu, Innsbruck; Brüder Schwarz, Brauerei in Vilpian, Bozen. " E. B. Wien. (Der Antis emitismus geht vor dem Patriotismus.) Das „Vaterland" bringt in der Nummer vom 14. d. M. nachstehende Notiz: „(Schuhexport nach Serbien.) Der Magistrat der serbischen Kreis- und Bischofsstadt Sch ab atz hat heute einen Beschluß veröffentlicht, welcher geeignet ist, unseren Schuhexport empfindlich zu schädigen. Diesem Beschlüsse zufolge wird auf Grund eines Erlasses des serbischen Finanzministeriums vom 23. v. M. der Verkauf von jeder Art Beschulung, welche nicht in Commission gegeben oder nicht sonst von Schabutzer Meisternbeschafft wurde, in allen Geschäften und HandlungenderStadt Schabatz beiStrofe verboten. Bemerkt muß werden, daß dieser Magistralsbeschluß, der, wie gerne zugegeben werden soll, auch eine Art patriotischer Nothwehr gegen unsere meist jüdischen Exporteure und deren Pofelwaare ist, mit den Bestimmungen des.österreichisch-serbischenHandelsvertragescollidirt,ansonsten oder an und für sich aber möchten wir mit deimBeschlusse sogar stark sympathisi'ren." Also weil der österreichische Schuhwaaren-Export wenn auch, nicht. ganz, jedoch zumeist von jüdischen Firmen cultivirt wird, so herrscht beim „Vaterland" unbändige Genugthuung, daß derheimische Exporthandel eine einschneidende Schädigung erfährt. So fadenscheinig ist der Patriotismus des antisemitisch-clerical-feudalen Organes und dessen Partisanen beschaffen. Man darf wirklich begierig sein, zu erfahren, wie Finanzminister Dr. Steinbach, dessen ganzes Sinnen und Trachten darauf gerichtet sein muß, durch die Hebung des vaterländischen Exportes die Handelsbilanz activ zu gestalten und hiedurch die Finalisirung der arg gefährdeten Valutaregulirung zu ermöglichen, über solche „vaterländische" Politik denkt. Allein, noch in anderer Richtung legt das „Vaterland" eine Perfidie und Verlogenheit an den Tag, die nicht genug gebrandmarkt und an den Pranger gestellt werden kann.Es ist dem „Vaterland" wohl bekannt, daß sich die österreichische Schuhexportindustrie thatsächlich eines vorzüglichen Renommes erfreut, daß Wiener Schuhwerk überall, wohin es, durch nicht prohibitive Zolltarife vom Markte ausgeschlossen, zum Importe gelangen kann, gesucht und mustergittig ist. Notorisch ist, daß die Schuhwaarenfirmen Reitlinger, Kraus u. Lackenbacher, Strakosch u. Sohn, Fridetzko u. Bruder, Löwenstein, Reschowski, Falk u. Comp, und noch eine große Zahl anderer Schuhindustriellen auf ungezählten Ausstellungen mit ersten Preisen bedacht wurden und derart zur Verherrlichung unserer im Auslande leider noch zu wenig bekannten Industrie beigetragen und sich unter schweren materiellen Opfern um das österreichische Vaterland wahrhaft verdient gemacht haben, was auch in vielen Fällen von Allerhöchster Stelle durch Verleihung hoher Auszeichnungen anerkannt wurde. Was liegt jedoch dem „Vaterland" an der heimischen Industrie, der Hebung des heimischen Exporthandels, der Stärkung der Handelsbilanz, wenn es gilt, die Juden zu verunglimpfen; ihm gilt nur die Devise: „Hoch der Antisemitismus!" Wie«, 12. Juli. (Die nichtsanctionirte Schulgesetz-Novelle.) Die Novelle zum oberösterreichischen Schulaufsichtsgesetze, welcher die Sanction verweigert wurde, ist aus einem Anträge des Abgeordneten Ebenhoch hervorgegangen, welcher vom Bischof Doppelbauer auf das Wärmste unterstützt wurde. Die Novelle, welche am 16. März vorigen Jahres im oberösterreichischen Landtage eingebracht wurde, verfolgte den offen eingestandenen Zweck, den oberöster-