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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-07-07 · 27 (7.7.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
27 (7.7.1893)
Date
1893-07-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 27 Vesterreichifchr Wmtzenschriy Seite 519 gegeben und mit Erläuterungen versehen von Salomon Buber. Wien, bei CH. D. Lippe, Buchhandlung, II-, Praterstraße 13. Bei den unausgesetzten Angriffen auf das rabbinische Schriftthum auch noch in der Neuzeit, wo dies, nachdem jetzt den Juden alle Gebiete des Wissens offen stehen, nicht mehr wie im Mittelalter der einzige Lehr» und Lernstoff zu sein braucht, um den Geist wach zu halten — ist es zu verwundern, daß dieses Schriftthum überhaupt doch noch Auflage um Auflage erlebt, in Massen von Exemplaren, wie kaum früher, und nicht schon in die Rumpelkammer veralteter und der Vergessenheit anheimgegebenen Literaturen geworfen wurde. Noch mehr Wunder ist es aber, daß noch nach neuen, bisher unerschlossenen Quellen dieses rabbinischen Schriftthums eifrig gesucht wird, und wenn wir eine solche entdecken, uns darüber freuen, wie ein Volk, das noch gar keine Literatur besitzt, über einen alten literarischen Fund, obwohl keine Literatur der Welt schon einen solchen weiten Raum einnimmt, wie die rabbinische. — Welche Schätze muß aber das rabbinische Schriftthum bergen, wenn selbst eine Nachlese darin noch so Werthvolles findet, daß Werke, die seit Hunderten Jahren von der Buchdruckerkunst übergangen wurden, bei ihrer nunmehrigen Veröffentlichung für würdig gehalten werden, von christlichen Gelehrten für christliche Theologen in die modernen Sprachen übersetzt zu werden, wie es jüngst Professor Wünsche mit dem kaum erschienenen Midrasch Thillim mit den neugefundenen Ergänzungen machte, daß er dieses Werk sofort ins Deutsche übertrug. Fürwahr! Es ist diese Thatsache die gründlichste Widerlegung der Angriffe aus die rabbinische Literatur. Der eifrigste Gräber nach solchen neuen Schätzen des rabbinischen Schrfftthums und der glücklichste Finder derselben ist S a l o m o n Buber. Sein Name ist jedem Kenner der jüdischen Literaturgeschichte geläufig, so daß, wenn auf dem eingangs angezeigten Werke auch nicht Salomon Buber als Herausgeber genannt wäre, man ihn sofort errathen würde. An diesem Werke haben sich aber die Leistungen dieses doppelt — mit Reichthum und Wissen — gottbegnadeten Gelehrten im schönsten Lichte gezeigt: seine finanziellen Opfer für die Sache und sein Aufwand an Mühe, Fleiß und Gelehrsamkeit, um den erworbenen Schatz der Gelehrtenwelt zugänglich zu machen, . Herr Buber hat die Handschrift des vorliegenden Werkes in keiner Bibliothek gefunden, sondern sie ums theuere Geld von einem Privaten erworben, der sie aus Aleppo brachte und ihren Werth verstand. Leider fehlten schon viele Blätter und besonders bedauerlich ist, daß so viele Blätter am Ende fehlten, wo bei Handschriften der rabbinischen Literatur in der Regel der Name des Verfassers und das Datum der Vollendung angegeben ist. Man kann daher über den Verfasser dieses Midrasch und die Zeit seines Lebens nur Vermuthungen aussprechen. Das Werk dürfte von Rabbi Mosche H'darschon herrühren. dessen Raschi so oft erwähnt. Mag aber der Verfasser wer immer sein, jedenfalls war er ein genauer Kenner der rabbinischen Literatur bis zum elften Jahrhundert, von der ein großer Theil verloren gegangen, und selber ein großer Darschan, der viel aus Eigenem schöpfte. Herr Buber unterzog sich der Mühe, diegräulichcorrumpirteHandschriftvon Schreibfehlern zu reinigen und druckfähig zu machen, unverständliche Abkürzungen ganzer Sätze zu vervollständigen, Ausgänge und Anfänge zu machen, Capitel und Verse hervorzuheben u. s. w., u. s. w. und entfaltet unter dem Striche in Anmerkungen seine seltene Belesenheit auf dem ganzen Gebiete der jüdischen Literatur und die Schärfe seines kritischen Geistes, worin er ein besonders Auserwählter in der jüdischen Gelehrtenrepublrk ist. Den Namen „Midrasch Agadah" hat Herr Buber diesem neuen Funde selbst gegeben nnd hoffentlich wird dieser Midrasch Agadah bald unter d?n anderen Midraschim eine hervorragende Rolle einnehmen und Herr Buber in dem gerechten Beifalle der Gelehrten den wohlverdienten schönsten Äohn seiner Opfer und Mühen finden. „Midrasch Samuel". Agadische Abhandlung über das Buch Samuel. Herausgegeben nach Constantinopler (1522) und Venezianer (1546) Editionen, mit Vergleichungen der Lesearten der Parmaer Handschrift eoä. 563, kritisch bearbeitet, commentirt und mit einer Einleitung versehen von