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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-14 · 28 (14.7.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
28 (14.7.1893)
Date
1893-07-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 530 Oesterreichffchr Wochenfchrist Nr. 28 zu wollen, einen bösen Streich gespielt. Die Schlosser konnten bis jetzt ohne Anstand Telephon- und Telegraphenleitungen montiren. Herr Schneider in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Mechaniker-Genossenschaft fand jedoch, daß zu der Installation elektrischer Apparate Kenntnisse gehören, welche der Schlosser nicht besitze, und beanspruchte diesen Erwerb als Monopol für die Mechaniker-Genossenschaft. Es entspann sich zwischen beiden Genossenschaften in dieser Angelegenheit, die mehrere hundert Schlossermeister in ihren vitalsten Interessen berührt, ein Gewerbekrieg, der durch alle Instanzen mit großer Heftigkeit geführt wurde. Die mederösterreichische Handelskammer entschied in ihrem Gutachten zu Gunsten der Schlosser-Genossenschaft. Allein Schneider ruhte nicht, er ging bis an den Verwaltungsgerichtshof, und dieser hat zu Gunsten der Mechaniker entschieden, und zwar mit der Motivirung, daß die Installation elektrischer Apparate von gewissen Kenntnissen abhängig ist, welche durch das Schlossergewerbe allein nicht erworben werden können. Auf Grund dieser Entscheidung hat Schneider die Vorstehung der Schlosser-Genossenschaft aufgefordert, den Mitgliedern, welche sich mit Telephon- und Telegraphenanlagen befassen, den Weiterbetrieb dieses Gewerbes zu untersagen, da die Mechaniker-Genossenschaft unbedingt gegen diejenigen Schlosser die Anzeige erstatten würde, welche Telegraphen- und Telephonleitungen machen würden. Die Genossenschaft der Schlosser sah sich nun genöthigt, ihre Mitglieder, von denen viele durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes auf das Empfindlichste betroffen wurden, von derselben zu verständigen. Karlsbad. (Ein Industriezweig im Dienste des Antisemitismus.) Nebst dem Buchdruck ist es nur die Porzellan-, Majolika-und keramische Industrie, die sich in den Dienst des Antisemitismus gestellt hat und dem Rassenhasse Schergendienste leistet. Und da sind es wieder zumeist oder ausschließlich Industrielle dieser Branche des deutschen Erzgebirges. In den Schauläden Karlsbads findet man überall Teller, Tassen, Schüsseln u. s. w. mit Carikaturen polnischer Juden häßlichster und empörendster Art, würdig der Phantasie eines Höllenbreughel. Wie beschämend, zurücksetzend und verletzend dies für die jüdischen Kurgäste im Allgemeinen und für die polnisch-jüdischen insbesondere ist, braucht wohl nicht erst geschildert zu werden. Freilich, wenn durch den Buchdruck in den antisemitischen Blättern die tägliche Judenhetze frank und ftei geübt werden darf, dann ist es wohl nicht befremdend, daß man die Juden auch „plastisch" ungestraft insultirt. Karlsbad ist aber ein Weltcurort, zumindest macht es Anspruch auf dieses Prädicat und da sollte man doch meinen, daß schon die einfachste Rücksicht der Curtoisie und Manier es erforderlich erscheinen lasse, Kurgäste, welche von weiter Ferne kommen und die Karlsbader bereichern, gegen eine derartige empörende, die Gastfreundschaft verhöhnende Unsitte, wie sie kaum bei den Barbaren anzutreffen sein dürfte, in Schutz zu nehmen. Allein es geschieht in dieser Richtung von keiner Seite was. Der Stadtrath, in welchem auch einige Juden Sitz und Stimme haben, scheint entweder für die continuirliche Beschimpfung einer großen Zahl der Kurgäste kein Verständniß zu besitzen, oder er duldet dieselben nach guten Mustern. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde dagegen befolgt die Vogel-Strauß-Politik, welche eigentlich den Antisemitismus großgezogen und die es verschuldet hat, daß derselbe ein Machtfactor geworden, der freilich jetzt unbequem ist. Schließlich muß dem Scandale denn doch ein Ende bereitet werden, und die Karlsbader Juden ebenso wie die nach Karlsbad zur Kur kommenden auswärtigen Juden sind keine bessere Behandlung werth, wenn sie nicht gegen die ihnen bereiteten Insulten mit aller Energie remonstriren. 