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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 24 Vekerreichifche WochenfchrM Seite 463 Baron einen sehr günstigen Eindruck machte. Der Vorstellung wohnten fast alle Cvlonisten-Frauen bei, die der Baron mit folgenden Worten beehrte: , „Den Händen der Mütter ist die Erziehung der Kinder anver- -traut.. Erfüllet Euere Mission und haltet die Kinder zum Schulbesuche an, damit sie in der Sprache der Väter die Thora erlernen, welche nicht nur religiöse Satzungen, sondenr auch Sittlichkeit und Tugend lehrt. Nicht nur Eure Armuth hat mich veranlagt, Euch unter meinen Schutz zu nehmen, sondern Eure Liebe zum heiligen Lande und Euer Wunsch, im Geiste des Judenthums hier zu leben. Verrichtet Euer tägliches Gebet, wie meine Gottselige Mutter, die dreimal täglich gebetet hat; leget selbst Hand au die häuslichen Arbeiten und helfet Euren Männern auf dem Felde! Wisset, daß die Augen aller Welt auf die Colonien in Palästina gerichtet sind. Zeiget daher der Welt, daß die Juden tüchtige Ackerbauer und zugleich fromme Juden sein können". Am darauf folgenden Morgen verließ der Baron unter den Segenswünschen der braven Colonisten die Ansiedlung und begab sich nach Tantnra, wo er seine aus Beyruth kommende Gattin abholte, um mit ihr gemeinsam nach „Sichron Jacob" zurückzukehren und noch einen Tag daselbst zu verbleiben. Königswart (Böhmen). Geehrter Herr Redacteur der „Oesterreichischen Wochenschrift". In Nr. 8 Ihres werthen Blattes vom 24. Februar a. c. wird in einer Correspondenz aus Marienbad über den Curort Königswart geschrieben, daß daselbst der ärgste Antisemitismus herrscht und daß sich der städtische Arzt Ä. U. Dr. Kindl, welcher gegenwärtig Pächter des Curhauses ist, ungenirt zu den Jüngern des Zwettler Herrn bekennt. Diese Correspondenz beruht nicht auf Wahrheit, sondern entstellt die Thatsachen gewaltig. Es hat hier in den letzten Jahren, während Schönerer hier und in Eger seine Brandreden gegen die Inden losließ, einige Antisemiten gegeben, welche sich aber nur aus der unbedeutendsten Classe des Ortes recrutirten, dieser Antisemitismus hat aber im Laufe der Zeit durch den Einfluß der besseren und gebildeteren Elemente fast ganz nachgelassen! Was speciell den Herrn Dr. Kindl anbelangt, welcher nebst tüchtiger Arzt auch ein höchst anständiger und gebildeter Mann und alles mehr als Antisemit ist, so hat gerade dieser Mann sehr viel dazu beigetragen, diese sociale Krankheit, genannt Antisemitismus, zu heilen und die frühere Einigkeit unter den Bewohnern und Confessionen unseres Ortes wieder herzustellen. Wir unterfertigten Israeliten bitten dieses in Ihrem werthen Blatte richtig zu stellen und zeichnen hochachtend Moriz S ch w a r z m. p. Nathan Pfefferkorn m. p, Bernard' Oesterreicher m. p. im Namen mehrerer hiesiger Israeliten. Petersburg. Die „Mittheilungen" des Berliner Abwehrvereines bringen Nachstehende interessante Zeitungsstimmen: Liegt die Rechtlosigkeit der Juden im Interesse des russischen Staates? Die „Petersburgs kija W j cbom o fti", welche anerkanntermaßen die russische Intelligenz und. die akademischen Kreise an der Newa vertreten, schreiben: „In Sachen der Russifizirung unserer nord- und südwestlichen Grenzdistricte spielen die Städte offenbar eine besonders wichtige Rolle und wird man deren Einfluß in der einen oder in der anderen Richtung als maßgebend nicht nur, sondern geradezu als entscheidend anerkennen müssen. Der Grund dafür ist sehr leicht ersichtlich, weil in den Städten die gesammten geistigen und materiellen Kräfte des Landes sich concentrirt finden. Es ist allgemeines Entwickelungsgesetz, das noch zu allen Zeiten und bei den verschiedensten Nationen seine Gültigkeit bewährt hat, daß geistige Strömungen und politische Tendenzen immer zuerst in den Städten zu keimen beginnen und dort auch zur Reife gelangen. Erst nachdem die Ideen und die Bestrebungen in der städtischen Bevölkerung feste Wurzeln geschlagen haben, fangen sie an, allmählich auch in das flache Land durchzusickern und reißt der Strom schließlich auch die an sich träge Landbevölkerung mit, sofern sie sich überhaupt fähig erweist, dem Fluge der Zeit zu folgen. Und wo immer es sich in der Geschichte um die politische Zuverlässigkeit und die Reichstreue eines wichtigen Grenzgebietes handelte, suchten die Staatsmänner vor Allem die städtische Bevölkerung zu gewinnen und diese für die Idee der Reichseinheit zu begeistern, in der richtigen Erwägung, daß die Landbevölkerung noch nie die politische Initiative ergriffen habe." Man nehme nun ein beliebiges statistisches Compendium zur Hand und man wird sehen, aus welchen