Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 24 (16.6.1893)
- Date
- 1893-06-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Lette 464 Oefterreirhischr Wochenschrift Nr. 24 der unter Fremdherrschaft lebenden Brüder eine Resolution zu fassen, und erlauben uns Ihnen das Memorandum zu überreichen, welches unser Verein im April dieses Jahres den gesetzgebenden Körpern vorlegte, mit der ergebenen Bitte, dasselbe dem verehrlichen Congreffe zur Discussion zu unterbreiten, damit auch wegen Aufbesserung unserer Lage eine Resolution gefaßt werde. Unter „uns" bezeichnen wir jene Juden, die dem rumänischen Staate gegenüber sämmtliche staatsbürgerlichen ' Pflichten, selbst jene der Blutsteuer erfüllen, ohne auch nur die Compensation einer geregelten bürgerlichen Stellung zu erhalten. Wie Sie, Herr Präsident, aus unserem Memorandum ersehen, geht unser Ansuchen dahin, daß ein interpretatives Gesetz geschaffen werde, wonach der in den verschiedenen bestehenden Gesetzen vorkommende Ausdruck „Fremder" dahin aufzufaffen sei, daß darunter nur Angehörige eines ftemden Staates gemeint sind. Eine solche Interpretation wäre übrigens auch zum Vortheile jener Rumänen, die aus Ländern, wo ihnen eine precäre Lage geschaffen wurde, auswandern, respective hieher einwandern. Welches ist denn in Wirklichkeit die rechtliche Stellung eines Rumänen, der auf das ungarische oder, russische Staatsbürgerrecht verzichtet, ohne noch die Anerkennung als rumänischer Staatsbürger erlangt zu haben? Ist er ein Fremder? Nein, da er doch auf sein früheres Staatsbürgerrecht verzichtet hat. Ist er ein Rumäne im gesetzlichen — nicht ethnischen — Sinne des Wortes? Gewiß nicht, nachdem ihm diese Eigenschaft noch nicht zuerkannt wurde. Er befindet sich also in einer Sonderstellung, die im praktischen Leben zu den größten Nachtheilen führt. Und gerade gegen diese auch für uns creirte Sonderstellung richten sich unsere Klagen. Es bleibt feststehend, Herr Präsident, daß unter „fremd" nur Jener gemeint sein kann, der Angehöriger eines fremden Staates ist; wir dagegen, die wir Militärdienst leisten, können keine Fremden sein, nachdem schon Artikel 2 des Recrutiruugsgesetzes den Grundsatz feststellt, daß Fremden der Eintritt in die rumänische Armee untersagt bleibt. Die logische Folge dieses Grundsatzes wäre also allerdings, daß wir Angehörige des rumänischen Staates sind und nur weil dies auf gesetzgeberischem Wege nicht ausgesprochen wurde, erfahren wir die gleiche Behandlung mit den wirklich Fremden. Ein Gesetz also, welches unsere Stellung als Angehörige des rumänischen Staates genau präcisirt, ist eine unbedingte Nothwendigkeit. ' Sic selbst, Herr Präsident, haben im Senate erklärt, daß die Klagen der einheimischen Juden gerechte sind. Selbstverständlich konnten Sie nicht unter „einheimische" die naturalisirten Juden meinen, da diese nichts zu verlangen haben, sondern jene, welche im Laude geboren und der Militärpflicht nachgekommen sind. Wir also, die zu dieser Categorie gehören, erlauben uns Ihre Unterstützung zu erbitten. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß unser gerechtes Verlangen einen Wiederhall in den Gefühlen der Congreß-Theilnchmer finden wird. fmnifcta. Wien. (Tra uun gen.) Sonntag, den 11. Juni 1893 wurden getraut: Herr Isaak Löwen stein mit Fräul. Jeanette Färber. — Herr Leop. Schlesinger mit Fräul. Adele Langer. — Herr Jul. Leop. Le hmann mit Irl. Alexandrine Lipen maye r. — Herr Dr. Sicgm. Kodiczek mit Fräul. Mathilde Kollmaun. — Herr Leop. Mayer mit Fräul. Rosalia Steinhart.—Herr Dr. Jacob Nirenstein mit Fräul. Clara Engel. Wie». Privatdocent Dr. Emil Szanto, Sohn des verewigten Slinon Szanto. wurde von Sr. Majestät dem Kaiser zum außerordentlichen Professor für griechische Geschichte und Alterthumskunde an der Universität irr Wien ernannt. — In der Kunstausstellung befindet sich die Büste des Herrn Dr. Jellinek, verfertigt von dem Bildhauer Cassin. Wien. (Neue Commercialräthe.) Der Handelsminister hat den Fabriksbesitzer Moritz I. Oberländer, den kaiserlichen Rath Julius Pollak und den Glasfabrikanten Alois Reich zu Mitgliedern der k. k. Permanenz-Commission für die Handelswerthe ernannt. Wien. (Eine Scene im Prater.) Bor dem Gasthause des Wirthes Kreuleder im Prater' kam es kürz, lich zu einer Scene von empörender Rohheit. Nach Schluß der Vorstellung im Fürst-Theater gab ein Kellner des genannten Gasthauses,* der die Vorstellung besucht hatte, in unmittelbarer. Nähe der Restauration einem neunjährigen Knaben eine Ohrfeige. Passanten nahm.