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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 534 Oestrrrrktzischr Wochenschrift Nr. 28 terschied der drei im heiligen römischen Reiche öffentlich geduldeten Religionen. Laß einen ehrlichen Schuster, der bei seinem Leisten Muße genug hat, manchen guten Gedanken zu haben (wäre es auch ein Jacob Böhme und Hans Sachs), laß ihn kommen und sich melden! „Ja", heißt es, „ein Schuster, freilich ein Schuster." Laß einen treuen, erfahrenen, versuchten Dienstboten kommen und sich melden. — „Ja," heißt es, „dergleichen Leute freilich, die sich die Farbe zu ihrem Rocke nicht selbst wählen. — Wir sind unter uns so gute Gesellschaft." So vor hundert Jahren. Und ist es heute besser? Den Juden gegenüber will sich die Großloge „Kaiser Friedrich zur Bundestreue" anders stellen, als die altpreußischen Großlogen sich, von Ausnahmen abgesehen, bisher gestellt haben. Den Schuster und Bedienten oder sagen wir geradeweg dem Arbeiter gegenüber schwerlich . . . Alles was Menschen treiben, bleibt Menschenwerk und damit unvollkommen und verbesserungsbedürftig." Schließlich wendet sich die „Vossische Zeitung" gegen die Geheimnißkrämerei und sagt: „Wir haben heute das freie Versammlungsrecht. Was wahr ist und edel, was für die Menschheit und ihre Bestimmung förderlich, das läßt sich heute nicht mehr unterdrücken. Wozu also noch die Geheimnisse, wenn sie ungefährdet offenbar werden dürfen? Und ist die Oeffentlichkeit so ganz werthlos? Man hat sie doch im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts schätzen gelernt. Auch für die Bestrebungen der Freimaurerei ist die Oeffentlichkeit von höchstem Werth. Die Oeffentlichkeit ist die beste Controle; sie schützt vor Spielereien und Verirrungen. Wer im Dienste der Menschheit arbeitet, braucht sich nicht mit Geheimnissen zu umgeben. Ja, wir sind überzeugt, daß ohne Hülle der freimaurerische Gedanke der Duldsamkeit und der Bruderliebe eine größere Schaar von Streitern fände als heute, wo er durch Formeln und Spielereien erstickt zu werden droht." Berlin. Ueber die Neulinge der Antisemiten-Fraction des Reichstages, deren zumeist jugendliches Alter allgemein ausgefallen ist, entnehmen wir Berliner Blättern nachstehende biographische Angaben: Als „Nestor" der Fraction wird der Abgeordnete Lotze bezeichnet. Drei Menschenalter, wie sein griechischer Namensvetter, hat er noch nicht gesehen; er ist erst 57 Jahre alt und was sonst von ihm gemeldet wird, hätte es wohl näher gelegt, ihn den Odysseus der Partei zu neunen. Im Alter folgt ihm dann Herr Lieber, der 53 Jahre alt ist, während die Uebrigen weit jünger sind. Der Benjamin der Antisemiten, HerrHänichen, zählt gar erst 27 Jahre. Besonderes Lob wird dem Abgeordneten Gräfe gespendet, der in Bischofswerda, dem Mekka des sächsischen Antisemitismus, geboren ist. Denn hier haben, wie rühmend hervorgehoben wird, fast sämmtliche Führer und Bahnbrecher der antisemitischen Bewegung, von Stöcker bis Schönerer, gesprochen und der Reformverein der Stadt zählt den Fürsten Bismarck zu seinen Ehrenmitgliedern. Im Juni 1890, wenige Monate nach dem Rücktritt des Fürsten, sendete der Verein ihm durch Herrn Gräfe den Ehrenbrief zu. Es ist nicht bekannt geworden, wie der Fürst die ihm zu Theil gewordene Ehrenbezeugung aufgefaßt hat. Herrn Gräfe aber hat die dankbare Erinnerung an die schönen Stunden, die er damals in Friedrichsruhe verleben durste, auch zu einem Huldigungs-Telegramm an den Grafen Bismarck bestimmt, als dieser am 15. Juni in den Reichstag gewählt worden war. Er selbst, so wird mitgetheilt, siegte bei der Wahl über den Grafen zur Lippe unter dem Feldgeschrei: „Hie Graf, hie Gräfe!" Das ist wenigstens höflicher, als der plumpe Schlachtruf Ahlwardt's von den schindenden Junkern und Juden. Von dem Reste der Partei wird wenig berichtet, doch sollen sie darum nicht weniger bedeutend sein. An Herrn Klemm wird die treue Zugehörigkeit zur Dresdener Reformpartei gerühmt, an Herrn Hänichen die Rednergabe, an Herrn Köhler die volkswirthschaftlichen Kenntnisse, an Herrn Hirschel — ein fataler Name für einen Antisemiten — das organisatorische Talent. Wie sie im Reichstage von ihren Gaben Gebrauch machen, wird die Zukunft zeigen müssen. Genf, 2. Juli. Ein Pendant zu jener berühmten „Berichtigung" eines schwedischen Blattes, wonach aus der Köchin, die sich aus Liebesgramm in Upsala ihren Kopf eingerannt haben sollte, schließlich ein Musketier wurde, der sich in Upsarade im äelirinw tremens erhängte, hat in den letzten Tagen ein Schweizer Blatt