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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-26 · 21 (26.5.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sche 408 Oesterrrtchische WochenschM Nr . 21 der selbst den Befund an der Koliner Leiche gemacht und trotzdem durch gehässige Aeußerungen gegen die Juden die Bevölkerung zu weiteren Exceffen aufgereizt hat. Und -doch verdankt dieser Dr. Sil seine ganze Existenz einem edlen Juden, welcher sich einst des verwaisten sechsjährigen Knaben, trotzdem er katholisch getauft war, angenommen und ihn mit Aufwand seiner letzten Spargroschen hatte studiren lassen! Solange die jungczechische Partei nicht solche Elemente mit Schimpf und Schande aus ihren Reihen weist, solange sie durch die Hetze gegen die Juden ihrer freiheitlichen Vergangenheit in's Gesicht schlagt, kann kein ehrlicher Jude seinen Glaubensgenossen in Böhmen rathen, sich dieser Partei anzuschließen, welche das im innersten Kern freisinnige und duldsame czechische Volk auf Abwege führt. Wielizkr, 16. Mai 1893. Bor gemu Jahresfrist waren wir in der angenehmen Lage, die Wahrnehmung machen zu können, daß ein Institut Nöffnet worden sei, das zur Wohlfahrt und Aufklärung der ärmeren Clafsen Ersprießliches zu leisten versprach. Es ist dies die Froebl-Schule der Baron Hirsch-Stiftung, bei der am Anfang trotz der Reaction, die eine gewisse Partei — nennen wir sie die conservative — ihr entgegen brachte, ein steigendes Floriren zu bemerken war. Doch, wie erwähnt, die conservative Partei reagirte gegen den Bestand dieser Schule, und sie behauptete, es sei nicht die Befürchtung, daß der blinde Fanatismus Gefahr liefe, dem Fortschritt den Platz zu räumen und daß unter die Schichten der ärmeren Bevölkerung — späterer Generationen — das Licht des Zeitgeistes getragen wurde, um derentwillen, sie die Auflösung der Schule anstrebe, es sei allein der Grund, weil die Kinder von Lehrerinnen erzogen werden, was in den Kindern den Kern der Jmmoralität zeitigt (!), daß ferner auf profane Wissenschaften das ganze-Gewicht gelegt werde, während man die jüdischen nebensächlich behandelt, und daß man endlich die Kinder nicht nach jüdisch-traditionellem Sinne erziehe. Und da diese von dieser Partei erhobenen Einsprüche.bei den competenten Stellen keine Beachtung fanden, griff sie zu einem Mittels das leider -wirkte und die Auflösung der Schule hervorrief. * i * Die Zöglinge der Schule recrutirten sich mit kleiner Ausnahme aus Kindern derjenigen Claffe, deren Subsistenz die Barmherzigkeit der hiesigen jüdischen Bewohner ist. Die conservative Partei, die die überwiegende Mehrzahl der hiesigen Stadtbewohner bildet, hatte leichtes Spiel, die ihr auf so elender Weise Untergebenen zur Entziehung ihrer Kinder von der Schule zu zwingen, da sie sonst den dies nicht befolgenden Personen ihre Mildthätigkeit versagten. Dies hatte zur Folge, daß die Anzahl der Kinder immer mehr diminuirte und bis auf zwanzig zusammenschrunipfte, weshalb, da die Auslagen in Anbetracht dev so kleinen Besucherzahl zu große waren, das Curatorium die Entfernung der Schule beschloß, was auch thatsächlich Ende vorigen Sommers erfolgte. Da sich aber heute das Fehlen dieses Wöhlthat verbreitenden Institutes namentlich unter den breiteren Schichten bemerkbar macht, so wäre es rathsam, das Euratorium möge, da es' die Devise „Wöhlthat über Alles" im Schilde führt, den Forderungen dieser Partei, die hier Majorität ist, entsprechen, und wenn auch manche sinnlos und lächerlich find, wie der eiste Casus, da ein drei bis sechs Jahre altes Kind durch den Umgang mit Damen nicht moralisch verderbt wird. Es ist aber gut den Klugen spielen und nachzugeben. Die Wohlthal wird auch auf d iese Weise von ihrer Erhabenheit nichts einbüßeu. Sigmund Rosenzweig. Landskron. (Ein geschändeter Friedhof.) In der Nacht vom 3. auf den 4. d. drangen sechs bis acht Individuen in den hiesigen israelitischen.Friedhof ein n verwüsteten denselben in cannibalischer Art. Bon 44 meist prächtigen Marmormouumenten blieben blos sieben stehen, .zehn wurden ganz zertrümmert, die andern alle umgeworfen und arg beschädigt. Die strafgerichtliche Untersuchung ist im Zuge, aber wiewohl die Cultusgemeinde hundert Gulden Belohnung für die Ausforschung der Verbrecher aussetzte, ist es noch immer nicht gelungen, auf die rechte Spur zu gelangen. Der angerichtete Schaden beträgt über 1000 fl. Berlin. (Die Antisemiten unter sich.) Weil Herr Schwennhagen in einer antisemitischen Vorstellung der „Staatsbürgerzeitungs" Evncurrcnzneid vorgeworfen hatte, rächt sich das Blatt durch folgende »Enthüllung" aus dem Borleben des BiedrrmannE „Hat Herr Schwennhagen vergessen, daß er in einem an die „Staatsbürgerzeitung" gerichteten Briefe selbst zugibt, der Polizei Material gegen die Partei, der er damals . angehörte, die Socialdemokratie, geliefert zu haben, um sich den Vortheil zu verschaffen, als Einjahrig-Freiwilliger dienen zu dürfen, was er als unsicherer Cantonist verscherzthatte? Ein netter Junge! Und das will dem deutschen Volke christliche Moral beibringen. Kiel. Dem Abfall des Dr. Danneil in Rendsburg ist schnell eine noch entschiedenere Niederlage in Kiel gefolgt. Nachdem der ehrenwerthe Herr seine sattsam bekannten Redensarten vorgebracht und ihn zuerst ein Herr Heinzel widerlegt hatte, nahm Rabbiner Dr. Stern das Wort, um die ganze Nichtigkeit der Danneil'schen Ausführungen und-diesen Herrn selbst zu kennzeichnen. Er erklärte, was er sage, Puntt für Punkt actenmäßig vor Gericht beweisen, zu wollen. Und nun kam, wie die „Kiel. Ztg." schreibt, aus den Taschen des Redners ein aktenmäßiges Beweisstück nach dem anderen hervor; Schlag auf Schlag hagelten die vernichtenden, unwiderlegten Anschuldigungen auf das. Haupt, des Antisemitenpredigers hernieder; und diese Anschuldigungen, durch welche Redner den hilflos Dasitzenden als Ignoranten, Lügner und Denuncianten zeichnete, machte um so mächtigeren Eindruck, als er jedes einzelne Aktenstück nach Verlesung auf den Tisch des Hauses, d. h. in die Hände des Criminalcommiffärs Kleinschmidt niederlegte, damit auch Diejenigen, welche in der Versammlung nicht zugegen waren, sich nachträglich von, dem wahren Werthe der Danneil'schen Bestrebungen und des Danneil'schen Characters überzeugen könnten^ Ungeheure Heiterkeit erregte es, als Dr. Stern diesem Manne ein von hiesiger Bibliothek entlehntes Exemplar des Schulchan Aruch vor Augen hielt und constatirte, daß Dr. Danneil überhaupt nicht im Stande war, eine Zeile zu lesen. Länger und länger wurden die Gesichter der Antisemiten, deren Versuche, den Redner zum" Schweigen zu bringen, durch die von demselben in die Versammlung hineingedonnerten Worte vereitelt wurden, daß, wenn er so unerhörte Beschuldigungen gegen einen Mann ausgesprochen, ihn einen Ignoranten, Lügner, Denunzianten genannt habe, man ihm doch Zeit lassen müsse, seine Anklage zu beweisen. Und dieser Beweis ist gelungen auf das Allergründlichste; das sah auch Danneil einder ohnmächtig etwas zu erwidern, sich dieser Verpflichtung überhob, indem er schließlich, den Redner unterbrechend, die Versammlung schließen wollte. Doch dieser Gewaltstreich ries eine solche Empörung im Publikum hervor, es entstand auf der Bühne wie im.Zuhörerraum ein solcher Tumult, daß der Criminalcommissär sich in die Lage versetzt sah, die Versammlung im Namen des Gesetzes zu schließen und damit der Kieler Danneil-Comödie hoffentlich für immer eine Ende zu setzen. Breslau, 12. Mei. Am vorigen Montag .war das Kißling'sche Bierlocal der Schauplatz eines Excesses, wie er in diesen Räumen gewiß nicht erwartet werden sollte. An einem Tische hatten, wie die „Bresl. Gerichtsztg." berichtet, mehrere Breslauer Kaufleute mit ihren Damen Platz genommen. In der Gesellschaft befanden sich Schweizerinnen, mit denen die Herren sich in französischer Sprache unterhielten. An .einem Nachbartisch saß ein Hauptmann der hiesigen Garnison in Uniform und ein Herr in Civil. Als eine der Schweizerinnen an dem Nachbartisch vorbeiging, erhob sich der Herr in Civil und versetzte ihr einen Stoß, dem er, als sie wieder an ihren Platz zurückkehrte, einen zweiten Stoß folgen ließ. Die Dame hatte anscheinend sein Mißfallen erregt, weil sie französisch sprach und schwarze Haare hatte. Sofort trat einer der Begleiter an den Tisch heran, um den Mann zur Rede zu stellen, und versetzte ihm, als dieser nach seinem Gegner schlagen wollte, eine solche Ohrfeige, daß er vom Stuhl herabfiel. Der Gezüchtigte erhob sich und holte aus, umdie Dame zu schlagen, wurde aber hieran von dem Kaufmann durch eine zweite Ohrfeige verhindert, die ihm wiederum zu Boden streckte. Inzwischen hatte der Offizier das Zimmer verlaßen, und das Personal des Kißling'schen Lücals hatte Zeit gefunden, sich seines Begleiters zu bemächtigen und ihn vor die Thüre zu werfen, wobei ihm das fernere Betreten des Etablissements untersagt wurde. Der auf diese Weise zum Lannldal ante portas beförderte Herr ist der in den weitesten Kreisen bekannte Amtsgerichtsrath a. D. Milde, der Begründer und Vorsitzende des deutsch-socialen (antisemitischen) Vereines. Maroeeo. Wir haben bereits die Handlungsweise des Caid der Kasba zu Marocco, Hady Mohamed Quida, gemeldet, der trotz der Befehle des Sultans vielen Israeliten die Prügelstrafe auferlegt Hat. Die Vertreter Englands, Frankreichs

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