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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-02 · 22 (2.6.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2£ Orsterreichifche Wochenschrift Seite 419 selben gibt an der Tysmienica in einer sumpfigen, waldigen Gegends-Hat ein Schloß, Tuchfabrikation und 3000 Einwohner. Thatsache ist's, daß sich diese Stadt auch auf der russischen Generalstabskarte in der Nähe von Lublin findet. 2. Es ist unwahr, daß zu dem vom Kirchenbau-Bereine unter meiner Leitung erbauten Benificiatenhause Judengelder zugeflossen sind. Thatsache ist, daß wir dazu keinen Heller von einem Juden erhalten haben. 3. Es ist unwahr, daß ich nach erhaltener Bewilligung der Lotterie d. h. nachdem bereits feststand, daß eine Villa ohne Grund ausgefpielt werde, als Haupttreffer eine Villa in der Nähe Wiens angekündigt habe, daß ich also mit vollem Bewußtsein den falschen Schein zu erwecken suchte, daß die Villa irgendwo in der Nähe Wiens mit wirklichem Fundamente besteht. Wahr ist, daß ich erst nach Ausgabe der Lose von der Finanzbehörde aufmerksamgemachtwurde, daß Grund undBoden nicht Gegenstand einer Effecten-Lotterie bilden dürfe; daß also eine absichtliche Irreführung des Publicums ausgeschlossen war. 4. Es ist unwahr, daß ich die Publication betreffs der transportablen Villa in dem Blatte der „Wiener Zeitung" deshalb wählte, weil es vom Publicum nicht gelesen werde. Thatsache ist es, daß ich von der Finanzbehörde dazu aufgefordert wurde. 5. Es ist unwahr, daß die Publication in meinem Blatte: Der „Sendbote des heil. Josef" nicht erfolgt sei. Thatsache ist es, daß dies im Aprilhefte 1889 geschah. Auch in anderen Blätter ging diese Notiz über. 6. Es ist unwahr, daß ich oder der Kirchenbau-Verein die Gewinnerin dupiren wollte.. Der Verein durfte den Grund zur Villa freiwillig nicht geben, da dies im Lotto-Patent verboten ist, mußte es also auf einen Proceß ankommen lassen. 7. Es ist unwahr, daß ich Herrn Paulus Meyer verpflichtet, mir erdichtete Bluttexte zu liefern. Thatsache ist. daß ich diesem gelehrten Hebräisten vertragsmäßig die Mittel geboten habe, ein wissenschaftliches Werk über den jüdischen Ritualmord zu schreiben. 8. Es ist unwahr, daß mir Herr Paulus Meyer, nachdem er die ersten 100 fl. erhalten hatte, als Vorschuß für feine weiteren „Fälschungen" den Brief geliefert habe; wahr ist, daß er mir diesen Brief freiwillig und ohne Entgeld überlieferte mit der Bitte, denselben zu veröffentlichen. 9. Es ist unwahr, daß ich die Acten des Trienterprocesses bloß eingesehen haben will. Ich habe dieselben übersetzt und gedenke sie herauszugeben. 10. Es ist unwahr, daß ich im Laufe des ganzen Streites nicht in der Lage war, auch nur eine einzige Quelle genau zu citiren. Ich habe die Bollandisten, das Martyrologium Rom, die Bulle Sixtus IV. genau citirt und war in der Lage wenn es erforderlich gewesen wäre, noar anderer Quellen zu citiren. 11. Es ist unwahr, daß ich über den Proceß bloß ein Pamphlet gelesen habe. Mir ist thatsächlich kein solches Pamphlet bekannt, sondern nur die Ger'chtsacte und die an die Bollandisten genannten Quellen. 12. Es ist unwahr, daß ich über diesen Proceß bloß ein Pamphlet, das ich gelesen, abgeschrieben habe. Thatsächlich habe ich die Daten, welche die Proceßacten bieten historisch zusammengestellt und aus den Rubriken der Proceßacten die Geschichte des Processes dargestellt. 13. Es ist unwahr, daß ich glauben machen wollte, Dr. Bloch habe Herrn Paulus Meyer für einen Widerruf des Briefes Geld angeboten. Thatsächlich habeich den Bestechungsversuch erwähnt, ohne aber Dr. Bloch als Urheber dieses Bestechungsversuches zu nennen. Als Vermittler dieser Bestechung hat sich Univerfitätsprofeffor Se. Hochw. Dr. Gustav Bickell selbst öffentlich bekannt. 14. Es ist unwahr, daß Herr Paulus Meyer je bei mir wohnte. Es wäre dies allerdings nichts Unrechtes, entspricht aber nicht der Wahrheit. Herr Paulus Meyer hat seit seiner Uebersiedlnng nach Wien seine eigene Wohnung, Hochachtungsvoll Dr. Josef Deckert. Pfarrer. Wien, 22. Mai 1893. H. I. S. Bloch, verantw. Redacteur der „österr. Wochenschrift" I., Franz Josef-Quai 3, Wien. Fordere Sie auf. nach § 19 des Preßgesetzes in gesetzlicher Form, und Frist folgende in Nr. 21 Ihres Blattes im Artikel: „Ein edles Brüderpaar" III. enthaltenen Unwahrheiten über meine Person zu berichtigen, li Es ist unwahr, daß. Häuserspeculation und Geldgeschäfte mein vorzügliches Metier bilden. Thatsache ist, daß meine vorzügliche Beschäftigung mein.Seelsorgsamt ist, das ich noch nie vernachlässigt habe und daß ich als Präsident eines Vereines zwar Häuser gebaut habe und Geldgeschäfte abwickeln mußte, daß ich aber. weder' in Häusern speculirt, noch Geldgeschäfte mein Metier sind. . 