Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 27 (7.7.1893)
- Date
- 1893-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Orsterrrichischr Wochenschrift Seite 512 Nr, 27 Bildung eines Skripizin und Ljutostanski auf und bestätigen, es müsse, was davon erzählt werde, sozusagen als authentisch anerkannt gelten, weil die Erzählung doch durch Zeugenaussagen erhärtet sei. So schafft das Gerücht die Zeugen und diese ihrerseits bestätigen die Fabel, der sie ihre Aussagen anpaßten. Die angeführten Worte Ljutostanski's zeigen genügend, wie viel Vertrauen man seinen Entdeckungen und Ausführungen schenken darf. Und in der That, auf dieses Bildchen, einzig und allein gestützt, ruft er mit Emphase aus: „So kann denn die Frage der thatsächlichen Existenz dieses Ritus als gelöst betrachtet werden!!" Nun, so läßt sich denn wirklich nichts Anderes thun als — da eben das Eine unschuldige Bildchen ihm genügt — die Frage als „gelöst" zu betrachten. (Fortsetzung folgt.) Dr. Eisenbart rm Israel. Religionsunterrichte. Als Erwiderung auf die in unserer jüngsten Nummer publicirten Zuschrift erhallen wir von dem Sohne einer uns sehrbefreundeten Persönlichkeit nachstehendes Schreiben: An die löbl. Redaction der „Oesterr. Wochenschrift"! In Nummer 26 Ihres geschätzten Blattes finvet sich ein Angriff gegen den Lehrer der jüdischen Religion, Herrn David Graubart, abgedruckt, ein Angriff, der voraussichtlich vom Grolle eines Vaters dictirt ist, der für das „Durchkommen" seines Söhnleins fürchtet. Es wird daher vielleicht nicht ohne Interesse sein, in dieser Angelegenheit einige Worte eines Schülers des Herrn D. Graubart zu hören. Herr David Graubart unterrichtet auch am k. u. k. Franz Josef-Gymnasium, i. Hegelgasse 3, und erfreut sich daselbst der Sympathie nicht nur des gesammten Lehrkörpers, sondern auch der. großen Mehrzahl seiner Schüler. Natürlich finden sich unter Letzteren auch solche, die auf Grund eines ihnen vermeintlich zugefiigten Unrechts ihm unverhohlene Antipathie entgegenbringen, doch sind dies gewöhnlich diejenigen, welche auch den übrigen Mitgliedern des Lehrkörpers nicht „grün" sind, die den Haß, den sie gegen das Lernen hegen, auf die Lehrer übertragen. Auch erweist es sich, daß die Ursachen einer vermeintlichen Zurücksetzung lediglich im ungenügenden Fleiße des Schülers zu suchen sind. Und. diesbezüglich sind sich alle Gymnasien gleich! Wenn der Herr Beschwerdeführer als Beispiel einige Schüler vorführt, die in der Religion schlecht stehen, während sie in den übrigen Gegenständen ganz wohl entsprechen, so sehe-ich darin ebenso einen Beweis dafür, daß jene „Herren" dem Religionsunterrichte einen geringeren Fleiß und geringeres Interesse entgegenbringen. Sollte diese Interesselosigkeit für den „angeborenen" Glauben durch unzeitgemäße Nachsicht gefördert werden? Die P. T. Eltern jener confesfionslos gewordenen Schüler mögen sich nur fragen, ob es ihren Söhnen einen harten Kampf gekostet hat, vom „angeborenen" .Glauben abzufallen; mögen sie sich fragen, was sie dazu gethan, ihre'Söhne dem „angeborenen" Glauben zu erhalten! Gerade Herr Prof. Graubart ist dort, wo er merkt, daß auch dem Religionsunterrichte seitens der Eltern Interesse entgegengebracht wird, von größtem Entgegenkommen. Aber während die Eltern die Herren Ordinarien mit Besuchen überhäufen, erachten sie es in den meisten Fällen nicht der Mühe werth, auch den Herrn Religionslehrer mit einem solchen zu bedenken. Und wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen! Daher die Interesselosigkeit und der Unfleiß für den Religionsunterricht. Aber auch darüber, daß Herr Prof. Graubart weder mit Lernen überbürdet, noch auch ungerecht classificirt, mögen einige Worte gestattet sein: Der Bortrag des Herrn Prof. Graubart zeichnet sich im Gegensätze zu denen anderer Herren dieser Branche dadurch aus, daß Herr Pros. Graubart in leichtfaßlicher Rede den ursächlichen Zusammenhang der Dinge beleuchtet, unter Hinweis auf die Zeitrichtung und die Weltgeschichte. Und dafür müssen ihm lernbegierige Schüler nur dankbar, sein. Jener Herr, der die Redaction des Dankes „zahlloser Väter, die ihre Söhne dem angestammten Glauben gerne erhalten möchten" versichert, möge bedenken, daß es jenen Vätern, denen es an diesem Wunsche wirklich und nicht nur formell gelegen 'war, auch lieb sein muß, wenn ihre Söhne die Wandlungen der Geschicke, ihrer Glaubensbrüder erfahren. Insofern als