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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-26 · 21 (26.5.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 4ÖÖ Veyrrreichifche Wochenschrift Nr.-21 Bau und Zusammenhang überwältigenden Sittenlehre dieses Adlers der Synagoge geliefert worden, das zugleich als Beitrag zu einer Geschichte der jüdischen Ethik im Mittelalter ein wichtiges Gebiet der Wissenschaft erhellte und befruchtete. War in diesen Arbeüen nur dem tiefer Blickenden der Beweis von der sorgfältig abwägenden philologischen Behandlung mittelalterlicher hebräischer Texte erbracht, so sollte Rosin bald Gelegenheit finden, auf streng philologischem Gebiete seine Meisterschaft zu bekunden, — — uujeter großen mmetatterllchen Exegeten gewidmeten Vorlesungen die Früchte bewundert, die eine eindringende Beschäftigung mitden Handschriftenschätzen der Breslauer Seminarbibliothek im Süllen gezeitigt hatte. Es war ein neuer Samuel b. Meir, der da in der weihevollen Einsamkeit seiner Studierstube erstanden war, ein neuer Abraham Jbn Esra, der erst der hingebenden Abhorchung im Zeugenverhör der Manuscripte seine Räthsel gelöst, seine Geheimnisse erschlossen hatte. Wohl war es nur eine einzige Handschrift, die vom Dachboden der altehrwürdigen Synagoge in Worms in die Büchersammlung R. David Oppenhei m's gelangt war, auf Grund deren unsere Ausgaben des Pentateuch commentars Samuel b. Meir's zu Staude gekommen waren, aber was war von der ersten arg genug bereits verunstalteten Edition an ans seiner wortsparenden Kürze, aus dem comprimirten Geiste seiner Erklärungen geworden. R. Samuel b. Meir als Schrifterklärer, io heißt die Arbeit, welche die Ergebnisse dieser mit unvergleichlicher Hingebung und Sachkunde unternommenen Handschriftenvergleichung 1880 für die Geschichte der hebräischen Grammatik und Exegese im Mittelalter erschöpfend darlegte. 1881 erschien der Pentateuch-Commentar des Samuel b. Meir nach Handschriften und Druckwerken berichtigt und mit kritischen, erklärenden, vergleichenden und den Nachweis der Stellen enthaltenden Anmerkungen herausgegeben, von dem Kunststücke eingeleitet, das in reinem biblischem Hebräisch es unternimmt, ohne Zuhilfenahme späteren Sprachguts den Stand der R a s ch b a mforschung darzulegen. Wie eine Musterwirthschaft im Ueb erb lick die Stufe zeigt, auf die der Ackerbau in einem ganzen Lande erhoben werden müßte, um den Bodenreichthum aufzuschließen und hervorzulocken, so liefert diese Arbeit wie -an einer Probe ein Idealbild dessen, was unsere mittelalterliche Litteratur von einer wahrhaften Anwendung philologischer Wissenschaftlichkeit zuerwarten hat. Daß in diesen der Geschichte der Exegese gewidmeten Studien aber nicht bloß der Text de? alten Erklärer Sichtung und Säuberung erfahren, daß vielmehr auch das Verstandniß des Bibe.wortes selber schätzbare Bereicherung und manch' köstlichen Aufschluß gewonnen hat, das zeigten 1884 die Beiträge zur Bibelexegese, mit denen Rosin an seinem Theile au der' Jubelschrist zu Zunz'ens 90. Geburtstage mitgearbeitet hat. Seit 1885 sehen wir die litterarischen Hervorbringungen Rosin's einem neuen Gebiete zugewendet, unserer mittelalterlichen hebräischen Poesie. Jetzt liegt der erste Band dieser Arbeiten bereits vereinigt unter dem Titel vor: Reime und Gedichte des Abraham- Jbn Esra, gesichtet und gesammelt, übersetzt und erläutert. Wie im Bouquet des Weines alle Segnungen und Vorzüge seiner Heimat, seines Bodens und seiner Sonne, sich in abgeklärtem Duste vereinigen, so schwebt über dieser Leistung ein Hauch der Vollendung, wie ihn nur die Bereinigung der seltenen Eigenschaften ihres Urhebers bewirk«: können. Eine Hingebung an das Dichterwort, die aus den entlegensten handschriftlichen Quellen ihr Material sich zurüstet, so rein und fertig, daß es alle Kennzeichen echter Provenienz, unzweifelhafter Abstammung aus Jbn Ezra's Geiste gewährt, eine Meisterschaft in der Erklärung, man möchte sagen Aufsaugung mittelalterlicher hebräischer Poesie,, die in ihrer eigenen Schule gewachsen und gereift ist, eine erschöpfende Kenntniß des Gegenstandes, des Hintergrundes, des Milieu's seines Poeten, eine allen Schwierigkeiten fteudig entgegenkommende bildnerische Kraft und Schneidigkeit im' Uebersetzen, vor Allem aber eine bemerkenswerthe Kunst in der Handhabung aller deutschen Bersarten, gehoben und geadelt von echter dichterischer Nachempsiudung, das sind so einige von den Eigenschaften, die an diesem herrlichen Buche haben schaffen und web«: helfen. An schulendem Werthe, an vorbildartiger Bedeutung können sich wenige der Hervorbringungen unserer Litteratur mit dem Werke messen, in dem bis jetzt die außergottesdienstliche Poesie Abraham Jbn Esra, ebenso blank im Texte wie in der Uebersetzung verliert. ' ~ - £56 es wahr isst daß der Stil der' Mensch ist, ■ darüber läßt sich streiten. Daß aber im Stil, im Chäracter des Gelehrten der Mensch sich offenbart, darüber kann unter Ginge-; weihten kein Zweifel bestehen.