Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 21 (26.5.1893)
- Date
- 1893-05-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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(Seite 406 Oet^rreirlrilÄxe WorhrnfitMM .Ur 21 im uchtundvierziger Jahre, es mit Lebensgefahr bewiesen, daß er sich durch eine Pöüelrotte nicht einschüchtern lasse. Wie auch das eben erwähnte Gesetz vom principiellen Standpunkt, als von Männern ausgehend, welche als Bahnbrecher überaler Ideen für Rumänien gelten wollten, verurtheilt werden muß, so muß doch zugestanden werden, daß es vorläufig vom practischen Standpunkte nicht viel auf sich hatte. Die inländischen Juden, welche die große Masse der jüdischen Bevölkerung ausmachen, hatten, im Grunde genommen, mit diesem Gesetze nichts zu schaffen und was die Juden anbelangt, welche ausländische Staatsangehörige waren, so fühlten sie sich im Großen und Ganzen nicht stark getroffen, da die wenigsten von Ihnen die Aspiration hatten, ihre Staatsangehörigkeit mit der rumänischen zu vertauschen. Die Sache wäre auch ganz irrelevant gewesen, wenn die leitenden Persönlichkeiten, den Fehltritt, den sie in einem Augenblicke der Muthlosigkeit.begange» hatten, auf sich beruhen ließen und der Opposition, welche dieselben auf die schiefe Ebene weiter drängen wollte, muthig entgegen getreten wären. Eine öffentliche Meinung existirte damals, bei dem niedrigen Bildungsgrade des Volkes fast gar nicht. Es hing blos von den liberalen Führern ab, das Volk allmälig für die Juden zu stimmen, geradeso wie die Oppositton es versuchte, um die Freiheitsmänner an die Wand zu drucken, eine öffentliche Meinung, zu Ungunsten der Juden heranzubilden. Ersteres war unleugbar schwerer als Letzteres. Ein Entschluß mußte gefaßt werden, was zu thun sei, um der Opposition nicht das Feld zu überlaffen. Es hätte daher, so wenigstens hat man es von liberalen Männern erwartet der schwerere Weg gewählt werden müssen, selbst auf die Gefahr- Hin, die Zügel der Macht vorläufig der anderen Partei überlassen zu müssen und als Opposition für die Idee der Freiheit weiter zu kämpfen. So haben es in anderen Ländern solche Männer gemacht. Hier in Rumänien geschah jedoch, was in keinem anderen Lande der Welt unter solchen Umständen ge-, schehen ist. Diese Herren, welche jahrelang, bevor sie zur Herrschaft gelangten, durch Wort und Schrift für die Einbürgerung liberaler Ideen thätig waren, wobei die Gleichstellung/ aller Confessioncn in' erster Reihe kam, hielten es jetzt, nachdem sie zur Macht gelangten, mit ihren Principien und ihrem Gewissen vereinbar, neben den freiheitlichen Ideen auch die Judenverfolgung auf ihre Fahnen zu schreiben. Daß man die Opposition in dieser Weise, indem man sich ihrer Waffen bediente, in leichterer Weise lahmlegte ist sicher; eben so wahr ist es jedoch auch, daß man die Judenfrage, die durch die Opposition kaum angeregt war, theils aus Schwäche, thcils aus Herrschsucht, künstlich züchtete, dieselbe gleichsam durch Gewalt bei den Haaren herbeizog, Haß und Zwietracht unter die Bevölkerung säte und 200.000 Menschen ihrer Confession halber der Parteileidenschaft zum Oper brachte. Der erste und schwerste Schlag, der gegen die Juden geführt wurde, war, daß die administrativen Behörden durch vertrauliche Circulare beauftragt wurden, die inländischen Juden als fremde Staatsangehörige zu behandeln und sie vor allem an der Ausübung des jedem Ausländer zukommenden Wahlrechtes bei Kammer- und Communalwahlen zu hindern. Der Inländer jüdischer Confession konnte in Folge dieser ministeriellen Ordre, sowohl was die gesetzgebenden Körper noch was die Gemeinde anbelangt, weder Wähler noch Gewählter, sein; ebensowenig konnte er von nun an irgend ein Ehrenamt bekleiden, wie z. B. Mitglied des Geschworenengerichtes oder Handelskammermitglied u. dgl. sein, da derartige Ehrenstellen nur von Inländern eingenommen werden können. Der Ankauf und Besitz"von Immobilien außerhalb der Städte, demzufolge der Besitz von Ackerland, Fabriken, Häusern auf dem Lande, ist in Rumänien den fremden Staatsangehörigen nicht gestattet, von jetzt an wurden die Juden, da sie, obwohl sie Inländer waren, von allen Behörden als Fremde betrachtet werden mußten, auch davon ausgeschlossen. Da Staats- und Gemeindebeamte, Advocaten, Apotheker, laut Gesetz