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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-09 · 23 (9.6.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
23 (9.6.1893)
Date
1893-06-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 442 OesterreichiMe Wochenptzrifl Nr. 23 Gedeiht das Unternehmen, kann den viel Verfolgten jenseits des Oceans eine neue Heimat gegeben werden, so wird das humane Werk des Barons Hirsch von geschichtlicher Bedeutung sein. Lu eien G erb el,.Z)orkstraße 44, 1 Tr. Przemysl, 30. Mai 1893. Auch die Polizei-Behörde von Sadowa Wisznya" hatte sich im Laufe des Monats Mai mit einer Ritual-Mord-Affaire zu beschäftigen. Es verbreitete sich nämlich in diesem Städtchen das Gerücht, daß im nachbarlichen Dorfe die Leiche eines Mädchens von einem Hunde ausgegraben wurde, und dasselbe ist gewiß von den Juden zum bekannten Zwecke getödtet worden. Der dortige Geistliche gab sich alle Mühe, daß die leichtgläubige Menge diesem Gerüchte Glauben schenken solle; der Polizei-Behörde ist es aber gelungen der Sache auf den Grund zu kommen. Im genannten Dorfe wohnt ein Bauer, der eine taubstumme Tochter hatte, und die Leiche dieser war es, die vom Hunde gefunden wurde, selbe ist aber nicht von den Juden, sondern „vom eigenen christlichen Vater" ermordet worden! Budapest. (Eine rasche Carriere.) In Budapester Finanzkreisen macht die rasche Carriere eines blutjungen Journalisten viel von sich reden, dessen Ernennung zum Ministerial-Secretär im Finanzministerium bevorsteht. Der im Jahre 1868 geborene junge Mann, David Kohn mit Namen, ein Sprößling armer jüdischer Eltern, besitzt schon heute als National-Oekonom einen über die Marken seines Vaterlandes hinausreichenden Ruf. Er gewann vor zwei Jahren, noch als Jurist, einen Preis der ungarischen Academie derWissen sch asten mit einem Werke über „Das Termingeschäft im Getreidehandel", das auch in's Deutsche übertragen und von Fachkennern überaus beifällig ausgenommen wurde. Zur Redaction des volkswirthschaftlichen Theiles des ungarischen Tagblattes „Magyar Hirlap" berufen, führte sich K o h n durch gewandte und nicht unberechtigte Angriffe auf die Gewaltpolitik des verstorbenen Handelsministers Baroß ein, welche sogar zu Demonstrationen gegen den bis dahin so populären „Vater des Zonentarifs" führten. Vor einem Monate gewann Ko hn wieder den v olks.w irthsch a stl ich en Preis der Academie mit einem Werke über „Die italienische Valuta". Ministerpräsident Wekerle, der den begabten jungen Mann schon seit zwei Jahren aufmerksam im Auge behielt, berief ihn nun als Ministerial-Secretär in das Finanzministerium, und dürfte das ungarische Amtsblatt schon in den allernächsten Tagen die Ernennung des erst 25jährigen Mannes publiciren. Ob derartiges auch in Oe st erreich passiren könnte?! Landsberg a. W. 29. Mai. Der antisemitische Agitator Schröder war vor einiger Zeit vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Zechprellereien, Diebstahl und unbefugter Führung des Lieutenantstitels zu sechs Monaten Gefängnis, Ehrverlust und 14 Tagen Hast verurtheilt worden. Schröder hatte dagegen Berufung eingelegt. Da er inzwischen die Beträge gezahlt hatte, diese auch Inicht sehr erhebliche gewesen waren, sah die Strafkammer die Strafthalen gelinder an und erka mte auf sechs Wochen Gefängnis und drei Tage Haft. Diese letztere Strafe wurde außerdem noch durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachte. Dresden, 29. Mai. Die kürzlich verstorbene Frau Schic hat ihr ganzes Bernrögen testamentarisch für die hiesige jüdische Gemeinde bestimmt und zwar 600.000 Mark zu wohlthätigen Zwecken und 240.000 Mark zum Neubau einer Synagoge. Leipzig, 31. Mai. Der antisemitische Reichstags-Candidat Stadtverordnete Muke ist zurückaetreten und so der gründlichen Niederlage entgangen. Godesberg, 28. Mai. Herr Dr. Simonson hat der hiesigen Stadtgemeinde 60.000 M. zu - wohlthätigen. Zwecken gespendet. - Paris, 22. Mai. Der Bey von Tunis hat für die Alliance-Schulen eine Subvention von 6000 Francs bewilligt. London. Sehr tapfer benahm sich ein in London lebender russischer Jude Namens Wolginsky. In dem Hause, in welchem er wohnte, brach vor einigen Tagen im Laufe der Nacht Feuer aus. Es weckte ihn aus dem Schlafe, er rannte zum Fenster und schrie um Hilfe. Vergebens! Die in hellen Flammen stehende Treppe konnte nicht mehr bestiegen werden, nnd die Untenstehenden konnten nichts thun, als Decken und