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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-23 · 25 (23.6.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 480 Veyerrrichisthr Wochrnschrtst Nr. 25 gegebenen 21. Nummer der periodischen Druckschrift „Oesterreichische Wochenschrift", in der Rubrik „Cvrrespondenzen" und unter der Ueberschrist „Nachschrift der Redaction", auf Seite 407 und 408 enthaltene Notiz, die nachstehende Berichtigung der eben dort aufgestellten und meine Person betreffenden Behauptungen in das zunächst, d. i. Freitag, den 16. d. M. erscheinende Blatt der „Oesterreichischen Wochenschrift" aufzunehmen. 1 „Es ist unwahr, daß ich durch gehässige Aeußerungen gegen die Juden die Bevölkerung zu weiteren Exceffen aufgereizt habe. Ich habe lediglich als Landtagsabgeordneter im Landtage des Königreiches Böhmen pflichtgemäß constatirt, daß die Juden, falls sie in Böhmen minder beliebt sind, allein die Schuld dafür trifft, zufolge ihrer ^virthschaftlichen und speciell nationalen Thätigkeit. Ferner ist es thaffächlich unwahr, daß ich meine ganze Existenz einem edlen Juden verdanke; unwahr, daß ein angeblich edler Jude sich meiner als verwaisten sechsjährigen Knaben angenommen und mich mit Aufwand'seiner letzten Spargroschen hatte studiren lassen. — Wahr ist nur, daß ich als Hörer der Medicin an der Prager Universität Gelegenheit hatte, einen wohlthätigen Juden — und derlei „edler" Juden gab es in Prag eine Menge — zu kennen, welcher den Studirenden hie und da fünf bis zehn Gulden, allerdings gegen einen geringen Profit von 300 Percent auf vierzehn Tage zu leihen pflegte. Mit Achtung 'Dr. Jos. Sil, Reichsrathsu. Landlagsabgeordnetcr. Kolin, den 33. Juni 1893. Daß die Antisemitenhäuptlinge die von Juden empfangenen Wohlthaten rundweg ableugnen, und sie womöglich noch dafür beschimpfen, ist uns nichts neues. Wir haben in Wien tausend solcher Beispiele. Dr. Pfenner hat von dem Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde, Professor Sulz er, und dem Prediger Dr. Adolf Jellinek viele Wohlthaten genoffen, und sammelt heute allen Dünger, um seine Wöhlthäter zu begießen. Sollen wir den Herrn Vetter und andere antisemitische Parteigrößen daran erinnern? Brationo in Rumänien dankte sogar die Rettung seines Lebens dem Edelmuthe eines Juden. Auch die Antisemiten böhmischer Zunge sind nicht anders. Wenn aber Herr Dr. Sil in Abrede stellt, daß er „durcy gehässige Aenßerungen gegen die Juden die Bevölkerung zu weiteren Exceffen aufgereizt habe", so können wir blos versichern, daß unsere Berichte über das Verhalten des Dr. Sil während der verschiedenen Scenen des Koliner Dramas sehr zuverlässige Informationen zu Grunde haben. Ueberdieß brauchen wir Herrn Dr. Sil blos sein Auftreten in Erinnerung zu bringengelegentlich der Wahl des Zuckerfabriksdirectors Kroutil'für die Localverwaltung. Daß Kroutil der Sache des czechischen Volkes treu ergeben und ein unantastbarer Charakter, wird auch Herr Sil nicht bestreuen. Aber der Unglückliche ist ein Anhänger Dr. Ri eg er s; weil aber die Juden in Kolin trotzdem sür Kroutil ihre Stimme abgegeben, hat ihnen , Herr Dr. Sil in sehr deutlichen Worten angekündigt, was ein I ah r später thatsächlich geschehen ist. Herr Dr. S i l hat sich als Prophet erwiesen, was er ein Jahr vorher angekündigt, ist zum Tage eingetroffen; er hat die Koliner Judenexceffe ein Jahr vorher — vorausgesehen und vorausgesagt; sein prophetisches Talent dankt er wohl nicht himmlischer Erleuchtung; er hat vielmehr in einem unbewachten Moment verrathen, was parteimäßig als Antwort auf die Wahl Kroutils geplant wird. Was aber die „wirthschaftliche Thätigkeit" der Koliner Juden anbelangt, so haben ja die „Polapske Noviuy" kürzlich in einem mehrspaltigen Artikel den Koliner Verhältnissen nähere Betrachtungen gewidmet, welche die Behauptungen des jungczechischen Abgeordneten in der vorstehenden „Berichtigung" in einem drastischen Lichte erscheinen laffen. Jenes Blatt schreibt unter Anderem: „Wir haben lang geschwiegen, allein das herablassende Lächeln dieser Herren gegenüber den bedauernswerthen Begebenheiten der letzten Wochen nöthigt uns zu folgenden Bemerkungen': Die antisemitische Frage ist heute keine confeffionelle Frage, sie ist eine sociale und anticapitalistische. Ihr Herren aus jenem goldenen Häuschen, blickt um Euch, wie viel Juden in den letzten zwanzig Jahren in Kolin reich geworden sind? Sie leben vielleicht besser als ihre Ahnen, sie erziehen sorgfältig ihre Kinder, allein nur, etwa zwei oder drei können sich rühmen, Vermögen angesammelt zu haben. Wer aber in Kolin reich wird, und zwar rapid, sind die Herren, welche in jenem goldenen Häuschen