Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 27 (7.7.1893)
- Date
- 1893-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 27 Vestrrreichifche Wochrnschrist Seite 517 tere mit einer schwachen Ahnung, welche auch sein Herz in freudigem Schreck erbeben ließ. Beide aber sahen sie die wunderbare Aehnlichkeit zwischen dem zarten blonden Kinde und der dunkeläugigen bleichen Frau. So verschieden auch die Farbe des Haares, der Augen und des Teints war, glichen sich Beide doch. Es war ein unbeschreibliches Etwas, welches wie ein Hauch auf Elsa's Erscheinung lag und auch das junge Mädchen umwob. „Was hast du Clärchen", fragte Eduard die unter seiner Anrede zusammenfahrende Braut. „Warum schaust du Elsa so bange an?" — Die Braut nestelte ein wunderbares Medaillon von ihrem Halse, „du", sagte sie mit zitternder Stimme, „siehe doch — wie meine tobte Mutter." „Clara!" War das eines Weibes Stimme gewesen? Mit tödtlicher Angst riß der Gatte Elsa an sein Herz. Doch sie entrang sich ihm und trat hart an das erschreckte Mädchen heran. Die flammenden Augen schauten tief in-die reinen Kinderaugen der jungen Braut.. Es war ein Blick, der die ganze Seele in sich aufsaugen zu wollen schien. „Mein Kind", bebte es leise von ihren Lippen. Dann brach sie ohnmächtig zusammen. Und als sie endlich die Augen wieder aufschlug, irrte ein süßes, glückliches Lächeln um ihren Mund. Schmeichelnd legte sie den Arm um den Nacken des Gatten und flüsterte trunken vor Seligkeit in sein Ohr: „Weißt du, wer sie ist?" „Ja mein Herz. Sollen wir der: Kindern die Wahrheit entdecken?" „Noch nicht! Bis sie erst Jüdin geworden, und ich weiß, daß sie auf ewig mir gehört." Nach wenigen Wochen ward Clara im Judenthume ausgenommen und ihr das Geheimniß ihrer Geburt offenbart. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". Oedrr unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersegungs- 11) rechte Vorbehalten.) Neuntes Capitel. „Herr Perez Markbreiter aus Nicolsburg, soeben hier angelangt, wünscht den Herrn Oberhoffactor zu sprechen," nieldete der Diener diesem, welcher an seinem Arbeitstische in seinem Sprechzimmer saß. »Ist willkommen", erwiderte Wertheimer und sofort trat der Angemeldete ein. Es war dies ein Mann von vierundzwanzig Zähren, groß, breitschultrig, muskulös mit einem offenen, schönen gut gefärbten Gesichte, einem starken, dunkelblonden Barte und großen dunkelblauen feurigen Augen. „Seien Sie mir herzlich willkommen!" sprach Wertheimer, „Befinden sich Ihre Eltern wohl?" fügte er nach kurzer Pause hinzu. Markbreiter führte die Hand, die ihm Wertheimer reichte, ehrerbietig an die Lippen und erwiderte: »Ich komme nicht vom Hause, ich komme von Preßburg, doch darf ich nach den Briefen, die ich täglich bekomme, hoffen, daß sich, Gott Dank, zu Hause Alles im besten Wohlsein befindet. Mein Vater hat mir schriftlich aufgetragen, seine höflichsten Empfehlungen an E ie, Herr Oberhoffactor, zu übermitteln. — Ich!?eif „ev sind der beschäftigste Mann in Oesterreich, unter Umständen kann eine Minute Ihrer Zeit unschätzbaren Werth besitzen. Ich gestatte mir daher ergebenst, sofort zum' Gegenstände der erbetenen Besprechung zu übergehen. Ich habe, um womöglich jeden Verlust Ihrer kostbaren Zeit zu vermeiden, schon vor vierzehn Tagen unsere Rechnung zur Prüfung einö^sendet und habe vorsichtshalber auch eine Copie derselben mitgebracht, die ich hiermit zu überreichen die Ehre habe. Halten Sie die^Gnade, dieselbe mit Ihren Büchern vergleichen zu laffen?" . »Vch habe damit meinen Commis Rafael Levi, einen tüchtigen, verläßlichen Mann beauftragt, doch habe ich seinen Bericht noch nicht entgegengenommen." »Rafael Levi?" meinte Markbreiter verwundert. „Der Name klingt mir fremd, ich glaubte alle hervorragenden Mitarbeiter Ihres Hauses zu kennen." - „Er befindet sich erst seit Kurzem in meinem Hause. Sie werden ihn sogleich persönlich kennen lernen". Wertheimer läutete. „Ich lasse," sprach er zu dem eintretenden Diener. „Herrn Levi bitten, herüberzukommen und das Conto-Corrent der Herren Markbreiter und Sohn mitzubringen." Eine Minute später trat der Gerufene, einen Bogen Papier in der Hand, ins Zimmer, verbeugte