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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-26 · 21 (26.5.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sttte 404 Vrsterreiltzisttzr Wortzrnsctxrtst 'lir. 21 4. Dle Rabbinen des Atterthums wie die Rabbiner des Mittelatters und unseres Jahrhunderts haben niemals gewagt an den Bestimmungen Moses' auch nur irgend Etwas zu ändern. Im Gegentheil, ihre Thätigkeit war immer daraus gerichtet, die Strenge dieser Gesetze noch wo möglich zu steigern. Menschenraub, Mord und Verwendung von Blut waren auf's Schärfste durch die Vorschriften Moses' untersagt und die Verbindlichkeit dieser Verbote wurde von den Rabbinen insbesondere noch verschärft und erweitert. Consequentermaßen hätte also niemaE ein Rabbi ein fremdes Dogma einzuschmuggeln vermocht, wodurch ein so streng verbotenes Verbrechen auf den G.ad religiöser Verbindlichkeit erhoben werden konnte. Die Eristenz eines solchen Dogmas bei den Juden ist umsomehr ein Ding der Unmöglichkett, als die Uranfänge des Rabbinismus noch in die Zeit vor der Entstehung des Christenthums zurückceichen, seine weitere Entwicklung aber, sowie die Abfassung des Talmud und der Anfang seiner Verbreitung in nicht christlichen Ländern vor sich gegangen sind, wo das Chriftenthum entweder noch ganz unbekannt oder nur in ganz oberflächlicher Weise bekannt war. In den 12 resp. 20 Folianten des Talmud finden sich nur wenige Stellen, die zusammengenommen eine einzige Seite ausmachen, wo von Christus, einigen Aposteln und den Christen überhaupt gesprochen wird.- Aus diesen wenigen Stellen kann man ersehen. daß das Wiffen der Talmudrabbinen über den Gründer des Christenthums und seine Apostel ein höchst unvollkommenes, unabgeschloffenes war. So mußten sie nicht einmal Alle, daß Christus in Jerusalem gekreuzigt wurde und meinten, dies wäre in Lydda geschehen. Sie hielten ihn sogar für einen Zeitgenoffen und Schüler eines Rabbi, der 100 Jahre vor Christus lebte und der in Begleitung eines Mannes, Namens Christas nach Alexandrien in Egypten floh, um den damals vom König Alexander Jannai (er regierte vom Jahre 105 bis 78 vor Chr.) gegen die Pharisäer geübten Nachstellungen zu entgehen. Diese wenigen Stellen, deren sich übrigens einige christliche Theologen in der Regel als eines Beweises für die Echtheit des Evangeliums bedienen, sind den Juden nahezu vollständig unbekannt, denn sie finden sich nur in der jetzt überaus seltenen ersten Venetianischen Ausgabe des Talmud vom Jahre 1520, die z. B. ich selber, trotzdem ich seltene Bücher zu sehen gar oft Gelegenheit hatte, niemals gesehen habe, und in der ebenso seltenen Ausgabe von Amsterdam des Jahres 1648 vor. Die von Ljutostanski in seinem Buche angeführten Citate aus dem Talmud sind zum Theil vollständig erfunden und nach Werken solcher Leute, die niemals auch nur einen einzigen Band des Talmud gesehen und von diesem überhaupt gar keine Vorstellung haben, wiederholt, zum Theile aber lügenhaft erklärt und absichtlich verfälscht. Das zeigt schon die Art und Weise, wie in dem erwähnten Buch Ljutostanski's der Talmud citirt wird. So z. B. citirt'er in Fällen, wo im Talmud weder Paragraphe noch Abschnitte existiren, regeünäßig Capitel, Paragraph und Abschnitt. Erfahrene Leute citiren den Talmud bekanntlich nach Tractaten, z. B. „Tractat Berachoth fol. 10a". Ferner führt Ljutostanski „Sanchedrin Cap. 6, Seite 2 und 508" an; er weiß also nicht, daß: 1. Cap. 6 auf Seite 2 niemals gefunden werden kann, 2. daß der von chm cititte Tractat im Ganzen aus 113 gewöhnlich in sämmtlichen Ausgaben gleichmäßig gedruckten Folioblättern, daher im Ganzen aus 226 Setten bestcht. Genau so citirt er Tractat Abedosora (soll heißen Aboda sara), besprechend das 71. Cap., während kein einziger talmudischer Tractat überhaupt 71 Cap. enthält. In Folge der Unbekanntschaft der Autoren des Talmuds mit den Christen und dem Christenthum existirt in der ganzen rabbinischen Gesetzgebung im Ganzen genommen keine einzige direkt gegen die Christen gerichtete Vorschrift und gerade so kein einziges Religionsgesetz, das der Ursprung des Christenchums verursacht hätte, einzig und allein ausgenommen die Vorschrift, kraft deren die Juden vom Verkehre mtt den aus chrer Mitte hervorgegangenen Judenchristen sich fernhalten sollten. Diese Letzteren lebten in den ersten Jahrhunderten des Christenthums unter ihnen und wurden selbst von der