Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020982--02580-3026676
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sk. 28 Vettrrreichische WochenschrN Teste 531 innere Angelegenheit des Judenthums, dem gegenwärtigen Stande des Gesetzes entsprechend, dem eigenen Ermessen der Gemeinden überläßt. Unter solchen Umständen halten wir es für unsere heilige Pflicht, im Namen des Judenthums zu erklären, daß unsere Religion von ihren Seelsorgern in erster Reihe neben religiös-sittlichem Lebenswandel gründliche theologische Kenntnisse auf biblischtalmudischem Gebiete verlangt, die dieselben auch in den Stand setzen, in Wahrheit die religiösen Führer und Berather der ihnen anvertrauten Gemeinden zu sein. War dies schon zu allen Zeiten die erste Vorbedingung zur Befähigung, ein Rabbineramt zu bekleiden, so ist diese Forderung für den ehrenhaften Bestand des Judenthums in unseren Tagen um so dringender und unerläßlicher. Die Gegner des Judenthums ermüden nicht, durch Fälschungen und Entstellungen des Inhaltes unserer Lehre das Judenthum in den Augen der breiten Volksschichten zu verdächtigen und zu schmähen. Müssen da nicht die berufenen geistlichen Führer, die Rabbiner, Männer.sein, welche durch langjährige eingehende und umfassende Studien auf dem ganzen, umfangreichen Gebiete des jüdischen Wissens heimisch sind, die auch wirklich über die nöthigen geistigen Waffen verfügen, um zur Ehrenrettung des Judenthums den Widersachern mit Erfolg entgegentreten zu können? Je leidenschaftlicher unsere Gegner sich geberden, desto gründlicher und gewandter muß unsere Vertheidigung, desto unterrichteter und gelehrter müssen unsere berufensten Vertheidiger, die Rabbiner, sein! Aber auch zur Kräftigung des religiösen Lebens im Innern, zur Erziehung unserer Jugend, des Theuersten, was wir besitzen, zur Festigung und Hingebung an unseren Glauben bedürfen wir heutzutage mehr denn je Männer, die voll und ganz ihrer Aufgabe gewachsen sind, die ein gründliches Wissen mit der Liebe zur erhabenen Lehre des Judenthums verbinden, wenn nicht die Heranwachsende Jugend unserer Religion entfremdet werden soll. Wie könnte nun gerade in unserer Zeit das Unglaubliche geschehen, daß Leute, welche mit rabbinischen Studien sich nie ernstlich befaßt und für den Rabbinerberuf sich nicht vorbereitet haben, die auch sonst nicht auf der Stufe eines geistlichen Gemeindeführers stehen und bis auf die jüngste Zeit in ihrer ganzen Umgebung nur als Lehrer, Cantoren und Schächter bekannt sind, mit einem Male als Rabbiner angestellt werden sollen? Würde damit nicht unser Glaube aufs Empfindlichste geschädigt und entwürdigt und würde nicht unseren Gegnern eine Waffe in die Hand gegeben werden, indem sie ihren Anhängern zurufe": Was kann an einer Religion Gutes sein, deren Seelsorger selbst den geringsten Anforderungen, die man an die Vertreter eines so hohen heiligen Amtes zu stellen berechtigt ist, in keiner Weise genügen?! Unstreitig dürfte es unter den Lehrern, welche mit dem Dispens von dem Nachweise weltlicher Bildung versehen sind, so manche geben, welche eine gediegene, oder wenigstens genügende theologische Bildung besitzen und die durch jahrelanges, verdienstvolles Wirken, sowie durch edle Charaktereigenschaften des Rabbineramtes sich würdig zeigen können. Aber wie sollen die Gemeinden entscheiden zwischen Falsch und Echt, Würdig und Unwürdig? Darum richten wir zur Ehrenrettung des Judenthums unsere Bitte an Sie, die dahin geht: Die löbl. Cultusgemeinden wollen bei der Ausstellung ^ines von dem Nachweise weltlicher Bildung dispensirten Rabbiners die Autorisationszeugnisse desselben behufs Prüfnngund Begutachtung an das ehrwürdige O b er - Rab b in at in Prag einsenden und die Rab b in erwähl erst nach dessenunparteiischem Ur theilevorn eh men. Keine swegs sollten der Gemeinde Autorisationszeugnisse genügen, welche ein einzelner beliebiger Rabbiner ausgestellt hat. Allenfalls wäre es rathsam und für die Gemeinden selbst gedeihlicher, wenn diejenigen Gemeinden, welche aus dem einen oder anderen Grunde einen wirklich qualificirten Rabbiner anzustellen nicht in der Lage sind, von dem durch das Gesetz gebotenen Auswege Gebrauch machen und sich einem benachbarten Rabbinate anschließen wollen. Schließlich möchten wir es mit allem Nachdrucke noch betonen, daß uns nichts ferner liegt, als die Cultusbeamten