^ In. ganz hervorragendem Grade trifft dies bei Rosin zu, dessen litterarisches Charakterbild mit dem des Menschen in ihm sich vollkommen deckt. Festigkeit, Zu- J verlässigkeit, Treue, Schlichtheit, Wahrheitsliebe — und wie könnte ich mich so arm machen, die verehrte Lichtgestalt des trefflichen Mannes ihrer Eigenschaften tüftelnd und zerlegend zu entkleiden! alle die Mannestugenden, die. Jeder-erkennt, und schätzt, der jemals verständnisvoll dem seltenen Manne sich genähert hat, sie finden sich alle in seinem litterarischen Schaffen wieder, zum Sprechen ähnlich und ausdrucksvoll. Da ist kein Prunkew und Scheinenwollen, nirgends eine Pose, überall eine Geradheit unb Sachlichkeit, die nur die Wahrheit, sucht, an diese aber ganz-und ohne Rückhalt sich hingiebt, eine Zuverlässigkeit, die jede Prüfung aushält, eine Festigkeit und Treue in der Führung, die jedes Vertrauen rechtfertigt. Eine. Wissenschaft voll Tugenden kann, da alle Tugend vom Taugen herkommt, in ihren Ergebnissen nur Tüchtiges, nur Bleibendes zu Tage fördern. Eine mehr intensive als extensive Art zu schaffen hat indie Leistungen Rosin 's eine Summe fruchtbarer . Arbeit hineingelkgt, die sie, in einem modernen Bilde zu reden, zu Accumulatoren, zu Kraftquellen, ihres Faches macht. Bei einem so vollkommen', dem Lehren und Lernen, dem Wissen und der Wissenschaft gewidmeten Leben kann, der 70. Geburtstag nur die Bedeutung eines. Festes haben, das die Liebe und Verehrung von Schülern und Freunden mehr sich selber und ihrem Dankesbedürfniß eingesetzt hat, er kann kein Tag bloßer Erinnerung und Ueberschau sein, der von Rast und Abstieg spräche. Wo. so viel Arbeiten über sich selbst - Hinausweisen und nach Fortsetzung rufen, gilt es von ferneren Hoff- * nungen, von Erwartungen und Verheißungen, von Zukunft und Aufstieg zu reden, von glücklicher Bergfahrt zu neuen Zielen,, zu steileren Hochpuncten! Haben wir doch aufrichtend und ermuthigend das Wort der Alten für uns, daß. das Alter dem Gelehrten die,Klärung des Geistes bringe, ein-Reifen, kein Welken, Entwicklung, nicht Rückbildung. ' - •' So wollen wir -denn den Jubeltag des'-- verehrten Lehrers mit vorwärtsgerichtetem Blicke begehen, neuer Ernten geivärtig, seiner fortgesetzten Gaben harrend und bedürftig. Möge7 die Liebe und Dankbarkeit, die. aus allen Gauen seines deutschen Vaterlandes und der fernsten Gegenden, in denen Schüler und Freunde seiner denken, heute in tausend Zungen zu ihm dringen wird, mit. der Ueberzeugung ihn erfüllen, daß eine große und treueFamilie m ihm ihrgeistiges Oberhaupt betrachtet, das sie nicht missen kann, und wie mit starkem Arm von der Vergangenheit, aus der mancher Schatten, der Trauer an seinem Auge vorbeizieht, hinübertragen in die lichten Gebiete einer segensreichen Zukunft voll Frucht und Ertrag! Budapest, 18. Mai 1893. Brauchen die Juden Christenblut? Beuitheilt von D. A. Chwolson Petersburg. Nach der 2. verbesserten und mit drei Beilagen vermehrten Ausgabe aus dem Russischen übersetzt von Ign az Kaufmann (Kojetein) Vor 25. Jahren wurden mehrere Juden, zum größten Theile Soldaten beschuldigt, in Saratow zwei Christenkinder in der Absicht ermordet zu haben, ihr Blut zu religiösen Zwecken zu verwenden. Auf. allerhöchsten Befehl wurde durch das Ministerium der.inneren Angelegenheiten anläßlich' Äeses Umstandes eine besondere Commission - mit der doppelten Bestimmung eingesetzt: 1.) die den Beschuldigten in großer Zahl abgenommenen hebräischen Bücher, Manuscripte und Schriftstücke nach der Richtung hin zu prüfen, ob darin die Anklage bekräftigende Angaben enthalten wären; 2.) die Frage zu untersuchen: „Ob die Juden überhaupt oder irgend eine Secte von ihnen zu irgend-welck,en religiösen: oder anderen Zwecken Christenblut gebrauchen?" Zum Vorsitzendem der Commission wurde Alexander Karlowitsch Giers, gegenwärtig Gehilfe des- Ministers d.r Finanzen, damals gewesener Beamter für besondere Aufträge beim Ministerium ,der innern Angelegenheiten, zu Mitgliedern der Commission wurden die Nachfolgenden ernannt: die Crzpriester Gerasim Petrowitsch Pawski und

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