Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 22 (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Oestrrreichischr Wochrnfchrist Seite 429 Nr. 22 der Menschen wirken. Am folgenden Tage fand bei dem hiesigen Expriestern und Landtagsabgeordneten I. Stecovic, dem hohen Gaste zu Ehren ein Gala-Diner statt, an welchem die Honoratioren theilnahmen. Herrn Rabbiner Tauber wurde die Ehre zutheil, als dritter offlzieller Festredner auf das Wohl des Herrn Bischofs Miron einen Toast auszubringen, der allseitig mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. Der hochwürdige Bischof beehrte unter Anderen auch Herrn I. Fleischmann und Rabbiner Tauber mit seinem Besuche, und wiederholte im Hause des Letzteren seine judenfreundlichen Gesinnungen. M.-Kromau. Rabbinatscandidat Dr. Salomon Funk, ist zum Rabbiner für die israel. Cultusgemeinde M. Kromau ernannt worden. . _ Budapest, 15. Mai. Die ungarische Akademie der Wissenschaften hat in ihrer letzten Generalversammlung unsere Glaubensgenossen Heinrich Marczali und Dr. Ignatz Kunos zu Mitgliedern gewählt, Prag, im Mai 1893. Die früheren Ghettoverhältnisse brachten es mit sich, daß sämmtliche Synagogen auf einen kleinen Bezirk beschränkt, dicht aneinander standen, während die übrigen großen und ausgedehnten Stadttheile nicht ein jüdisches Gotteshaus aufzuweisen hatten. Nachdem die Ghettomauern gefallen sind, und die Juden die ganze Stadt bewohnen, ist dennoch an den Verhältnissen bezüglich der Synagogen nichts geändert worden und die an den entgegengesetzten Enden der Stadt Wohnenden müssen einen weiten Weg zu Fuß zurücklegen, wenn sie ihren religiösen Bedürfnissen genügen wollen. Diese Abnormalität veranlagte einen Kreis von Biedermännern an der Grenze von der Alt- und Neustadt ein »kvrieer Bethaus" zu gründen, erst im bescheidenem Umfange allmählig wachsend, bis der Vorstand, an deren Spitze die Herren S. Kersch, L. Katz, Ed. Kisch und. der leider zu verstorbene Philantrop Samuel Jrmenbach fftanden, daran gehen konntr, eine eigene Synagoge zu bauen, welche im September v. I. durch Seiner Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld in würdiger Weise eingeweiht wurde. In diesem Gotteshause hielt am verflossenen Schabuathfeste Herr Rabbiner Dr. Salamon Funk aus Berlin eine Gastrede. " ' Breslau/ 29. Mai 1893. Am 28. Mai feierte der Lehrer am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar, (Franckel'sche Stiftung) Herr Dr. David Rosin seinen 71. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich wieder einmal deutlich, welcher Beliebtheit sich der gefeierte Gelehrte allerseits erfreut. Bon Nah und Fern, von Behörden und Privaten wetteifert man darin, ihn an seinem Ehrentage in außerordentlicher Weise zu erfreuen. Am Sonnabend fand im Anschluß an das Morgengebet ein Festgottesdienst in der Seminarsynagoge statt. Eingeleitet und beschlossen wurde derselbe durch das Absingen der Psalmen 15 und 24, in denen uns das Bild eines idealen Characters, wie es der Jubilar stets zu sein bemüht war, gezeichnet wird. Die Festpredigt, welche Herr cand. phil. L. Fränkel hielt, hatte zum Text den eben aus der Torah verlesenen Segensspruch der Priester. Aus den Werken und dem Wirken des Jubilars wies der Prediger nach, daß demselben dieser höchste Segen, den Gott einem Erdensohne spendet, zutheil geworden ist, und schloß mit dem Wunsche, daß dieser Segen Gottes den Greis auch ferner geleiten möge, damit er noch lange in derselben körperlichen und geistigen Frische, wie bisher zum Segen der Anstalt, an der er nunmehr fast 3 Decennien erfolgreich thätig ist, wirken könne. Herr Dr. Rosin bestieg hierauf selbst die Kanzel, um von dieser geweihten Stätte Gottes gnadenvolles Watten und seine segensreiche Fürsorge mit herzlichen Worten des Dankes anzuerkennen. Nach dem Gottesdienste erschien bei dem Jubilar der Vorsitzende, des Vorstandes der hiesigen Industrieschule für israelitische Mädchen ist, eine Deputation dieser Anstalt. Nachdem Herr Hauptlehrer Alexander die Glückwünsche des Lehrerkollegiums ausgesprochen hatte, überreichte eine Schülerin der ersten Classe eine von ihr selbst verfaßte und kunstvoll calligraphirte Adresse. Hierauf sprachIZnoch Herr S. Laqueur Namens des Vorstands der Schule. Die eigentliche Gratulation fand erst Sonntag den 28. Mai statt. Um 10 Uhr erschien das Curatorium der Fränckel'schen Stiftungen, für welches Herr Curatnr Stadtrath Milch das Wort ergriff. Nur wenigen Menschen, so führte der Redner aus, ist es vergönnt, die Schwelle des Greisenalters in ungeminderter Rüstigkeit zu überschreiten, eine noch geringere Anzahl könne bei dieser Gelegenheit mit Stolz auf die Vergangenheit zurückblicken. Zu