Bettzeug ausbreiten und Wologinsky Zeichen geben, daß er hinabspringe. Dieser aber holte zuvor seine Frau, warf sie in die bereit gehaltenen Polster, hernach seine drei Kinder, darauf sein christliches Dienstmädchen uud zwei bei ihm wohnende Männer, die er gleich dem Dienstmädchen erst aus dem Schlafe wecken müßte, und erst als alle herbeigeholt und gerettet waren, dachte er an seine eigene Person, die nun aber auch unten mit Jubelgeschrei und Bravorufen begrüßt wurde. Bukarest. (Die Judenverfolgung in Rumänien.) Der „Rumänische Lloyd" berichtet: Wie die Ausweisungsbefehle gegen, die Juden in den Dörfern, namentlich in der oberen Moldau ausgeführt werden, läßt sich aus folgenden Beispielen deutlich erkennen. Einen Juden aus Boroac wurde die ganze Habe aus einen Karren geladen und bis zur Moldaubrücke transportirt; da jedoch die Brücke in Folge der Ueberschwemmung gebrochen und daher die Ueberschreitung des Flusses unmöglich war, wurden die Sachen aufs Feld geworfen, woselbst sie durch drei Tage dem heftigsten Regen ausgesetzt blieben. Einer Frau, welche kein Geld besaß, um den Fuhrmann zu bezahlen, rissen die Unholde ein zweijähriges Kind aus der Wiege, und wurde letztere als Entlohnung den Fuhrleuten übergeben. Eine andere Frau schonte man nicht einmal während der Geburtswehen; die Leute drangen ins Haus und warfen Alles zum Fenster hinaus. Mehrere in der Commune Draguscheni ansäßige Juden, denen der Gemeinderath den Aufenthalt im Dorfe gestattet hatte, wurden, in den Nachtstunden vertrieben, ohne daß man ihnen Zeit zur Ordnung ihrer Angelegenheiten gelassen hätte. — Dem Jassy er „Ev e n im en tu l" wird aus der Commune Belceschti, District Jassy, geschrieben: Sonntag, den 14. d. M. kam der Primär Chiriac in Begleitung seines Adjuncten mit 25 Soldaten ins Dorf und forderte die jüdischen Einwohner zum sofortigen Verlassen desselben auf. Die Juden protestirten dagegen mit der Behauptung, daß kein diesbezügliches Gesetz existire. Darauf befahl der Primär den Bauern, die Karren zu bringen, die Habe der Juden darauf zu laden und diese selbst gewaltsam zu vertreiben; dem widersetzten sich aber selbst die Bauern. Donnerstag, am Jspas-Feiertage, zeigte der Primär die Ankunft des Subpräfäcten an, worauf, die Juden ihre Läden schloffen. In der darauffolgenden Nacht wurden sämmtliche Läden, ohne Jemandes Wissen, ohne vorherige Inventaraufnahme versiegelt. Der Jude Haber, dessen Frau und Kind wurden von Chiriac arg mißhandelt. Schöne Zustände! -Rußland ist das reine Paradies dagegen! Warschau, 17. Mai. Die Verfügung, daß Juden im Warschauer Gerichtsbezirk als vereidigte Rechtsanwälte nicht mehr zugelassew werden, dürfen, hat nunmehr die Bestätigung erhalten. Riga, 18. Mai. Dem „Rig. Tagebl." wird aus Reval geschrieben: Schon seit den letzten 6—7 Jahren ist die Anzahl der in Reval lebenden Juden, welche seit dem Beginn der letzten Blüthezeit des hiesigen Handels in den siebziger Jahren nach Eröffnung der Baltischen.Eisenbahn in größerer Menge hierher gezogen und einen gewissen Wohlstand erlangt hatten, allmählich mehr und mehr zurückgegangen, so daß, wenn es hoch kommt, nur noch etwa 100 bis 150 Familien sich, hier aufhalten. Jetzt haben wieder in der letzten Woche 45 Familien durch die Polizei infolge der schärferen Anwendung der bestehenden Verordnungen Ausweisungsbefehle erhalten, da ihnen das-Recht zum Aufenthalt Hierselbst abgesprochen worden; noch zwei weitere Ausweisungen von derartigen Familien sollen demnächst nach gewissen Pausen folgen, so'daß wohl-nicht in ferner Zeit nur noch die wenigen, seit Alters hier angeschriebenen Familien, sowie einige, deren Familienhäupter als Kaufleute erster Gilde oder Inhaber gelehrter Grade zum Aufenthalte berechtigt sind, hiernach bleiben dürften. Conftantinopel, 26. Mai. Die Mittheilung, daß die jüdischen Unterthanen der Türkei zum Militärdienst herangezogen werden sollen, wird von informirter Seite als unrichtig bezeichnet. - Jerusalem, 14. Mai. Das Landankauf-Verbot: ist zu unser Aller Freude aufgehoben worden. Eingehender Bericht folgt. Wien. (Trauung en.j Dienstag, den 30. Mai 1883 wurden getraut; Herr Dr. Alfred Dubs mit Frl. Paula Rößler. Donnerstag.' den 1. Juni 1893: Herr Daniel Kerpen mit Frl. Johanna Wallisch, > Herr Dr. Ludwig Roscnberg mit Frl. Judith Nie, Herr Eduard'Mahler « mit Frl. Josefine Bachrach. Sonntag den 4. Juni 1893: Herr Achille

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