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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-16 · 24 (16.6.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
24 (16.6.1893)
Date
1893-06-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Vrfirrreichlfchr Wochenschrift Seite 455 verwendnng bei den jüdischen Secten", Moskau 1876, S. 89, 91, 93, 94 ff.) „hochofficielles" Document basirt und aufgebaut. Ganz anders verhalten sich in dieser Frage all die übrigen wirklich gelehrten und zugleich ehrenhaften Leute unter den getauften Juden, die in dergleichen Fällen jedesmal der Verteidigung der Juden das Wort redeten. Unter ihnen glänzen die Namen von bedeutenden gelehrten Bischöfen und anderen Factoren, die zum Glanze der christlichen Kirche beitrugen. Wenn auch unter diesen Hochgestellten Einzelne sonst als verbissene Feinde der Juden sich enthüllten, gegen die Blutbeschuldigung protestirten sie Alle entschieden und energisch, indem sie dieselbe als eine gemeine Klatschlegende bezeichneten, so der frühere Rabbiner und spätere Erzbischof von Burgos, Paolo de Santa Maria, der Großkanzler von Kastilien, ein äußerst hervorragender und gelehrter Theologe, in allen anderen Beziehungen aber ein eifriger Widersacher der Juden, ferner Josun de Lorka, christianisirt Hieronymo a Santa-Fe, der im klebrigen gleichfalls ein Judenfeind als ein bedeutender Gelehrter die Juden zu öffentlichen Disputationen mit ihm auffordern ließ, sodann der gelehrte und fromme Pastor Christian Gerson; und endlich sogar Johann Pfefferkorn, der eine ganze Batterie von feindlichen, mit Gift und Galle erfüllten Schriften gegen die Juden ins Feld führte und ein halbes Leben lang darauf verwendete, um von Kaiser Maximilian und den reaicrenden deutschen Fürsten die Verbrennung aller hebräischen Bücher zu erwirken, selbst dieser größte Feind und Verfolger der Juden sprach sich entschieden gegen den Blutgebrauch bei den Juden aus und erklärte diese Beschuldigung nicht nur für erlogen und lächerlich, sondern ihre Ausrechterhaltung sogar für einen Schandfleck auf der Ehre des Christentbums, was in gleichem Sinne der Wiener- Prior bei den Dominikanern und Hosprediger Veit, dessen Frömmigkeit noch heute in Oesterreich berühmt ist, unter feierlichem Schwur beim kirchlichen Gottesdienste auf der Kanzel ausdrückte, indem er hoch -und theuer versicherte, daß die Juden niemals Christenblut weder brauchen, noch je gebraucht haben. Genau dasselbe thaten der fromme Bischof Neander in Berlin, der Verfasser der gelehrten Kirchengeschichte, der größte und berühmteste Theologe unseres Jahrhunderts, ferner die eifrigen, begeisterten Missionäre M'Koll, Pieritz und viele andere hochgeschätzte und gelehrte Getaufte unter den Juden. Und so berühmten Namen auf der einen Seite stehen im anderen Lager, welche Gegensätze gegenüber! Getaufte Juden-— allerdings! — aber unendlich unwissend, beispiellos unverschämt und unverantwortlich lügenhaft! So z. B. ein getaufter Jude, Franeiscus von Piacenza, der die Behauptung aufstellte, die Juden aus dem Stamme Naftalim werden mit vier Ebershauern und einem Paar Schweinsohren geboren und könnten von diesem Schönheitsfehler nur durch das Remedium des Christenblutes geheilt werden! Ein anderer getaufter Jude, ein Schmäher seiner ehemaligen Glaubensgenossen, derselbe Serafinowitsch, von dem die oberwähnten „Citate" und Titel von niemals epistirenden Büchern erfunden wurden und der seine ausgeheckten Lügen dem gläubig sie ausnehmenden und in seinem Buche verwerthenden Franziskaüermönch Zuchowski mittheilte,, woraus diese ruchlosen Phantasiegebilde, Shells direct, theils durch Vermittlung der Werke Pikulski's in russischer Nebersetzung ihren Weg machten bis zu dem sie als Material benützenden obgenannten „hochosficiellen Documente" Skripizin's, um schließlich den auf den Saratower Proceß bezüglichen Acten beigeschlossen zu werden, wo ich so „glücklich" (?) war, mit ihnen bekannt zu werden. Und diese blöde Denkschrift, die Ljutostanski irgendwo gesunden (?) haben muß, ist wortwörtlich dasselbe, was dieser Herr .als eigenes Werk veröffentlichte, worüber — dieses Memorandum nämlich und das Plagiat Ljutostanski's— weiter unten übrigens (S. 34 ff.) noch gehandelt werden wird. An dieser Stelle dürste noch die Besprechung des folgenden Punktes vonnöthen sein. Unter