Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 26 (30.6.1893)
- Date
- 1893-06-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020980--02547-3026641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Oradea 1× ep/1002404
OCR text
Seite 500 Oesterrektziptze Wochenfchrist Nr. 26 Zwittau. Am 6. d. sind es fünfzig Jahre, daß der hiesige, allgemein hochgeschätzte praktische Arzt, Herr Jacob Bondy, als Wundarzt und Geburtshelfer diplomirt wurde. Der gegenwärtig im 74. Jahre stehende Jubilar oblag an der Wiener Universität den medicinisch-chirurgischen Studien bis zum Jahre 1842, worauf am 6. Juni desselben Jahres seine Diplomirung erfolgte. Wenige Monate später wurde Herrn Bondy die Stelle des Gemeindearztes in Mährifch-Rothmühl übertragen, wo er in dieser Eigenschaft mit selbstloser Hingebung bis zu seiner im Jahre 1893 erfolgten Uebersiedlung nach Zwittau wirkte. Hier entfaltete Herr Bondy eine höchst ersprießliche und erfolgreiche Thätigkeit; er erfüllte mit Gewissenhaftigkeit und Aufopferung seine anstrengenden Berusspflichten, so daß er sich in kürzester Zeit dadurch, - sowie wegen seiner vorzüglichsten Geistes- und Charaktereigenschaften große Popularität erwarb? Die Gemeindevertretung gab bereits vor Jahren dem hochgeschätzten Männe ihrer Anerkennung für dessen Verdienste durch Bewilligung einer jährlichen Pension Ausdruck. Herr Bondy beabsichtigte seinen Ehrentag in bescheidener Zurückgezogenheit, im Kreise seiner Familie zu begehen. Unsere Bevölkerung wollte jedoch zu der seltenen Jubelfeier dem hochverdienten Arzte ihre wärmsten Sympathien kundgeben und der Doctoren-Club feierte das Jubiläum durch Veranstaltung eines Festbanquettes, an welchem die distinguirtesten Persönlichkeiten der Stadt theilnahmen, und es fehlte nicht an ehrenden Toasten für den hochverdienten Jubilar. Unter den Gratulanten fand sich auch am Vormittag eine Abordnung der israelitischen Cultusgemeinde in Zwittau ein. -— Herr Jacob Bondy ist der Vater der in Wien domicilirenden Herren: Dr. Julius Bondy, Hof- und Gerichtsadvocat und M. Dr. A. Bondy, Zahnarzt. Marburg. Hochgeehrter Herr Redacteur! Wir ersuchen Sie höflichst um Veröffentlichung folgenden Vorfalles in ihrem sehr geschätzten Blatte zur Charakterisirung, welche Zustände in gewissen Kreisen der Beamtenschaft herrschen und den Insulten, die man grundlos von ihnen hört. Ich befahre fast wöchentlich die Strecken, der k. k. priv. Südbahn. Am 13. d. M., früh halb 3 Uhr kam ich in der Station Steinbrück an, begab mich mit meinen in Sissek domicilirenden Bruder ins Restaurationslocal erster und zweiter Claffe, um den Anschluß nach Agram, der um viertel sechs Uhr früh erfolgt, abzuwarten. Wir nahmen je einen Kaffee und lasen die dort aufliegendeu Blätter. Au unserem Tische saß noch ein Herr aus Gurkfeld, der auch mit Lectüre beschäftigt war, ferner saßen noch einige Damen im Locale. Plötzlich wurde die Thüre aufgerissen, hereintraten mit großem Gepolter zwei Postbeamte des Postamtes Steinbrück, nahmen am gegenüberstehenden Tische Platz und führten ein lärmendes Gespräch, fingen zuerst über die Sloveneu an zu schimpfen, dann gaben sie in lärmendster Weise ihrer Gesinnung Ausdruck, ließen Schönerer hochleben rc. Wir kümmerten uns um den ganzen Vorgang nicht, obwohl die Betreffenden kein Recht hatten, im Locale zu schreien und auch keine Fahrgäste waren. Plötzlich fingen Sie an, über die Juden in infamster Weife loszuziehen und Ausdrücke, wie S . . juden u. dgl. loszulassen — da konnten wir nicht mehr ruhig Blut bewahren; aber nicht nur ich und meiy Bruder, sondern auch der neben uns sitzende Herr, ein Katholik aus Kram, standen auf und forderten die zwei Herren auf. in diesem Locale ruhig zu sein, worauf sie noch gröber anfingen. Mein Bruder begab sich hierauf zu dem in derselben Nacht inspectionhabenden Beamten der Station und ersuchte ihn, er möge uns Ruhe verschaffen. Der Beamte ging wohl hinein — reichte den Beiden die Hand — ging wieder hinaus und ließ uns ruhig weiter insultiren. Ich frage jetzt höflichst die löbliche k. k. Südbahngesellschaft, ob es gestattet ist, daß Personen ohne Dienst-, Perron¬ oder Fahrkarte das reisende Publicum in solcher Weife belästigen dürfen? Ob eine Eisenbahnrestauration der Tummelplatz von politischen und confeffionellen Demonstrationen ist? Wozu ist der inspectionhabende Beamte da und das ihm unterstehende Personale? Ist es nicht schon eine Plage, den