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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-26 · 21 (26.5.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
21 (26.5.1893)
Date
1893-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21 Orsterrrichlfche Wochrnschrift Seite 399 machte, daß er Ende März 1845 in die Prima des trefflichen Elisabethgymnasiums ausgenommen wurde. Als er Michaelis 1846 mit dem Zeugniß der Reife die Universität Berlin bezog, hatte er die Schätzung seiner Lehrer, unter denen Männer waren, wie der Rector Fickert, der Kenner des Seneca, und der Mathemäthiker Kambly und die Freundschaft seines Collegen Eduard Las k er für's Leben sich erworben. Obzwar mit Ernst und Eifer den philologischen Studien hingegeben, die aus dem Munde von Leuchten der Wissenschaft und Pfadfindern ersten Ranges wie Boeckh, Beneke, Heyffe, Trendelenburg, Zumpt u. A. ihm vertraut und theuer wurden, hatte R o s i n doch keinen Augenblick die Liebe seiner Jugend, die jüdische Wissenschaft, aus den Augen verloren. War doch mittlerweile sein guterStern wieder vor ihm aufgetaucht, Michael Sachs alsRabbiner nach Berlin berufen worden. Wieder war sein Haus die Quelle täglicher Anregung und Förderung für R off i n, der nicht müde ward, mit dankbarer Begeisterung die Offenbarungen dieser schöpferischen Persönlichkeit in sich aufzunehmen. Neben den Universitäts- und Privatstudien widmete der junge Philologe sich auch den Uebungen am königlichen Lehrer-Seminar, um für den Unterricht an der 1847 begründeten, aber bald wieder geschlossenen Religionsschule sich fachmännisch vorzubereiten. Nach dem Abgl nge von der Universität im August 1850 übernahm er an der Gemeinde-Knabenschule einen Theil des hebräischen Unterrichtes, doch war diese Thätigkeit nur von kurzer Dauer, da die Schule vom Gemeinde-Vorstände nach wenigen Monaten bereit; geschlossen wurde. Im November 1851 erlangte Rosin als schönste Frucht seiner hingebungsvollen Studien vor der königlichen Prüfungscommission für die Provinz Brandenburg die unbedingte facultas docendi und wurde am 17. December dessilben Jahres von der Universität Halle unter dem Rectorate Joh. Friedr. Gottfried Eiselen's zum Doctor der Philosophie promovirt; seine Dissertation hatte den Agamemnon Homers zum Gegenstände. Tie Erwerbung der Befähigung für das höhere Lehrfach sollte, wie es damals manchem hervorragenden Manne jüdischen Bekenntnisses wie z. B. dem trefflichen Dr. M. I o öl, nachmals Seminarlehrer und Rabbiner in Breslau, erging, eine persönliche Auszeichnung, ein gradus ad Parnassum, keine Stufe zu Amt und Beruf werden. Im Januar 1852 trat er mit den neuen Titeln und Würden in die damals unter der Leitung des Rectors A. Horwitz gestellte Gemeinde-Knabenschule, in der er auch bis zur Uebernahme des Religionsfaches an der Lehrerbildungsanstalt im November 1859 verblieb. Aber eine Gelegenheit zu führender Stellung und selbstständiger organisatorischer Thätigkeit sollte sich für Rosin durch die Gründung einer Religionsschule der Berliner .Gemeinde eröffnen, die er mit sicherer und -kräftiger Hand aus schwachen und unscheinbaren Anfängen zu reicher Blüthe emporgeführt hat. Am 4. und 7. Januar 1854 hatte er in gesonderten Cursen für Knaben und Mädchen. mit zusammen 81 Zöglingen die Schule eröffnet, die im Ansehen der Gemeinde wie der Behörden, in der Liebe der- Eltern und der Schüler in raschem Wachsthum, sich entfaltete. Bon der Liebe und Schätzung eines Mich. S a ch s und dessen vor allen herrlichen und begnadeten Freundes Dr. Moritz Beit gehoben und getragen, schuf hier Rosin in stiller, aber gesegneter Wirksamkeit eine Schule, der ein Blatt in der Erziehungsgeschichte der jüdischen Gemeinde Berlin gebührt. Daß der freiwillige Besuch nicht zum willkürlichen werde, der Mangel an Zwangsmitteln nicht zur Regellosigkeit führe, darauf war unausgesetzt, aber mit wachsendem Erfolg die Aufmerksamkeit des Dirigenten gerichtet, der bald die Genugthuung erfuhr, sein Werk in den großen Kreis der Gemeininstitutionen ausgenommen zu sehen. Im Verein mit einer stetig zunehmenden Schaar tüchtiger Lehrer, unter denen Namen von Klang, Männer der Wissenschaft wie Dr. Jacob E g e r s, Dr. M. I a s t r o w, jetzt Rabbiner in Philadelphia, Dr. H. B ä r w a l d, jetzt Director des Philantropinums in Frankfurt am Main zu nennen sind, sah R o s i n seine