diesen Wenigen gehöre der Jubilar. Sein Lebenswandel sei stets makellos gewesen, er habe sich immer bemüht, auf's Sorgfältigste seine Pflicht zu erfüllen, habe oft sogar noch mehr gethan. Der Redner schloß mit den Wünschen des Curatoriums für die Zukunft des Jubilars und überreichte demselben ein Capital zu einer wohlthätigen Stiftung. Im Namen des Lehrerkollegiums, des jüdisch-theologischen Seminars überreichte Herr Seminar'- Rabbiner Doctor Lewy eine Adresse, in der besonders auf das freundliche und aufrichtig collegialische Zusammenleben des Jubilars, des Nestor im Lehrerkollegium, mit seinen Amtsgenossen, die Zöglinge der Anstalt sind, hingewiesen wird. Für die Hörer des Seminars überreichte Herr Dr. Pinkus eine von sämmtlichen Hörern Unterzeichnete Adresse, in der die Lehrtätigkeit des Herrn Dr. Rosin und die Wärme, mit der er für seine Schüler fühlt, gefeiert werden. Herr Fränkel .überbrachte ein Diplom, durch welches der Jubilar zum Ehrenmitglied des homiletischen Vereins ernannt wird — das erste Mal, daß der Verein in den 27 Jahren seines Bestehens diese Ehre ertheilt — die Glückwünsche des am Seminar bestehenden Wohlthätigkeitsvereines Liwjath Chen sprach Herr Dr. Meyer aus. Das hiesige Rabbinat war vertreten durch Herrn Rab. Dr. Rosenthal, der auf die Harmonie zwischen dein Leben und den Werken des Jubilars hinwies. Herr Rab. Dr. Guttmann sprach namens des deutschen Rabbiner- Verbandes und der früheren Hörer des Seminars. Der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde entsandte zur Beglückwünschung 3 Mitglieder, für welche der Vorsitzende Herr Stadtrath Fedor Pringsheim sprach. Endlich erschien eine Deputation des Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur, dessen Vorstand Herr Dr. Rosin angehört, unter Führung des Herrn Geheimen Sanitätsrath Dr. Wollner. Auf jede einzelne dieser Ansprachen erwiderte der Jubilar aufs schlagfertigste mit herzlichen Worten des Dankes. In äußerst bescheidener und für ihn charakteristischer Weise wies er alle ihm dargebrachten Ovationen für seine Person zurück und nahm sie nur als Zeichen der Anerkennung für die gute Sache, der er diene, an. Am Abend des 28. fand ein von einem Comite unter Leitung des Curators Herrn Rechtsanwalt Marok veranstaltetes Festessen statt, zu dem sich eine auserlesene Gesellschaft von Freunden, Verehrern und Schülern des Jubilars einfanden. Zur Rechten des Jubilars saßen die Herreu Seminarrabbiner Dr. Lewy, Rab. Dr. Rosenthal, Geheim. Sanitätsrath Dr. Wollner, zur Linken die Herren Stadträthe Milch und Pringsheim und Herr Rab. Dr. Guttmann. Die Reihe der Trinksprüche eröffnete Herr Stadtrath Milch, indem er „nicht bloß um der Form zu genügen, sondern aus wahrer Verehrung und Dankbarkeit gegen Se. Majestät das Kaiserhoch ausbrachte, in welches die Versammlung begeistert einstimmte. Der zweite Redner, Herr Seminarrabbiner Dr. Lewy feierte Dr. Rosin als Mensch und Collegen und schloß mit dem Wunsche, daß es dem Jubilar im Greisenalter ergehen möge, wie es der Psalmist den Frommen und Gerechten verheißt. Herr Dr. Rosin dankte für die ihm dargebrachten Ovationen und gab eine ausführliche Darstellung seines Entwicklungsganges bis zum Eintritt in das Seminar, wobei er in pietätvollster Weise aller der Männer gedacht, die entscheidenden Einfluß auf ihn hatten. Er trinke auf das Wohl des Seminars, auf daß es wachse, blühe und gedeihe. Herr Rab. Dr. Guttmann verglich den Jubilar mit dem Erzvater Abraham drn der Midrasch den ersten Greis genannt. Wie in seinen Eigenschaften, so gleiche Dr. Rosin Abraham auch dadurch, daß er einen einzigen Sohn besitzt, der in seinen Intentionen fortlebt, Herr Dr. med. Heinrich Rosin in Berlin. Diesem gelte sein Hoch. Herr Rabbiner Dr. Rozenth erinnerte an seine erste Begegnung mit dem Jubilar vor 30 Jahren in Berlin, wobei er Redner, jenen als Mann echter Wohlthätigkeit erkannt habe. Er schließt mit einem Hoch auf die Männer der That die Ansche Maaße am jüdischen theologischen Sencinar, die Curatoren der Fränkel'schen Stiftungen. Für die Hörer des Seminars toastete Herr Dr. Freund auf das Lehrerkollegium, worauf Herr Dr. Brann in humoristischer Weise mit einem Hoch auf die Hörer antwortete. Herr Stadtrath Milch dankte Herrn Dr. Rozenth und trank auf das Wohl der „Männer des Wortes", der Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Nachdem noch die Herren Professor Dr. Badt auf den Vorstand der Synagogen-Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Knoller in geziemender Rede auf den Jubilar und Herr- Stadttath Pringsheim auf die Gemeinde getoastet, sprach der ordentliche Professor an der hiesigerr Universität Herr Dr. Fränkel das Tischgebet.