8. Neichenberg. Die Neichenberger Deutschnationalen gegen den Fürsterzbischof Dr. Kohn von Olmütz. Die Anhänger der Herren Dr. Schücker und Prade, welche allerdings seit jeher in jeder Beziehung das Programm Schönerer's befolgten, haben nach der erzbischöflichen Feier in Olmütz folgende Auslassung in ihrem Organ „D. Volksztg." geboten: „Der neue Erzbischof von Olmütz aus Abraham s Stamme erfreut sich allerlei Auszeichnungen, die ihm in geradezu ostentativer Weise dargebracht werden. So fand in Olmütz ein von der deutschen Stadtgemeinde veranstalteter Fackelzug zu Ehren des Erzbischofs Dr. Kohn statt, den die Stadtgemeinde, die deutschen (!) Körperschaften und Vereine eröffneten. Kohn nahm vom Balcon der Residenz die Ovation der eintausendzweihundert Fackelträger entgegen. In seiner Gesellschaft befanden sich Statthalter Löbl und Landeshauptmann Graf Vetter. Die „Deutschen" defilirten unter Hochrufen, die Czechen unter Slavarufen. Das müssen merkwüroige Deutsche sein in Olmütz, die sich dazu hergeben, einem Erzbischof Kohn mit seiner ausgesprochen czechischen Gesinnung ihre Huldigung darzubringen! Aus den Zeitungsberichten ist allerdings nicht zu ersehen, ob nicht die „deutschen" Fackelträger Namen tragen, wie „Gold- und Silbermann, Lilien- und Rosenzweig, Pinkeles und Porkeles" u. dgl., in welchemFalle die Ovation begreif! ich wär e." Cieszanow. Graf Stanislaus Tarnowski hat auf dem Krakauer Katholikentage einen Bortrag gehalten, den er „Gefahren, die der Kirche in Galizien drohen", benannte. Zu diesen Gefahren zählte er auch die Juden. Das ist mir wirklich neu! Die katholische Kirche vom Judenthume, nein, von Juden bedroht! Graf Tarnowski sagte, die Juden seien schon ihrer religiösen Stellung gemäß Feinde der Kirche? Es gäbe heute keinen antikirchlichen Verein, keine andere den Katholiken gegenüberstehende Fraction,- die nicht Juden zu ihren Mitgliedern zähle, die ganze antikatholische Presse, sagt er, sei in jüdischen Händen; als ob David Strauß, Voltaire, Darwin, Johannes Scherr u. f. w. „Juden" wären, und sollten die Juden vielleicht für Wiederherstellung des Concordats, des Ghettos arbeiten? Er wirft ihnen vor, daß sie liberal feien, als ob das ein Vorwurf wäre, nur einzig weil es zu ihrem Vortheil zu fein scheint. Zur Abwendung dieser drohenden Gefahr empfiehlt der Graf nicht das beliebte radicale Mittel, den Antisemitismus, nein, er verwahrt sich ausdrücklich gegen ihn. Man kennt ja das Geschichtchen von den ungastlichen Leuten, denen der Wanderer wünschte, daß sie alle Herren sein sollten. Galizien ist nicht mehr vor dem Antisemitismus zu behüten! Der Herr Graf beweist ja das selbst, in denl er den Antisemitismus verpönt und den Judenhaß predigt. Er empfiehlt ihnen, Handel und Gewerbe, „welche sie vor Jahrhunderten der polnischen Nation entrissen", zu nehmen. Soll ich erst den Universitätsrector darüber belehren, was er selbst besser weiß, daß Polen diese beiden Worte gar nicht kannte und sie erst von Juden ins Land gebracht wurden? Handel und Gewerbe soll man ihnen entreißen, durch Gründung von Consumvereinen, durch th eureres Bezahlen bei Christen, sagte er ausdrücklich. Nun, damit werden wohl die Juden geschädigt werden, aber wem wird geholfen? Den Consumenten vielleicht? — Durch theurere Bezahlung?! Den Zwischenhändlern, den nichtjüdischen? Gibt ja der Graf selbst zu, daß die Juden, vermöge natürlicher Anlage zu diesem Geschäfte — und ich sage auch zu anderen, wenn man sie nur zuließe — tauglicher sind, als ihre christlichen Concurrenten. Da wird ja der kleine Profit für die ungeschickten Zwischenhändler so wie so verloren gehen und nur dem Großhändler, dem Großproducenten zu Gute kommen. Endlich warnt er, den Grundbesitz nicht in jüdische Hände gelangen zu lassen; dieses ist wohl überflüssig, denn die Grundbesitzer haben bereits aus der Concurrenz der Juden auf den Bodenbesitz ihren Vortheil gezogen. Am Ende tröste ich mich damit, daß der Herr Graf Tarnowski vor Jahren einen übrigens seither wieder in christliche Hände übergegangeuen Gütercomplex einem Juden verkauft hat, weil, nun weil es ihm so vortheilhafter war. Ich hoffe daher, daß ihm seine Landsleute darin nachthun werden, sich in diesen Dingen einzig von ihrem Vortheile leiten zu lassen und der ist, die Juden nicht so zu behandeln, wie sie es Graf Tarnowski lehrt.— Armin Malleus. Prag. (Zur Constituirung der israel. Cultusgemeinden i n B ö h m e n.) An. die Gemeinden in Böhmen ist vor einigen Tagen folgende Zuschrift ergangen, der wir den besten Erfolg wünschen: An die löbl. israel. Cultusgemeinden in Böhmen. Nachdem die Abgrenzung der Cultusgemeinden behördlicherseits nunmehr erfolgt ist, soll auch jede anerkannte Gemeinde ihren Rabbiner wählen und denselben der Behörde als ihren geistlichen Vertreter namhaft machen. — Nun wurde bekanntlich vielen Lehrern, Cantoren, Schächtern über deren Einschreiten behördlicherseits der Dispens von dem Nachweise des zur Bekleidung eines Rabbineramtes in Böhmen erforderlichen Maßes allgemeiner weltlicher Bildung ertheilt. Um das theologische Wissen und den religiösen Lebenswandel kümmerte sich die Behörde nicht, indem sie das Urtheil über Beides als eine

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