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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-02 · 22 (2.6.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 428 Veflrrretchifchr MochrnfchrW!Kr. 22 kündigten biblischen Vortrag aufmerksanl gemacht worden,' welcher im Saale der Academie der Wissenschaften stattgefunden und beschloß daher, mehr aus. Neugierde als aus Bedürfnis denselben anzuhören. Der Vortragende war kein Geringerer als der Kaplan der hiesigen britischen Gesandtschaft, Rev. William H. Hechter, welcher über die Geschlechtsfolge Christi eine populärwissenschaftliche Vorlesung hielt und zwischen den von einander übweichenden Genealogien der, beiden Evangelisten St. Matthäus und St. Lucas eine kritische Parallele zog. Es ist nicht der Z oeck dieser Zeilen, hier, was dem rein fachtheologischen Blatte Vorbehalten bleiben muß, eine mehr oder minder ausführliche Inhaltsangabe des in allen seinen Theilen durch wundervolle Klarheit, wie tiefe, gründliche Kenntnis der ganzen biblischen Archäologie gleich ausgezeichneten Vortrages dieses kritischen Gelehrten mitzutheilen, sondern will blos im Interesse der weiteren Leserkreise Ihres geschätzten, für Recht und Wahrheit stets in erster Linie einstehenden'Blattes davon Erwähnung machen, daß Rev. Hechler, als er im Verlaufe seines Vortrages bei den Patriarchen „Sem, Eber und Abraham" angelangt war, plötzlich inne hielt, den reiü sachlichen Gegenstand aus kurze Zeit ganz beiseite ließ und mit sichtlicher Gehobenheit sich an das Auditorium mit beiläufig folgenden Worten wandte: Wer sich zu den Antisemiten bekennen will, muß und soll lieber jetzt zurücktreten, ehe er weiter die Genealogie Jesu verfolgen möchte! Denn wer gedankenlos sich selbst als Antisemiten kennzeichnet, der' verneint und verleugnet damit auch die Existenz jener großen in der Geschichte bis auf den heutigen Tag fortlebenden Völkerfamilien der Araber. Perser, Meder, Babyloner, Aramäer u. s. w. die doch alle Semiten sind! Der Antisemit müßte schließlich dahin gelangen selbst die Genealogie Christi, weil sie eben semitisch ist, zu leugnen; noch mehr, er würde nicht nur die Wahrheit des ganzen Evangeliums, sondern die ganze von den Forschungen der Wissenschaft als unverrückbar festgestellte und bezeugte Authenticität der ganzen heiligen Schrift in Abrede stellen. — Ich gestehe Ihnen, Herr Redacteur. daß ich durch diese mit Ernst und Würde ausgesprochenen Worte eines von profunden Wiffen erfüllten Mannes tief ergriffen war und hätte nur gewünscht, daß manche unserer „Wiener katholischen Talmudgelehrten" Gelegenheit genommen hätten, sich an jenem mir unvergeßlichen Abende im grünen Saal der Academie der Wissenschaften ein kleinwenig noch eines — Bessern und Richtigeren belehren zu lassen. I. Beruh. Stra ß er Lehrer der deutschen, englischen und französischen Sprache und Literatur. Wien. (Eingesendet.) Löbliche Redaction! Mit Bezug auf Ihre in der „Oesterr. Wochenschrift" vom 19. d. M. enchaltene Notiz, erlaube ich mir über die ebenso ehrenwerthe als charaktervolle Persönlichkeit des Dr. Pollak einiges Nähere zu berichten. So urgermanisch sich Herr Pollak' auch mit seinem Vornamen Armin machen will, so sind seine Schulzeugnisse doch alle auf „Hermann" ausgestellt, sund in seiner Heimat, einem Dorfe bei Papa, hörte er auf den Namen „Hasetzel". Er ist übrigens ein Bruderssohn eines Strumpfwirkers in der Burggaffe, dem sogenannten „falsche Böhmin." Von seinem Character zeigt es auch, daß er seine arme Mutter nicht unterstützte, welche genöthigt war, nach Amerika zu ihren Kindern auszuwandern. So vielfach er in seiner Studienzeit und im Anfang seiner ärztlichen Laufbahn von verwandten und selbst fremden Juden unterstützt wurde, so blieb er seinem Princip der Undankbarkeit treu. So erhielt er auf Verwendung eines jüdischen Arztes eure Anstellung als Arzt bei einer Herrschaft. „ Seinen Glaubenswechsel scheint seine um 20 Jahre ältere einstige Quartiersirau veranlaßt zu haben, welche auch sein .jetziges „Eheglück" ausmacht. Vielleicht hat er sich als Muster einen seiner ehrenwerten Onkels gewählt, der sich dem Arme der Gerechtigkeit durch Flucht bis zu den Zulukaffern entzog. ■ Alles in Allem also sicherlich ein über jeden Zweifel erhabener Character, auf dessen Acquisition die Äntisemitenpartei stolz sein kann. - Hochachtungsvoll ein nicht verwandt sein wollender Verwandter. Wie«. (Fünfzigjähriges Jubiläum einer Humanitäts-Anstalt.) Die unter dem Protektorate der Kaiserin stehende Israelitische Kinderbewahranstalt feierte den 28.. d. M. Vormittags in solenner Weise das Jubiläum ihres 