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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-02 · 22 (2.6.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. LL VrflrrrekchischL Wochensthrist Seite 427 Bewegung" im Jahre 1887 und fügt hinzu, sie habe an jenem „Verrath" keine Schuld. Das Blatt klagt über Abonnentenrückgang in Folge der von Stöcker selbst inscenirten „Schleuderconcnrrenz". Armer Stöcker! So etwas muß einem Vorkämpfer gegen die „verderbliche Schleuderconcurrenz" paffiren! Aber nicht nur der Vater der antisemitischen Bewegung hat jetzt seinen schweren Acrger; auch der ungerathene Sohn des Antisemitismus ist ärgerlich, und zwar darüber, daß ihn seine Brüder aus der Familie ausschließen wollen, weil sie fürchten, sonst überall sämmtlich gemieden zu werden. Ahlwardt erläßt, natürlich auch in der Staatsbürgerzeitung, eine aus Arnswalde datirte Kundgebung gegen die „Deutsch-Socialen", die beim Hermannsdenkmal erklärt haben, er gehöre nicht zu ihnen. Das ist „Verrath an der antisemitischen Sache", so schnaubt er, zu dem das Wort „Segest" gut paßt, das jüngst am Hermannsdenkmal gefallen. Ob Herr Hermann Ahlwardt sich bereits einbildet, daß ihm das Hermannsdenkmal errichtet sei? Er nagelt die Herren fest, die ihm das Ergebniß seiner Bettelei, in der er es zu einer wahren Meisterschaft gebracht hat, vorenthalten wollen: gegen ihn hätten auch Männer zu sprechen gewagt, „welche es für angezeigt gehalten haben, die für den Ahlwardt-Fonds, resp. für antisemitische Wahlen gesammelten Gelder trotz Mahnung und Klageandrohung ihrer Bestimmung vorzuenthalten, so besonders Dr. Erwin Bauer in Leipzig." Es ist nicht schön, daß sich die Antisemiten bei der Vertheilung dieser „idealen Güter", für welche sie ja alle kämpfen, immer in die Haare gerathen, aber — der Brodneid ist ja die Wurzel alles Nebels.' Ahlwardt verkündet dann der staunenden Welt noch, daß ihn der größte deutsch-sociale Verein Berlins vor wenigen Tagen zu seinem „Ehrenmitgliede" ernannt habe,_— was einen merkwürdigen Schluß erst auf die einfachen Mitglieder zuläßt! — und daß er mit Pickenbach gemeinschaftlich kämpft, der über die „Acten" Ahlwardt's jetzt anderer Meinung geworden ist. Ahlwardt hält schließlich seine sämmtlichen Behauptungen mit Ausnahme derjenigen bezüglich des zerrissenen Briefes jetzt wieder aufrecht — mit Namensunterschrift in einem Inserat in der „Staatsbürgerzeitung".' Er scheint danach seines neuen Mandates schon ziemlich sicher zu sein; denn er .bekundet gar keine Angst vor der Drohung des Ministers Miquel, ihn gerichtlich zu fassen, falls er seine Behauptungen öffentlich bestätige. In der Thät eine feine Familie die Herren Ahlwardt, Bachler. Bauer, Pickenbach undIa3t not artest Stöcker! Rom, 24. Mai. Am 9. d. M. wurde unser Glaubensgenosse Herr F. Consolo von Ihrer Majestät der Königin Margherita in Privataudienz empfangen, um höchstderselben ein Exemplar seines Werkes „Die Gesänge Israels" zu überreichen. . Ihre Majestät bekundete für die eifrigen und geistvollen Studien des Verfassers das wärmste Jutereffe, welches darin seinen Ausdruck fand, daß sie um den Vortrag einiger Gesänge bat und den Wunsch äußerte, den Schofar zu hören. Se. Majestät der König Humbert gewährte an demselben Tage Herrn Rabbiner Angelo Fornari eine Audienz, um eine prachtvoll ausgestattete, auf Pergament ausgeführte Abschrift jener Hymne entgegenzunehmen, welche am- 22. April d. I. zur Feier der silbernen Hochzeit unseres Königspaares im hiesigen Tempel zum Bortrag gelangt war. Der König sprach seinen innigen Dank für das Geschenk aus und zeigte durch huldvolle Worte, wie sehr er für die zu Ehren seiner Silberhochzeit seitens der Juden erwiesenen Aufmerksamkeiten empfänglich gewesen sei. Petersburg. Was die inneren Provinzen Rußlands an den in den letzten Jahren vertriebenen Juden wirthschaftlich eingebüßt haben, ersieht man am besten aus den bezüglichen Correspondenzen des „Graschdanin" und der „Novoje Wremja", die doch gewiß unverdächtige Zeugen in Sachen der leidigen „Judenfrage" im Zarenreiche sind. So schreibt der Warschauer Correspondent der „Nowoje Wremja" vom 3. d. M.: „Die aus dem Innern des Reiches eingewanderten Juden haben im Laufe der letzten zwei Jahre (1891 und 1892) nicht weniger als sage 100 kleine Fabriken und Werkstätten in der Stadt errichtet, welche alle in dem besten Gange sich befinden und zum größten Theil christliche Arbeiter (Polen und Deutsche) beschäftigen. Sie haben ferner so ziemlich einen ganzen kleinen Stadttheil angelegt, indem sie sofort eine Unternehmergesellschaft zum Bau von kleinen Häusern gründeten. Die Handelsvermittlung mit dem Innern des Reiches nicht nur, sondern auch mit dem ganzen südwestlichen Grenzgebiete befindet