der kleineren Gemeinden in irgend einer Weise zu schädigen; Niemand würde eine Schädigung derselben mehr bedauern, als wir Rabbiner. Nur sollen sie auch weiter in ihren Aemtern und in ihrer bisherigen Stellung verbleiben, wofür sie auch nach wie vor in den Gemeinden nothwendig sind. Die Gemeinden aber dürfen und sollen nicht, sofern sie nicht die Würde des Judenthums herabsetzen und die eigene Achtung in den Augen der andersgläubigen Mitbürger verlieren wollen. Unberufenen und Unbefugten den Titel und das Amt eines Rabbiners verleihen. Möge Gottes Schutz auch in dieser für die israelitischen Cultusgemeinden so entscheidunqsvollen Zeit gnädig walten. Prag, im Juni 1893. Im Aufträge: Dr. N. Ehrenfeldt na. p. Oberrabiner in Prag. Dr. A. Kurrein, Rabbiner in Teplitz. D r. S. B a ck, Rabbiner in Lmichow. Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad. D r. P o s n a n s k i, Rabbiner in Pilsen. A. Lengsfelder, D r. Grün, Rabbiner in Reichenau. Rabbiner in Prag. Jglau, 6. Juli. Unter dem Titel: „Die Ueberwachung des Religionsunterrichtes in Mähren" brachte die letzte Nummer der in Wien erscheinenden „Neuzeit" eine aus Brünn datirte, anonyme Correspondenz, deren Tenor nicht verfehlen wird, in allen jüdischen Kreisen, wo man gewohnt ist, interne Fragen mit der gebührenden Schonung der gegnerischen Gefühle ruhig und würdevoll zu erörtern, das peinlichste Aufsehen zu erregen. Aus sicherem Verstecke schleudert da der Cörrespoudent allerlei plumpe Geschosse zunächst gegen den Nikolsburger Rabbiner, Herrn Dr. Feuchtwang, mittelbar aber auch gegen jene seiner Collegen, welche, selbstverständlich vollkommen spontan, die bewußten Zuschriften mitunterfertigt haben. Wir sind überzeugt, daß jene Geschosse gerade wegen ihrer Plumpheit, auf halbem Wege niedersausen, ohne ihr Ziel zu erreichen. Der Ritter mit geschloffenem Visir hätte aber doch soviel Ritterlichkeit verrathen sollen, zu erwägen, daß auch die gerechteste Sache, wenn sie mit derartigen Waffen, mit Juvectiven und Verdächtigungen, verfochten wird, die empfindlichste Einbuße erleiden muß. Ist aber die Sache, die mit so unbegreiflicher Vehemenz vertheidigt wird, wirklich eine gerechte? Ist es gerecht, wenn man den Ortsrabbiner aus seinem ureigenen Wirkungskreise gewaltsam hinausdrängt und ihn unter die Controle eines Collegen stellt? Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die Herren Delegirten bei der Creirung der neuen Schulaufsicht von" edlen Motiven geleitet wurden und daß ihnen die Hebung des jüdischen Wissens ans Herz gewachsen ist. Sind sie aber deswegen in der Wahl der Mittel zur Erreichung jenes Zweckes unfehlbar? Und dürfen nicht die mährischen Rabbiner in einer Frage, die sich für manche derselben zu einer moralischen Lebensfrage zuzuspitzen droht, ihrer Meinung Ausdruck geben? Wissen es doch die Delegirten recht wohl, daß die mährischen Rabbiner für die Hebung und Förderung des Religions-' Unterrichtes mit selbstloser Hingebung und Aufopferung jederzeit eintreten, und daß es nur die anhaltende Ungunst der Zeitströmung ist, die den Erfolg ihrer aufreibenden Arbeit in der empfindlichsten Weise trübt und beeinträchtigt. In welcher Richtung, fragen wir nun, könnte sich wohl der neue Jnspectionsmodus in solchen Gemeinden förderlich erweisen, wo der Religionsunterricht von dem Ortsrabbiner selbst ertheilt oder überwacht wird? Sind die pädagogisch-didactischen Anschauungen des Vertrauensmannes mit denen des Ortsrabbiners congruent, dann ist der Jnspector vollkommen überflüssig; treten da wiederum Differenzen hervor, dann erscheint die tief gehende Verstimmung mtra muros et extra für die Dauer unvermeidlich und der Friede im Schoße der Gemeinde gefährdet. Bon solchen Erwägungen geleitet, hat der Nikolsburger Rabbiner, Herr Dr. Feuchtwang, die bewußte, wohl motivirte Petition eingebracht. Wir betonen die Worte: wohl motivirte, denn das Friedensmotiv ist und bleibt das denkbar kräftigste und muß am gewichtigsten in die Wagschale fallen. „Lo maza Hakadnsch barnch hu kli ha-machsik brachah IJisrael ela ha-sehalom,u Rabb. Dr. Ung er. Ung.-Brod, 7. Juli. („Die Ueberwachung des Religionsunterrichtes in Mähren.") Seit Wochen wird, nun die Frage erörtert, ob die von der Delegirtenversammlung der mährischen Gemeinden beschlossene Jnspicirung des Religions -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.