Salomon Buber, Krakau, Verlag von Josef Fischer. (Wien, Buchhandlung Lippe, II., Praterstraße 13.) Herr Buber hat sich mit der Herausgabe dieses Midrasch, dessen frühere Auflagen vor mehr als vierhundert Jahren heute schon zur großen Seltenheit geworden, ein hohes Verdienst um die jüdische Literatur erworben. Denn der Midrasch Samuel ist einer der ältesten Midraschim und eigenartig in der Form. Es wird darin nicht, wie in anderen Midraschim, Vers um Vers erklärt, mit den Ausdrücken des betreffenden Verses als Spitzmarke zu der Erklärung, sondern es werden in sich abgeschlossene Deruschim avsgeführt, jeder Derusch wird mit einem ganz eigenen Bibeltext eingeleitet, an den sich wie in einer Guirlande Blume an Blume, Agada an Agada reiht, bis endlich eine Agada kommt, die auf den Text im Buche Samuel Bezug hat und gleichsam die Pointe des ganzen Derusch bildet. Es ist dieser Midrasch Samuel ein Vorläufer, der um Jahrhunderte später sich entwickelten Deraschah und der heutigen Predigt, der jüdischen Predigt der Wiener Schule, die noch Berührungspunkte mit der Deraschah hat. Was Herr Buber als Herausgeber bedeutet, ist bekannt. Er hat aus den zwei alten Auflagen und der Parmaer Handschrift, welche ein Unikum ist, die richtigsten Lesearten gewählt und mit sicherer Hand, alle noch sich vorfindenden Fehler aufgegriffen und unter Klammern seine Verbesserungen gesetzt; ferner, wie bei allen von ihm edirten Werken, das Ganze übersichtlich geordnet und in Ober- und Unterabtheilungen gebracht, bei den angezogenen Bibelversen die Stellen angegeben, wo sie gefunden werden; und endlich in Noten am Fuße jeder Seite die Quellen in den beiden Talmuden und den anderen rabbinischen Schriften bezeichnet, aus welchen die Agadas geschöpft sind, und, wo es nothwendig ist, den Sinn oder das Wort erklärt. In einer Buber'schen Edition kann ein Werk ja nur in der möglichsten Vollkommenheit erscheinen. Und so können wir denn auch für diesen Midrasch Samuel dem Editor herzlich danken. ,,Or Chadasch". Heft 6. Commentar zu den P s a lmen von Berisch Goldenberg. Taruopol, im Verlage des Verfassers. 1893. Es dürfte so Manchem dünken, es seien die zahlreichen Schriften und Commentare über die heiligen Schrfften nicht mehr zu vermehren. Wir dürfen uns aber Glück wünschen, daß diese Ansicht nicht stichhältig ist, denn der eingangs erwähnte Commentar zu den Psalmen enthält viele neue Erklärungen und Anregungen zu weiterem Denken und zeichnet sich im Ganzen dadurch aus, daß der Verfasser bei seinen Erklärungen eine ganz selbstständige, aber durchaus dem Geiste moderner Exegese entsprechende Methode anwendet und dabei eine reiche Kenntniß auf allen wissenschaftlichen Gebieten entfaltet. Biele Combinationen dieses Commentars sind geistvoll, und wenn auch manche nur Hypothesen sind, daß zu zweifeln ist, ob die Gelehrtenwelt geneigt sein wird, sie zu acceptiren, so wird doch Jeder Befriedigung finden in dem schönen Hebräisch, das der Verfasser schreibt. Schon um dieses einen Vorzuges willen, nimmt dieser Commentar eine hervorragende Stellung gegenüber so vielen anderen ähnlichen Arbeiten ein, die wir bereits besitzen und noch fortwährend erzeugt werden, weil in dem Buch aller Bücher, in seiner Klarheit und Reinheit, Jeder sich spiegeln zu können und seine Gedanken in ihm zu erkennen glaubt. Herr C. Goldenberg verdient die vollste Aufmunterung zur Fortsetzung seiner Arbeiten über alle Th eile der Bibel. Sefer Räbos Machschüwos*) II. Bd. von M. D. Hoffmann, gewesenen Rabbiner zu Ung-Brod, Mähren. Ein geistvoller Schriftsteller schildert mit gewinnender Phantasie die Vorgänge des jüngsten Gerichtes an dem den Bibliotheken geweihten Tage. In einer unabsehbaren Reihe von Schränken harren die Bücher des erhabenen Richterspruches; in der literarischen Welt muß es auch Schuld und Sühne geben. Der milde und weise Richter alles Seins verkündet also: „Wer unter Euch Gedanken erborgt, Ideen entlehnt und sich zu eigen gemacht hat, der gebe sie seinem Urheber zurück." Daraus folgt ein Geräusch, welches bald zu einem tosenden Lärm anschwillt. Tausende und aber Tausende von Bänden gerathen in Bewegung, große Folianten schleichen mühsam zu kleinen unansehnlichen Büchern und dickleibige Bände kehren mit leeren Blättern zurück. Ab und zu findet sich als Rest ein Jnterpnnktationszeichen, ein Bindewort, eine nichtssagende Phrase — sie haben eben zurückgegeben, was nicht ihr eigen war. * Anmerkung: 160 Seiten stark, Verlag M. D. Hossmann'3 Witwe, Wien, II, Herminengasse II. Preis sl 1.—

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