Inländer sein müssen, so wurden die inländischen Juden auch davon ferngehalten; die jüdischen-Beamten wurden sofort entlassen, den jüdischen diplomirten Advocaten die Ausübung der Advocatenpraxis, ebenso den Apothekern die Ausübung ihres Gewerbes untersagt. . Dm der Usus, den inländischen Juden als Ausländer oder wie man in Rumänien sagt als Fremden zw betrachten noch jetzt weiter besteht und außerdem Gesetze, wodurch, die Juden getroffen wurden und von denen., wirspäter einige anführen werden, noch jetzt in Kraft sind, so wollen wir über diesen Punkt. ausführlicher sprechen. (Fortsetzung folgt.) Wien. (Antisemiten unter, sich.) Am 4. d. M. ffand, wie die „Unverfälschten Deutschen Worte" berichten, die Jahresversammlung des antisemitisch „Politischen Bezirksvereins" in Währing statt, bei welcher an Ernst Vergant und seinem. „Deutschen Bolksblatt" eine förmliche Justificirung vollzogen wurde. Der erste Redner, G.-R. T o m o l a, erklärte, das' „D. V." habe zur sittlichen Erziehung..^des Volkes nichts beigetragen, solange Vergani dasselbe leiten werde, sei an ein Besser werden nicht zu denken. Landtags-Abg^ Baumann erzählte, die Vertrauensmänner verschiedener Parteien, selbst der Clericalen, hätten sich bereit erklärt, das „D. V." zu übernehmen, jedoch aber unter der Bedingung, daß Vergani fort müsse- Die Gläubiger des Blattes, Hauck und Lehrner„ erhielten als Abschlagszahlungen und Zinsen nur-Grobheiten und Jnfayrien. Als sich vpr 3 Jahren die Vertrauensmänner aus allen Bezirken im Hotel Hamerand einfanden, um die gesammelten Gelder in die Taschen Vergani's abzuliefern, war auch in Vertretung der Josefstadt G.-R. Hawranek mit einem bedeutenden Betrage erschienen. Der Zufall fügte es, daß Hawranek gerade dazukam, wie Vergani dem Zählkellner seine Nachtmahlzeche bezahlte, die 7 fl., sage s i e b e n G u l d e n ausmachte. Hawranek, der schon die Hand in der Brusttasche hatte, zog dieselbe wieder heraus und stellte das Geld dem Auftraggeber mit dem Bemerken zurück, daß ein Mensch, der für sein Ab'endbrod 7 Gulden aüsgibt, .nicht'Roth hat, seine Parteigenossen um Rettung aufzurufen. Vergani habe aus dem „D. V." ein Geschäft der anrüchigsten Sorte gemacht. — GR. Dr. Räder sagte, Vergani beschmutze die ganze antisemitische Partei: die Hand, die vorgeblich das Banner des Antisemitismus hockhielt, sei herabgesunken in jene wagrechte Lage, in der sie hineinlangte in die jüdischen Geldsäcke. Wenn sich Vergani darauf etwas zu Gute thue, daß er von jüdischen Unternehmungen Geld für Inserate erbettelt und dennoch über seine Wohlthäter schimpfe dann beweist das erst recht die corrupte und gemeine Denk- und Handlungsweise Vergani's. — Dr. Carl Hofer, konstatirte, Vergani sei genau so erschienen, wie ihn der Jude Scharf geschildert habe. — Das Momentbild ist wahr und treffend,-nur muß hinzugefügt werden, daß Vergani ein Typus ist, nach welchen die antisemitischen Wortführer in aller Welt beurtheilt werden wollen. Wien. (DieAusschließung des antisemitischenAbgeordneten Gregorig aus dem Gewerbevereine.) In der Sitzung des Landtages vom 12. Mai hat der Antisemit Gregorig, bei Berathung der Subvention für das vom Gewerbeverein gegründete Technologische Museum, den niederösterreichischen Gewerbeverein, dessen Mitglied er seit vierzehn'Jahren war, in der unwürdigsten Weise angegriffen und verunglimpft, er nannte ihn eine „Vereinigung von Großcapitalisten, Großfabricanten, Speculanten und Strebern politischer und finpncieller Natur" und behauptete, der Verein benütze seinen Namen nur als Deckmantel für Wahlumtriebe. Man würde sich daher nicht wundern, wenn der Verein einmal wegen Falschmeldung mit der Polizei in Conflict käme; der Verein sei der Hort einer Partei, die den Kampf gegen das Kleingewerbe führt und dessen Untergang mit allen Mitteln anstrebt und dergleichen mehr. Die Mitglieder des Gewerbevereines waren über das Gebühren des Herrn Gregorig, wie natürlich, empört, der sich nicht scheute, den Verein, dem er-selbst durch lange Jahre an- "gehörte, in solcher Weise zu beschmutzen. Da es Herr Gregorig auch nach dieser Rede nicht für nöthig fand, seinen . Austritt aus: dem Vereine anzumelden, brachte in Folge Aufforderung zahlreicher Mitglieder die Verwaltung des Vereines die 'Bestimmungen der Statuten gegen ihn in Anwendung,' wonach ein