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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-30 · 26 (30.6.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
26 (30.6.1893)
Date
1893-06-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 26 Oesterreichische Wochenschrift Seite 503 stürzt unser armes Kind, kaiserliche Hoheit wollt' ich sagen, thränenüberströmt aus des Kaisers Cabinet. Da sich in der Anticamera einige Personen befanden, konnte ich nicht fragen, was die kaiserliche Hoheit so alterirl hat und konnte es nicht erwarten, daß wir in den Wagen gelangten. Bevor wir einstiegen, rief die Frau Erzherzogin dem Kutscher zu: „Zur Gräfin Batthiany-Strattmann!" Als wir endlich in dem Wagen saßen, frug ich: „Kaiserliche Hoheit, was ist denn eigentlich vorgcfallen?" Darauf erwidert die Frau Erzherzogin noch immer schluchzend: „Ich bin jetzt zu aufgeregt, bei der Gräfin Batthiany werd' ich Alles erzählen", und so weiß ich bisher nichts mehr, als Sie, liebe Excellenz!" „Kaiserliche Hoheit!" wandte sich Eleonore Batthiany an Maria Josefa, „was hat'das Weinen für Zweck? Damit wird nichts gewonnen, davon bekommt man nur eine dicke, rothe Nase und beim Weinen verzerrt man das Gesicht, was Beides gar nicht hübsch ist ... Kaiserliche Hoheit, ich fürchte, wenn Sie Prinz August, der wahnsinnig in Sie verliebt ist, jetzt sehen würde, Sie würden ihm nöt a Bisserl gefallen, vrairneut altesse imperial!“ _ Die geistreiche, menschenkennende Gräfin Batthiany hatte das richtigste Mittel, die Erzherzogin zur Selbstbeherrschung zu bringen, gewählt. Diese trocknete sich die Thränen und sprach allerdings noch immer mit etwas schwankender Stimme: „Ja, liebe Gräfin, dös is Holter scho wohr, wann i a dicke rothe Rosen krieget, würd' die Soch eh' nöt besser . . , . Sans so gut, lösten S' mer a Weng Wosser bringen, daß ich mir das G'sicht obwosch". Die Gräfin brachte selbst ein silbernes Lavoir und nachdem die Erzherzogin sich einigemal mit einem feuchten Tnch über die Augen gefahren, begann sie, zuweilen ganz eigenthümlich aus dem reinsten Hochdeutsch in den Wiener Dialect überspringend, ihre Mittheilungen. „Ich betrat das Cabinet des Kaisers mit freudigem Herzklopfen; aber als ich ihn erblickte, ward mir's höchst bedenklich zu Muthe, mir war's, wie soll ich's nur schildern? — als wenn mir Jemand eine Eiskugel in's Herz geschossen hätte". „Kaiserliche Hoheit", meinte die Batthiany ernst lächelnd, „Gräfin Pallavicini und ich, wir verzehren uns in Ungeduld, beschränken Sie sich in Ihren Mittheilungen gnädigst auf das Wichtigste .... Was sprach der Kaiser?" „Einige Zeit gar nichts. Er ist immer so unnahbar, so erhaben, aber heute war er noch unnahbarer, noch erhabener als sonst. Sonst pflegt er mir die Hand zu reichen, wenn er sehr gnädig ist, sogar mich auf die Stirne zu küssen; heute zuckte er nicht einmal mit der Augenwiniper. Eine Minute lang herrscht in dem Cabinete so tiefes Schweigen, daß ich nichts als das Klopfen meines armen Herzens höre; — endlich wird mir die G'schicht zu langweilig und ich sog kurzweg: „Majestät, Onkel, Allerhöchst Sie haben mich hierherbefohlen, offenbar haben Allerhöchst Sie mir etwas mitzutheilen; — und wie er holt noch immer schweigt, werd' ich schon ungeduldig und platz' raus: „Noo, wos gibt's?" Die Gräfin Batthiany konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, aber sie sprach: „Kaiserliche Hoheit, das war recht kindisch und unüberlegt; diese Sprechweise muß des Kaisers Mißfallen erregt haben!" „No freili!" gestand das schöne Mädchen beschämt zu. „Der Kaiser runzelt fürchterlich die Stirne und fängt an italienisch zu sprechen und wie ich hör', daß er die Sprach redt, denk ich mir in meinem armen, gepreßten Herzen: Ei pfui Teixel, dös geht schief, der Onkel Kaiser will Dir g'wiß den Italiener zum Gemahl aufpelzen!" „Lassen Sie das, was Sie dachten bei Seite, kaiserliche Hoheit", verwies die Batthiany, aber unwillkürlich mußte sie wieder lächeln, „was sprach der Kaiser?" „Ich werd's, so gut ich's kann deutsch wiedergeben . . . Ich sehe mit Bedauern, daß Dir der Lebensernst abgeht und daß wir in der Wahl der Personen, die Deine Erziehung leiten und überwachen sollten — da hat er Sie gemeint, Frau Gräfin Pallavicini — einen großen Fehlgriff begangen haben. Leider können begangene Fehler nicht immer gut gemacht werden; auch bist Du im Alter zu weit vorgeschritten um mit Deiner Erziehung von Neuem beginnen zü können. Es ist nothwendig, daß Du dem schädlichen Einflüsse Deimr Umgebung — dös san Sie und Sie", erläuterte wieder in höchst überflüssiger Weise die Erzherzogin, hiebei mit ihrem schlanken Zeigefinger die beiden Gräfinnen bezeichnend — „entzogen wirst. Auch stehst Du jetzt in dem