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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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I Seite 460 Oesterreichische Wochenschrift Nr. 24 nicht in Erfahrung gebracht. Er ist ein sehr gebildeter Mann, und spricht perfect drei Religionen. Leider hat er jetzt heftigen „Koppschmerz"- Johannes, aber was machen Sie denn da? jetzt treiben Sie mir es wahrscheinlich allzu arg. Wollen Sie denn den einzigen Gast aus der Bude hinausdrängen, wie der Stadtrath den einzigen Juden. Ich soll mich an einen anderen Tisch setzen? Auch nicht übel. Aber da wünsche ich endlich Ruhe zu haben vor der aufteibenden Thätigkeit dieser würdigen Dame aus den älteren Jahrgängen dieses miserablen, verjudeten Säculums. Sde werden mich noch zur Verzweiflung bringen, Johannes. Wenn ich mir ein Colleg anthue, haben Sie es dann auf ihrem ruchlosen Gewissen. — Also Lueger wäre glücklich in der Station Stadtrath eingelaufen. Da er nebenbei nur noch Reichsraths-, Landtags-Abgeordneter und Gemeinderath ist, hat er somit weniger Zeit, in Wirthshausantisemitismus zu machen. Und darauf haben es auch diese durchtrieben schlauen Semiten abgesehen. „Wer soll künftig unsere Kleinen lehren, Krügel werfen und den Schneider ehren, wenn die Stadtrathsitzung dich verschlingt?" Ich halte die Juden wirklich fähig, daß sie den Doctor Lueger in ihrer Bosheit und bodenlosen Tücke noch zum Bürgermeister machen werden, blos um iyn zu beschäftigen und seine agitatorische, segensreiche Thätigkeit zu zersplittern und zu schwächen. Aber Lueger, wenn er auch jetzt in den Stadtrath eingezogen ist — auf die 3000 fl. hat er bekanntlich verzichtet und nur unter dieser Bedingung ist er Mitglied dieser früher viel von ihm angegriffenen Corporation worden. — Lueger, wie gesagt, wird seinerzeit die goldene Bürgermeisterkette mit grandioser Handbewegung von sich abzuweisen wissen. Er studirt schon längere Zeit vor einem großen Spiegel an diesem Gestus. „Die goldene Kette gib mir nicht, die Kette gib" u. s. w. Lueger — Bürgermeister! Meine Phantasie geht schon wieder einmal mit mir durch. Aufhalten! — Vielleicht erleben wir auch noch das Cabinet Alois Liechtenstein: Pattai, Justiz — Gregorig, Handel — Professor Schlesinger, Finanz — zu schön, zu schön-ich will ihn nicht fertig träumen den Wonnetraum, damit das Erwachen nicht allzu grausam ausfalle. Ja, das möchte ich erleben — Du weißt ja o Pumpo ich habe mir immer gewünscht, recht alt zu werden — wenn ich das in der Wiener Zeitung gelesen haben werde, wird auch die „Ostdeutsche Rundschau" des Herrn K. H. Wolf bei ihrem zwölften Abonnenten glücklich angelangt sein — und der soll mir die Augen sanft zum ewigen Schlummer zudrücken. Schönerer protegirt den kleinen Wolf — gratis. Nämlich so weit es ihn nichts kostet. Die „Ostdeutsche" ist doch quasi ein Concurrenzunternehmen der „Unverfälschten"; d. h. unter uns im größten Vertrauen gesprochen, wenn man das Concurrenz heißen kann: der Wettbewerb zweier Blätter, deren Leserkreis sich auf Redacteur, Setzer und Staatsanwaltschaft beschränkt. Siehst Du Pumpo, das ist die ideale Presse. Davon ist die Judenpresse noch sehr weit entfernt. Es gibt wohl sonst allerlei Specialitäten, unter den Journalen, Blätter ohne Leitartikel, ohne Feuilleton, ohne Annoncen, aber Blätter ohne Leser — das ist die höchste Errungenschaft des Zeitgeistes. Die „Unverfälschten" sind mein Leibblatt in jedem Sinne. Gleich dort, wo andere Blätter den Kopf haben, beginnt ein Verzeichnis „germanischer Namen für den Brachmonat". Höre einmal einige aus der langen Liste derselben an, mein Pumpo. Vielleicht hast Du mal Verwendung für einen oder den andern. Ein strammer Deutschnationaler heißt seine Buben: „Matulf, Dietbald, Udalrich, Erpo, Horand, Adelar, Austrobert, Hadulf, Jllcher, Meinwerk, Skrrbald, Turismund, Agobart, Eppo, Walafons, Klodulf, Tagino, Ebermund. Jwo, Blither, Jssried — aber dafür die Mädel: „Adelgis, Elfgiba, Ratrud" u. s. f. -das heiße ich ein Journal, wo solche schöne Sachen drumen stehen thun. Wo findest Du so was noch? Ich halte diese Lectüre für hübsch, lustig und unterhaltlich. Kann es etwas Reizenderes geben für einen Mann won Geist, als 12 Spalten — enggedruckte, natürlich — von Briefkastennotizerln zu lesen? Doch fast hätte ich den deutschnationalen Kalender, herausgegeben von Jro und Wolf, vergessen, für den schon eifrigst propagirt wird mit Bum Bum, bevor er noch erschienen ist. Das ist sehr weise gehandelt von unseren wackeren Genoffen, denn, nachdem er die