Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 21 (26.5.1893)
- Date
- 1893-05-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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9hv 21 Orsterrrichrchfe Wochenschrif! Seite 407 Mitglied/ das die Interessen des Vereines verletzt, ausgeschlossen werden kann, wenn der Verwaltungsrath in zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen mit Zweidrittel-Majorität für die Ausschließung stimmt. Angesichts der Angriffe des Abgeordneten Gregorig wider den Verein erfolgte dessen Ausschließung beidemale einstimmig. Die Verständigung, daß er aus der Mitgliederliste des Vereines gestrichen wurde, ist dem Abgeordneten Gregorig bereits am 17. d. M. zugestellt worden. Prag. (Ging es en det). Euer Wohlgeßoren! Damit Ihr Leserkreis richtig informirt werde, ersucheich Sie, Ihre Notiz, betreffend, "die — nebstbei gesagt, von mir beantragte — Denkschrift des „Josefovsky obcansky klub“ (Josefstädter Bürgerclub) an den jungczechischen Abgeordnetenclub in Betreff der Stellung zum Antisemitismus, dahin zu berichtigen, daß der Josefovskv obcansky kltib zum größeren Theile aus Christen bestehe, daß aber die oberwähnte Denkschrift von dem aus 5 Christen und 4 Juden bestehenden Ausschuß einstimmig angenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit kann ich demnach nicht umhin, Ihnen zu erklären, daß Sie der Sache der Juden in Böhmen nicht dienen, wenn Sie — sei es in Leitartikeln oder im Redgetiorrsbriefkasten — die von uns angestrebte nationale Annäherung der Juden an das böhmische.Volk ungünstig kritisiren. Es ist unbestreitbar, daß der gerade durch die Mißgriffe und den Uebermuth der deutschliberalen Partei speciell in Wien entstandene Antisemitismus nie oder wenigstens nicht in dem Maße in das böhmische Volk eingedrungen wäre, wie dies jetzt der Fall zu werden droht, wenn die Juden in nationaler Beziehung dem böhmischen Volke gegenüber gethan hätten, was die magyarischen den Magyaren, die französischen den Franzosen, die italienischen den Italienern. Ein kräftig aufstrebendes, national selbstbewußtes Volk läßt eben einen fremdsprachigen und durch die sprachliche Sonderung sich fremd entgegenstellenden Keil nicht ohneweiters im eigenen Bolkskörper haften. Wenn Sie durch nergelnde Kritik den von uns vor 17 Jahren begonnenen und durch die gestrige von über 200 gleichgesinnten Glaubensgenossen besuchte Versammlung in ein neues und verheißungsvolleres Stadium geführten Proc.ß der sprach- . lichen und nationalen Assimilation, den durchzuführen wir als Böhmen geradeso wie als Juden für unsere Pflicht halten, wie immer hindern oder aufhalten, so tragen Sie speciell in dieser bei'uns national so stürmischen Zeit eben nur zur Fortdauer des Hauptgrundes des Antisemitismus in unserem Volke bei. . Ich habe in der gestrigen Versammlung unter Zustimmung meiner Glaubensgenossen erklärt: „Wir haben das Recht vom böhmischen Volke als gleichwertig behandelt zu werden: wenn wir aber dieses Recht geltend machen, müssen wir dem Volke gegenüber auch unsere nationalen Pflichten erfüllen. Wir wollen nicht vergessen noch verläugnen, daß wir Juden sind, aber wir wollen auch treue Söhne des Volkes sein, unter dem wir geboren und erzogen sind. Und weil wir dies für eine aus der Natur der Sache sich ergebende Pflicht und nicht für eine Sache halten, die nach der Zeiten Gunst und Ungunst zu beurtheilen ist, müssen wir handeln: und so wie uns die Koliner Affaire zur heutigen Versammlung und zur kräftigeren Bethätigung unserer böhmischen Nationalität nicht bewogen hat, so darf sie uns auch daran nicht hindern oder uushalten." Studiren Sie einmal die Frage an Ort und Stelle, ohne Voreingenommenheit, nicht als deutschliberaler (?!) Parteimann, sondern eben nur als Jude, so werden Sie uns recht geben, wenn Sie das baue veniam damns petimnsqne vicissim im Auge behalten und sich die Frage beantworten, mit der ich — vielleicht weitere Erwägungen für später, bis ich mehr freie Zeit haben.werde, mir vorbehaltend — für heute schließe: „Würden Sie den Juden in Reichenberg, Teplitz, Warnsdorf, Eger, Saaz, Komotau rc. empfehlen, confeffionelle Schulen mit böhmischer Unterrichtssprache und mit Hilfe von Subventionen der „TJstredni matice skolach“ zu erhalten, ausschließlich die .Uarodrn Listy“ zu abonniren, zu Hause und in der Oeffentlichkeit nur böhmisch zu sprechen, nur böhmische Belletristik abzunehmen, die Predigten in der Synagoge und bei Begräbnissen nur böhmisch abhalten zu lassen?" Können Sie „ja" sagen? Frage ich