Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 28 (14.7.1893)
- Date
- 1893-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 528 •ft -flninmT ili TTriti n TWU i l Ji i . i T* 1 ■ 1 lIKf Vrpbrrrutztjvxe MortzrnfltziM Nr. 28 de Stelle spielte um 1575 eine gar wichtige Rolle am Dresdener Hofe — eine ähnliche fast, wie Leonhard Thurneyßer in Berlin. Wir besitzen, angeblich von ihm, eine „Weissagung von der Zukunft des Hauses Wettin", mit handschriftlichen Zusätzen von Cursürst August selbst vermehrt. Sie beginnt mit dem bekannten kabbalistischen Gallimathias, prophezeit dann August's baldigen Tod — er erfolgte jedoch erst 1586 — verkündet dann das Elend des 30jährigen Krieges — „das Land wird fast verzagen wollen" — und weiter eine glänzende Erhebung zu Ende des 17. Säculi. Haus Sachsen wird die Königskrone erringen und behalten; „ehe aber Adonaj sein Reich mit dem Untergange dieser aus Feuer und Salz — aus Plutonischen und neptunischen Gebilden — bestehenden Welt ausführt, wird eine geringe jedoch vor Gott sehr große Person sich einstellen, welche der letzte Regent vom Curstamme sein wird." * * Hofprediger sonst und jetzt. Die erste hebräische Buchdruckerei in Berlin legte merkwürdiger Weise der 1693 zum Hofprediger berufene Dr. Daniel Jablonski an. Dieser Geistliche war ein großer Orientalist. Mit Leibnitz betrieb er die Errichtung der Societät der Wissenschaften und wurde Director ihres orientalischen Departements, 1733 sogar Präses der Societät. Die Niederlassung der Juden in der Mark seit 1671 gab ihm brauchbares Material an Setzern und Leitern für die hebräische Buchdruckerei. Unter den eingewanderten Juden hatte sich ein ziemlich literarisches Leben entwickelt. Die Kabbala- Schwärmerei war damals in Berlin sehr groß. Geweckt hatte dieselbe ein gewisser Jakob aus Wilna, den die Brandenburger 1686 bei der Eroberung Ofens gefangen genommen und nach Berlin gebracht hatten, wo ihn seine Glaubensgenossen auslösten. Er war ein A..Hänger des 1676 verstorbenen Sabatthai Zewi, welcher als Messias aufgetreten war und der unter den Juden weit und breit Anerkennung gefunden hatte. Kabbalistische Spielereien waren seitdem in Berlin im Schwünge. Zur Krönung 1701 hatte Wolf Simon Brandeis dem Könige eine Festschrift gewidmet, in welcher er durch kabbalistische Zahlenspielereien nachwies, daß bereits im 21. Psalm die Erhebung des Curhauses Brandenburg zur Königswürde, ja selbst Ort und Tag der Krönung vorausgesagt sei. Der König nahm die Schrift gnädig entgegen und ließ über dieselbe seinen gelehrten Hvfprediger ein Gutachten abfassen. Der feine Hofmann bezeichnet die Schrift „als des Druckes nicht unwerth, zumal der Mann nach dem Genie seiner Nation nicht leicht etwas Besseres und Sinnreicheres unserem allergnädigsten König zu Ehren hätte beibringen können." Selbst der Rabbiner Simon Berndt approbirte ein kabbalistisches Werk und nannte es „süß und angenehm wie vom Sinai hinabgeflossen." Und einem anderen Kabbalisten, Nechemja Chajim, der im Jahre 1713 aus Palästina kam, approbirte der Rabbiner Aron Benjamin Wolf, ein Werk „Gottes Macht", in welchem er die Dreiheit des göttlichen Wesens nachwies. Aron Samuel, Branntweinbrenner und Bierbrauer, fchrieb eine Bibel-Concordanz und überreichte sie dem Curfürsten; Levin David, ein Buchdrucker, verfaßte eine hebräische Grammatik. Von 1697 bis 1734 erschienen in Berlin drei Talmudausgaben, die eine von Dr. Jabronski selbst (1715—1721). Seiner Druckerei, aus der auch eine hebräische Bibel hervorging, standen Levin David und Wolf Salomon vor und es arbeiteten in ihr jüdische Setzer. * * * Die Juden und die Salzburger, einen Artikel von Dr. I. Aronius in der „Allg. Ztg. d. I.", entnehmen wir nachstehende Reminiscenzen: Wie bekannt, wurden 1732 die Salzburger Protestanten ihres Glaubens wegen unter schweren Bedrückungen aus ihrer Heimat vertrieben. Die meisten von ihnen fanden Zuflucht beim König von Preußen, der ihnen besonders in Ostpreußen Wohnsitze anwies und ihnen die Mittel gewährte, sich eine nene Existenz zu gründen. Auf der langen Reise wurden die armen Ausgewiesenen, denen es oft am Nothwendigsten fehlte, von ihren Glaubensgenossen mit hingebender Liebe unterstützt, wie es in Goethe's „Hermann und Dorothea" unvergleichlich geschildert ist. Weniger bekannt ist es jedoch, daß auch die Juden sich der Flüchtigen annahmen und sie noch Kräften unterstützten. In der sehr ausführlichen Darstellung, welche Göcking schon 1734 den Schicksalen der Salzburger gewidmet hat, wird über die Juden Folgendes berichtet: Die erste Begegnung zwischen Juden und Salzburgern