Presse verlassen, würde ihn kein Mensch, nicht einmal ein Schönerianer 'kaufen. Dieses Jahr wird er besonders reichhaltig werden. Auch ein Aussatz von mir — Discretion, Ehrensache — soll drinnen stehen. Ich will Dir rasch noch Einiges sagen von feinem schönen und manigfaltigen Inhalt: „Die culturgeschichtliche Bedeutung des Meineides" von Canonicus Rohling. „Die Stampiglie und ihre Verfälschung von E. Schneider". „Das politische Chamäleon und der goldene Luchs. Eine allegorische Dichtung". — Mehr darf ich für heute nicht verrathen. _ Dein Teutobold. David Lohn. Die in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erschienene Notiz über den vom ungarischen Mmisterpräsidenten Weckerle in's Staatssecretariat des Finanzministeriums berufenen jugendlichen Nationalökonomen David Kohn gibt mir Veranlassung, einen beachtenswerthen Artikel, den das von dem beliebten Dichter Josef Kiß vorzüglich redigirte Wochenblatt „A Het", als Begleitwort zu dem von dem hervorragenden „Jünger der Wissenschaft" gebrachten Bilde kürzlich veröffentlichte, in möglichst getreuer Übersetzung den Spalten Ihres Blattes zur Verfügung zu stellen. Das Bild schmückt die Titelseite des Blattes und der mit „Homo" gezeichnete Commentatar spricht sich darüber folgendermaßen aus: - Vor einigen Monaten habe ich an dieser Stelle die Monographie der Kohne erörtert. Damals war von Theodor Kohn die Rede, den der Humor der Geschichte trotz der sorgfältigen Documentirung seines sonderbaren Namens und feiner noch sonderbarern Abstammung zum Apostel geweiht hatte. Ich führte damals aus, was ich von dem Stamme der Kohne im Allgemeinen und von dessen Einwirkung auf die Entwicklung unseres Zeitalters insbesondere halte, ich wies nach, daß die Kohne der Geschichte nicht nur so mir nichts Dir nichts vom Baume herunterfallen, sondern daß ihnen in dem historischen Aufbau unseres Erdtheiles eine größere Rolle zukömmt, als Mancher denken mag — wenn es nicht gar so schwer wäre, dem Kreislauf des jüdischen Blutes nachzuspüren. Ich wies auch nach, daß die Geschichte dennoch einst den Weg der Kohne kennzeichnen werde, leicht erkennbar und unverläugbar für Jedermann. In unserem Kohn ist nun wieder eine solche Kennzeichnung^ der Geschichte vollzogen worden, daß Jedermann es sehen kann, woher der Zug kommt. Nur daß unser Kohn nicht den Humor, sondern den Ernst der Geschichte zeigt. Das Gebiet, auf welchem die Natur mit David Kohn arbeitet, ist dem Stamme nicht mehr neu, die Wissenschaft ist ja schon längst zum zweiten Palästina der Juden geworden. Da wirkt es nicht komisch, wenn ein Kohn auf dem erzbischöflichen Throne sitzt, ein Komikum ist es vielmehr, wenn z. B. ein Emerich Pauer den akademischen Preis gewinnt. Aber einen stillverwandten Zug erblicke ich dennoch bei den beiden zeitgenössischen Kohns: 'das hartnäckige Ausspielen der Kohne als irgend eines Pagat Ultimo gerade jetzt, da Europa zu deren Aufnahme so wenig Lust zu haben scheint. Ich will es offen gestehen, daß mir der Theodor nicht imponirt. Um gewählt oder ernannt zu werden, dazu gehört gar wenig Gehalt. Erforderliche Unterthänigkeit, das Zusammentreffen eines gewissen Alters und einer Sedisvacanz, Geschicklichkeit und Menschenkenntniß haben schon so manche Nullen zu Millionären befördert, und wenn wir auf unser Parlament blicken, welches die erwählte Flour unserer Nation repräsentiren soll, werden wir es gar bald inne, wie viel Talent und Fähigkeit dazu gehört, um als ein Genie vor dem erlauchten Volke zu gelten. Bei Theodor imponirte mir die Geschichte, deren Spiellust und geistreichen Einfall ich bewunderte, wie sie eine hochwichtige Culturftage mit feinem Lächeln und ohne alle Phraseologie in den Vordergrund und an die Spitze stellte. — Mir imponirt der Kohn, der David mehr. Er ist der Held des Wissens. Für ihn bedurfte es keiner Sedisvacanz/ keiner Verkettung des Alters und der glücklichen Umstände, um etwas zu werden. Bei ihm hat sich die Geschichte noch geistreicher gezeigt, als wenn sie sich nur von ihren beiden Polen gezeigt hätte. Dort die Wahl, hier der Beruf, bei Theodor das Recht des jüdischen Stammes, bei David die ernste Pflicht, als wollte sie gleichsam andeuten, Du mußt mit dem Pflügen des europäischen Kulturbodens anfangen und in Olmütz vollenden, oder umgekehrt, lass Dir Olmütz nicht in den Kopf steigen,. Kohn, denn Dein ist die Arbeit, die Pflicht,'der Schweiß! Theodor ist darum auch kein Jude mehr. Der Lohn kommt für diesen Stamm gewöhnlich erst nach dem Tode, oder /

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