2. Es ist unwahr, daß ich Dichter eines Schächtmärchens bin. Thatsache ist, daß ich nur auf Drängen Anderer einen Brief veröffentlichte, der ein von einem jüdischen Convertiten erlebtes, mit seinem Eide bekräftigtes blutiges Ereigniß erzählt. Bei der Abfassung dieses Briefes bin ich in keiner Weise betheiligt. 3. Es ist unwahr, daß ich Erfinder einer Luftvilla bin; die transportable Villa, welche der Kirchenbau- Verein als ersten Treffer der Lotterie bestimmte, war Ausstellungsgegenstand und zwar ein sehr greifbarer und werthvoller Gegenstand einer Effectenlotterie: 4. Es ist unwahr, daß irgend welche Gerichtsurtheile für mich wenig schmeichelhaft waren; Thatsache ist, daß gegen mich gar keine gerichtliche Verurtheilung vorliegt. Hochachtend Dr. Deckert. XVIII. 27. 5. 1893. Nachschrift der Redaktion i Wir machen uns anheischig, eventuell vor Gericht, jeden einzelnen Satz dieser vier Zuschriften als lügenhaft, als Entstellung oder Fälschung nachzuweisen. Gegen Prof. Bickell, dessen Ehre als katholischer Priester bis nun von keiner Seite angetastet worden, erhebt er die Anklage eines „Bestechungsversuches" und erfrecht sich von ihm zu sagen, „er habe in dieser Angelegenheit eine traurige Rolle gespielt." Nun denn die Gelegenheit wird nicht fehlen, an competenter Stelle entscheiden zu lassen, wer in Wahrheit die traurige Rolle gespielt hat, ob Professor Dr. Bickell oder Pfarrer Deckert im Vereine mit seinem Genossen Paulus Meyer. — Die christlichen Theologen und die rnbbinirche Literatur. Von S. H a m m e r s ch l a g. „Wenn frischer Dünkel mit falschen Citaten allein ausreichen soll, mährend seit 100 Jahren die gesammte Wissenschaft durchgearbeitet worden ist und sich umgestaltet hat, so müssen ganze theologische Bauten wurmstichig werden, so oft jüdische Wissenschaft zu dem Grunde gehört." So schrieb Zunz vor nahezu einem halben Jahrhundert in seinem Buche „Zur Geschichte und Literatur" (S. 19) dort, wo er die Haltung christlicher Theologen gegen die jüdische Wissenschaft characterisirt. Wenn nun auch seitdem die Begegnung in den äußeren Formen etwas urbaner geworden ist, und die Beschimpfungen unseres Schriftthums, von denen dort Zunz aus einem einzigen Werke eine ganz erkleckliche Anzahl citirt, einer etwas gedeckteren Schreibweise Platz gemacht haben: im Wesen ist es doch noch meistens ein vornehmes Achselzucken, mit dem man auf die talmudische Literatur herabsieht, und zwar steht die Schroffheit des Urtheils genau im umgekehrten Verhältnisse zu der Kenntniß dieses Schriftthums. Dabei erwägen die Herren nicht, daß sie sich dadurch eine der wichtigsten und ergiebigsten Hilfsquellen zur Erforschung ihrer Bekenntnis-Schriften abgraben. Denn die den Evangelien in ihrer heutigen Gestalt zu Grunde liegenden Urschriften waren gewiß von Judenchristen und zumeist in aramäischer Sprache abgefaßt, und ihre Verfasser kannten nicht nur die jüdische Lehrweise und das jüdische Gesetz, sondern beobachteten auch noch viele der darin enthaltenen Einzelvorschriften. In ftüheren Zeiten nun lauerten, wie Zunz (ibidem S. 6) sich ausdrückt, „auf der schmalen Grenzscheide, wo Juden und Christen zusammenkamen, zu viele Gefahren, als daß von jüdischer Seite ein freiwilliges Heraustreten zu erwarten gewesen wäre." Jetzt ist es darin wenigstens anders gervorden, und jüdische Gelehrte setzen sich höchstens einer unhöflichen und hochmüthigen schriftlichen Replik aus, wenn sie mit Hilfe ihrer genauen Kenntnis des Talmuds zur Lösung von Schwierigkeiten und zur Aufhellung von Dunkelheiten in den Evangelien das ihrige beitragen. In sehr eingehender und scharfsinniger ' Weise hat dies Dr. Güdemann zuerst in seinen vor längerer Zeit erschienenen „Religionsgeschichtlichen Studien", dann wieder-

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