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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 456 Oesterreichtfche Wochenschrift Nr. 24 Facultät in Leipzig, die im Jahre 1714 eine Gesammterklärung im gleichen Sinne veröffentlichte; Johann Schudt, wiewohl er unter anderem ein 2000 Seiten starkes Buch gegen die Juden herausgegeben hatte; Christian Wolf, der Verfaffer der „Bibliotkeca Hebraea“ in 4 dicken Bänden, der fromme Doctor der Theologie und beider Rechte, Joh. Fr. Maier aus Frankfurt, ein großer Kenner der hebräischen Literatur; der bekannte, frommgläubige Katholik Molitor, in der hebräischen Literatur von nicht minder gründlicher Gelehrsamkeit; der fromme protestantische Bischof Dreseke und viele andere Männer, deren edlem Fleiße in der That die besten Früchte erwuchsen. Als im Jahre 1840 gegen die Juden in Damaskus die gleiche Beschuldigung erhoben wurde, traten ganz Europa und Amerika wie ein Mann zum Schutze der ungerecht Beschuldigten auf, an deren Schicksal unter den nahezu sämmtlichen Cabineten Europa's auch das unserige lebhaften Antheil nahm. 10. Wenn aber nun auch alle gebildeten Christen die Unmöglichkeit einer. General-Beschuldigung der Juden hinsichtlich der Blutsitte Übereinstimmend zugeben, so giebt es doch einige unter ihnen, die aus Mangel an näherer Bekanntschaft mit dem Geiste des Judenthums, mit der Geschichte des Judenthums und insbesondere mit der Geschichte und den Formen dieser Anklage und weil sie von dem Glauben an die für die Juden schimpflichen vermeintlichen „Facten" sich doch nicht trennen wollen, in einen anderen Jrrthum, in den der Annahme einer mit diesem schweren Vergehen behafteten Secte unter den Juden verfallen. . Nun hat die Anklage, von der hier die Rede ist, fast immer gegen sämmtliche Juden überhaupt und niemals gegen einzelne Individuen sich gerichtet. Die Zeugen, die in dieser Frage gegen die Juden auftraten, deponirten fast jedes Mal, daß an dem Verbrechen die Rabbiner selber betheiligt, die Synagoge zum Schauplatz der Ausführung gewählt und die Beschreibung des „Ritus" schließlich vollkommen ausführlich in gewissen, allen Juden heiligen Büchern, so z. B. in denr Buche „Rambam" niedergelegt sei. Man müßte, wenn all diesen Zeugenaussagen Werth beigelegt würde, folgerichtig alle Juden generaliter verürtheilen, oder aber würde im entgegengesetzten Falle jede Ursache zu einer.Verurtheilung überhaupt entfallen. Andererseits, wenn wir einräumen sollen, daß an dem jeweiligen Verbrechen nicht alle Juden, sondern nur irgend eine Secte unter ihnen Schuld trüge, müssen wir bekennen, daß auch eine solche Anschauung sowohl innerer wie äußerer Begründung entbehrt. Womit könnte denn eine solche vermeintliche Secte' ihre derartigen, auf alle Fälle äußerst gefahrvollen Ausschreitungen motiviren? Das Judenthum hat niemals vom Christeuthum zu fürchten gehabt. In der ganzen rabbinischen Gesetzgebung, wie schon bemerkt, existirt kein einziges Gesetz, das direct an die Entstehung des Christenthums geknüpft worden wäre, während die späteren Rabbinen fast einstimmig erklärten, daß man die Christen unmöglich als Heiden betrachten könne. Wie kann es dann eine jüdische Secte geben, die, indem sie angeblich so furchtbaren Ausschreitungen huldigt, eben dadurch noch den strengsten mosaischen Verboten des Blutgenuffes, des Mordes und des Menschenraubs zuwider handelt und die überdies von sämmtlichen Juden vielfach bedroht zu werden fürchten müßte, abgesehen davon, daß nicht einmal persönliche Racheempsindungen das Entstehen einer solchen Secte hätten Hervorrufen können, da die unzähligen Leiden, die dem ganzen Judenthum in Folge solcher Beschuldigungen regelmäßig zugesügt wurden, selbst den rachedürstigsten Juden von den Kundgebungen solcher Gefühle gegen die Christen hätten zurückhalten müssen, die Kinder seiner. Feinde zu tödten und das hierzu angesammelte Rachegefühl erst zum Termine der Passahfeier losbrechen zu lassen, aber gegen alle Wahrscheinlichkeit verstößt und es dabei auch unerfindlich bleibt, wie die vermeintlichen Sectirer zu der Sitte kommen, an den getödteten Kindern ihrer vermutheten Feinde „aus Rache" den Act der Beschneidung und der Nägelabstutzung zu verrichten > Die Juden selber haben