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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-23 · 25 (23.6.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 25 Orsterrenhifttzr Wochenschrift__ Seite 477 dessen durchlauchtigsten Söhnen als osficielles Document unterbreitet zu werden, ein tolles Zeug, das aus dem oberwähnten Buche Pikulski's geschöpft wurde und zu Letzterem durch die Aussagen des besprochenen Serafinowitsch gelangte, der von sich behauptete, er sei der Oberrabbi von ganz Litauen gewesen und der unter Anderem erklärte, der Bedarf an Christenblut für Litauen könne auf 120 „Stoff" jährlichen Verbrauches beziffert werden. So wenig es einen Bischof geben kann, der behaupten würde, der Apostel Paulus habe mit dem Patriarchen Nikon bei Peter dem Großen an Einem Tische gespeist, so unmöglich kann es einen „ehemaligen Rabbi" geben, der einen Unsinn, wie den oberwähnlen, jemals behaupten würde. Die vermeintlichen Rabbis waren so unwissend, daß sie ihren Lügen nicht einmal den Schatten von Wahrscheinlichkeit verleihen konnten, und daher die Thatsache, daß sie Titel von Büchern sich ausdachten, die nicht nur niemals vorhanden waren, sondern deren Vorhandensein undenkbar war. 4;in weiteres Beispiel der Gelehrsamkeit Skripizin- Ljutostanski's und ihrer Glaubwürdigkeit. Seite 81 (S. 486 bei Skripizin) wird unter Berufung auf einen Neophyten, einen gleichfalls ehemaligen Rabbiner, gesagt: Nicht alle Juden seien in das Geheimnis des Gebrauches von Christenblut eingeweiht, „dies wissen, bemerkt er hinzu, selbstverständlich nur die Rabbinen, die Chachamim und die bei den Juden Chassidim genannten Pharisäer". Das ist ungefähr so, wie wenn Jemand sagen würde: „Die Bischöfe, Archimandriten und die orthodoxen Christen, unter den Namen „Geisterstürmer" bekannt, wissen oder thun das oder das". Würde eine ähnliche Phrase nicht Jedem lächerlich, wahnsinnig erscheinen? Folgt nicht aus dem Gesagten für Jedermann, daß die „Geisterstürmer" rechtgläubige Christen' genannt werden, während sie in Wahrheit getrennte Sekten bilden? Dasselbe gilt auch von der im Namen des Neophyten durch Ljutostanski gegebenen Darstellung. Ein Jeder weiß, daß es zu Christi Lebzeiten Pharisäergegeben hat. Sie führen in den alten rabbinischen Werken den Namen Peruschiin, wie jedem auch nur im Geringsten gebildeten Juden bekannt ist. Ebenso wenig unbekannt ist es, daß, mit Ausnahme der Karäer sämmtliche Juden die Lehren der Pharisäer bekennen, welche Bezeichnung jedoch — eigentlich nur in der Zeit vom zweiten Jahrhundert vor Christus bis zum zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt angewendet — nachgerade, da die ganze Masse des jüdischen Volkes die religiöse Richtung der Pharisäer annahm, aus der Geschichte verschwunden ist. Es gibt folgerichtig seit 1700 Jahren also eigentlich keine Pharisäer mehr, mit welchem Namen man andernfalls sämmtliche Juden, weil sie die religiöse Richtung der alten Pharisäer befolgen, bezeichnen müßte. Die Chassidim hingegen sind die Vertreter einer neuen kabbalistischen Richtung unter den polnischen und russischen Juden und bestehen erst seit wenig mehr als hundert Jahren. Die Worte: „Chassidim, genannt „Pharisäer", konnten daher nur von einem Menschen nsedergeschrieben werden, der sich in dieser Frage nichts denkt und der von den Juden und ihrer Geschichte absolut keine Kenntniß hat. Sind aber die Chassidim dem Neophyten zufolge jener Theil der Juden, die Christenblut gebrauchen, wie können sie, fragen wir nun, schon im XIII. Jahrhundert, das heißt fünfhundert Jahre vor ihrer Entstehung Christenblut gebraucht haben, da sie erst im Ganzen seit 100 bis 120 Jahren bestehen? Solchen Gelehrten, „ehemaligen Rabbis", wie Serafinowitsch und der Neophyte, scheint aber Alles möglich zu sein. Wenn ein Rabbi 400 Jahre vor seiner Geburt im Stande war, energische Maßregeln gegen die Ausbreitung des Christenthums vorauszudenken, warum sollen nicht die Chassidim 500 Jahre vor ihrer Entstehung jährlich an 500 „Stoff" Christenblut verzecht haben? Skripizin (S. 490) und sein Plagiator Wort für Wort S. 94, vergl. ebend. S. 100) stellen noch überdies