Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 25 (23.6.1893)
- Date
- 1893-06-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020979--02524-3026617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 476 Veyrrreichische Wochenschrift fftv. 25 hüten und worin der kannibalische Ritus mit allen Einzelnheiten beschrieben ist!! Wenn einst unsere Nachkommen unsere officiellen Archive durchforschen werden, können sie zwei interessante Nummern darin vorfinden. Die eine, den Bericht des Ministers des Innern an den Kaiser Nikolaus I. vom Jahre 1844, worin gesagt wird, bei den Juden gäbe es ein geheimnißvoll gehütetes Buch „Rambam", in dem detaillirt beschrieben sei, wie es den Juden geboten ist, Christenkinder zu stehlen, zu peinigen, zu schlachten und ihr Blut zu trinken. —Die zweite Nummer, den Bericht des Ministers für Volksaufklärung an denselben Monarchen vom Jahre 1850, worin dasselbe Buch als Lehrmittel für die hebräische Jugend empfohlen wird. Diese Facta sprechen für sich selber und brauchen nicht näher commentirt zu werden. Ich halte nun diese Proben für genügend, um jeden Leser in den Stand zu setzen, sich über das „Memorandum" Skripizin's und das Buch Ljutostanski^ ein Urtheil zu bilden. Und ein solches „Memorandum", wie das vom Jahre 1844, wagte man dem Gebieter über das Schicksal von drei Millionen Juden zu unterbreiten! Nach dreißig Jahren gelangt, Ljutostanski zu diesem Archivstücke und druckt es als eigenes Werk ab! Endlich im Jahre 1878 entschließt sich der Redacteur eines für gebildete Leser bestimmten Blattes, diese „Denkschrift einer glaubwürdigen Persönlichkeit" als ein „hochofficielles Document" von Neuem abzudrucken! Wir haben uns über der „Denkschrift" Skripizins und dem aufgewärmten Kohl Ljutostanski's länger als nach Gebühr aufgehalten; aber dies thaten wir fürs Erste nur darum, weil bei uns leider weniger als im Auslande der Werth ähnlicher Hervorbringungen abzuschätzen verstanden wird und fürs zweite darum, weil der äußerst unwissende Autor, seine Ignoranz mit besonderer Verwegenheit bemäntelnd, mit Citaten derart herumwirft, daß der Nichtspecialist sagen könnte, Ljutostanski sei ein Kenner der jüdischen Literatur und seine Aussagen von glaubwürdiger Thatsächlichkeit. Dabei kann ich nicht umhin, mein Erstaunen darüber auszudrücken, daß Ljutostanski, wie mir gesagt wurde, die Frechheit hatte, sein Fabrikat einer hochgestellten Persönlichkeit darzubieten. Warum, frage ich, bestraft man einen Lügenzeugen, der mit seiner falschen Aussage gewöhnlich nur einem Einzelnen Schaden bringt, während man einen Schriftsteller, der betrügerisch eine falsche Anschuldigung gegen ein ganzes Volk erhebt und im Stande ist, wie es wirklich der Fall ist, über Millionen Menschen eine allgemeine Calamität herbeizuführen, gnädig und herablassend behandelt? Auf die Juden bei jeder möglichen Gelegenheit loszuschimpfen, ist eine Art Erwerbszweig geworden, der Jedem, der immer sich ihm widmet, schon im Vorhinein Erfolg und Gelingen sichert. Dazu braucht man ja weder Muth, noch Kenntnisse, sondern nur ein wenig Fleiß, um etliche Phrasen niederzuschreiben, ohne Scheu all das wiederholend, was schon Hundertemal widerlegt und längst als gewissenlose Lüge und Verleumdung aufgedeckt wurde. Fast alles, was Ljutostanski in seinem Buche sagt, ist schon vor zwanzig Jahren von mir in seiner Hinfälligkeit enthüllt, viele seiner Behauptungen aber schon seit Jahrhunderten als Lüge und Verdächtigung anerkannt worden. Ich wiederhole zum Schluffe noch einmal: Unsere Regierung hat die Pflicht, sich zu vergewissern, ob in der That unter den drei Millionen russischer Juden es solche Auswüchse gibt, welche die Anwendung christlichen Blutes als Religionsgebrauch als bindende Sitte betrachten. Ich kann es füglich nicht unterlassen, meiner tiefinnersten Ueberzeugnng hier Ausdruck zu geben, daß es der Leitung des Staates, der das Los zugefallen, die große Aufgabe zu erfüllen, Millionen ihrer eigenen Unterthanen von ° der Knechtschaft und Millionen glaubensbrüderlicher Christen, vom Joche der Türken zu befreien, auch geziemt, ihre drei Millionen jüdische Untertha-ien dem Damoklesschwerte zu entreißen, das beständig über ihren Häuptern schwebt. ' (Fortsetzung folgt.) Lesefrüchkv. (Heine und Mignet.) Der bekannte Heine-Biograph Gustav Karpeles bespricht im Feuilleton der „Frankfurter Zeitung" düs Freundschaftsverhältnis Heinrich Heine's zu dem Historiker Mignet, Vn er im Salon der schönen