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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-02 · 22 (2.6.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Orstrrreichlschr Wochenschrift Seite 421 Nr. 22 nachwristz in directem Gegensätze zu den Lehren der Pharisäer über Todesurtheile und deren Vollziehung. Das haben allerdings auch schon früher jüdische Gelehrte behauptet, so hat sich beispielsweise Philippson mit der Frage: „Haben die Juden wirklich Jesu gekreuzigt?" beschäftigt und dieselbe in einer, unter diesem Titel erschienenen Schrift entschieden verneint. Aber das waren eben Juden, und so blieb alles was sie sagten unbeachtet. Hier spricht nun ein gläubiger Christ, der sich aber von anderen dadurch unterscheidet, daß er zugleich ein wissender ist und ehrlich und muthig genug, dieses sein Wissen zum Ausdruck zu bringen. — Wir, müssen es uns leider mit Rücksicht aus den verfügbaren Räum versagen, noch weitere Auszüge aus diesem hervorragenden Werke zu bringen und wollen nur am Schluß den dringenden Wunsch aussprechen, daß dasselbe in jüdischen Kreisen starke Verbreitung finde. Die Darstellung ist so klar und präcis, daß selbst der Laie aus diesem Gebiete das Buch mit Interesse lesen 'wird und der Preis im Hinblick auf den Umfang und die schöne Ausstattung so wohlseil, (4M. 65 Pf.) daß selbst der minder Bemittelte cs erwerben kann. Teutvbold Wer Deckert, Meyer & Comp. Schreibebrief des antisemitischen Studiosus. IX. Wien, Ende Mai 1893. Allerwerthester! O herzliebster Cumpan Pumpo! Da es schon ziemlich lauge her ist, daß ich Dir nicht geschrieben — wenn ich nicht irre, seit dem letzten Mal — so lasse ich mich. jetzt in meiner alten Stammecke kaffeehäuslich nieder, bestelle eine Schale Tinte ohne Haut, eine resche Feder und drei Zehntel Liter Cognac, lasse natürlich alles auffchreiben — denn ich bin ein großer Freund der Ordnung und werde schon gelegentlich alles zusammen begleichen. Johannes, der sogenannte Geldeinnehmer, ist auch so liebenswürdig ein paar Journale beizuschaffen, doch ich schiebe nach meiner Gewohnheit das „Vaterland" zur Seite: jetzt ich will Dir ja schreiben .... Es gab bis vor Kurzem rein gar nichts zu berichten. Nicht das kleinste Christenkindlein war so nett, sich ein wenig schachten zu lassen; die wöchentlichen verdrahten Grüße an Schönerer gehören mehr zu den Neuigkeiten älterer Art, und alle abgängigen arischen Dienstmädchen haben die richtige Nummer in der Alserstraße ausfindig gemacht und sind daselbst sämmtlich eingctroffen. -Wir verzweifelten scyon. Das Eintreten eines sensationellen, packenden, aufregenden Ereignisses, welches wir höchst nothwendig brauchten, schien so ausgeschlossen, wie Gregorig aus dem Gewerbeverein. Da geschah das Große, das Unerwartete: der umgekehrte Saulus erschien in vermehrter und verbesserter Auflage. Das ist Dir wol etwas zu dunkel und soll deshalb gleich commentirt werden. Saulus, der ging bekanntlich seines Vaters Eselin suchen und fand eine Krone. Unser Saulus suchte zweih undert Kronen monatlich und fand — den, der sie ihm gab. Natürlich war er vorher zum Paulus geworden, das war eonältio 8ine qua non. Nie ohne dieses. Der Pfarrer von Weinhaus hat den Faulus Meyer erfunden — (er nahm auch sogleich Patent und Musterschutz ohne Werth auf ihn) — aber der Dr. Bloch hat denselbigen dafür entdeckert. Jener hervorragende Dichter von Blutmärchen ist in der Geographie genau so zu Hause,. wie im Talmud. Der selige Schulchan Aruch hat ihn selbst im Letzteren unterwiesen und für einen seiner phantasievollsten und erfindungsreichsten Eleven erklärt. Seine höhere Ausbildung hat er jedoch bei einem gewissen Zaddik genossen — der ein sehr bedeutender Gelehrter gewesen zu sein -scheint, da Meyerchen sich „Zaddikschüler" auf seinen Visitkarten, nennt. Der Mann verfügt über eine immense Gelehrtheit, Grimm's, Andersen's, Hauff's Kinder- und Grausmärchen hat er eifrigst studirt. In der Causa Schneewittchen contra böse Stiefmutter ist er Autorität. Auch neigt er der Ansicht zu. daß Ritter Blaubart seine sieben Weiber rituell schachtete, und daß die alte Hexe an Hansel und Grethel gleichfalls diese weihevolle, religiöse Handlung vorzunehmen beabsichtigte. Seine eigenen Märchen liefert er nur gegen fixe Bestellung und Vorausbezahlung. in die Provinz ausschließlich per Nachnahme. Er dichtet auf Wunsch ganz blutig oder auch halb englisch. , Was