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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-23 · 25 (23.6.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
25 (23.6.1893)
Date
1893-06-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Vrsterreichtschr Wochrnschrifi Sette 575 werden genügen, um hoffentlich jeden Leser über den wahren I Werth beider Schriften aufzuklären. Das Journal „Grashdanin" (v. I. 1678 Nr. 23—25, S. 485) behauptet, Ljutostanski sei früher Rabbiner gewesen und daher als Autorität zu betrachten. Das kann unmöglich wahr sein, nicht einmal so weit, daß er ein gewöhnlicher Jude war, denn als solcher würde er doch wenigstens Ein hebräisches Wort verstehen, während er augenfällig von hebräischer Litteratur nicht den geringsten Dunst besitzt. Das Erstere zeigen seine Transcripiionen hebräischer Worte, das Letztere die Art und Weise, wie er hebräische Bücher citirt. Einen großen Theil der citirten hebräischen und rabbinischen Ausdrücke schreibt er mit zahllosen Fehlern nach der überall von grammatischen Schnitzern wimmelnden abscheulichen Aussprache der wolhynischen Juden ab und entstellt dabei diese Worte mitunter in einem Grade unmöglicher Erkennbarkeit, daß man schließen muß, sie seien ihm vollständig unbekannt gewesen, er habe sie nicht lesen können, nicht etwa im Original, sondern nicht einmal in der ihm mit russischen Buchstaben vorgelegten Transcribirung. Die Beispiele die das eben Gesagte bestätigen, möge man in dem Buche: „Rabbi Ljutostanski" von S. Minor gefälligst Nachlesen. Ein Mensch, der die Frechheit hatte, die jüdische Frage „vom wissenschaftlichen Gesichtspunkte" zu bearbeiten, der über den „Talmud und die Juden" ein zweibändiges Buch geschrieben hat und nicht weiß, was der Talmud ist, hat offenbar keinen einzigen Band des Talmuds jemals vor Augen gesehen, hat, wie fast jedes seiner Citate beweist, von der äußeren Anordnung und Abtheilung des Talmuds keine Vorstellung! Häufig kann man sich des Lachens nicht erwehren, wenn man Ljutostanski's Citate liest. Seite 28, z. B. „Talmud Joire deje VI, 139". Welcher Unsinn! Talmud und Jore Dea (so muß es geschrieben werden) sind ganz verschiedene Bücher, was Ljutostanski offenbar nicht ahnt! Der Talmud nämlich ist jenes bekannte Compendium, das etwa zu Ende des 5. Jahrhunderts in Babylonien redigirt wurde. Jore Dea andererseits sind — zwei verschiedene Werke dieses Titels. Das eine heißt Tur Jore-Dea und wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Spanien versaßt, das andere Schulchan Aruch Jore-Dea und wurde in der zweiten Hälfte oes16. Jahrhunderts in Palästina producirt. Ljutostanski steht hierin, wie in anderen Beziehungen aber noch immer auf dem Boden der mittelalterlichen Begriffe jener Zeiten, da jedes hebräische Buch überhaupt Talmud genannt wurde, indem man von Letzterem alle anderen hebräischen Bücher nicht zu unterscheiden verstand. „Was ist denn der Talmud?" fragt Ljutostanski (Seite 25). „Nichts anderes", gibt sich der große Talmudist, dem das Hebräische spanisch ist, selber zur Antwort „als der geschichtliche Beweis jenes Hasses, den sie gegen das Christenthum hegen, seit es in die Welt der Erscheinungen getreten ist; nichts anderes als die absichtliche, heillose Entstellung und Verfälschung der alttestamentlichen Schriften in der einzigen, ausschließlichen Richtung des blinden, unversöhnlichen Hasses gegen Christus und seine Bekenner; nichts anderes als die lügnerische Pyranndalcommentirung verschiedener Stellen des alten Testaments, ausgemünzt zu diesem einzigen, frevelhaften Ziele." Ist nicht die tiefe Gelehrsamkeit Ljutostanski's zu bewundern, der in so kurzen, klangvollen Worten mit einer Leichtigkeit Tendenz und Ziel des Talmuds zu definiren vermochte, wie selbst die besten jüdischen Gelehrten es nicht im Stande waren? Muß nach dem von Ljutostanski Gesagten nicht angenommen werden, der Talmud spreche auf jeder Seite wenigstens nur von Christen? Darauf habe ich übrigens einige Seiten vorher (S. 14 u. s. w.) bereits geantwortet, was nur nachgelesen zu werden braucht, um zu genügen, nicht die Gelehrsamkeit Ljutostanski's zu bewundere, sondern dessen Lügenhaftigkeit und bodenlose Ignoranz. Die ganze talmudische Gesetzgebung, soweit sie auf die Fremden Bezug hat, betrifft einzig und ausnahmslos die Heiden, denen gegenüber die Principien der