Fürstin Belgiojoso kennen und aufrichtig verehren gelernt hat. Wie man über Heine selbst, je nach der Parteistellung und dem Grade der Frömmigkeit seiner Beurtheiler, die unterhaltendsten Dinge lesen und hören kann, wie er einerseits als orthodoxer Jude, andererseits als Antisemit, einerseits als Deütschenfeind, andererseits als Franzosenfresser hingestellt wird — so hat auch sein Berhältniß zu Mignet die unterschiedlichste Beleuchtung erfahren. Auch der jüngste Biograph Mignet's, Eduard Petit, sagt Heine nach, das; er auf Mignet wegen der Fürstin Belgiojoso eifersüchtig gewesen sei und die Verspottung Mignet's bis zur Unanständigkeit getrieben habe. Nun war aber weder Heine noch Mignet in die Fürstin Belgiojoso verliebt, also kann auch von einer Eifersucht nicht die Rede gewesen sein. Heine hat sich wiederholt in der herzlichsten und lobendsten Weise über Mignet geäußert und namentlich die „Eloges", die Mignet als „8ecretaire gerpetuel" der „Academie des Sciences morales et politiques“ zu halten hatte, in der anerkennendsten Weise besprochen. Ja sogar zu seinem Testamentsvollstrecker hat Heine den langjährigen Freund ernannt. Petit citirt übrigens einen bisher ungedruckten Brief Heine's an Mignet, der gerade das Gegentheil von Pstit's Behauptung beweist. In herzlicher Weise ladet der kranke Dickter den Freund zu sich: „Es sei ihm ein Bedürfm'ß, einem Manne, wie ihm die Hand zu drücken, da er eben mehr leide.als je!" Interessant ist, was Heine in dem Briefe über seine „Rückkehr zum Gottesglauben des gemeinen Mannes" sagt: „. . . Selbst auf die Gefahr hin, der Dummköpfigkeit angeklagt zu werden, werde ich Ihnen doch das große Geheimniß meiner Seele nicht mehr verschweigen; ich habe ven deutschen Atheismus verlassen und bin am Vorabend, in den Schooß des banalsten Glaubens zurückzukehren. Ich fange an zu merken, daß ein bischen Gottesglauben einen armen Menschen nichts schaden kann, besonders, wenn er seit sieben Monaten auf dem Rücken liegt und von den heftigsten Schmerzen heimgesucht wird. Ich glaube zwar noch nicht ganz an den Himmel, aber ich genieße bereits den Vorgeschmack der Hölle durch die Brandwunden, welche man mir soeben auf der Wirbelsäule beigebracht hat. Das ist ein Fortschritt, denn ich kann mich nunmehr dem Teufel verschreiben, ein Bortheil, den ich vor meinen atheistischen Landsleuten besitze, die ihn doch in diesem Augenblicke ganz besonders nöthig hätten, namentlich in Berlin, wo der König in Wahrheit eine sehr gute Constitution gegeben hat, gegen welche man aber einen gewissen Widerwillen empfindet, ähnlich dem, welchen uns der größte Kuchen einflößt bei dem Gedanken, er könnte ein wenig Gift, ein kleines bischen Berliner Blau in sich haben."- GorreüyonllenLM. L. L. Wien, Juni. (Zur feierlichen Eröffnung des Wiener kaufmännischen Vereinshauses.) Bei dem anläßlich der feierlichen Eröffnung des Vereinshauses des „Wiener kaufmännischen Vereines" abgehältenen Bankette brachte der Vicepräsident dieses Vereines, Herr Isidor Popper, auf den Handelsminister Marcquis v. Bacquehem einen Toast aus, welchen wir deshalb wiedergeben, weil Herr Popper allein es war, der den perfönlichen Muth gefunden, in einer illustren Versammlung und in einem durch Ort und Zeit hervorragenden Momente der antisemitischen Bewegung, welche insbesondere aber alle Gebiete des Verkehrslebens schädigt, Handel und Industrie untergräbt, zu erwähnen und seine warnende Stimme gegen die zersetzende Tendenz des Rassenhasses zu erheben. Herr Popper sprach Nachstehendes: „Der Glaube an die Unerläßlichkeit schrankenlosen Waltens im wirthschaftlichen Kräftespiel ist erschüttert; die Erkenntniß, daß das Interesse des Einzelnen sich fügen, unterordnen müsse dem Interesse des Ganzen — daß der Wille des Einzelnen beschränkt werden könne zum Wohle der Gesammtheit — daß der Staat berechtigt, ja verpflichtet, dem wirtschaftlich Schwachen im Kampfe ums Dasein beizüstehen, ihn zu unterstützen und zu kräftigen, ist mächtig vorgedrungen. . In ihrer sieghaften Kraft wird den socialen Nothwendigkeiteu schließlich auch von Jenen, die ihre Härten empfinden, die Anerkennung nicht versagt! Auf keinem Gebiete hat die geänderte wirthschaftliche Auffassung so tiefe Furchen eingegraben, als-auf dem Gebiete des Handels und der Industrie. Kranken- und Ilnsallsverstcherung, Beschränkung der Arbeitszeit, Sonntagsruhe, hygienische und sonstige Vorschriften, all die Marksteine in der Entwicklung der reformatyrischen Ge-.