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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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yfr. 28 Oesterreichtsche WochrnschrtN Seite 533 überzeugen zu lassen, ob die von ihm geleisteten Subsidien ihrem bestimmten Zwecke entsprechend verwendet werden, es sollte also Ausgabe der Jnspectoren (die nicht gerade Rabbiner sein müssen) sein, sich zu überzeugen, ob die Gemeinden ihre Kinder hebräisch unterrichten lassen; aber in Gemeinden, in welchen der Localrabbiner den hebräischen- und Religions-Unterricht ertheilt, sollte im Interesse des Friedens und des guten Einvernehmens der Rabbiner untereinander und derselben mit ihren Gemeinden, mit Ausnahme des Landes^abbiners, keinem anderen Rabbiner das Vorrecht eingeräumt sein, als wohlbestallter und gestrenger Jnspector die Leistungen seines Collegen zu inspiciren. Wie wir aus der vorwöchentlichen Nummer dieses geschätzten Blattes (s. Corr. Nikolsburg) ersehen, widerstrebt die neue Jnspectoren- Verordnung in ihrer ausgegebenen Art und Weise auch dem Rechtsgefühle der zwei maßgebendsten Personen der mährischen Judenheit, und diese sind: Se. Ehrwürden Herr Landesrabbiner Dr. Placzek und kaiserlicher Rath Herr Mandl in Brünn. Es kann doch wahrlich nicht als Vergehen angesehen werden, wenn man ebenfalls, gleich den zwei erwähnten Matadoren ein Gegner dieser neuen Institution in ihrer gegenwärtigen Verfassung ist, zumal man dagegen noch mehrere andere Gründe hat, die den Landesrabbiner und den kaiserlichen Rath nicht tangiren. Um nun meiner Ueberzengung Ausdruck zu geben, habe ich die eingangs erwähnten Petitionen mitgefertigt; die unberechtigte und nicht zu rechtfertigende Insinuation, als hätte ich mich von irgend Jemand ins Schlepptau nehmen lassen, muß ich daher 8M6 ira cum studio, aber in aller Entschiedenheit zurückweisen. Uebrigens glaube ich, wenn der anonyme Artikelschreiber die immerhin verhältnißmäßig beträchtliche Anzahl der 19 die Petitionen mitgefertigten Rabbinnen nicht blos gezählt, sondern auch gewogen, Namen und Ruf jener 19 Rabbiner auch nach ihrem Werthe und Gehalte gewürdigt haben würde, würde er — und dies sei zu seiner theilweisen Entschuldigung gesagt — so er sich der Wahrheit nicht ganz hätte verschließen wollen, kaum solch häßliche Verdächtigungen, wie sie jener Artikel enthält, über dieselben erheben können. Sapienti sat. A. Friedmann Rabbiner. Nikolsburg. Verehrter Herr Redacteur! Ich bitte Sie um gütige Aufnahme folgender „S e l b st b e r i ch ti g u n g": Es ist Thatsache, daß Herr Dr. Freimann, Rabbiner in Kanitz nachdem er die Eingabe an das Curatorium unterschrieben, das Mandat als Jnspector angenommen hat; wahrscheinlich deshalb weil kein Rabbinat in seinen Sprengel gehört. Wir werden darüber noch Näheres erfahren. Dr. Feuchtwang. Nachschrift der Redaetion. Durch Abwesenheit des Redacteurs vom Druckorte ist in der vorigen Nummer bei der ersten Zuschrift aus Nikolsburg die Unterschrift des Einsenders, unseres geschätzten Mitarbeiters Sr. Ehrwürden des Rabbiners von Nikolsbnrg, Herrn Doctor D. Feuchtwang, unliebsamer Weise ausgefallen. Wir constatiren, daß das Manuscript mit dem Namen des Einsenders gefertigt war. Berlin, 3. Juli. In der am 29. Juni abgehaltenen Festsitzung der Akademie der Wissenschaften hielt das neuberufene Mitglied der Akademie, Professor Frobenius, die Denkrede auf den im laufenden Jahre verstorbenen Akademiker Kronecker, den bedeutenden Mathematiker. Aus den Nachrichten über sein äußeres Leben sei Folgendes hervorgehoben: 1842 half er als Student in Bonn die Burschenschaft Fredericia begründen. Nachdenl er 1845 mit der Arbeit äs unitatibus complexis zum Doctor promovirt hatte, bewirthfchaftete er ein Gut, um sodann die Leitung eines Bankgeschäfts zu übernehmen. Diese geschäftliche Thätigkeit hat ihn nicht verhindert, einer der ersten Mathematiker unserer Zeit zu werden, besonders erregte seine Vielseitigkeit unter seinen Fachgenossen Bewunderung. Die Berliner Akademie; der Wissenschaften, welche einst einem Moses Mendelssohn die Mitgliedschaft versagen mußte, hatte bereits durch die Berufung von Magnus und Ries bewiesen, daß sie über die Vorurtheile ihrer früheren Periode hinausgewachsen ist. — Unter den Universitätslehrern der Mathematik befinden sich mehrere Glaubensgenossen in hervorragenden Stellungen; der seit 6 Jahren an der Universität Königsberg wirkende Professor Hurwitz war bei seiner Berufung zum außerordentlichen Professor erst 26 Jahre alt, der aus Kowno stammende und ebenfalls in Königsberg ausgebildete Mathematiker Minkowski, Urenkel des Rabbi A. Karliner, löste bekanntlich vor einigen Jahren die mathematische Preisaufgabe der Pariser Akademie der Wissenschaften im Alter von 21 Jahren. Wir erwähnen diese