hat das doch für Lärm gemacht und Staub aufgewirbelt mit dem Ort, wo so munter darauf losgeschächtet wird! Und Meyer hatte Recht! Der Ort wird nämlich genau so gesprochen, wie er ihn genannt, nur ein klein wenig anders geschrieben, nämlich; „O st r o - wo?" Wenn vielleicht der Erz-Mechaniker einen kleinen — „Abstecher" dahin zu machen wünscht, wird ihm ja einer seiner jungtschecherneu Freunde gewiß gerne das Land verrathen, wo es liegt. Leider wird unser Dichter aus Oesterreich bald hinausgefeiert werden und ein gffetzter, eingezogener, verschlossener Mann zu werden genöthigt sein. Aber sein sogenannter Geist wird sich deswegen nicht in Fesseln schlagen lassen. Wir dürfen hoffen, daß demnächst ein stattlicher Band Blutmärchen bei Leck und Zuwidernoch erscheint oder bei einer ähnlichen strammen Firma . . . O diese Steckbrieslein! Hat dieses Landesgericht in Leipzig nicht erklärt, ans die persönliche Anwesenheit Meyer's unmöglich verzichten zu können! Daß es auch gar keine Rücksicht aus Herrn Deckert genommen! Was soll der nun ohne seinen Freund, und Compaguon anfangen, der ihm so aus der Seele gelogen? Das Geschäft in eigene Regie übernehmen? Mit Dampfbetrieb — der Artikel eignet sich ja gut zum Ma ssen-Consum — geht es vielleicht. Meyern haben sie leicht ausgefunden. Er stand mit vielen deutschen Gerichten in ausgebreitetem steckbrieflichem Verkehre und ist eine sehr markante Persönlichkeit. Ein künstliches Auge hat er und eine natürliche Braut, bei der er wohnt. Ich bin überzeugt, daß er mit dem Glasauge in „Oftrowo?" die Schächtung ganz genau mit angesehen hat. Das andere mußte er, wie das schon bei solchen Gelegenheiten üblich, nachsichtigerweise zudrücken. Eine Braut hat er — ja wohl! — hören Sie es nur grausame Mila, Sie fürtreffliche Cassierin des Sitzes — eine Braut, bei der er wohnt. Ich möchte auch so eine haben, eine möblirte Braut mit der Aussicht auf die Gasse, aber nicht zu hoch hinaus. Die Arme wird nun trauern und klagen, daß der Herr Bräutigam übersiedeln und daß ihre Sehnsucht nach der Madame Meyer auf unbestimmte Zeit verschoben werden mußte. Sie hatte sich ihr Glück so blutmärchenhaft schön ausgemalt! Wenn ihn auch böse und auf seinen Ruhm neidische Leute für den Hinauswurf der Menschheit erklärten, für sie, die liebende Braut blieb er dennoch der angebetete Bräutigam ihres Herzens, der Erwählte ihrer Seele. Wie viel zarte Gefühle und schöne Regungen hat das k. Landesgericht in Leipzig grausam dahingeschächtet! Ewig unwiederbringlich dahin sind die verlorenen Liebesaugenblicke, die Momente seligen Jneinanderfließens der Gemüther. — Heloffe und Abälard, Romeo und Juliz/ Hero und Oleander — bald werdet ihr ans der Mode sein. Die Liebenden der kommenden Geschlechter werden zum Grabe von Faulus Meyer' und seiner Braut wallen — wenn sie nur erst darin liegen. Schön in Stein gehauen wird er daraus zu sehen sein : eine weithin glänzende vergoldete Lyra, der Dichtung Symbol ein schlankes Lorbeerreis, ein langes Schächtmesser und der beschwingte Liebespfeil in geschmackvoller Verschlingung. Und die Inschrift wird lauten — aber nicht in hebräischen, sondern ausschließlich in deutschen Lettern, damit auch Rohling und Deckert sie genau lesen können: — „Faulus Meyer und Braut". Deckert, der Erfindungsreiche, könnte vielleicht auch das Mausoleum zum Zusammenklappen construiren. Das wäre äußerst praktisch. Aehnlich wie die Parapluie-Villa, die unter dem Arm zu tragen war. So eine Klapp-Villa hat in meinen Augen etwas ungemein reizendes. Ich hätte kürzeren Proceß gemacht, wenn ich sie gewonnen hätte. Ich würde mich bedankt, meine Villa in die Rocktasche gesteckt haben und wäre gegangen, sie irgendwo ausstellen. Dabei hätte ich das schöne alte Liedlein vor mich hingeträllert; „Gigerl, gagerl, Häuserl bau'n — auffisteig'n und abischau'n!" Eines, mein liebwerther Cumpan Pumpo, begehrt, jedoch Dein Freund zu wissen und ist ihm an der Sache nicht recht klar. Könntest Du nicht darüber Aufschluß geben, ob die Kirche, welche für die eingegangenen Gelder — für die Gelder der Eingegangenen — erbaut wurde, auch nach dem System Klappstuhl errichtet wurde? Das ist's, was ich zu wissen wünsche. Ich sage Dir, Pumpo, ich verstehe die Welt nicht mehr. Du kennst dieses alte Studentenlied genau, das so sonderbar anfängt: „Grad auS dem Wirthshaus komm' ich heraus" —

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