sich .in ihren Händen und es ist nachgerade merkwürdig, wie sie hier Jedermann willkommen heißt, die Vertreter der wenig zahlreichen ruffisch-orthodoxen Kaufmannsschast, des Militärs und der Regierungsbehörden nicht ausgenommen." Seltsam in der That! „Die Juden aus Moskau — lesen wir wieder im „Graschdanin" vom 5. d. M. — brachten gerade die Gewerke und Gewerbe mit sich, welche hier in Warschau bislang nur sehr schwach entwickelt waren. Sie haben hier zuerst die Fabrikation von Spitzen und Bändern eingeführt und sie beschäftigen russische Arbeiter aus Wladimir und aus der Umgegend von Moskau, welche sie bereits dort in diesem Zweig gehörig eingeschult hatten. Dieser Umstand ist sehr bezeichnend, weil er klar beweist, daß die Juden in den Jndustrie-Districten von Wladimir und Moskau bereits eine geachtete Stellung einnehmen und eine Kategorie von Arbeitgebern bildeten, welche die Ortsbevölkerung jetzt nur ungern vermissen muß!" Die „Petersb, Wjedom." bemerken hierzu: „Auf Grund zuverlässiger Informationen können wir noch hinzufügen, daß die eingewanderten Juden in Warschau alle ihre früheren Geschäftsbeziehungen mit den Orten im Innern des Reiches, aus welchen sie vertrieben wurden, beibehalten haben. Bielen derselben ist sogar die formelle Vertretung der größten russischen Firmen in Wladimir und Moskau übertragen worden. Ebenso vermitteln sie die Lieferung von polnischen Fabrikaten, welche in den russischen Jndustriebezirken Absatz finden können. Der Waaren- und Handelsverkehr zwischen dem Innern des Reiches und dem Weichselgebiet war noch nie zuvor ein so lebhafter wie in den letzten Jahren. Kurz, die aus Moskau und Wladimir ausgetriebenen Juden haben inzwischen den unwiderleglichen Beweis geliefert, daß sie einen ebenso nützlichen wie unentbehrlichen Factor der großrussischen Industrie bilden!!" Ein Commentar dürste hier überflüssig sein. Wien, den 30. Mai 1893. Nach einer durch die Pfingstfeiertage gebotenen, mehrwöchentlichen Unterbrechung hielt der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mävchen.Moria" wieder einen literarischen Nachmittag ab. Im Sinne des Vereinsprogrammes „Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur", entwarf zunächst Frl. Rahel Friedmann ein lebenskräftiges Bil) von Raschi, dessen Verdienst für die Verbreitung und das Verständnis des jüdischen Schristthums vom Judenthum vollauf gewürdigt w-rden muß. Es folgte dann eine wirkungsvolle Declamation des Gedichtes „Der Wiedergefundene" von Ludwig August Frankl, vorgetragen von Frl. Jda Werner, worauf Frl. Frieda Rand in interessanter Weise an der Hand von Beispielen aus der jüdischen Geschichte die Bedeutung der Frau für die Erhaltung des jüdischen Volkes auseinandersetzte. Der nächste literarische Nachmittag findet Sonntag den II. Juni im Saale Schottenring 23 statt. Damen sind herzlich willkommen. Zugleich läßr der literarische Verein „Moria" an alle Förderer und Freunde der jüdischen Geschichte das Ansuchen ergehen, dem Vereine durid edle Spenden von Büchern und Werken zn einer passenden Bibliothek zu verhelfen. Denn nur allzusehr ist ein junger, aufstrebender Verein wie dieser, der bestrebt ist, inmitten der gehässigsten Angriffe auch auf das historische Judenthum durch Hinweisang auf dessen edle Charactere und moralische Größe die Grundlosigkeit der Anfeindung zu beweisen und der somit eine politische Bedeutung gewinnt, auf das allgemeine Publikum angewiesen. Die Speilden nimmt dankend entgegen Frl. Natalie Pollak, VIII., Laudongasse 16. Wien. Sonntag am 28. Mai fand im ist. Tempel des 9. Bezirkes in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums aus den besten Kressen der Wiener Gesellschaft die Trauung von Fräulein Marianne Neustadt!,Tochter des k. k. Commercialrathes Sigmund Neustadtl, mit Herrn Sigmund Ortony statt. Dem Brautpaar sind aus allen Kreisen die herzlichsten Glückwünsche ^»gekommen, Wien. Frl. Risa K a l i s ch hat sich mit ihrem Coufin Emil Bernstein verlobt. Wien. Herr D. Bloch, Vorsteher des Bethausvereines im 9. Bezirk, ist mit der Ernennung zum beeideten Schatzmeister und Sachverständigen für das Fach der Holzhändler laut Decret des k. k. Handelsgerichtes in Wien de dato 20. Mai l. I. Z. 75961 ausgezeichnet worden. Wien. 28. Mai 1893 (verspätet). Hochverehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie mir in mitten des wüsten politischen- Tageslärms, der uns von allen Seiten in die Ohren dringt, Ihre Aufmerksamkeit auf einen wahren Lichtpunct zu lenken, an dem ich mich, Dank einem glücklichen Zufalle in der jüngst verflossenen Zeit wahrhaft zu erquicken Gelegenheit hatte. Ich war nämlich von einem Freunde auf einen in den Journalen anze-

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