ganzen Tag im Coupe zu sitzen und wenn man dann in einer Station, wo man sich ein wenig ausruhen könnte, in derart gröblicher Weise insultirt wird! Ich hoffe, daß Sie, hochgeehrter Herr Redacteur, diese Zeilen in entsprechender Form und Weise unentgeltlich rum Abdrucke bringen werden und zeichne mit dem Ausdrucke besonderer Hochachtung Alexander Neumann, Associe der Firma Brüder Neumann. Berlin. Aus dem Kreise Niederbarnim wird gemeldet: . Von socialdemocratischer Seite wird folgendes Flugblatt, auf feinem Papier gedruckt, verbreitet : Neues deutsches Reichsglaubensbekenntniß: Ich glaube an Kaiser Wilhelm, den allmächtigen Schöpfer des neuen Cnrses und an General Caprivi, seinen gehorsamen Diener, unseren Herrn - Kanzler, der empfangen hat den Grafentitel ohne Macht und Herrlichkeit, der gelitten hat unter Bismarck und den -„Hamburger Nachrichten", der herabgestiegen zur„Nordd. Allg. Zeitung", von wannen er wiederkommen wird, zu richten dic Nörgler und Bismarckfreunde. Ich glaube an den heiligen Geist des geheimen Propheten Hinzpeter und seiner Frau, an die Gemeinschaft der Regierungs- und Centrumspreußen,'an die allein selig machende Pickelhaube, an eine steigende Vermehrung der Abgaben und Steuern, an die Einführung neuer Maulkörbe und Judenflinten und an ein ewiges Soldatenleben Amen." Darunter steht: Wählt Stadtverordneten Arthur Stadthagen aus Berlin! Hierzu bemerkt das „Volk": „Man fragt sich wirklich, ob es angehen kann, daß derartige Gemeinheiten straflos verbreitet werden. Welcher Jude mag diese schamlose Verhöhnung des Christenthums fertig gebracht haben? Etwa Herr Stadthagen-selbst?" Wir können dem Stöcker'schen Organe den Namen des Verfassers verrathen. Nicht ein Jude ist der Urheber dieses Machwerks, sondern der Reichstagsabgeordnete Dr. Sigl. ein Antisemit vom reinsten Wasser. Das fromme Blatt hat also, ohne die-Spur eines Beweises, dem Judenthum oder den Juden eine Verhöhnung des Christenthums insinuirt. — Es genügt, dieses unchristliche Verhalten des Stöcker'schen „Volk" niedriger zu. hängen. fenmfcta. Wien. (Stenographische Preisschreiben.) Beiden am 18. d. M. vom Gabelsberger-Stmographen-Centralvcrein ~ in Wien veranstalteten Preisschreiben wurden prämiirt: 1. Beim Damen-Wettschreiben: Frl. Zerline Feigenbaum (110 Worte in der Minute), Frl. Caroline Rebensaft (90 Worte in der Minute); in der.Gruppe mit der Dictatsgeschwindigkeit von 70 Worten von der Handelsschule Allina mit Preisen die Fräulein R. Tampier, A. Berger und O. Hajek und mit Diplomen die Fräulein D. Sorter, S. Hift, Ty. Fuchs und E. Löwenstamm, ferner mit einem Preise Fräulein Anna Wewera (gewerbliche Fortbildungsschule am Neubau) und mit Diplomen Fräulein A. Schemnitzer, E. Bunzl, Minna Otte, M. Dolezal, E. Uhlemann und A. Friedländer; in der Gruppe mit fünfzig Worten in der Minute die Fräulein M. Ulrich, A. Niedermayer, A. Robitschek, I. Ascher, Th. Klein, R. Lurtgarten und dann M. Sekeles mit Preisen und 25 Damen mit Diplomen. 2. Beim Schüler - Wettschreiben: - C. Grauberg, R. Wagner, O. Fuchs, (110 Worte) mit Diplomen; F. Salamon, O. Jahn, I. Putz, I. Leb und R. Blum (90 Worte) mit Preisen; in der Gruppe mit 70 Worten mit Preisen: O. Delicat, A. Jirsch, R. Leitgeb und R. Mahli von der Handelsschule Allina, H. Katz, A. Löwy, R. Kornfeld und H. Jelinek vom Leopoldstädter Real-Gymnasium, ferner E. Lucka (Handelsakademie) und H. Klug (Handelsschule Pazelt-Glaser). In der vorletzten und letzten Gruppe wurden 13, beziehungsweise 29 Schülern Anerkennungsdiplome zuerkannt. — Man ersieht daraus, daß eine große Anzahl unserer Glaubensgenossen und Glaubensgenossinnen ausgezeichnet worden sind. ' Wien (Synagoge nach polnisch - j ü dische m Ritus in Wien.) Der rühmlichst bekannte Obercantor des orthodoxen Tempels in Großwardein, Herr M e i e r Scho rr, wurde nach mehreren, mit glänzendem Erfolge absolvirten Probevorträgen für die neuerbaute Synagoge nach polnischjüdischem Ritus in Wien, II., Leopoldsgasse 29, engagirt. Die Schlußsteinlegung und Einweihung dieser Synagoge findet noch vor den diesjährigen hohen Feiertagen statt, und wird bei diesen Anlässen Herr S ch o r r bereits als Obercantor dieser Synagoge functioniren. Wien. Der Einblick in den 26. Jahresbericht des „Mädchen-Unterstützungs-Vereines" in Wien ist. ein wahrhaft erfreuender. Von den kleinsten Anfängen hat sich dieser Verein Dank der weisen Leitung des Vorstandes unter dem Präsidium