zusammenkommen. Dort wächst das Vermögen der Einzelnen, und wir können sagen, diese Herrentreffen es besser als die Juden! Wenn ihr den Teufel an die Wand malen werdet, so ist es möglich, daß einmal das Geld nicht dort gesucht werden wird, wo es nicht ist, aber dort, wo es ist! . . . Lang haben wir geschwiegen und. diese Verhältnisse nicht berührt. Wir sind uns bewußt der ernsten Folgen dieser Publication, wir sind aber auch ausgerüstet mit Beweisen über die einzelnen Persönlichkeiten . . ." Das Blatt erörtert dann verschiedene locale und persönliche Verhältnisse und kommt auf die in Kolin mit besonderer Verve betriebenen Schlagworte „Svuj k .svernu* „Kauft nicht bei den Juden!" rc. zu sprechen, wobei es des Näheren auseinandersetzt, daß diese Schlagworte dem bloßen Brotneid entspringen, und daß durch die Entfesselung des Haffes und der Leidenschaften den Juden die Abnehmer abgejagt werden sollen. Die Deklamationen des Dr. Sil im Landtage über patriotische und unpatriotische Gesinnungen der Koliner Juden seien bloße Phrasen, denn in Kolin hätten sich die Juden bei allen Gelegenheiten als Czcchen bethätigt. Also nicht wegen ihrer Nation a len Haltung, sondern wegen ihrer politisch en Ueberzeugung sind die Juden Opfer des Hasses bei Dr. Sil und Genossen geworden. Marienbad', 18. Juni. Aus dem nahegelegenen Königswart wurde in der letzten Nummer der wirklich vielgelesenen „Oesterreichischen Wochenschrift" gegen meinen Bericht vom 24. Februar l. I. protestirt, und ich würde mir dies ja gerade gefallen laffen, wenn die Herren Einsender jenes Protestes mich nicht vor aller Welt der Unwahrheit ziehen würden; dagegen muß ich denn doch mit Erlaubniß ver sehr verehrlichen Redaction Stellung nehmen. Nicht etwa i ch behaupte, sondern in der ganzen weiten Umgebung ist es mänuiglich bekannt, daß Königswart ein arg verseuchtes Antisemitennest geworden ist, wo Herr Schönerer wie ein Abgott verehrt und angebetet wurde. Wäre dem nicht so, warum haben Schönerer und Consorten im ganzen Egerer Kreise keine solche Aufnahme gefunden,.wo der Herr von Zwettel seine Brandreden halten konnte und von der gesammten Bevölkerung inclusive Bürgermeister, Stadtarzt et tutti quanti bejubelt wurde, wie eben in Königswart? Es mag ja sein, daß der Artikel in der „Wochenschrift" seine gute Wirkung gehabt und so manche gesinnungstüchtige jüdische Familie abgehatten hat, dort ihren Sommeraufenthalt zu nehmen, und das dürfte die. Herren veranlaßt haben, jetzt nach Verlauf von vier Monaten gegen den Artikel einzuschreiten. Diese Herren bedenken aber nicht, daß man mit Beschönigen und Vertuschen eine derartige Epidemie nichr beseitigt, im Gegentheil greift dann das Uebel nmsomehr um sich und erfaßt weitere Kreise, wenn man ihm nicht wirksam entgegentritt. Wahr ist's, daß Königswart seit einer Reihe von Jahren den schmählichsten Antisemitismus gepflegt hat, so daß selbst Christen, wenn sie nur irgend eine Spur von Orientalin in ihren Gesichtszügen verriethen, nicht unbehelligt den Ort passiren konnten, es'wurde dort ein Antisemitenverein gegründet, und selbst die Herren Einsender' des Protestartikels wurden arg mitgenommen. Die Zeiten haben sich nur insofern geändert, als Herr Dr. Kindl heute Pächter des Curhauses in Königswart ist und daher einige hundert Familien reicher Juden dort sehr gut verwerthen könnte, das gebe ich zu; aber wenn er dies will, so wäre es an ihm, gemeinschaftlich mit dem dortigen Bürgermeister eine Purificirung vorzunehmen, die Bevölkerung zu belehren, daß es durchaus nicht recht ist, eine ganze Menschenclasse wegen ihres Glaubens yn einen einzigen Gott zu verfolgen und zu beschimpfen. So lange dies aber nicht geschieht, muß ich meinen Bericht vom 24. Februar l. I. vollinhaltlich, aufrecht halten und davor warneneinen solchen Ort als Sommerfrische zu wählen, der eine Brutstätte des Rassenhasses geworden ist. Amicus Plato, sed magis amico veritas! A 1 p h 1. Budapest. (Ungarische jüdische Liter aturgesellschaft.) In den Sälen der israel. Religionsgemeinde hat heute in dieser für die ungarische Judenschaft hochwichtigen Angelegenheit eine von Martin Schweiger, dem Präsidenten der israel. Landeskanzlei einbernfene zahlreich besuchte Versammlung stattgefunden. Martin Schweiger eröffnet die Berathung und ersucht die Anwesenden, einen Vorsitzenden zn wählen. Die Versammlung wählte zum Präsidenten Rabbiner Dr. Kohn, zum Schriftführer Dr. Franz Mezei. Vorsitzender präcisirt in gehaltvoller Rede die nationale und religiöse Bedeutung der zu gründenden Gesellschaft. Ein lang gehegter Wunsch der ungarischen Judenschaft sollso sagte er, seiner Verwirklichung entgegengeführt

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