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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-06-02 · 22 (2.6.1893) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
22 (2.6.1893)
Date
1893-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Vryerreichsfche WortzenstlMt . Mt. 22 Sette 416 Am 7. Mai schrieb Herr Deckert voll Uebermuth: „Also nur noch ein wenig Geduld, Herr Dr. Bloch, Sie werden hoffentlich bald im Kampfe mit Paulus Meyer Ihre Gelehrsamkeit Nachweisen können." Neun denn! Mit einem solchen Menschen wissenschaftlich zu polemisiren, ist nicht Sache des Dr. Bloch. Wenn der Herr Pfarrer von Weinhaus einen Zuchthaussträfling zu seinem Freunde und zum Genossen seiner Lügen macht, so mag er das vor seinem Gewissen verantworten, in den Gewohnheiten Dr. Bloch's aber liegt es nicht, einem solchen Subject auch nur die Ehre der Gegnerschaft zu erweisen. Herr Deckert wird erfahren, daß sein Paulus Meyer in seiner Heimath einen anderen Namen führte, dort gelegentlich eines versuchten Selbstmordes durch den Sohn des Rabbiners gerettet worden, den er als Mörder im Grabe verläumdet. Herr Deckert macht uns zum Vorwurf, daß wir wohl die aus dem -antisemitischen „Reichsboten" entnommenen Beschimpfungen gegen Paulus M-.yer, nicht aber auch die in demselben „Reichsboten" enthaltene Berichtigung abgcdruckt haben. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir in dem Ztttikel in Nr. 19 der „Oest. Wochenschrift": „Wer ist Paulus Meyer?" aus der „Neuen preußischen Zeitung" (Kreuzzeitung) vom 13. August 1892 einen im Namen zahlreicher protestantischer Miffionsgeistlicher abgefaßten gegen Paulus Meyer gerichteten Steckbrief citirten, welcher bis heute in dem genannten Blatte keine Berichtigung erfahren hat; einen Steckbrief des „Wächter" („Bielefelder Ztg.") vom 27. September 1892, der ebenfalls o h n e B e r i ch t i g u n g blieb, eine Warnung vor Paulus Meyer aus der Missionsschrift „Nathaniel" Heft IV. Jahrgang 1892, wo ebenfalls keine Berichtigung erschien; ein „unberichtigt" gebliebenes in Hamburger Blättern erschienenes „Protokoll der Edzardi-Stiftung vom 4. April 1892; ein öffentliches Schreiben des Herrn PastorvonBodelschwingh aus Bielefeld und einen Leitartikel aus dem Organ des Hofpredigers Dr, Stöcker „Das Volk" vom 30. Öctober 1892, welche alle in kaum zu überbietenden Beschimpfungen vor dem Paulus Meyer warnen, ohne daß je eine berichtigende Zeile hierüber in diesen Blättern seither erschienen wäre. Von der „Berichtigung" im „Reichsboten" aber Notiz zu nehmen, war um so weniger Anlaß, als die Redactton des genannten Blattes nachher in mehreren Nummern wiederholt erklärt hat, daß ihr Urtheil über Paulus Meyer nach der „Berichtigung" kein anderes geworden. Die Berichtigung des Paulus Meyer hatte in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt verzweifelte Aehnlichkeit mit den „Berichtigungen" seines Freundes von Weinhaus. Mittlerweile ist die Verhaftung des Paulus Meyer erfolgt und mtt dieser Thatsache ist Herr Deckert selbst sehr gründlich berichtigt worden. Denn der hochwürdige Hm Pfarrer hat ja im „Vaterland" rundweg geleugnet, daß sich Meyer in Leipzig irgend Etwas hätte zu Schulden kommen lassen. Das Leipziger Landgericht hat also offenbar nur zum Zeitvertreib Paulus Meyer regnirirt. Dr. Deckert lügt bis zum letzten Augenblick mit einer wahrhaft eisernen Stirne. Die Lüge und die Unverfrorenheit sind seine einzigen Waffen und er gebraucht sie mit einer Virtuosität, die bei einem katholischen Priester geradezu abscheulich ist. Er fälscht auch immer noch die Berichtigungen Dr. Bloches, er citirt ' insbesondere falsch jenes Petersburger Telegramm, in welchem es heißt, daß es im weiten russischen Reiche keine Stadt, keinen Ort, kein Dorf, keinen Flecken namens O st r o w o, oder O st r o v o. oder O st r o w a gebe. Statt O stro w o schreibt er-beharrlich Ostrow, um daran die von uns bestätigte Behauptung zu knüpfen, daß drei Städte mit Namen Ostrow existiren. In unserem Petersburger- Telegramm kam die Bezeichnung O st r ö w nicht vor, so wenig wie in dem Blutbrief Paulus Mcyer's, der jene Scene in Ostrowo spielen ließ. Heute freilich wissen wir, daß das Ostrowo Meyer's die Stadt Ostrow im Gouvernement Siedlce ist, welches von den russischen Juden „Ostrowe" genannt wird, und