Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 22 (2.6.1893)
- Date
- 1893-06-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020976--02458-3026548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ar/ %2 Me«. 2. Juni 1898. X. Jahrgang. Centralorgan für die gesammien Interessen des Iudenthums. m A. k. Pofitzimikllstnamt Clearingverkehr Nr. 81V.V76. Ledsrlion rmd AdniinipraNon: Wie» Franx Jofrfs-Nnai Nr. 8. Telephon-Nr. 6535. =5K Eigenthümer: Rerchsralhs-Avgeordnrler Dr. Bloch. -—— Erscheint jeden Freitag. Man abonntrt bei allen Nofianstalir» vr» In- »nd Anslandr». Bezugspreis: Halbjährig 4 ff. Einzelexemplare 25 kr. sAnzeigen: Die 4mal gespaltete Petttzeile 12 kr. - -- -=■=* Inhalt: Leitartikel: Ein edles Brnderpaar IV. Heiteres von dem „hochwärdigsten" Deckert. Nachschrift der Redaction. — Die christlichen Theologen und die rabbinische Literatur. — Teutobold über Deckert, Meyer & Comp. — Die rumänische Judenfrage in ihrem .heutigen Stande. — Correspondenzen: Wien, Bielitz, Brünn, London, Berlin, Rom, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Belovar, M-Kromau, Budapest, Prag, Breslau, Berlin, Coethen, Haag, Constantinopel, Scphia. — Feuilleton: Fürstengunst. IX. — Woche nkalender. — Briefkasten. — Inserate. Mn edles Vrüderpaar. IV. Der „hochwürdige" Pfarrer von Weinhaus, Herr Dr. Josef Deckert, scheint just nicht unter ein.em Glücksstern geboren zu sein. Er hat in Allem, was er anpdckt, das jämmerlichste Pech. Zuerst war er Grundspeculant. Die Gersthofer Gemeinde wollte ihren Friedhof erweitern und verhandelte mit dem Pfarrer Deckert, der die angrenzenden Grundstücke rechtzeitig an sich gebracht hatte. Aber gerade in dem Augenblick, wo das schöne Geschäft perfect werden sollte, erfolgte die Vereinigung der Vororte mit Wien und der ansehnliche Profit, den Herr Decket schon sicher in der Tasche zu haben glaubte, zerrann tti nichts. — Dann unternahm der geistliche Herr die famose Villenlotterie. Aber das Unglück wollte es, daß das große Los von einer Protestantin gewonnen wurde, die sich mit der „Luftvilla" nicht anschmieren lassen wollte. Das schlechteste Geschäft aber, das Pfarrer Deckert je in seinem Leben gemacht hat, war jenes mit Paulus Meyer. Gerade als die Sache so schön in Schwung gekommen war und der Pfarrer von Weinhaus die Früchte seines „Vorschusses" an den ehemaligen „Zaddikschüler" einzuheimsen gedachte, wurde dieser verhaftet. Man kennt die Duellscene im ersten Theil des „Faust". Mephisto raunt dem ängstlichen Faust zu: „Herr Doctor nicht gewichen! Frisch! Hart an mich an, wie ich Euch führe, Heraus mit Eurem Flederwisch! Nur zugestofsen! Ich parire!" Und Faust-Deckert stieß zu mit aller Kraft, auf die Parole Mephisto-Meyer's vertrauend! Gewaltig legte sich der Herr Doctor aus, er wußte ja, daß der Teufel selber mit chm ficht. Aber gerade in dem Momente, da er in der „Blochiade zweiten Theil" zu einer großartigen Quart ausholte, hat seinen teuflischen Secundanten der Teufel geholt. Paulus Meyer ist verhaftet worden, und nun wird es sich zeigen, ob er in allen Stücken Mephisto gleicht, der von sich rühmte, er wisse „mit der Polizei sich trefflich abzufinden." Vorläufig bleibt von Paulus Meyer nichts als der Gestank, den er im Vereine mit dem hochwürdigen Pfarrer von Weinhaus um sich verbreitete. Das Blutmärchen ist da, aber das Geschäft mit demselben ist gründlich verdorben und Herr Deckert mag nun zusehen, wie er mit seinen angeblichen „Acten" und der Ostrowoer Blutgeschichte allem zurecht kommt. Wir können.ihm übrigens heute schon die vertrauliche Mittheilung machen, daß wir ihm darin zu Hilfe kommen werden. Ueber feine Blutgeschichte sind die gründlichsten Erhebungen an Ort und Stelle eingeleitet worden und es ist bereits constatirt, daß jener Rabbi Jehoschua ben haraw Schlome Leib M'Lentschna wirklich gelebt und von 1860—1872 in der Stadt Ostrow (bei den Juden „Ostrowe") im Gouvernement Siedlce gewirkt hat. Früher hat diese Stadt zum Gouvernement Lublin gehört. Es ist auch constatirt, daß derselbe am 25. April 1873 gestorben ist und wir können Herrn Dr. Deckert mit der Original-Grabschrift dienen, von deren Echtheit und Richtigkeil er sich, auf dem Warschauer jüdischen Friedhose überzeugen kann, weun er die geringste Kenntniß des hebräischen Alphabetes besitzt. Die Grabschrist auf dem Warschauer Friedhof lautet: -—um na- nrAte ynaw innia 3irr ynxi2Dixa xn.i' .löte Tina p'12.1 21.12 3»»ö3yte aufnn ro» roa t*n.i^> a*a* n"3 p^ri av 1223 ♦Jfaaun .aSiy •ob >iar6 px 3'322 "opn "12 r?32 max nysix i»x rtynixn ay ten ypip.n .1x112.1 nnn p '2 aix aits^ ♦nin'02^> 11127 rap3 3'3aa 12 *732 max : 2V.1 13721 fo» ntmas pnyn 711X1221X2 7V1.1' 1TO nun^2T b«V.H2 tmpn 31.13 ymnybti x*yn JD'3 .1"3 m*BD2 KW7 21'3 r23 Dieser Rabbiner starb somit am 25. April 1873. Einige Monate vor seinem Tode ist Rabbi Jehoschuah in Warschau schwer krank gelegen— d er Mör der ist also mehr als zwei Jahre vor dem ihm angedichteten Morde nicht mehr am Leben gewesen. Aber die Kenntnisse des Herrn Pfarrer Deckert werden auch sonst noch vielfach bereichert werden. Der Rabbi Jehoschuah ist zwar tobt, aber die angeblichen Helfershelfer an seinem Ritualmorde, Moische Berriches, Srul Partzewar leben noch, sie leben jetzt in der Stadt Biala im Gouvernement Siedlce, und es leben auch noch die Eltern Paul Meyer's. Auch Schmiel Tarier, der angebliche „Gutsbesitzer," seit je ein armer Jude, lebt in Lublin! Sie werden über Ihren Freund und Schützling Paulus Meyer hübsche Dinge zu hören bekommen, Herr Dr. Deckert! Sie werden hören, daß das Geringste jener Verbrechen, derentwegen Paulus Meyer in Rußland verurtheilt wurde, gemeiner Diebstahl war!