Alter um einem von uns gewählten Prinzen die Hand zu reichen. Wir haben auch schon diesbezüglich unsere Entschließung gefaßt. Ich habe Dir schon einmal mitgetheilt, daß es unsererseits nur einer Keinen Aufmunterung bedarf, um den Prinzen Karl Emanuel zu veranlassen, Deine Hand von uns zu erbitten und wir sind nun geneigt, ihm in geeigneter Weise den sebnlichst gewünschten Wink zukommen zu lassen." ..Aber Onkel Majestät", hatte ich fast weinend gerufen, „ich liebe den sardinischen Kronprinzen nicht, ich will ihn nicht zum Gemahl, ich kann ihn nicht leiden!" „Meine liebe Nichte", erwiderte der Kaiser, „das wird sich schon in der Ehe geben. Die Mitglieder eines regierenden Hauses, erfreuen sich vor lausend Millionen anderer Sterblichen so vieler Bortheile, daß sie auch billig die Pflichten, welche ihnen ihre Geburt und hohe Stellung anferlegt, willig übernehmen müssen. Eine Prinzessin hat auch auf politische Erwägungen Rücksicht zu nehmen — und wie der Onkel Kaiser so redet, hat es schon in meinem arnwn Herzen zu kochen angefangen; aber ich armes Hascherl Hab'geglaubt, daß ich's beim Onkel Kaiser vielleicht doch im Guten durchsetz'! Ich hob Holter denkt, wenn ich ihn an seine eigene Jugend erinnere, wird er weich werden und sog': „Onkel Majestät, der Prinz Eugen hat erzählt, daß allerhöchst Sie, Onkel Majestät, nach dem Wunsche meines Papas nno der oanzen kaiserlichen Familie, allergnädigst eine schöne Prinzessin zur Gemahlin hätten wählen und dadurch Oesterreich und der Welt den Frieden hätten geben sollen; aber Ihnen Onkel Majestät, hat Holter, die Tante Majestät, die damalige Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig viel besser gefallen — und Onkel Majestät nöt für ein G'schloß wolltens die Ihnen bestimmte Prinzessin nehmen; allerhöchst Sie kämpften tapfer um Ihr Lebens- und Liebesglück und blieben Sieger! Mein edler Bat r, Kaiser Josef, der damalige Chef des glorreichen Hauses Habs bürg, erhörte aus Bruderliebe ihre Bitte, er wollte nicht ihr Lebensglück zerstören; lieber setzte er den ungleichen Kampf mit Europa fort, setzte seine Krone, die Existenz der Monarchie aufs Spiel. —Allergnädigster Oheim! Ich hoffe allerhöchst Dieselben werden seiner Waise die Huld, gedenken, die mein Vater allerhöchst Ihnen angedeihen ließ." „Wie geschickt das liebe, arme Kind seine Sache führte"' flüsterte die Gräfin Pallavicini der Gräfin Batthiany zu. dieseaber sprach laut. „Kaiserliche Hoheit, das war klug und muthig von Ihnen." „Es hat mich aber nix g'nutzt", versicherte die anmuthige Prinzessin, traurig das Köpfchen senkend. „A klans bisserl schien der Onkel Kaiser bewegt, aber gleich darauf fuhr er auf und rief: „Prinz Eugen ist mein erster Minister, er hat mir und dem Staate große Dienste geleistet, aber das berechtigt ihn noch lange nicht, sich in die Privatangelegenheiten der kaiserlichen Familie zu mischen, meine Nichte durch alte, alberne Geschichten zum Ungehorsam gegen mich aufznreizen, aber darauf habe ich ihm gleich schlagfertig geantwortet: „Onkel Majestät, Allerhöchst derselbe geruhten ja vor Kurzem selbst zu sagen, daß die eheliche Verbindung einer kaiserlichen Prinzessin eine politische Angelegenheit sei — und in solchen Fällen pflegen allerhöchst Sie allerhöchst Dero Minister um Rath zu fragen — und die Geschichte allerhöchst Ihrer Werbung ist nicht gar so alt — der Tante, Kaiserin Majestät, ist ja noch heute die schönste Fran in Europa — und albern ist die Geschichte erst gar nicht; im Gegentheil sehr schön ist sie und wenn ein Dichter sie zu einem Poem benützt, wird sie ewig fortleben und die Schilderung allerhöchst Ihrer standhaften Liebe, wird noch nach Jahrhunderten die Welt entzücken und tausend Liebende, deren Wünschen man Widerstand entgegensetzt, aufrichten und zum weitern Kampf für ihr Lebensglück anspornen". „Das war ein sehr glücklicher Coup" rief die Gräfin Pallavicini und auch die Gräfin Batthiany nickte Beifall zu. „Ich glaube selbst, daß diese Flatterien einen guten Eindruck auf den Onkel Kaiser gemacht haben; aber leider Hab' ich dem Prinzen Eugen nachahmen wollen, der behauptet, wenn man einen Bortheil über den Feind erlangt hat, muß man diesen verfolgen und ich spreche resolut weiter. „Schauns mein allergnädigster, allertheuerster Onkel Majestät, ich bin ja ganz in der Lage, in welcher Allerhöchst Sie sich befanden, ich lieb' Holter den Prinzen August, einen bildsanbern, lieben Menschen, nichts, gar nichts ist an dem Prinzen auszusetzen! Allerhöchst Sie Onkerl Majestät kennen ihn ja, gesällt er Allerhöchst Ihnen nicht auch? Und der Prinz Eugen lobt ihn auch und schauns allergnädigst Onkel Majestät, der Prinz hat ja auch mit Aller-

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