den den Talmud befolgenden und den den Talmud leugnenden Juden — letztere genannt Karäer — besteht seit zwölf Jahrhunderten hintereinander ein unversöhnlicher, noch jetzt nicht ausgeglichener feindlicher Gegensatz. Diese Feindschaft zwischen den Talmudistrn und Karäern hat eine ganze Literatur von polemischen Schriften, in denen sich beide Parteien mit den schneidendsten Ausdrücken und den Vorwürfen der allerschwersten Laster jeder Art überschütten, ins Leben gerufen. Nirgends, in keinem einzigen ihrer zahllosen gegen die Talmudisten gerichteten polemischen Werke aber erheben die Karäer auch nur den leisesten Verdacht des Wegstehlens christlicher Kinder, ihrer Tödtung und der Verwendung des Blutes derselben zu religiösen oder sonstigen anderen Zwecken gegen ihre Feinde. Wäre diese Beschuldigung auch nur im Geringsten begründet, ohne Zweifel hätten die Karäer dieses grausige Verbrechen den Talmudisten unter die Nase zu reiben nicht verabsäumt. 9. Zur Ehre der christlichen Welt muß aber auch gesagt werden, daß diese häufig sich wiederholenden, fast immer von Beraubung und Ermordung wehrloser Juden begleiteten Anklagen stets auch von Seiten vieler nüchtern und ehrlich denkender, nicht nur dem Namen, sondern vielmehr dem Geiste und ihrer Handlungen nach christlich bewährter Christen mit entschiedener Abwehr begegnet wurde. So wurden von vielen Päpsten, unter Anderen von Papst Gregor IX., Jnnocenz IV. schon in den Jahren 1234, 1236, 1247 und späterhin nach reiflichen Prüfungen — wie stets bemerkt wurde — Bullen zur Rechtfertigung und Vertheidigung der Juden heransgegeben, in denen erklärt wird: „daß die angegebene Verdächtigung nur die Folge habsüchtiger Jnstincte der Ankläger sei, baß die Letzteren die christliche Religion nur zur Reinwaschnng ihres Strebens nach den Reichthümern der Juden mißbrauchen, und daß sie (die Päpste) dieser Beschuldigung keinen Glauben schenken." Kaiser Ludwig von Baiern wollte anläßlich einer ähnlichen Anklage im Jahre 1346 der Verfolgung der Inden nicht stattgeben und ließ sogar Gewalt anwenden, um die Mordbrenner, die zu dem Leichnam des vermeintlich von den Juden Getödteten, wie immer in ähnlichen Fällen verschiedene „Wunder" wirkenden Kindes zusammengeströml waren, auseinander zu jagen. Kaiser Friedrich III. erkannte im Edicte vom 23. Juni 1470 diese Anschuldigung für die reinste von berüchtigten Motiven eingegebene Bosheit und verbot allen Priestern des Reiches unter Androhung von Strafen, sich ähnlicher Beschuldigungen gegen die Juden zu unterfangen, während er seinem eigenen Schwager auftrug, die wegen einer solchen Anklage ins Gesängniß gesetzten Juden wieder in Freiheit zu setzen. Aehnliche Edicte zum Schutze und zur Vertheidigung der Juden gaben auch Carl V., Ferdinand HI. und viele andere deutsche Herrscher heraus, indem sie darthaten, daß „die Juden, wie sorgfältige Untersuchungen überzeugt haben, kein Christenblut nöthig haben und Folter, Peinigung und Mord daher mit Unrecht an ihnen begangen werden". Viele polnische Könige, wie;. B. Sigismund IÜ, August III. und Andere verboten solche Mordbeschuldigungen ebenfalls unter Strafandrohung und so nahmen auch der bereits oben erwähnte Doge von Venedig, Pietro Mocenigo, der Herzog Sforza von Mailand und Andere die Juden in ihren Schutz und Beistand. — Viele tüchtig in der hebräischen Literatur bewanderte Gelehrte — darunter solche, von denen dickleibige mit Gift und Galle erfüllte Bücher gegen die Juden geschrieben wurden — gaben ebenfalls kategorisch und einstimmig der Meinung Ausdruck, daß die erwähnte Beschuldigung eine schamlose Lüge sei. — In diesem Sinne zum Nutzen der Juden schrieben unter Anderen Luther — ein Judenfeind —, die berühmten Gelehrten Hugo Grotius, Johann Lensden, Johann Wülfer, ein großer Kenner der hebräischen Literatur und speciell mit der Frage der Verwendung des Christenblutes bei den Juden vertraut. Der bedeutende Bischof Clod de Fleury, Verfassendes Buches :„No6urs des Israelites“, Basnage, der Verfasser der „Geschichte der Juden" in 10 Bänden; Hoorenbek, obwohl im Uebrigen durchaus ein Judenfeind; Christian Wagenseil, dem die hebräische Literatur gar viele Werke verdankt Johann unter Anderem eine gründliche Vertheidigungsschrist gegen die Blutanktage; die theologische

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