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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-30 · 26 (30.6.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
26 (30.6.1893)
Date
1893-06-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 502 Veyerreirtzlfchr Wochenschrift . Nr. 26 Kyszkorski und die Herren Bürgermeister Budzynorski und der Bicebürgermeister Bukietynski sowie zahlreiche Gäste. Die vorgelegten schriftlichen Arbeiten der Schüler über Buchhaltung, Korrespondenz, Rechnen und Comptoirarbeiten überraschten nach jeder Richtung hin die anwesenden Gäste und die mündlichen Antworten in sämmtlichen Handelsfächern waren vollkommen zufriedenstellende, so daß die sich verabschiedenden Gäste sowohl dem Lehrkörper dieser Anstalt, als auch dem Curator Herrn Ranunkel — der um diese Schule sich große Verdienste erworben hat — ihre vollste Zufriedenheit und besondere Anerkennung ausdrückten. Fast sämmtliche diese Anstalt verlassenden Schüler haben bereits Posten als Comptoiristen angetreten. Zum Schlüsse sei noch die Ansprache unseres Herrn Vicebürgermeisters erwähnt,. der in einer schwungvollen Rede die Schüler aufforderte, der Schule und dem Stifter derselben dankbar zu sein, das begonnene Werk der Ausbildung auf comm^rciellem Gebiete nicht fallen zu lassen, durch Redlichkeit, Sparsinn und rege Thätigkeit sich eine geachtete Stellung zu erringen, damit wenigstens in Zukunft die Kaufmannschaft Galiziens in commercieller Ausbildung den Kaufleuten anderer Orte nicht nachzustehen haben. Prag. —a— 28. Mai 1893. Von gewisser jüdischer Seite wird den isr. Cultusgemeinden Böhmens die Erhaltung jüd. Schulen zum Borwurfe gemacht und diese Anstalten als Ursache des Antisemitismus in böhmischen Ortschaften bezeichnet. Die Unrichtigkeit dieser Behauptung erhellt aber aus nachstehendem Factum: Eine Cultusgemeinde Böhmens gründete zu Anfang der 70er Jahre eine isr. Schule, die einem Theue der dortigen nichtjüdischen Bevölkerung ein Dorn im Auge war. Lange hielt indessen die Gemeinde, geleitet von einem intelligenten Cultusvorsteher, an ihrer Schule fest, hatte sich doch ein edler Nichtjude einem Israeliten gegenüber dahin geäußert: „Jen se drzte Jve, skolv; alespon se deti Vase nauci rüdne näbozenstvi VaSemu.“ („Haltet Euch nur an Eure Schule, wenigstens erlernen Eure Kinder tüchtig Eure Religion") und sah sie doch, wie die Protestanten einer benachtbarten Stadt in ihrem Glaubenseifer eine evangelische Schule erhielten. Doch immer und immer wurde von gewisser Seite die „deutsche" Schule als Hinderniß der Verbrüderung zwischen der isr. und nichtjüdischen Bevölkerung hingestellt, den Juden vorgestellt, lvie vortheilhaft es für dieselben wäre, ihre Schule aufzulassen, da ihnen für diesen Fall „eine Subvention von einigen hundert Gulden für den anzustellenden Relrgionslehrer beim Bezirksschulrathe erwirkt werden möchte, sie der Unterricht auf diese Weise fast gar nichts kosten würde, kurz — „halb zog sie ihn, halb sank er hin und ward nicht geseh'n" — die isr. Schule wurde aufgelöst. Die versprochene „Subvention von einigen hundert Gulden" blieb aber aus, ebenso das von so manchem Israeliten erhoffte Aufblühen seines Geschäftes dagegen war Benatek — denn hier spielt unsere Geschichte derjenige Ört, wo eine Monate vor den Koliner Exeessen schon Ausschreitungen gegen die Juden vorkamen. Jsch Jehudi. London, 15. Juni. Gestern nahmen der Premierminister Gladstone, sowie fast alle leitenden liberalen Parlamentarier, unter ihnen Mr. John Morley und Sir Charles Ruffel, an einem Diner bei Herrn Samuel Montagu Theil. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". (Zeder unbefugte Nachdruck wird urit aller Strenge verfolgt rverden. Ueberfetzuiigs» 13) rechte Vorbehalten.) Achtes C a p i t e l. Gräfin Eleonore Batthiany, die Tochter des verstorbenen, hochverdienten, genialen Staatskanzlers Strattmann, saß in ihrem Boudoire. Die Gräfin stand - jetzt schon in der zweiten Hälfte der Dreißig; aber trotzdem verdiente sie noch immer den Namen „das schöne Lorle", unter dem sie in ■ ganz Wien bekannt war. Eleonore Batthiany war eine der besten und klügsten Frauen ibrer Zeit und galt als Freundin — im edelsten Sinne des Wortes — des Pri Eug ti, der, wenn er sich in Wien befand, seine Abende in ihrem Hause, im Kreise geistreicher Männer und Frauen