Thatsachen, weil sie auf eine Verwandtschaft der Begabung zur Mathematik mit der Ausbildung des Scharfsinns durch die talmudifche Dialektik hinzudeuten scheinen. Aus Frimmersdorf (Kreis Grevenbroich), wo der Antisemitismus bereits traurige Früchte gezeitigt hat, wird folgende ruchlose That gemeldet. Der 60jührige israel. Handelsmann Emanuel Schönfeld, welcher sich einst recht wohl befand, ging Sonntag, den 4. Juni in der Nähe des Dorfes spazieren. Plötzlich erhält er von einem Manne, der hinter einer Scheune hervorspringt, einen Stich ins Herz, worauf er schon nach wenigen Minuten den Geist aufgab. Der Thäter, 63 Jahre alt, welcher von einem in der Nähe befindlichen Kinde erkannt worden war, wurde sofort verhaftet und nach Düsseldorf transportirt. Er soll seine That bereits gestanden haben. Man glaubt, daß er zu derselben gedungen worden sei. Das „Berliner Tageblatt" bemerkt zu dieser traurigen Nachricht: „Die Motive der That sind nicht bekannt. Doch dürfte man kaum fehlgehen, wenn man dieselben in der in hiesiger Gegend in maßlosester Weise betriebenen antisemitischen Agitation sucht, durch welche namentlich Leute niederen Bildungsgrades in der unglaublichsten Weise gegen ihre Mitbürger jüdischer Confession verhetzt worden sind. Wohin soll ein solches verabscheuungswürdiges Gebühren der antisemitischen Presse noch führen? Es ist wahrlich Zeit, daß dem von berufener Seite mit allen gesetzlichen Mitteln entgegentreten wird." Hierauf entgegnete der Moniteur des Antisemitismus, die „Staatsbürgerzeitung", Folgendes: „WirdeinJudevoneinein „verkommenen Subject" todtgeschlagen, so ist dieses verkommene Subject Antisemit! Wird denn die Regierung noch nicht bald ein menschliches Rühren empfinden und ein Decret erlassen, wonach Mörder, Spitzbuben, Betrüger, Gauner einfach den Antisemiten zuzurechnen sind?" Ja aber verfährt denn dieses Antisemiteublatt nicht jahraus jahrein nach demselben Recept, indem es jedes verkommene jüdische Subject, jeden sittlich verkommenen Wucherer u. s. w. dem Judenthum zurechnet und jeden Schinutzartikel irgend eines coufessionslosen Reporters als Erzeugniß der „Judenpresse" hinstellt! Berlin. (Die Freimaurerei in Preußen.) Tie „Bossische Zeitung" widmet der Freimaurerei in Preußen einen eingehenden Artikel, in welchem sie schreibt: „Der Geheime Regierungsrath Professor Dr. Settegast hat sich das Verdienst erworben, das Privilegium der drei altpreußischen Großlog-n durchbrochen zu haben. Er hat sich zugleich bemüht, in der neuen von ihm begründeten Großloge „Kaiser Friedrich zur Bundestreue" einen Boden zu schaffen, in dem die freimaurerischen Gedanken sich freier entfalten können, als es in den verknöcherten altpreußischen Logen möglich war." Nachdem das Blatt die Hauptgedanken der Freimaurerei erörtert, fährt es fort: „Die Freimaurer, wenigstens die wahren, meinen, daß die gegenseitige Förderung in weltlichen Dingen nur die Hülle höherer Gedanken und Wahrheiten sei. Schon Lessing hat in feinen Gesprächen für Freimaurer diesen höheren Wahrheiten Ausdruck gegeben. Es wäre recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate Männer geben möchte, die nicht glaubten, daß Alles nothwendig, gut und wahr sein müsse, was sie für gut und wahr erkennen. Recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate Männer geben möchte, die über die Vorurtheile der Völkerschaft hinweg wären und genau wüßten, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhört. Recht sehr zu wünschen, daß esin jedem Staate Männer geben möchte, welche bürgerliche Hoheit nicht blendet und bürgerliche Geringfügigkeit nicht ekelt, in deren Gesellschaft der Hohe sich gern herabläßt nnd der Geringe sich dreist erhebt." Und auch heute noch wird man beistimmen müssen: „Recht sehr zu wünschen! Die Duldsamkeit auf religiösem Gebiete, das Gegengewicht gegen nationale und Rasseneinseitigkeit, das Selbstgefühl der freien Menschenwürde gegenüber allen Unterschieden der Geburt, der Bildung und des Besitzes ist auch heute noch ein Ziel, aufs Innigste zu wünschen. Darin liegt der eigentliche Kern der freimaureriscyen Bestrebungen, daß sie die allgemeine Verbrüderung der Menschen als die Aufgabe aller derer hinstellen, die ihren Blick über das Getriebe des alltäglichen Lebens und über die Befriedigung der Nächstliegenden Bedürfnisse zu erheben vermögen. Wird dieser freimaurerische Grundgedanke aber auch in unseren Logen praktisch verwirklicht? Schon Lessing hat darauf für seine Zeit in den angeführten Gesprächen eine Antwort gegeben: „Laß einen aufgeklärten Juden kommen und sich melden:" „Ja" heißt es, „ein Jude?" Christ wenigstens muß freilich der Freimaurer sein. Es ist mir gleich viel, was für ein Christ. Ohne Unterschied der Religion heißt nur ohne Uu-

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