Theilen die städtische Bevölkerung der fraglichen russischen Grenzgebiete besteht. Die Juden machen die große Mehrzahl aus. Zu Anfang der 80er Jahre, als die Juden noch auf dem flachen Lande daselbst wohnen durften, setzte sich die Bevölkerung in den 67 Kreisstädten des sogenannten rechtmäßigen Ansässigkeitsgebietes aus 57 Perzent Juden und 43 Perzent Nichtjuden zusammen, unter welchen das eigentlich orthodoxe, nationalrussische Element eine verschwindende Minderheit bildete. Glaubt man etwa, daß es den russischen Juden ein besonderes Vergnügen macht, in diesem eigenartigen Ghetto eingesperrt zu bleiben? Und klingt es nicht wie Hohn auf die Gerechtigkeit und auf den gesunden Menschenverstand, wenn man die Judenfresserischen Organe darüber jammern hört, die Juden hätten das Gebiet „in Beschlag genommen" und sie wären die „Herren" im Lande! Dieser Borwurf ist thatsächlich mit dem Aerger darüber gleichbedeutend, daß die Geächteten, allen grausamen Verfolgungen zum Trotz, doch noch zu leben und selbst sich fortzupflanzen wagen, statt den anderen Moscowiten zu Liebe, eu müsse Selbstmorde zu begehen. Man drehe und wende sich, wie man wolle : die für die russischen Staatsinteressen so eminent wichtige Frage von der „moralischen Eroberung" der nord- und südwestlichen Grenzgebiete, welche heute an der Feier ihrer hundertjährigen Eroberung durch das Schwert dem national-russischen Staate so fremd sind, wie zur Zeit der Polenherrschaft, ist von der rationellen Lösung der Judenfrage in Rußland schlechterdings unzertrennlich und will der russische Staat jene „Reichslande" wirklich gewinnen und dauernd an sich fesseln, so muß er sich zur vollen Emancipation und rückhaltlosen Gleichberechtigung der Juden im Reiche entschließen. Der erste und unumgängliche Schritt dazu ist die Aufhebung der fluchbeladenen Sperre: die Oeffnung des Riesenkäfigs, den Heuchler und Narren das „rechtmäßige Ansässigkeitsgebiet der Juden" genannt haben. „Rußkaj a S ch iza", welche die größte Popularität an der Newa besitzt und welcher selbst die „Novoje Wremja" das Zeugniß der unbestechlichen Redlichkeit und der wärmsten Vaterlandsliebe nicht versagen kann, schreibt: „Die Frage von der wirksamen Verschmelzung unserer westlichen Grenzmarken mit deni Innern des Reiches ist mit der Lösung der viel discutirten Judenfrage identisch und wird die Russifizirung der Reichslande ohne die Proclamirung der vollsten Gleichberechtigung der Juden nie und nimmer gelingen." Die „Rußkija Wjedomosti", das Organ der Moskauer Universität, lassen sich in derselben Angelegenheit wie folgt vernehmen: „Das ernste Bestreben, unser westliches Gebiet in Wahrheit russisch zu machen und das zähe Festhallen an dem alten Unrecht gegenüber den Juden schließen sich gegenseitig aus und wer kein Heuchler und Phrasendrescher ist, muß gestehen, daß unsere eigenen Lebensinteressen es gebieterisch erheischen, jenes Unrecht endlich einmal wett zu machen." Die „Nedjelja", bekanntlich das älteste Wochenblatt im Zarenreich, veröffentlicht aus demselben Anlaß einen längeren Leitartikel, das „hysterische Element in der Politik" überschrieben, in welchem es u. A. wie folgt heißt: „Es ist unser nationalrussisches Unglück, in den wichtigsten Fragen des Staatslebens die überlegende Vernunft nicht zum Worte kommen zu lassen, vielmehr sich lediglich durch die dunklen Gefühle der erregten Leidenschaft und durch hysterische Launen leiten zu lassen. Mag man mit den Publicisten im „Grafchdanin" und in der „Novoje Wremja" sechs Tage lang herumdisputiren und ihnen sonnenklar beweisen, wie sehr sie durch ihre wüste Judenhatz die besten Interessen des Vaterlandes schädigen, am siebenten Tage bekommt man doch den brutalen Machtsprnch zur Antwort: „Wir wollen keine Juden! Die müssen von der heiligen russischen Erde ausgerottet werden!" Und — damit Punktum. Es ist überflüssig, erst des Längern zu beweisen, daß wichtige politische Fragen nicht nach Maßgabe der Eingebung hysterischer Anfälle und krankhafter Leidenschaften beurtheilt oder gar behandelt werden können! Auf die „Ausrottung" der Juden wer-' den die braven Patrioten noch lange zu warten haben und inzwischen — stehen die Räder des weltgeschichtlichen Fortschritts trotz alledem nicht still". Bukarest. Der Centralausschuß des „Vereines einheimischer Juden", wie sich die Bereinigung jüdischer Reservisten in Rumänien nennt, richtete an den Präsidenten der „rumänischen Culturliga" folgendes Gesuch: Herr Präsident! Wir benützen den freudigen Anlaß, wo die hervorragendsten Mitglieder der Liga sich zu einem Congreffe versammeln, um zu Gunsten

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