fand in dem katholischen Dorfe Klein-Nördlingen statt. Dort hatten die Einwohner die Eimer vom Brunnen abgenommen. Die Juden aber, die ihren besonderen Brunnen hatten, führten die Salzburger zu diesem und gaben ihnen außerdem Bier und Brot und nach ihrem geringen Vermögen auch noch Geld. Die Juden in Gunzenhausen waren selbst blutarm, brachten aber doch zwei Reichsthaler zusammen. In Harburg (in Bayern) beschenkten sie sie nicht nur, sondern beherbergten sie auch. Aehnliches geschah in Hildesheim, Weimar, Frankfurt a. O. In Regensburg erbot sich ein Jude Salomon, zwanzig Salzburger auf seine Kosten zu verpflegen. Der Rath gab ihm nur zwölf, diese verpflegte er aufs Beste und beschenkte sie reichlich. Zu Halberstadt sammelten sie 36 Thaler, und Alles in Allem gaben sie nach und nach beinahe 150 Thaler. Besonders aber rühmt Göcking von ihnen, daß sie aus freien Stücken in der Synagoge ausrufen ließen, der solle verflucht sein, der den geringsten Profit an diesen Leuten suche. In Nauen stand eine Jüdin auf der Straße und theilte den Vorbeiziehenden Gaben ans. Ein kranker Mann lehnte ihre Spende ab, weil es ihm, wie er später erzählte, geschienen, daß die Frau ärmer sei als er und das Geld nöthiger brauche. In Berlin sammelten die Juden 33 Thaler 8 Groschen am Tage nach der Ankunft des ersten Trupps Salzburger, nachdem sie ihnen schon bei ihrem Einzuge Vieles zugeworfen. Die Frauen schenkten 204% Ellen Leinwand mit der Bitte, daß bei der Austheilung auch die Aeltesten und Aermsten nicht vergessen werden möchten. Ein Fürther Jude gab allein über hundert Gulden. Die Juden in der Landgrafschaft Hessen-Kassel sammelten sogar viertausend Thaler. In Nymwegen sammelte der Bankier Benedict Levy Gompers für sie 1200 Gulden. Endlich wird Aehnliches noch von den Juden in Bamberg, Würzburg, Coburg, Bahn, Danzig und Königsberg berichtet. An dem letztgenannten Orte schenkte ihnen Moses Levin zwei Oxhoft Wein zur Erquickung. Kurz „allenthalben", sagt Göcking, „wo Juden wohnten, erwiesen sie diesen Flüchtlingen alle Liebe". Em're.HmräenLen. Wien. Zu dem großen Arbeiter-Meeting im Rathhause war neben den übrigen Wiener Abgeordneten auch der Ritter Stampiglius geladen. Derselbe zog es jedoch vor, an diesem Tage „in dringenden Familienangelegenheiten" nach Seitenstetten zu reisen und in einem Schreiben an das „Deutsche Bolksblatt" sein Nichterscheinen damit zu motiviren, daß sich unter den Einberufern der Versammlung auch die Juden Adler, Ellenbogen und — Rothschild befinden. Es ist der alte Blödsinn, der da dem „dummen Kerl von Wien" immer von Neuem vorgesetzt wird — daß nämlich die sogenannte „goldene Internationale" sich längst der „rothen Internationale" versichert hat. Dieser Rothschild ist doch ein furchtbar confuser Mensch! Er weiß ganz gut, daß sich das allgemeine Wahlrecht gegen die Vorrechte der besitzenden Classen wendet, daß ihm, wenn nur einmal erst die Massen zur Mitbestimmung der staatlichen Aufgaben berufen sein werden, seine Millionen nichts nützen werden. Und er weiß es doch, daß die Arbeiter beim allgemeinen Wahlrecht nicht stehen bleiben, sondern die ganze heute bestehende Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung Umstürzen wollen und dennoch beruft er mit Dr. Adler und Dr. Ellenbogen zusammen eine solche Versammlung ein. Der Ritter Stampiglius weiß ganz genau, was er den vertrottelten Lesern des „Deutschen Volksblatt" zumuthen darf. Sogar davon darf er sprechen, daß das allgemeine Wahlrecht die Bestimmung strenger Kerkerstrafen fürWahlbestechungen und Wahlbeeinflussungen zur Voraussetzung haben müsse. O, Herr Ernst Schneider ist in diesem Punkte Fachmann, und wenn es wirklich einmal zur Ausarbeitung eines solchen Gesetzes in Oesterreich kommen sollte, dann empfehlen wir der Regierung, diesen Herrn als Experten beizuziehen. Der Stimmzettel- und Stampiglienfälscher, derMann, auf welchem noch immer der ungesühnte Schimpf ruht, daß er ins Zuchthaus gehöre, der Colporteur des Blutmärchens mit den entsprechenden Illustrationen dazu — wer wäre wohl besser berufen als er, in sittliche Entrüstung darüber auszubrechen, daß sogar Abgeordnete straflos gegen ihre Ueberzeugung stimmen dürfen? Ja, dieser Mensch kennt sein Publikum ganz genau, er weiß, daß es der Lüge, der Fälschung, dem Diebstahl, dem confessionellen Morde zujubelt und daß der pyramidalste Unsinn nicht pyramidal genug ist, um nicht geglaubt zu werden. Im Uebrigen sei constatirt, daß der antisemitische Abgeordnete PolzHofer dem Arbeiter-Meeting beigewohnt hat und daß die Antisemiten Lueger und Hauck Entschuldigungsschreiben