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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-02 · 22 (2.6.1893) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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<L>eue 426 Veyerrerchilchr WortzentMrttt Nr. 2 2 einer längeren Begrüßungsansprache hob Vorsteher Löw insbesondere hervor, daß Cardinal Kapp iviedelholt Gelegenheit genommen, für den Frieden aller Confessio neu einzutrercn und sich dadurch nebst der hohen kirchlichen Würde auch dauernd Hei der Mit- und Nachwelt jene eines wahren Friede n s- "fnrften erworben, ferner daß in der Stadt Friedet die. Bewohner aller Confesstoncn stets in friedlicher Eintracht ungestört zusammenleben und gab der Zuversicht Ausdruck, daß die erhabene Autorität Sr. Eminenz auch fürderhin und überall diese friedliche Eintracht wahren und fördernwerde. Se. Eminenz, welche die Deputation befand ^rs freundlich empfangen und für die Begrüßung herzlichst dankte, betonte in seiner Erwiderung, daß die Förderung des Friedensund der Eintracht unter den Confessio nen stets seine heilige Pfficht und seine Mission sei und daß er gerne überall in diesem Sinne wirke, berührte dann weiters die in der Gegenwart auftretende antisemitische Bewegung, über welche er sich in sehr abfälliger Weise äußerte, wobei -er die Worte gebrauchte, „dieselbe trete leider hie und da in leiden schastl icherArtund Weise aus nod man müsse allseits dahin wirken dieselbe einzudämmcn, die Verschiedenheiten überall einzudämmen um den erwünschten Frieden zu erreichen." Nach eingehender Erkundigung über die inneren localen Verhältniffe der hierortigen Cultusgemeiude verabschiedete sich seine Eminenz in leutseligster, freundlichster Weise unter wiederholter Zusicherung seiner oberwähnten jederzeit friedlichen Bestrebungen von dem zur Begrüßung erschienenen Vorstande. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß nicht blos die Mitglieder des Cultusvorstandes, sondern auch alle Israeliten, welche Gelegenheit hatten dem Cardinal vorgestellt zu werden, so z. B. der wegen seiner Wohlthätigkeit einer allgemeinen Popularität sich erfreuende Fabrikant und Magistratsrath Herr Adolf Landsberger, welcher mit dem Herrn Bürgermeister und Vicebürgermeister der Stadt Friedek zur officielleu Begrüßung am Bahnhofe designirt war, gleich bei der Ankunft am Bahnhofe wie auch beim Abschiede in besonders freundlicher Weise unter wiederholtem Händedrucke empfangen und verabschiedet wurde. Auch die Vorstandsmitglieder des Friedeker Mannergesangvereines, unter welchen sich als Vorstand Herr Leopold Landsberger und als Schriftführer Herr Heinrich Munk (beide Israeliten) befanden, genossen bei der Begrüßung einen überaus freundlichen Empfang und namentlich am Abende, wo der Gesangsverein vor dem Pfarrhause, in welchem Se. Eminenz wohnte, eine Serenade darbrachte, kam Se. Eminenz eigens aus seiner Wohnung im 1. Stock auf den Pfarrplatz hinüber, um dem Vorstande Herrn Leopold Landsberger in der freundlichsten, liebenswürdigsten Art und Weise seinen wärmsten Dank auszusprechen und unterhielt sich bei dieser Gelegenheit, über alle Verhältnisse des Gesangsvereines genaue Erkundigungen einholend, durch sehr lange Zeit in der leutseligsten. Weise mit demselben. Brünn, den 28. Mai 1893. Die Brünner Tagesblätter brachten anfangs dieses Monates eine Begebenheit, bei welcher ein Glaubensgenosse mit Hintansetzung seines eigenen Lebens einen Christen vom sicheren Tode gerettet hatte: (Der Retter zur rechten Zeit.) Am 3. d. befanden sich in der Station Pausram zahlreiche Reisende, welche den von Lunde-nburg nach Brünn verkehrenden Personenzug, der fahrvlanmäßig um Halo 8 Uhr Abends hier einzutresfen hat, erwarteten. Unter dielen Reisenden befand sich der 60jährige Schmied Carl Chmelik aus Czerkonii; in Böhmen, ein großer Mann, welcher auf dem Rücken ein schweres Bündel mit Effekten trug. Als der Zug der Station zurollte, schritten die Reisenden über die steile Treppe herab. Plötzlich stürzte Chmelik der Länge nach auf das Schienengeleise und war außer Stande, sich rasch zu entfernen. Da kam aber auch schon der Zug herangeroiit. Allgemeine Aufregung bemächtigte sich der Passagiere und Wartenden, welche dem Zugsführer Warnungsrufe zuschrien. Der Locomotivsührer ließ die Bremsen anziehen, aber ein sofortiges Stillstehen des Zuges war nicht zu erzielen. Im kritischen Momente sprang ein Reisender, der gleichfalls in. Pausram einsteigen wollte, auf den alten Mann zu und zog ihn im wahren Sinne des Wortes mit eigener Lebensgefahr aus dem Schienengeleise fort. Kaum waren Beide vom Bahnkörper entfernt, als auch schon der Zug jene Stelle durchfuhr und sodann stehen blieb. Der Retter Chmelik's ist Herr Wilhelm Löw Mitchef der Firma Brüder Low, Olniützergaffe 4 in Brünn, welcher für seine Thal nicht nur vom Publicum in Pausram, welches Zeuge der Scene war, sondern auch in