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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-09 · 23 (9.6.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
23 (9.6.1893)
Date
1893-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 440 Orsterreichifche Wochenfchrtfl Nr. 23 Hassan hat zehn Jahre mit Emin Pascha zusammen gelebt. Wahrend dieser langen Zeit hatte Vita Hassan, der von der Regierung als Apotheker nach der Aequatorialprovinz geschickt war, als Emms Untergebener und als sein intimer Freund, Gelegenheit, dessen innerste Empfindungen wie alle seine Handlungen mit chren Motiven und Consequenzen kennen zu lernen. Vita Haffan selbst, von italienischen Eltern in Tunis geboren, ist vor einigen Monaten' gestorben. Hören wir, was Vita Haffan über die Person Emin Pascha's mirzutheilen weiß; es ist mancherlei Interessantes und Neues darunter: „AE Dr. Schnitzler seine Heimat verließ, begab er sich direct nach Constantin opel, wo er nach seinem Uebertritt zum Islam bei der türkischen Regeirung als Militärarzt mit dem Range eines Hauptmannes in den Dienst trat. Als Emin Pascha eines Abends in Wadelai mit seinem ersten Schreiber Ahmed Mahmud bei mir speiste, kam die Unterhaltung zufällig auf das Thema des Religionswechsels. Ahmed Mahmud hatte es einzurichten verstandeu, bei Tische eine Flasche Absynth zu zwei Dritteln ganz allein auszutrinken, zum großen Erstaunen des Paschas und trotz seiner Rathschläge uud Mahnungen zur Mäßigkeit, die er säbst stets eifrig beobachtete. In seiner Trunkenheit redete er von einem zum Islam übergetretenen koptischen Beamten und begann gegen die Personen zu sprechen, die ihre Religion verließen, in der sie geboren sind. Der Pascha bewahrte einige Augenblicke eine Haltung, die trübe Betrachtungen verrieth, faßte nach seiner Gewohnheit an den Bart, hob den Kopf und sagte zu ihm: „Hören Sie mich, Ahmed Mahmud. Wenn ein Mann seine Religion eines Weibes wegen aufgibt, ist er tadelnswerth; thut er es des Geldes wegen, ist er verächtlich; aber wenn ihm das Meffer an der Kehle sitzt, so ist er, wenn auch ' nicht ganz zu rechtfertigen, so doch zu entschuldigen und zu beklagen." Diese Unterhaltung prägte sich meinem Gedächtniß fest ein, und ich bin seitdem in meinem Innersten überzeugt geblieben, daß irgend ein trauriges Geheimniß den Uebertritt Emins zum Islam , herbeigeführt hat, ein Uebertritt der zweifellos kein fl eiwilliger war und nicht leichten Herzens geschah. Emin bekleidete zunächst die Stelle eines Dolmetschers in Tripolis, wozu ihm seine vollkommene Kenntniß des Deutschen, Englischen, Französischen, Italienischen, Türkischen, Arabischen rc. besonders befähigte. Nach Constantinopel. zurückgekehrt, blieb Emin kaum einige Monate dort und wurde dann einer militärischen Expedition nach dem Libanon in Syrien mit dem Range eines Saghkol Aghaffi (Adjutant-Major) *) beigegeben. Im Libanon erhielt Emin schwierige und gefährliche Missionen, die er aber vortheilhaft ausführte und wofür er zur Belohnung zum Major befördert wurde. Nach Beendigung seiner Mission nach dem Libanon kehrte Emin nach Constantinopel zurück, wo .einige einflußreiche Persönlichkeiten ihm den Vorschlag machten, die Leitung eines Oppositionsblattes zu übernehmen. Die Fonds sollten von diesen Herren hergegeben werden, welche sich an der Mitarbeit betheiligen und das Blatt im Geheimen inspiriren sollten. Emin hatte Zeit gehabt die Jntriguen des ottomanischen Hofes kennen zu lernen. Er sah die Mißbräuche aller Art, die geschahen, und Tyrannei einer absoluten Macht. Emin war nicht ohne Enthusiasmus und deswegen schlug er die schriftstellerische Laufbahn ein, die sich ihm aufthat und die Zeitung „El Hakika"* 2) (Die Wahrheit) erblickte das Licht der Welt. Ein Journal, mit solchen Tendenzen konnte in Constanttnopel nicht lange existiren. In der That verstossen kaum wenige Monate, als trotz des geheimen Einflusses, der die Zettung und ihren Director beschützte, El Hakika unterdrückt und Emin mit fünf seiner Mitarbeiter, Personen vom Hofe, in die Verbannung geschickt wurde, um dort über das Schick¬ 0 Ern militärischer Rang, der der türkischen und egyptischen Armee eigenthümlich ist und zwischen Major und Hauptmann steht. 