geliefert. Dasselbe hatte gemeldet, daß ein russischer Jude K. durch Beschneiden von Goldstücken und dgl. Münzen verfälscht habe. Nunmehr bringt das Blatt folgende Berichtigung: Die kürzliche Meldung über das xLeichtermachen von Goldstücken durch einen russischen Juden K. verdient nich die Bedeutung, welche man derselben vielfach beigelegt hat. K ist kein Russe, sondern Ungar, kein Jude, sondern Protestant." Mehr kann man von einer Berichtigung eigentlich nicht gut verlangen. Natürlich verdient die Sache nunmehr, da der Verbrecher kein Jude ist, wie man gewünscht hat, „nicht die Bedeutung, welche man ihr beigelegt hat." Brüssel, 5. Juli. Der „Etoile belge" zufolge entdeckte die Polizei die Urheber der Dynamitanschläge von Namur in einem Zögling der Jesuitenschule, sowie in einem Lieutenant des 13. Infanterie - Regiments. Die Meldung macht ungeheure Sensation. Bukarest. Aus Bukarest wird von dem antisemitischen Treiben eines hohen rumänischen Sanitätsbeamten, Namens Dr. Felix, erzählt, der ein getaufter polnischer Jude sein soll. Hierzu bemerkt Dr. Deutsch in der „Deborah" : „Gestatten Sie mir, zu bemerken, daß man den polnischen Juden Unrecht thut, wenn man ihnen diesen Herrn aufhalst. Dr. Jakob oder, wie er als griechisch-orthodoxer Christ heißt, Demeter Felix, ist zu Horschitz in Böhmen als Sohn eines jüdischen Lehrers geboren, sein Bruder ist der bekannte nationalöconomische Schriftsteller Ludwig Felix in Wien. Obwohl die Biographie eines solchen Herrn nicht von so hoher Bedeutung ist, um alle Details derselben festzustellen, mag mir diese Bemerkung gestattet sein, da auf Seiten der polnischen Juden in diesem Punkte eine große Empfindlichkeit herrscht, obwohl die psychologischen Motive, welche einen Renegaten veranlassen, seine früheren Genossen zu verfolgen, überall dieselben sind. Also der Sohn eines jüdischen Lehrers in Böhmen und jetzt Judverfolger in Rumänien!! — NermMes. Wien. (Antisemit ische Ausschreitungen.) Wie seinerzeit mitgetheilt wurde, spielte sich am 30. April l. I. auf dem Troppauer Nordbahnhofe eine peinliche Scene zwischen dem Kaufmann Josef P o l l a k und dem antisemitischen B u chhändler.Karl Schwidernoch aus Wien ab, welche mit. dem Abendzuge von Dielhau in Troppau eintrafen und schon unterwegs in einen Wortstreit geriethen. Beim Verlassen des Nordbahnhofes provocirte Schwidernoch eine Rauferei. Er hatte sich Pollak gegenüber geäußert, „ein Jude hat keine Ehre, eine Jude sei ihm Luft", und als er noch weiter gegen Pollak Vorgehen wollte, traten ihm zwei Beamte entgegen, von denen der Eine, Bellak, von Schwidernoch derart mißhandelt wurde, daß er blutüberströmt zusammeüstürzte. Vor dem Troppauer Bezirksgerichte fand jüngst die Hauptverhandlung über die gegenseitigen Klagen statt. Schwiderno ch wurde wegen Uebertretung der körperlichen Beschädigung und wegen der Uebertretung der Ehrenbeleidigung schuldig gesprochen und zu drei Wochen Arrest, Pollak wegen Ehrenbeleidigung zu 5 fl. Geldstrafe verurtheilt. Bellak und Bock wurden freigesprochen. Wien. (Hundertjähriges Jubiläum einer Volksschule.) Der Lehrkörper der städtischen Mädchenvolksschuleim 2. Bezirk, Stefaniestraße Nr. 13, beging gestern Mittags in feierlicher Weise den hundertjährigen Bestand der unter der Regierung Kaiser I o s e f s II. als k. k. Mädchenschule gegründeten Anstalt. Der in einem Lehrsaale abgehaltenen Feier wohntenMinisterialrath Zeineck in Vertretung des Unterrichtsministers, die Landesschulinsepctoren R i e g e r und Hinterwalder, Landesschulrath Doctor K o h n, Stadtrath Dr. Vogler, geistlicher Rath S t e i n b a ch, Religionsinspector Dr. Wimmer und Vertreter des Ortsschulrathes, sowie des Lehrervereins im 2. Bezirk bei. Die Mittelwand des Saales zierte eine Büste des Kaisers, die von einer Gruppe exotischer Gewächse umgeben war. Weißgekleidete Schulmädchen bildeten das Gros der Festtheilnehmer. Oberlehrer F r i e d l gab in der Festrede ein Bild der Entwicklung der Schule, die seit März 1830 in ihrem derzeitigen Heim untergebracht ist, gedachte der gedeihlichen Ausgestaltung der Anstalt seit dem Jnslebentreten des Reichsvolksschulgesetzes und schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, dem Schöpfer und Schätzer der neuen Schulgesetze. — Landesschülinspector Rieger anerkannte hierauf in einer Ansprache an die Festversammlung das ersprießliche Wirken des Lehrkörpers der Mädchenvolksschule, wies auf die patriotischen Pflichten des Lehrerstandes hin und ermahnte die Schuljugend, stets sich das

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