50jährigen Bestandes. In dem reich decorirten Festsaale des Anstaltsgebäudes hatten sich nebst dem vollzähligen Vorstande des jubilirenden Vereins mit der Präsidentin Baronin Sophie Todesco an der Spitze, zahlreiche Festgäste, darunter Herrenhausmitglied Ignaz v. Plener, Stadtrath Dr. Vogler in Vertretung des Bürgermeisters, Landesschulinspector Ryger, Pfarrer Welzwich von St. Leopold, Superintendent Regierungsrath Dr. Haase, der Vice-Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Gemeinderath Simon, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Baron Königswarter und Gemalin, Director Ritter v. Bauer rc. eingefunden. Gemeinderath Ritter v. Goldschmidt hielt die Festrede. Nach warmen Dankesworten für das aufopfernde Wirken der Vereinsleitung, für die Unterstützung der Stadt Wien, der Schulbehörden, der israelitischen Cultusgemeinde rc. schloß Redner mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Kaiserin, als Protectorin des Vereines. In warmen Worten sprach Stadtrath Dr. Vogler dem Vereine, in dessen Schule seit seinem Bestände 1,300.000 Kinder Aufnahme gefunden haben,, den Dank der Gemeinde aus, während LandesschulinspectnrRyger das rastlose Fortschreiten des Vereines im Interesse der Volksbildung würdigte und denselben aufforderte, trotz der Kämpfe der Gegenwart muthvoll in die Zukunft zu blicken. Der Tempelchor brachte nunmehr einen Psalm von Sulzer zum Bortrage. Einer Ansprache des Ober-Rabbiners Dr. Güdemann folgten neuerlich Vorträge der Pflegebefohlenen der Anstalt, und sodann ein vom Director Albert S. Fischer vorgetragener Abriß der Geschichte des Vereines. Mit Absingung der Volkshymne fand sodann die schöne Feier ihren Abschluß. Wien, 30. Mai. Der k. k. Rittmeister-Regiments-Adjutant Herr Wolf Bardach Edler von Chlumberg, wurde von seiner lieben Frau Leonjine geb. Rapaport mit einem Söhnchen beschenkt uiid wurde derselbe am 8. Tage nach der Geburt nach altpatriarchalischer Sitte im Beisein geladener Gäste in der Wohnung Reiterkaserne in den Bund Abrahams ausgenommen. Die rituelle Circumcision nahm Dr. Adolf Hirschfeld.vor. Wien, am 30. Mai. (Eine Adresse für den türkischen B ock i ch a f t e r.) Das Präsidium der hiesigen Spaniolen-Gemeinde überreichte heute Mittags dem türkischen Botschafter Zia Bey eine ebenso kostbare als kunstvoll ausgeführte Dank-Adresse. Die türkisch-israelitische Gemeinde fühlt sich nämlich den Botschafter zu besonderem Danke verpflichtet, da sie es seiner Intervention zuzuschreiben hat, daß sie gelegentlich aller in Wien und den ehemaligen Vororten bestehenden israelitischen Cultusgemeinden ihre Autonomie nicht verlor und die Mitglieder im Besitze ihrer besonderen Privilegien als türkische Unterthanen blieben. Die Adresse, in Form einer Mappe gehalten,' ist in ihrem äußeren Theile aus Gold gefertigt. Das Deckblatt aus Elfenbein zeigt das türkische Wappen. Zu beiden Seiten desselben sieht man allegorische Gestalten, die Dankbarkeit und die Ergebenheit darstellend. Das Bild wurde von Th. Zasche gemalt. Auf dem zweiten Blatte liest man die Widmung: „Presente avec un profond respecfc par la presidance et tous les membres de!a commnnaute Turco-Israelite ä Vienne ä Son Excesllence GL Zia Bey leur noble protecteur." Die Adresse ist vom Präsidenten M. Ruffo, dessen Stellvertreter Licco Ädutt, den Beiräthen G. Adutt und S. Asriel und R. Mazliach, sowie sämmtlichen 215 Gemeindemitgliedern gezeichnet. Sr. Excellenz dankte in herzlichen Worten der Deputation des Vorstandes'für die Ueberreichung ber schönen Adresse und versprach, Sr. Majestät dem Sultan von der loyalen, treuen Gesinnung seiner in Wien domiciiirenden jüdischen Unterthanen getreu zu berichten und sich der Interessen der sephardischen Gemeinde jederzeit anuehmen zu wollen. Belovar 29. Mai 1893. „Anläßlich dcr Feier der grichisch-orthodoxen' Pfingsten kam der hochwürdige Bischof Miron der seinen Sitz in Pakrac hat, am 27. d. M. nach Belovar, wo ihm von den Spitzen der Behörden ein feierlicher Empfang bereitet wurde. Seitens der israelitischen Cultzrsgemeinde beteiligten sich auch Herr Bezirksrabbiner S. D. Tauber und Präses I. Fleischmann, an demselben. Der edle Kirchenfürst, dessen humane Gesinnung bekannt ist, hielt in der Kirche eine von wahrer Toleranz getragene Predigt, in welcher er den Regenbogen mit seinen vielen Farben als Symbol der verschiedenen Eonfessionen darstellte und betonte, daß^so wie dessen verschiedene Farben harmonisch zusammenwirken, und darüber nur ein Gott waltet, auch alle Religionen einträchtig zur Ehxe Gottes Und zum Glücke

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