sich artig vor dem Geschäftsfreunde des Hauses und berichtete, ohne eine Aufforderung seines Chefs abzuwarten, in jener knappen Form, welche in großen Geschäftshäusern, wo man mit der Zeit sparen muß, stets üblich war: „Das Conto-Corrent der Herren Markbreiter und Sohn stimmt mit unseren Büchern vollkommen überein. Sie haben in dem letzten Trimester theils an unser hiesiges Hauptmagazin, theils als unsere Sublieferanten und Mandatare direct an das Aerar, laut vollkommen richtig befundener Specification, Tuche verschiedener Qualitäten und Farben im Betrag«' von 73.585 Gulden geliefert. Die Affignationen auf die ungarische Hofkammer, welche die Herren Markbreüer und Sohn erhielten, haben sie — weil jene in unseren Händen sicherer und rascher eingänglich — zur Gänze an uns eingesendet und haben laut deren Empfangschein in Baarem 70.000 Gulden erhalten. Ihr Guthaben an uns beträgt somit 3558 Gulden." „Laffen Sie diesen Betrag an Herrn Perez, dem Mitchef der Firma Aron Markbreiter und Sohn, den ich Ihnen hiermit vorstelle, gegen dessen Bestätigung ausfolgen, oder", wandte sich Wertheimer an Markbreiter, „würden Sie eine Anweisung auf das Brünner Bankal-Amt, die liguidirt ist und sofort ausgezahlt wird, vorziehen?" ..Nein, Herr Oberhoffactor, ich ziehe es mit Ihrer gnädigen Erlaubniß vor. den Betrag vor meiner Abreise an Ihrer Caffa erheben zu dürfen. Ich habe nämlich vor Kurzem einen Strauß mit den Brünnern siegreich bestanden und der dortige Magistrat ist mir dadurch, wenn möglich noch feindlicher als früher gesinnt worden. Ich wollte der Stadt beweisen, daß ich mir mein gutes Recht nicht rauben lasse, aber ein Kaufmann hat nicht jedesmal Zeit, sich herumzustreiten und so verzichte ich — wenn es nicht unabweislich nothwendig ist, darauf das miserable, judenfeindliche Nest zu betreten." „Um was hatte es sich gehandelt?" „Ich hatte in Ihrem Aufträge, Herr Oberkriegsfactor, für das Dragonerregiment Graf Daun, dessen Stab in Brünn liegt, Tuche an die dortige Monturs-Commission abznliefern. Nun ist es jedem Beamten in allen kaiserlichen Erblanden und im ganzen deutschen Reich bekannt, daß sowohl Ihnen, Herr Oberhoffactor, als Ihren Bevollmächtigten, Passier-, Repassier- und Actionsfreiheit gewährleistet ist, Sie, Ihre Familie und alle Ihre Bevollmächtigten in allen Orten Oesterreichs und des deutschen Reiches sich aufhalten und unumschränkt Handel und Geschäfte betreiben dürfen, auch von jedwedem wie immer Namen habenden Schutz- und Personenzoll befreit sind, Nun aber forderten die Brünner den Judenleibzoll von mir und wollten mir überdies den Eintritt in die Stadt nur durch das Judenthor gestatten. Ich aber ließ den Herren vom Magistrat kurz und bündig vermelden: Wenn ich nicht längstens binnen einer Stunde von dem Bürgermeister eingeladen würde, in der mir am besten dünkenden Weise undselbstverständlich ohne Erlag irgend eines Zolles mit den Tuchen, deren die kaiserlichen Truppen dringend benöthigen, in die Stadt zu kommen, ich den Herren Regiments-Obristen um militärische Assistenz bitten, mir mittelst dieser den Eingang gewaltsam erzwingen und mich auch sofort nach erfolgter Tuchablieferung nach Wien begeben und dafür Sorge tragen würde, vaß Se. Majestät der Kaiser erfahre, in welcher Weise der Brünner Magistrat die allerhöchsten Befehle mißachte. Ich fügte hinzu, daß dieser dann ohne Zweifel, wie jener von Graz in einem gleichen Falle, mit schwerer kaiserlicher Ungnade bestraft und zur Pön von dreißig Mark löthigem Goldes verurtheilt werden würde. Das Mittelchcn wirkte und noch vor der von mir bestimmten Frist erschien das judenfeindliche Stadtoberhaupt, machte tausend Pensen, suchte die Schuld auf Andere zu überwälzen und lud mich höflichst ein, ohne Zoll zu entrichten durch jedes mir beliebige Thor in die Stadt zu kommen." „Ich muß Ihnen meinen Beifall über Ihr kluges , und thatkräftiges Benehmen bei dieser Affaire aussprechen und danke Ihnen dafür, daß Sie mir diesen Fall zur Kenntniß brachten. Er wird mir zur Veranlassung dienen, Se. Majestät den Kaiser allerunterthänigst zu bitten, allergnädigst allen Aemtern und Behörden neuerlichst einschärfcn zu laffen, die