2) Bekannter unter der türkischen Namensform Hakikat. sal der Helden der Wahrheit und des Rechts nachzudenken. Vier Monate verflossen für ihn und seine Gefährten im Exil, während dessen aber zwischen ihnen und ihren Freunden in Constantinopel eine lebhafte Correspondenz ausgetauscht und das Terrain für ihre Rückkehr nach der Hauptstadt vorbereitet wurde.. Als der Boden gehörig vorbereitet war, begab sich Emin im Geheimen nach Constantinopel. Dort gewann er durch Geld Zuttitt zum Premierminister, denn er vermittelst seiner Beredsamkeit für die Sache der Verbannten zu gewinnen wußte. Drei Tage nach der Rückkehr Emins zu seinen Gefährten übergab einem dieser Herren... Pascha, ein Adjutant des Sultans, imAuftrage seines Herrn die Insignien und den Firman eines Muschir (Marschall) und eröffnete allen Verbannten, daß der Sultan sie b egnadigt hatte. Dies war die Frucht vom Emins Reise nach Konstantinopel. Dort wurde Emin als Chefarzt einem Regiment beigegeben, jedoch nach drei Monaten nahm er mit seinen gleichen Gefährten die Veröffentlichung der Zeitung „El Hakika" wieder auf, die er jetzt in England erscheinen ließ. Die Polizei, die auf die Beine gebracht war, entdeckte einige Urheber des unbequemen Blattes, unter ihnen Emin, die nun alle aus dem türkischen Staatsgebiete aus gewiesen wurden. Mildem Einführungsschreiben eines Paschas von Konstantinopel an Chalil Agha, den obersten Eunuchen der Vizekönigin-Mutter Ismail Paschas versehen kam Emin, aller Hilfsmittel bar, in Alexandrien an. Aber Chalil Agah war eine zu einflußreiche Persönlichkeit, als daß Emin mit seiner Protection lange in Verlegenheit hätte bleiben können. Obwohl ihm Chalil Agha verschiedene Stellungen vorschlug, so zog er es vor, in den Sudan zu gehen, und ließ sich ein Empfehlungsschreiben an Ismail Pascha Ajub, den damaligen Generalgouverneur des Sudan, mitgeben. Emin blieb in Alexandrien nur zwei Tage und schiffte sich, im Vertrauen auf die Vorsehung für seinen Unterhalt bis C h ar t u m, nach Suez ein. Die Vorsehung zeigte sich ihm in Suez in der Gestalt eines nach Chartum reisenden Kaufmanns, der es übernahm, Emin bis nach der Hauptstadt des Sudans mitzunehmen. In Chartum verwirklichte sich nun so zu sagen Emins Traum und zwar auf folgende Weise: Bei Gordon Pascha, dem damaligen Generalgouverneur der Aequatorialprovinzen befand sich ein Arzt Namens Emin Efendi, der einzige Sohn einer Witwe in Kairo war. Die arme Frau konnte es nicht länger erttagen, von ihrem Sohn durch mehrere tausend Kilometer getrennt zu sein, und petitionirte beinl Khedive Ismail Pascha um ein Amt für ihn in Kairo. Die Bitte wurde erhört, und die Regierung schrieb an Gordon Pascha, den Dr. Emin Efendi nach Kairo zu senden. Einige Zeit nach Emins Ankunft in Chartum erhielt Ali Serag, der Vertreter Gordons in. dieser Stadt, von Gordon den Befehl ihm einen Arzt zu schicken, und schlug den Posten Emin vor, der ihn natürlich mit Vergnügen annahm. Giegler Pascha, der 1882 Unter-Generalgouverneur des Sudans wurde, war damals Telegraphen-Jnspector in Chartum. Er suchte Emin von der Äbreise nach dem Acquator abzurathen und sagte ihm' Was wollen Sie da thun, etwa Zeit Ihres Lebens in dem Posten eines Arztes im Sudan vegetiren? Emin gab ihm zur Antwort, der Grund, weshalb er dieses Amt anzunehmen sich beeile, liege weniger in der Nothwendigkeit, sich den Lebensunterhalt zu verschaffen, oder in der Aussicht, sein Glück zu machen, als vielsehr in dem Wunsch, für die Wissenschaft zu arbeiten und unter diesem Gesichtspunkt der Welt und sich selbst nützlich zu werden. HAMWonäMLM. Wien. (Paulus Meyer und Pfarrer Deckert.) Beim k k. Wiener Landesgericht haben der Rabbiner Jankiel Rabinowicz aus Biata in Russisch-Polen als Schwiegersohn des von Paulus Meyer und Deckert als Mörder verleumdeten, 1873 verstorbenen, Rabbiners Josua Lentschna — im Vereine mit seiner Gattin R a ch e l R a b i n o w i c z,

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