rechtgläubigen Kirche in Folge ihrer Angebereien und Feindschaft gegen ihre Stammesgenossen sowohl wie gegen die rechtgläubigen Christen ‘in den Bann gelegt. Von den am Meisten in Acht erklärten, jedoch erfahrenen Feinden des Judenthums aber, die mit den gehässigsten Absichten die ganze jüdische Litteratur durchwühlten, mußte zugegeben werden, daß nicht die kleinste Andeutung im ganzen Umfange derselben rücksichtlich der Existenz einer jüdischen Secte vorhanden sei, in der Christenblur verlangt würde. Die Citate, die in judenfeindlichen Werken, wie z. B. von Ljutostanski und in der „Denkschrift" von Skripizin (siehe weiter unten S. 34 ff.) aus jüdischen Werken, in denen von dem vermeintlichen Ritual des Christenbluts gesprochen wird, angeführt werden, sind nichts mehr und nichts weniger, als grobe und schamlose Unterstellungen seitens unwissender getaufter Juden und können ^uns keine Minute im Zweifel lassen, daß da ein vorsätzlicher Betrug im Spiele ist. Davon nur ein Weniges: Die unwissend.-n Verläumser gingen so weit, daß sie zum Beweis der Existenz des erwähnten Blutrituals solche jüdische W:rke citirten, die, wie wir weiter unten (Seite 23) ersehen werden, überhaupt niemals exiftirten. Stöcker, Ahlwardt & Cie. Die Firma hat Glück! Wieder ist einer ihrer Affilierten zum Märtyrer gestempelt worden, indem ihm von einem preußischen Gerichtshöfe fünfzehn Monate Gefängniß aufgebrummt worden sind — nach antisemitischer Moral der sicherste Beweis der gänzlichen „Verjudung" unserer Justiz, unter der die armen Opfer des reinen Arierthums dahinbluten! „Heil!" riefen sie ihm zu, die edlen und edelsten Freunde des Herrn Paasch, als er am Mittwoch den Sitzungssaal verließ, um in der. Stille des Gefängnisses neue antisemitische Großthaten auszubrüten. „Heil!" werden sie ihm .nach wie vor zurufen, die dummen Jungen, welche den eisernen Bestand der antisemitischen Radauversammlungen bilden, sich von.antisemitischen Geschäftsagitatoren christlich-deutsch verhetzen lassen, dem Rektor Ahlwardt und>dem Oberlehrer Förster Lorbeerkränze auf das teutonische Haupt stülpen und > es sich vierundzwanzig Stunden später in der „Kreuzzeitung", der „Staatsbürger-Zeitung" und anderen Organen der Stöckerei und Muckecei bescheinigen lassen, daß sie die Hoffnung und der Stolz Deutschlands seien. Paasch war der größten einer im Reiche des Stöcker. Er hat die Methode des Geschäftsantisemitismus zu ihrer sinnigsten Blüte entfaltet. Seine „Schriften" genießen in den „maßgebenden" Kreisen der Rassenhetzer den Ruf der „Classicität". Sein zweibändiges Werk „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft und ihre Helfershelfer", ein ekles Compendium der schmählichsten Verdächtigungen, Lügen und Gemeinheiten, hat jeder Urantisemit unter dem Kopfkissen liegen, wenn er seine schmutzigsten Träume träumt. Alle Verdienste, die sich etwa der Stöcker, der Ahlwardt, der Rechtsanwalt Stein, der große Schwennhagen, der Professor Förster, der Doctor Bachler, die Herren von Langen, von Wackerbarth und von Hammerstein um die Rettung des Deutschthums erworben haben, erschienen verdunkelt durch die gigantischen Verdienste des Herrn Paasch. Schon sein persönlicher Muth überstieg alles bisher Dagewesene. Was bis dahin in den Kreisen der Antisemiten nur erzählt wurde, daß ließ Paasch drucken. Geschichten und Geschichtchen, an denen die Damen der Nacht-Cafe's ihre Gaumen kitzelten, Herr Paasch brachte sie mit der reckenhaften Kühnheit eines Vollblut-Ariers in picante Verbindung mtt höchststehenden Staatsbeamten. Seine Quellen waren prostituirte Dirnen, und wo diese nicht ausreichten, geisteskranke Personen. Die ungeheuerlichsten Beschuldigungen, die frechsten Ehrabschneidereien, ihm waren sie glaubhaft, wenn sie von-Antisemiten vorgebracht wurden. Es paßte ja alles so schön in das antisemitische System hinein, was ihm da zugetragen wurde und was er aus eigener freier Phantasie an Beschimpfungen hoher Beamten und höchster Behörden hinzudichtete: denn das Beweis- Thema des Antisemitismus bleibt immer, "daß die Justiz, die Verwaltung, die Regierung wie sie geht und steht/ durch und durch corrumpirt sei durch den Einfluß des Judenthums; daß alle Beamte in entscheidender Stellung mit Judengeld bestochen seien; daß eine „geheime jüdische Nebenregierung" das deutsche Volk planmäßig aussauge, plündere, ruinire; daß der

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