weiter: Würden sich das die Deutschen gefallen lassen? Sagen Sie 'aber nein, dann haben Sie von Ihrem Standpunkte die beste Widerlegung Ihrer an Herrn I. S. Kraus gerichteten redaktionellen Notiz, denn soweit mir bekannt, gedeiht der antisemitische Weizen gerade jetzt bei den Deutschen viel vortrefflicher als bei uns. Genehmigen Sie den Ausdruck vollkommener Hochachtung, mit der zeichnet Ihr ergebener Llvr. Jacob Scharf Prag, 17. Mai 1893. Obmannstellvertreter des „Josefovsky obcansky klub“ in Prag, Krakauerg-sse 25 Nachschrift der Redaction. Wir haben diese Zuschrift mit gutem Grunde vollinhaltlich abgedruckt, weil sie beweist, wie unrichtig noch vielfach die Stellung und die Tendenz der„Oesterr. Wochenschrift" in jüdischen Kreisen beurtheilt wird. Herr Dr. Scharf characterifirt unser Blatt als ein deutschliberales Organ und dessen Herausgeber Dr. Bloch als einen deutschliberalen Parteimann. Der Einsender scheint die „Oesterreichische Wochenschrift" kaum vom Hörensagen zu kennen, sonst müßte er wissen, daß dieselbe sowohl in allgemeinen politischen Fragen, als auch in Angelegenheiten, welche alle specistschen Interessen des Judenthums berühren, wiederholt im schroffsten Gegensätze zur deutschliberalen Partei getreten ist und deren Haltung der schärfsten Kritik unterzogen hat. Dr. Bloch gehört als Abgeordneter dem nationalen Poleuclub an, der auch heute noch in grundsätzlicher Opposition zur deutschliberalen Partei steht. Aber auch der Vorwurf, daß die „Oesterreichische Wochenschritt" die nationale Annäherung der Juden an das böhmische Volk ungünstig kritisirt, ist ein durchaus ungerechter und steht mit der Thatsache im grellsten Widerspruche. Gerade unser Blatt war es, welches jederzeit dafür eingetreten ist. daß die Juden in Sprache und Cultur sich jenem Volke anzuschließen haben, unter welchem sie leben. Das ist ein Grundsatz, welcher direct im Programm der „Oesterreichischen Wochenschrift" liegt und dessen Verbreitung unzertrennlich ist mit dem Schutze der jüdischen Interessen. Wir haben nie eine andere Anschauung verfochten, als daß die Juden in deutschen Ländern mit dem deutschen Volke, die Juden in Galizien mit den Polen, die Juden in Böhmen mit den Czechen zu gehen haben, und wir staunen nur darüber, daß uns heute in diesem Punkte in Prag eine Lehre ertheilt werden will, die nur durch die vollständige Unkenntniß unseres Standpunktes erklärt werden kann. Herr Dr. Scharf möge doch künftighin, bevor er Kritik übt, sich über Personen und Dinge besser informiren. EtwasÄnderes ist es allerdings mit den letzten böhmischen Judenexcessen, bei welchen die jungczechische Partei eine überaus traurige Rolle gespielt und ihre freisinnigen Traditionen ganz und gar verläugnet hat. Es wäre eine Selbsterniedrigung sondergleichen, wenn die Juden in Böhmen, statt gegen diese Haltung energisch zu protestiren, für die ihnen angethane Unbill noch demüthig den Rücken beugen wollten. Wir haben gefordert, daß die jungczechische Partei in der Frage des Antisemitismus offen Farbe bekenne und wir haben an unsere Glaubensgenossen appellirt, daß sie ihre politische Stellungnahme von diesem offenen Bekenntniß abhängig mache. Nun denn, dieses Bekenntniß ist abgelegt worden in eminent judenseindlichem Sinne. Die jungczechische Partei aber ist nicht identisch mit dem czechischen Volke. Die Juden in Böhmen mögen gute Czechen sein, aber ihnen anzurathen, daß sie sich dem antisemitischen Jungczechen anschließen, hieße ihnen einen Act der Selbstvernichtung zumuthen. Das wäre genau so, wie wenn wir den Wiener Juden rathen wollten, die Hand eines Ernst Schneider und eines Lueger zu küssen, welche die Geißel blutigster Verfolgung über sie schwingt. Die jesuitische Art, mit welcher Herr Gregr gegenüber Herrn Dr. Zalud sich äußerte bei seinem Besuche in der Redaction, die Haltung der Jungczechen ihm gegenüber im Landtag, aus deren Mitte nicht ein einziges Wort des Protestes und der Scham über die traurigen Vorgänge vernommen wurde, das Alles zeigt, wohin der Curs steuert. In einem solchen Moment erachten es Prager Glaubensgenossen als an der Zeit — gegen die Juden Vorwürfe zu erheben wegen ihrer confessionellen Schulen! Für diese Erniedrigung fehlt uns der nöthige Geschmack! Das heißt die Knute — küssen und für die gnädige Strafe danken! Unsere Glaubensgenossen in Böhmen mögen nur ja nicht erwarten, daß sie für solche Politik Dank oder gar Achtung zu erwarten haben. Der Antisemitismus kennt nicht die Pflicht der Dankbarkeit, das bezeugt zur Genüge das Beispiel jenes Dr. Sil