Herr Graubart nur Kenntniß dieser Dinge fordert — und er fordert nur diese —insofern kann von einer Ueberbürdung nicht .die Rede sein. . Was aber die Classification anbelangt, so ist Herrn Graubart diesbezüglich auch kein Vorwurf zu machen. In den meisten Fällen entspricht die Note der Leistung und im Gegensätze zu denen, deren Existenz durch Herrn Graubart gestört sein sollte, wie der Herr Beschwerdeführer uns erzählt, will ich noch bemerken, daß Herr Prof. Graubart durch die weitgehendste Nachsicht manchem Schüler eine Verbesserung des Gesammtcrfolges verschaffte. Mögen diese' Worte Klarheit über einen Vorwurf bringen, der ungerechtfertigt einem Manne gemacht wird, einem Manne, der nicht nur auf Grund seiner Religion von einer feindlichen Strömung, sondern auch von seinen Glaubensgenossen angefeindet wird. Ein Schüler des Franz Josef-Gymnasium. Nachschrift der Redaction. Es macht dem jugendlichen Schüler, welcher die vorstehende Zuschrift an uns richtet, alle Ehre, für seinen Lehrer so energisch eingetreten zu sein, und seine Einsendung verräth mit dem gewandten Stylisten auch die eminente Begabung eines zukünftigen Bertheidigers. Leider steht er mit seinem Urtheil vereinzelt, während die bei der Redaction seit Jahr und Tag einlaufenden .und nach unserer persönlichen Information nicht ganz unbegründeten Klagen Legion sind. Die. in der bekämpften Einsendung gezeichneten betrübenden Zustände waren ja bereits Gegenstand ausführlicher Erörterungen in ausländischen Fachblättern — die Mittheilungen über die Verhältnisse sind also über die Grenze des Reiches gedrungen und haben überall gleiches Befremden erregt. Die in der vorstehenden Zuschrift herausgestrichene pädagogische Ueberlegenheit des Herrn Graubart steht in auffallendem Gegensatz zu dem von ihm in seiner Lehrtätigkeit erzielten ärmlichen Resultat, welches in den Qualificationsnoten seiner Schüler offen vorliegt. Wahre pädagogische Begabung weiß andere Mittel und Wege, die Jugend für einen Lehrstoff zu erwärmen, zu interessiren. und hat es nicht nöthig, zur ultima ratio "einer „Massenabschlachtung", zu jener gewalttätigen, barbarischen Radicalcur des Dr. Eisenbart Zuflucht zu nehmen, die nur scheinbar die Schüler trifft, in Wahrheit die Eltern bestraft und für den Lehrer vor Allem ein pädagogisches Armuthszeugniß bildet. / Wenn aber der Herr Einsender bezüglich der Classificationen des Herrn Graubart versichert, daß „in den meisten Fällen die Note den Leistungen entspricht", so ist das umso schlimmer für den Religionslehrer, der nicht blos gegen die meisten, sondern gegen alle Schüler gleich gerecht, von gleicher Milde und Nachsicht erfüllt sein muß, ohne Rücksicht darauf, ob die betreffenden Eltern es der Mühe werth finden, „den Herrn Religionslehrer mit einem Besuche zu bedenken" oder nicht. Der Lehrer, dessen Passion es ist, dem Schüler als Beweis seiner Allmacht schlechte Noten zu versetzen, wird den gewünschten Anlaß dazu schon zu finden wissen — auch bei den besten und fleißigsten Schülern — und er ist dabei noch immer scheinbar „gerecht". Der Religionslehrer soll aber von Liebe und Milde und .dem Bestreben erfüllt sein, seine Zöglinge zu ermuntern, zu fördern, nicht aber gelegentlich dem Einen oder dem Andern ein Bein zu stellen, damit er strauchelt. Die Mittheilung, daß Herr Graubart „von seinen Glaubensgenossen angefeindet wird", ist uns ueu; wir haben bisnun immer das Gegentheil vernommen!! Und was hat die Classificirung der Schüler mit den Besuchen der Eltern bei den Lehrern zu schaffen? Oder müssen die Kinder, weil ihre Eltern während der Schulstunden von ihren Geschäften nicht abkommen können, oder weil sie, wie dies häufig vorkommt, auswärts wohnen, den Religionslehrer also nicht besuchen können, dieses büßen? Seit je galt es als die specielle Aufgabe des Religionslehrers, seine Schüler moralisch und materiell zu fördern, ihnen ein Vorbild der Liebe und. Güte für das spätere Leben zu bleiben; er ist ihr berufener Fürsprecher, Verteidiger und Beschützer gegenüber den anderen Professoren, Herr Graubart hat das exceptionelle Malheur, daß seine „Schützlinge", sich vor ihm flüchten und um seiner Gewalt zu entfliehen zu dem Mittel der Eonfessionslosigkeit greifen. -Die Wiener israel.. Cultusgemeinde hat keinen zweiten Religionslehrer, welcher eine solch' große Anzahl „Confessionsloser" liefert. Das ist das Resultat eines Religionsunterrichtes nach der Methode des