Rabbinen sich vollständig deckten mit den Principien der Kirchenväter. In einigen Beziehungen waren — was sehr natürlich ist — die letzteren sogar noch bei Weitem schroffer als die ersteren. Die Rabbinen kannten außerhalb Palästinas nur allzuwenige Heiden, von denen sie daher behaupteten, sie seien nicht im eigentlichen Sinne Götzenanbeter, sondern nur mit den Gebräuchen ihrer Ahnen verwachsen. Die Kirchenväter jedoch, von denen manche selber früher Heiden waren, kannten die Unsitten des Heidenthums besser als die Rabbinen, und fühlten sich daher weit mehr davon abgestoßen als diese. Was aber insbesondere die aus den Heiden und nicht wie z. B. die judenchristlichen häretischen Sekten der Ebioniten, Nazarener u. s. w. aus den Juden hervorgegangenen Bekenner des Christenthums betrifft, so hat die talmudische Gesetzgebung sich überhaupt mit diesen niemals befaßt, weil eben die Rabbinen des Alterthums sie entweder gar nicht, oder nahezu gar nicht gekannt haben. Vielmehr wurden solche Christen gemäß den oben erklärten, allenthalben angenommenen talmudischen Principien als Gere toschab, als Proselyten innerhalb der Thore anerkannt und als solche consequentermaßen mit den Juden praktisch gleichgestellt. Freilich nicht sämmtliche Juden hatten für diese gesetzlichen Maßregeln ein Verständniß, wie denn so mancher mittelalterliche Rabbiner, der, das Christenrhum nicht kennend, es nur nach den äußeren Erscheinungen beurtheilte, zwischen Christen und Heiden keinen Unterschied erkannte. Daran aber trägt nicht die Schuld der Talmud, sondern wir selber, indem wir uns nicht die Mühe gaben, die Juden mit dem Wesen unserer Religion bekannt zu machen. Mit Feuer und Schwert und grimmigen Verfolgungen aller Art zwangen wir die Juden sich taufen zu lassen, nahmen ihnen die Kinder weg, schleiften Männer und Frauen durch die Straßen von Lissabon und anderen Städten und tauften sie gewaltsam, statt sie durch sanfte Belehrung im Geiste des göttlichen Gründers unserer Religion zu uns herüberzuziehen. Wenn dann mancher von den Juden uns nicht von den Heiden zu unterscheiden vermochte, ist daran der Talmud Schuld? Sind wir's nicht selber, da, statt als Christen die Religion der Liebe bewährend, wir wie die Heiden mit ihnen umgiengen und über das Wesen unseres Glaubens sie im Dunkeln ließen, so daß noch immer ein stockgläubiger Jude nicht zu glauben im Stande ist, daß mindestens vier Fünftel des christlichen Katechismus mit den Lehren seines Rabbis in vollkommener Uebereinftimmung sich befinden? Die Citate Ljutostanski's und theilweise auch Skripizin's aus hebräischen Werken können in drei Kategorien getheilt werden: 1.) in solche Citate, die vorsätzlich den Sinn des Originals verdrehen, wie z. B. den Sinn des im Original stehenden Wortes „Elil", d. h. Idol (Götzenbild des Merkur, der Aphrodite u. s. w.), wofür Ljutostanski regelmäßig das Wort Kreuz einschmuggelt, was eine grobe Lüge ist, indem mit „Elilim", d. h. Götzenbildern Handel zu treiben, sie zu kaufen und zu verkaufen, ebenso wie sie anzusertigen den Juden verboten, sie im Gegentheile sogar verpflichtet sind, ein Götzenbild in jeder vom Zufall begünstigten Weise zu vernichten, in's Wasser zu werfen u.dgl., während die frömmsten Juden darin nichts gegen die Religion Verstoßendes finden, Kreuze zu versertigen, zu kaufen, zu verkaufen und zu besitzen. Ist es ja nichts Seltenes, jüdische Soldaten Kreuze tragen zu sehen. So sagte er, um ein anderes Beispiel zu nennen in seinem Buche: „Der Talmud und die Juden" (II. S. 201): „Der Talmud verlangt von jedem Familienvater, daß er seine Kinder praktisch im Geldverlechen auf Procente ausbilde, damit seine Kinder bei Zeiten in diesem Fache die genügende Routine er- _ langen und verweist auf Talmud Tr. Boba Mezie (lies Baba Mezia) 75a, welche Stelle, da hier von den äußerst strengen Bestimmungen des Verbotes an den Geldverleiher, den Vorschuß zum geringsten Vortheile zu mißbrauchen, gesprochen wird, das gerade Gegentheil besagt. Dies erhellt im Zusammenhänge durch die folgende Sentenz. „Rabbi Jehuda spricht im Namen Rabbas: Es ist einem Vater erlaubt, seinen Kindern und Hausgenossen auf Percente Geld leihen (d. h. daß die Percente ihm und nicht seinen Kindern gezahlt werden), damit diese den Geschmack des Procentezahlens erproben, „d. h." be-

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