nach dieser Feststellung werden gegen Deckert und Meyer andere Zeugen auf den Plan treten als Ritter's geographisches Lexicon und das Manische Conversations-Lexicon. Herr Dr. Deckert schildert nur seine eigenen Gefühle, wenn er meint, daß' weitere Nachforschungen gewissen Leuten „unangenehm" sind. Der Herr Pfarrer von Weinhaus ist nach, der Verhaftung seines Partners und Helfershelfers ein zu mitleidswürdiger Gegner, als daß wir uns noch weiter mit ihm beschäftigen könnten. Nur auf den Vorwurf, daß Dr. Bloch gewisse Mittheilungen des Professor Bickell geheimzuhalten vergaß, sind wir noch eine Antwort schuldig. Was Dr. Bloch über seine Unterredung mit Prof. Bickell publicirte, war die reine W a h r ch e i t. Ein Mensch nun, der einen hergelaufenen Landstreicher und Zuchthaussträfling eigens dafür bezahlt, daß er ihm Lügen fabricire, die er selbst dann als Wahrheit in die Welt setzt und mit seiner priesterlichen Autorität deckt, ein solcher Mensch wagte es noch, von „diplomatischer Genauigkeit" gegenüber Dr. Bloch zu sprechen? Fürwahr, dieser Pfarrer Deckert ist, wenn nicht eine criminalistische Erscheinung wie sein Freund Paulus Meyer, so doch eine pathologische Erscheinung, mit der sich ganz andere Leute als die Theologen beschäftigen sollten. Vor wenigen Wochen brachte das -„Berliner Tagblatt" einen etwas hämischen Artikel über den Pfarrer Kneipp. Sofort machten die katholischen Blätter in Deutschland, voran die „Germania", die ganze Jüdenheit hiefür verantwortlich, obgleich der Redacteur jenes Blattes ein getaufter Jude ist. Weil nicht gleich jeder einzelne Jude seine Entrüstung über diese Ungebühr ausgetrommelt hat, wurde sie der Gesammtheit der Juden in die Schuhe geschoben, obgleich die „Germania" wohl ,weiß, daß unsere Glaubensgenossen - jeder Organisation entbehren, keine religiöse Behörde haben ii. s. w. Nun sehen wir einen katholischen Priester als Geburtshelfer einer Schurkerei sondergleichen, ein Mitglied der so streng organisirten Kirche, deren Leiter mit einer gewaltigen disciplinarischen Macht ausgerüstet sind. Und doch fällt es keinem Juden ein, die ganze katholische Christenheit für diesen Deckert verantwortlich zu machen, der weiterhin in seiner wichtigen Stellung unangefochten bleibt. Dagegen ist die Erwartung wohl, nicht allzu unbescheiden, d aß d i e k. k. S t a a t s a n w ä l t s ch a f t Paulus Meyer und Genossen e i n p r ü f e n d e s Auge zuwende und das verläumderische Treiben dieser Sippe einer Untersuchung würdig erachte. Das „Vaterland" vom 30. Mai enthält nachstehende Zuschrift: Herrn Franz Doll, verantwortlicher Redaeteur des „Vaterland" Wien. In Bezug auf den Artikel „Blochiade zweiter Theil" Nr. 148 des „'Vaterland" vom 25. Mai, ersuche, ich auf Grund § 19 des Preßgesetzes nachstehende Berichtigung in der gesetzlichen Form und Frist in Ihrem Blatte zum Abdruck zu bringen. . Es ist unwahr, daß ich „gewisse Mittheilungen des Prof. Bickell" durch dessen Vermittlung P aulus Meyer mir sich zu „Enthüllungen" über die Schandthaten der Antisemiten für den Fall angeboten, wenn ich ihn durch Schonung seiner Person und Nichtveröffentlichung der auf sein Vorleben bezüglichen Dokumente aus den Händen Deckert's (wörtlich: „Aus den Klauen dieser Leute") befreien helfe, geheim zu halten vergaß; wahr ist vielmehr, daß die Erklärung des Paulus Weyer einen solchen Brief, wie ihn Deckert angekündigt, niemals geschrieben zu haben, mich nach der Publication des Briefes mit der Unterschrift des Paulus Meyer der Pflicht der Dis-' cretion enthob und es erwuchs vielmehr die Pflicht, die öffentliche Meinung vor einer bösartigen Irreführung und einem schändlichen Attentat zu schützen. Es ist unwahr, daß blos „ein Convertit wie Bickell die Aussagen eines anderen Cönvertiten, wie P a ul u.s M e y er, bezweifelt;" wahr ist, daß Dr. Bickell, ein Professor arisch-germanischer Abstammung, erklärt, Paulus Meyer selber habe ihm gegegenüber die blutige Erzählung aus Ostrowmnie als wahrhaftes und wirkliches Erlebniß ausgegeben; ferner daß außer Professor Bickell noch andere katholische Theologen, sogar hervorragende Würdenträger der Kirche, den Paulus Meyer Lügen strafen, wie z. B. Cardinal Fürstbischof Dr. Kopp, der in einem schriftlichen Dokument, welches

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