zu allen Zeiten — wie sie es auch jetzt noch thun — die Existenz einer ähnlichen Secte, ja auch nur einzelner Personen unter ihnen, die eines solchen Verbrechens fähig wären, entschieden in Abrede gestellt. Und in der That giebtdie gesammte hebräische Literatur auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für die Behauptung der Existenz einer solchen Secte oder einzelner Missethäter dieser Art unter den Juden, wie selbst die ärgsten Feinde derselben unter' den wissenden und leidenschaftslosen Christen zugeben und erklären mußten. Worin liegt die Ursache dieses beharrlichen, eifrigen Leugnens von angeblich unter ihnen befindlichen Verbrechern dieser Art und warum kann man aus der ganzen hebräischen Literatur nicht das Mindeste Nachweisen, was die Existenz einer solchen Secte oder solcher Individuen bestätigen würde? Von zwei Möglichkeiten ist es eine oder die andere. Entweder wissen die Juden in der That nichts von der Existenz einer solchen Secte oder sie wissen davon, machen aber daraus ein Geheimniß. Sowohl die erstere wie die letztere Annahme kann aber absolut unmöglich richtig sein. Wie bekannt, bewohnten die Juden im Mittelalter und in manchen Gegenden noch bis in die Gegenwart hinein, besondere Judenquarnere, sogenannte Ghettos, in denen sie dicht beisammen lebten. Hier, aus Mangel an Räumlichkeit, waren sie genöthigt, haufenweise zusammengedrängt in vielstöckigen Häusern und engen Straßen zu leben. So konnten sie die Führung und Lebensweise jedes Einzelnen ihrer Mitbürger genau verfolgen und ausspüren. Hätte cs wirklich unter den Juden solche Missethäter gegeben, wäre es bei diesem engen Zusammenleben durch sechs Jahrhunderte, das heißt von der Zeit an, da ihnen zum ersten Mal das Brandzeichen dieses Argwohnes von ganz Europa ausgeprägt wurde, möglich gewesen, daß die Juden in ihrer Mitte nicht Leute wahrgenommen hätten, die alljährlich, oder doch wenigstens sehr häufig christliche Kinder abfangen, sie eines martervollen Todes sterben lassen und ihr Blut aussaugen, um es entweder zu trinken oder für irgend welche Religionsriten zu irgend einem Zauberspruche zu verwenden? Im Interesse einer jeden jüdischen Gemeinde, auf die dieser Argwohn fiel, mußte es liegen, die - wirklichen Missethäter auszusorschen und sie den Armen der christlichen Justiz zu überliefern, um hiedurch sich selber, ihre Frauen, Kinder, Verwandten, Ortsgenossen, kurz alle Juden des Ortes, vom sicheren Untergänge zu retten! Bleibt nun noch die andere Annahme übrig: Die Juden wußten von derartigen Verbrechern in ihrer Mitte, aber kraft der sie Alle umspannenden, die Preisgabe von Glaubensgefährten nicht zulassenden Solidarität haben sie das jeweilige „Factum" abgeleugner. Abgesehen nun davon, daß diese wechselseitige Verpflichtung Aller für die Einzelnen schon durch die bloße nicht seltene Erscheinung des Denunciantenthums unter den in Gegnerschaft befindenden Juden als die reinste Illusion Lügen gestraft wird, bemerke ich wiederholentlich, daß es im höchsten Grade unwahrscheinlich ist, daß im Laufe so vieler Jahrhunderte ganze Judengemeinden lieber die furchtbarsten Verfolgungen, ja mitunter eine vollständige Ausrottung riskirt haben sollen, nur um Einzelnen ihrer Mitglieder die Möglichkeit zu bieten, Verbrechen zn begehen, die in ihren Augen schon von Religionswegen entsetzlich erscheinen mußten. Die höchste Wahrscheinlichkeit läßt vielmehr das Gegentheil keinem Zweifel unterliegen, daß eine Secte von derartigen verwilderten Anschauungen von den Juden selber mit den schärfsten in ihrer Macht liegenden Maßregeln verfolgt und deren Anhänger, statt so viele Generationen hindurch mit Aufopferung des ganzen Daseins geschont zu werden, vielmehr den Annen der Justiz von ihnen überliefert worden wären. Der Fanatismus der Juden kehrt überhaupt sich niemals nach außen, sondern nach innen. Die Juden verhalten sich nämlich herzlich gleichgültig gegen die Ausbreitung ihrer Religion unter den Völkern, sie betrachten dieselben gar nicht für verpflichtet, die religiösen Vorschriften zu erfüllen, die blos den Nachkommen Abrahams, Jsaks und Jakobs offenbart wurden. Dagegen halten sie das ganze jüdische Volk für ver-

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