« sich des mißhandelten Kindes an und riefen den Wirth, damit er seinen Kellner zurechtweise' Herr Kreuleder sowohl wie sein.: Tochter und Sohn stellten sich jedoch auf Seite des rohen Kellnerburschen und meinten, der geschlagene Knabe sei ohnehin nur ein Judenknabe. Die Scene rief begreifliche Entrüstung unter den Zeugen derselben hervor und dürfte auch ein gerichtliches Nachspiel haben. Eibenschitz. Vor kurzer Zeit wurde hier Frau Rosa Waldmann, geb. Rattinger ausMislitz, im Alter von 42Jahren, zu Grabe getragen. Frau Waldmann, die Gattin unseres geehrten Oberlehrers, Herrn Julius Waldmann, war durch ihre Bildung, ihre vorzüglichen Charaktereigenschaften und ihren Wohlth'ätigkeitssinn eine allgemein beliebte Persönlichkeit. Alle Kreise der Bevölkerung waren beim Leichenbegängnisse vertreten und der Rabbiner, Herr Dr. Herrman Handel hielt der Verstorbenen einen tiefempfundenen, wohlverdienten Nachruf. Budapest. Herr Professor Dr. David Kaufmann ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Sein Schwiegervater, Herr Sigmund Gomperz, der ehemalige, langjährige Chef des Großhandluugshaufes Brüder Gomperz, ist in seiner Villa auf dem Schwabenberge gestorben. Der Heimgegangene gehörte einer der berühmtesten und ältesten durch Wissen und Wohlhabenheit ausgezeichneten jüdischen Familien Oesterreichs an. welche dem Judenthume zahlreiche Männer des Geistes geschenkt hat. Er selber ward im Jahre 1817-in Waag- Neustadtl geboren, kam in jungen. Jahren nach Pest, errichtete hier ein bedeutendes Tuchgeichäft und dann eine große Tabak- und Cigarrenfabrik, die bei Einführung des staatlichen Monopols abgelöst wurde. Zu Ende der sechziger Jahre nahm das Haus den Tabak-Exporthandel nach dem Auslande auf und erzielte mit demselben sehr bedeutende Erfolge. Gomperz zeichnete sich durch seltene Rechtschaffenheit, Biederkeit und durch freigebige Wohlthätigkeit aus und hat sich die Sympathie und die Achtung eines weiten Kreises unserer hauptstädtischen Gesellschaft erworben. Auch reger Sinn für Wissenschaft und Literatur fehlte dem biedern Kaufmanne nicht, er beschäftigte sich vielfach mit denselben, edirie den literarischen Nachlaß seines trefflichen Vaters und plante auch die Herausgabe der Geschichte seiner Familie, die von altersher in Ansehen gestanden war und vielfache interessante Beziehungen zu hervorragenden Persönlichkeiten unterhalten hat. •' Sambor. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai l. I. entstand hier ein Schadenfeuer in einem aus Holz gebauten Hause, das so rasch um sich griff, daß die Bewohner desselben mit knapper Noth das nackte Leben retten konnten. Am schlechtesten erging es einem dort wohnenden jüdischen Bäcker Namens Jacob Licht. Er und seine Frau wollten ihre zwei Kinder. (Knaben) retten, und verbrannten sich derart, daß Beide in's Spital gebracht werden mußten. Ein Knabe verkroch sich unter eine Bank und wnr, e am zweiten Tage ganz verkohlt ausgefunden, der andere Knabe erlag den darauf folgenden Tag den Brandwunden. Diese Eheleute wurden aber vom Mißgeschick auch früher verfolgt, indem ihnen von 8 Kindern nur diese 2 Knaben am Leben blieben, um in dieser verhängnisvollen Nacht so schrecklich zu Grunde zu gehen. Wenn nun die armen Eheleute das Spital verlassen, so finden sie kein Kind, kein Obdach und gar keine Habse.ligkeiten. Um die vom Brandunglücke Betroffenen zu unterstützen wurde hier eine Sammlung unter den Glaubensgenossen gemacht, welche aber bei weitem nicht hinreicht, ihnen zur Wetterführung ihrer Geschäfte zu verhelfen. Insbesondere wird Jacob Licht und seine Frau im christlichen Spitale, (wohin sie in dieser Nacht wegen Abbrennungsgefahr des jüdischen Krankenhauses gebracht wurden) von dem gesammelten Gelde beköstiget, so daß für diese beim Verlassen desselben fast gar nichts bleiben wird. Das hiesige Local-Comite der Baron Hirsch-Stiftung, wendete sich an das Wohlthätigkeits-Bureaü der Baron Hirsch- Stiftung in L.'mberg um Unterstützungen für die Schwerbetroffeven. Hoffentlich wird das Wohlthätigkeits-Bureau die so schwer Betroffenen berücksichtigen. ' t Krakau, 13. Juni. Mechaniker Ernst Schneider hat eine Agitationsreise nach Galizien angetreten, die sich auf Krakau, Lemberg und eine Reihe kleinerer galizischer Städte, sowie auch auf Czernowitz erstrecken soll. Schneider will auf die zur Gewerbe-Enquete nach Wien berufenen Experten in seinem Sinne einwirken. Für Schneider setzt sich Abgeordneter P. Chotkowski eifrig ein. Trotzdem ist Schneider die Agitation speziell in Krakap mißlungen.