verbrachte. - Der Prinz legte auf das Urtheil der Gräfin hohen Werth, besprach mit ihr alle politischen Fragen und es kam oft vor, daß er gerade bei den wichtigsten Entschlüssen seine Anschauungen jenen der verehrten Frau unterordnete. Prinz Eugen war auf einige Zeit verreist und hatte die Gräfin ersucht, ihr Auge für alle Ereignisse, die sich in den Hofkreisen zutrügeu, offen zu halten und ihn, wenn seine Anwesenheit in der Residenz nothwendig erschiene, durch einen Boten zurückzuberufen. Er hatte ihr zu diesem Behufe die besten Reiter seines Dragoner-Regimentes und die flinksten Renner feines Marstalles zur Verfügung gestellt. Dem Prinzen und der Gräfin erschien die größte Vorsicht aus dem Grunde nothwendig, weil manche Anzeichen darauf hindeuteten, daß Eugen's Feinde und Neider, welche durch die glänzenden militärischen und diplomatischen Erfolge, welche er in dem letzten Türkenkriege errungen, einige Zeit verstummt waren, wieder von Neuem im Finstern ihre unheimliche Maulwurfsarbeit begannen, um das Vertrauen des Kaisers zu dem Prinzen zu untergraben. Die Gräfin war eben im Begriffe, einen Brief an Eugen, in welchem sie ihm mittheilte, daß keine Veränderung in der Lage bemerkbar sei, zu schließen, als ein Wagen dröhnend in der Flur des Palastes einfuhr,, sich bald darauf in den Gängen eine lebhafte, geräuschvolle Bewegung kundgab und ein Diener rasch eintretend meldete: „Ex'eellenz, soeben ist Ihre kaiserliche Hoheit, die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Maria'Josefa, mit ihrer Aja, Ihrer Excellenz der Frau Gräfin Pallavicini, vorgefahren", allein weiter kam der Diener in seiner Meldung nicht; die Thüre des. Boudoirs wurde mit Vehemenz geöffnet und die Erzherzogin, welcher die beleibte Gräfin Pallavicini nachkeuchte, flog wie ein Projectil in's Zimmer, warf sich, ohne ein Wort zu sprechen, in ein Fauteuil, schlug beide Hände vors Gesicht und begann herzbrechend zu schluchzen. „Aber kaiserliche Hoheit!" rief die Gräfin "Pallavicini, „wie können höchst Dieselbe so ganz alle Contennance verlieren?! Mäßigen Sie sich doch!" . Die Gräfin Batthiany erhob sich bestürzt, umschlang, dem Zuge ihres Herzens und nicht der strengen spanischen Hofetikette folgend, die.aumuthige Prinzessin,/preßte sie heftig an sich und küßte rhr die Thränenperlen von den rosig erglühenden Wangen. „Aber um Gotteswillen, was hat es denn gegeben", wandte sich die Gräfin Batthiany — da die Erzherzogin noch immer kein Wort fand — an die Aja, „was hat das arme, liebe Kind?" Die Gräfin Pallavicini zuckte die Achsel und Maria Josefa hatte sich nun so weit gesammelt, um die Worte hervorzustoßen : „Gräfin Eleonore, ich bim das unglücklichste Geschöpf der Welt!" . . . / . . „Also, was ist denn eigentlich vorgefallen?" frug die Batthiany dringend, und da die Erzherzogin von Neuem in einen Thränenstrom ausbrach, wandre sie sich wieder an die Pallavicini und sprach: „Wenn die kaiserliche Hoheit zu aufgeregt ist, so muß ich doch Sie, Excellenz, um Aufklärung bitten." „Ich weiß selbst nichts Genaueres. Heute Vormittag wurde Ihre kaiserliche Hoheit durch den Obersthofmarschall eingeladen, um drei Uhr von mir begleitet, zur Audienz bei Seiner Majestät dem Kaiser zu erscheinen. Sie wissen es ja, .liebe Gräfin, Seine Durchlaucht, unser allvcrehrter Prinz von Savoyen, der sich unserer armen kaiserlichen Hoheit wie ein Vater annimmt, hat in einem eigenhändigen vertraulichen Brief dem sächsischen Minister geschrieben, daß eine Werbung des Königs um die Hand unserer lieben, gnädigsten kaiserlichen Hoheit für seinen Sohn von dem besten Erfolge begleitet sein würde. Es war nun zu erwarten, daß der König, wiejdies bei solchen Occasionen üblich ist, einem außerordentlichen Ambassadeur abgesendet oder seinen Gesandten am hiesigen Hofe mit dieser Mission betraut hatte und wir glaubten nichts anderes, als der Kaiser wolle der Frau Erzherzogin ankündigen, daß Prinz August von Sachsen-Polen um sie angehalten, und wir fuhren voll Glück und Freude in die Burg. In der Anticamera des Kaisers wurde mir bedeutet, die Rückkunft der kaiserlichen Hoheit, die in das Cabinet des Kaisers trat, abzuwarten. Ich wartete, wie mir die Pendule zeigte, dreiunddreißig Minuten, mir erschienen sie in meiner verzehrenden Ungeduld wie eine Ewigkeit, endlich

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