den Stationen Raigern und Brünn von den diensthabenden Verkehrsbeamten Worte der Anerkennung erntete. — Leider hatte sich der Gerettete,- Chmelik, bei dem Sturze von der Treppe auf das Geleise derartige Verletzungen zugezogen, daß er, mit dem bezeichneten Zuge in Brünn angelangt, von der Rettungsabtheilung übernommen imd in die Landes-Kranken- »Zerben London, 25. Mai. (Die Kolonien des Baron Hirsch.) In seinem letzten Bericht an das londoner Auswärtige Amt macht der britische Vize-Consul i n Rosario einige interessante Mittheilungen über die Kolonien des Baron Hirsch in der arg e n tinisch e n R e p u b l t!, Im Frühjahr 1891 kam der erste Trupp russischer Juden in dem Lande an; es waren im Ganzen 220 Personen. Die Kolonie die ihnen überwiesen wurde, liegt ungefähr 15 Kilometer von der Station Palacios an der Buenos-Ayresnnd Rosario-Eisenbahn entfernt. Sie erhielt den Namen „Moises- Ville" und besteht aus 180 Losen zu je 100 Hectaren, die wieder aus je vier Secti'onen zu 25 Hectaren bestehen. Bon 2850 (hauptsächlich russischen) Juden, die während des Jahres 1891 in Argentinien ankamen, wurden in dieser Kolonie 462 untergebracht. Sie wohnen in 90 ärmlich ausgestatteten Lehmhütten, die, je 30 Meter von einander entfernt, in einem Halbkreise angelegt sind. Ein . Comite von vier Herren verwaltet die Ansiedlung. Das Land wird den Juden in Losen von je 1300 Mark Wert gegen Zahlung binnen sechs Jahren zugetheilt; nur den Bemittelteren werden von dem außenstehenden Betrage fünf Perzent Zinsen berechnet. Die Nahrung und alles für den Ackerbau erforderliche Zugehör wird den Colouisten beigestellt; den Preis hiefür brauchen sie nicht früher zu entrichten, als bis sie es von dem Uebertrage ihrer Ernte zu thun im Stande sind. Die Sprache der Colomsten ist meist russisch und deutsch, aber viele sprechen auch spanisch, und' die Meisten verstehen es. Wenngleich sie sich den Landesgewohnheiten anzupassen streben, behalten sie doch ihre überlieferten Bräuche bei, und halten ihren Rabbiner in hohem Ansehen. Im November 1891 kam ein zweiter' Trupp von 242 Personen (55 Familien) in der Colonie au, da aber die getroffenen Vorbereitungen im Verhältnisse zu der unerwartet großen Zahl weitaus unzulänglich waren, so konnten viele der Neuankömmlinge nicht sofort untergebracht oder mit Arbeitsfeldern und Werkzeugen versehen werden. Die Folge war große Unzufriedenheit und Desertion in die benachbarten Gegenden, wo viele der Emigranten an der Seite der Italiener im Tagelohn zu arbeiten begannen. Durch eine gute Ernte begünstigt und Dank ihrer großen Sparsamkeit gelang es bald Manchen, ein kleines Stück Land zu kaufen und für eigene Rechnung zu besäen. Etliche Colonisten haben sich bei der Arbeit ganz unbrauchbar erwiesen und wurden auf Kosten der Gesellschaft nach Europa zurückgeschickt, um tauglicheren Ersatzmännern Platz zu machen. Die argentinischen Behörden und das argentinische Publicum verfolgen die Entwickelung der Colonien mit großem Interesse, aber eine endgiltige Meinung über den Werth derselben hat sich noch nicht herausgebildet. Der Consul meint, daß der Erfolg des Planes zweifellos nur von der Güte der Verwaltung und von der richtigen Auswahl der Colonisten abhänge. Die argentinische Regierung, heißt es, sucht mit allen Kräften das Landen solcher Juden zu verhindern, die kein Gewerbe haben oder kränklich sind, weil man mit der Ueberfüllung der Städte durch beschäftigungslose Fremde schon früher schlimme Erfahrungen gemacht hat. Wegen der niedrigen Bodenpreise, des großen Angebotes und der entwerteten Landeswährung ist. gerade der gegenwärtige Zeitpunkt sehr günstig für das Unternehmen. Der durch die Kolonisation gesteigerte Werth der Ländereien und die zu erwartende Restäurirung der Landesfinanzen (also Sinken des Agios) dürfte allen Auslagen der Gesellschaft das Gleichgewicht halten. Der Consul geht so weit, zu behaupten, daß die Anlage nicht blos Vertriebenen eine zweite Heimat geben und so ein wohlthätiges Unternehmen zu nennen sein wird, sondern mit der Zeit sich auch wohl zu rentiren, ja eine Goldgrube (a mine of wealth) zu werden verspricht. Der Bau von Synagogen und Schulen ist bereits in bestimmte Aussicht genommen, und „Moises-Ville" dürfte, wie bet Consul zum Schluffe meint, in nicht ferner Zeit ein „bedeutendes Zentrum" sein. Berlin. Ergötzlich -sind die Plänkeleien zwischen den Christlich-Socialen und Antisemiten in Berlin, zwischen einem Stöcker und Bachler. In einer conservativen Versammlung für Berlin I. warf Herr Stöcker, der für die Candidatur Zeidler sprach, der „Staatsbürgerzeitung" vor, daß sie die Conservativen bekämpfe, obgleich sie früher sogar aus Geschäftsinteresse Kartell-Äufrufe abgedruckt habe. Die „Staatsbürgerzeitung" antwortet sehr gereizt; sie spottet über den Rücktritt, der Herren Stöcker undCremer von der „Berliner

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