einen Zeugen, einen getauften Juden Grudinski, gegen die Juden aus und bemerken über ihn anfangs, „daß trotz seiner vielen, als unwahr herausgestelllln 'Mussagen er über Vorgang und Ziel des abergläubischen Ritus zahlreiche Details und mit den Erfahrungen Skripizins übereinstimmende Nachrichten gegeben habe". — Das heißt doch mit anderen Worten: Grudinski freilich ist ein entlarvter Lügner und Lügenzeuge; aber wir glaubell ihm doch. Dann setzen sie fort: „Er behauptete (Grudinski), daß es ein im tiefsten Geheimniß bewahrtes Buch Rambam gebe („Handoma zerielnn domei Aknk selmizwes“), in dem der Ritus in aller Vollständigkeit beschrieben wäre; er selber habe dieses Buch gesehen und gelesen und auf dem Exemplare seien in Form eines Wappens alle für die Execution dieses kannibalischen Ritus unumgänglichen Werkzeuge abgebildet gewesen. Die eingeklammerten Worte klingen hebräisch, sind aber gänzlich unverständlich. „Handoma“ ist kein hebräisches Wort; „zeriehm“ bedeutet: sie brauchen; domei (statt ,,demeiw) bedeutet : Blut; „Akum“ — Heide; „selmizwes“ (statt „schelmizwoth“) — Gebote; der Sinn der ganzen Phrase ist unverständlich. Grudinski wollle offenbar einen hebräischen Satz wiedergeben, worin von Blut die Rede sein sollte — war es aber nicht im Stande. Darauf folgt die genaue Beschreibung der Instrumente und des „Fasses", worin die Kinder zur Blutopsenrng geworfen werden. Man denke sich, der Leiter eines Departements im Ministerium des Innern für die fremdländischen Angelegenheiten in Berlin oder Wien würde an seinen Monarchen, den Kaiser von Deutschland oder Oesterreich, einen Bericht des annähernd folgenden Inhaltes abfertigen: „Ein aus Rußland desertirender Soldat habe ihm die Mittheilung gemacht, es gäbe in Rußland ein tief geheimnißvoll gehaltenes Buch „Puschkin", in dem mit allen Einzelheiten der geheime Plan eines Ueberfalles der Russen auf Berlin oder Wien und der Unterwerfung Deutschlands oder Oesterreichs u. s. w. u. s. w. enthalten sei", werden die Leser nicht sagen: Das ist unmöglich, das ist sinnlos, man müßte sonst den Mann, der dem Departement vorstehend einen solchen Bericht verfaßt hätte, ins Narrenhaus schicken. Ganz richtig! Ich wäre ebenfalls dieser Ansicht. Run gestatte man, daß ich die Frage stelle: Warum also hat Skripizin in dem Berichte an unseren Kaiser etwas dem zum Verwechseln Aehnliches angeführt? Warum auch wiederholt noch Ljutostanski eine solche Lächerlichkeit? Wir haben schon bemerkt: Ein Buch „Rambam" gibt es überhaupt nicht, und kann es um so weniger geben, da „Rambam" nur der abgekürzte Name des berühmten jüdischen Gelehrten und Philosophen aus dem XII. Jhdt., des Maimonides, eines gelehrten Rabbi ist, dessen Werke wie nur die wenigsten der jüdischen Literatur selbst unter Christen allgemein verbreitet und bekannt sind, Werke, die in mannigfachen Ausgaben erschienen, zum Theil ins Lateinische, Deutsche, Französische, Spanische und Englische übersetzt wurden. Seine große, religionsphilosophische Schöpfung unter dem Titel Dalalat el Chairin arabisch geschrieben und noch zu Lebzeiten des Verfassers ins Hebräische, im XIH. Jhdt. ins Lateinische übertragen, kam im Jahre 1520 und 1629 in zwei neueren lateinischen Uebersetzungen zum Vorschein und wurde im Jahre 1866 von dem Akademiker Munk in Paris mit dem arabischen Original und einer französischen Uebersetzung herausgegeben. Seine zweitgroße Schöpfung, an die Grudinski, als von den Juden häufig besprochen, nach dem Hörensagen gedacht haben mag, betitelt Nisehna Tora oder lad ha chazaka, über die Religionsgesetze der Juden handelnd, wurde unter anderen Ausgaben auch in Rußland censurgerecht mehrmals herausgegeben, in siebzehn, theils vollständigen, theils bruchstückartigen Commentaren erörtert, zum großen Theile ins Lateinische, Deutsche, Spanische und Englische übersetzt und um das Jahr 1850 mit deutscher Uebersetzung versehen, von unserem^Ministerium für Volksaufklärung als Lehrbuch für die jüdischen ^taatsanstalten in fünf Bänden veröffentlicht. Also, das ist das 1. Buch „Rambam", welches die Juden so tief geheimnißvoll

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