Schöpfung zu einer Pflanzstätte jüdischen Glaubens und Wissens in,dem vor dieser Schule der Unterrichtsanstalten jüdischer Religion völlig entbehrenden Berlin heranwachsen und sich befestigen. Goldkörncr pädagogischer Weisheit und frommer Gesinnung streute er jährlich in den unscheinbaren, aber durch seine Beiträge heute noch werthvollen Berichten aus, mit denen zu den öffentlichen Prüfungen der Schüler und Schülerinnen eingeladen wurde. Eine besonders segensreiche Thätigkeit entfaltete R o s i n daneben seit 1859 an der Lehrerbildungsanstalt, in deren Annalen ein Name wie L. Zunz erglänzt. Nicht nur durch die Gediegenheit und Musterhaftigkeit seines methodischen Vortrags, sondern mehr noch durch sein Bornbild, die Lauterkeit und hoheitsoolle Strenge seiner Gesinnung durch Muster und Umgang wirkte R o s i n hier aus Generationen von jüdischen Lehrern, die den Segen seiner Lehre hinaustrugen in die Gemeinden Deutschlands. Ein väterliches Berhältniß verband ihn bereits hier mit zahlreichen Schülern, denen er nicht nur Lehrer und Führer, sondern unterstützt durch seine edle und hochsinnige, in alle seine Ideale liebevoll eingehende, ach! nurvorderZeithinweggenommeneFrauEmma geb. Eisak aus Dessau, Berather und Freund, Stab und Stütze wurde und die weit über die Dauer der Lehrjahre, oft fürs Leben Dankbarkeit und Verehrung mit dem Meister verknüpft erhielt. Da erging in dem großen Jahre der neuen deutschen Geschichte 1866 von der Universität Bonn an Jacob Bernays, der wie ein Dornröschen, der griechischen Philologie bis dahin in dem jüd. theol. Seminar zu Breslau im Verborgenen geblüht hatte, ein Ruf, der ihn als Oberbibliothekar und Nachfolger Ritsch el's nach Bonn berief. In die durchseinen Weggang am Breslauer Seminar entstandene Lücke trat nun R o s i n. Es war der höchste Beweis von Vertrauen, der dem verdienten Schulmanne durch diese Berufung entgegengebracht wurde; eine im besten Sinne des Wortes persönliche Auszeichnung, denn es war hier nicht der litterarische Name, der Ruf seiner schriftstellerischen Thätigkeit, der zu seiner Wahl bestimmt haben konnte; die Bürgschaft für seine Leistungen lag in dem Manne selbst, nur er selber war die Gewähr der Erwartungen, die an seine neue Stellung geknüpft wurden. In einem seine Kräfte vollauf in Anspruch nehmenden Berufsleben hatte er wohlstets sich die Muße zu erkämpfen gewußt, um als ein Aufnehmender und Lernender dem Gauge der jüdischen Wissenschaft zu folgen, aber zu selbstständigen litterarischen Hervorbringungen nicht die Zeit gefunden, zumal ihm vom Hause aus die Neigung zu öffentlichem litterarischen Hervortreten in einer geradezu unmodern zu nennenden Weise mangelte. Wie wenig die in ihn gesetzte Zuversicht sich getäuscht hatte, das bewies neben seiner Lehrthätigkeit fortan auch seine schriftstellerische Wirksamkeit. Wie ein Baum, der nicht, kaum daß er aus dem Boden geschlüpft ist, seine Zweige aussendet, sondern sich sammelt und zusammenhält und Zeit findet, als Stamm sich zu erheben, bevor er sich verästelt und in die Blätter schießt, so erschien hier, ein seltenes Beispiel in unseren Tagen, ein fertiger im Stillen gereifter Mann mit seiner ersten größeren Hervorbringung auf dem Felde der jüdischen Wiffenschaft. Als 1871 der Jahresbericht des Breslauer Seminars Rosin's Arbeit: Ein Compendium der jüdischen Gesetzeskunde aus dem 14. Jahrhundert brachte, ging ein freudiges Staunen durch die Reihen der Kundigen, denn das war, das erkannte jeder Einsichtige, nur darum eine Erstlingsarbeit, weil ihr Urheber früher nicht dazu gekommen war, eine andere zu veröffentlichen; in allem Wesentlichen trug sie die Kennzeichen der Methode und Gelehrsamkeit eines tiefund seit jeher in derjüdischen Wiffenschafterbgesessenen und heimatsberechtigten Forschers. Eine Bekanntschaft mit dem talmudischen Schriftthume, wie sie in Deutschland nicht mehr gewöhnlich war, eine keinen Schwierigkeiten ausweichende Gründlichkeit und Redlichkeit der Forschung, eine bis in die letzten Einzelnhciten peinliche Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit, eine Sauberkeit und Schönheit der Darstellung, die allerorten die philologische Schulung und Zucht verrieth, mußten sofort an dieser Leistung auffallen. Es war hier offenbar Einer zu Worte gekommen, der unter Entbehrungen nur in den harten Pflichten seiner Aemter der wissenschaftlichen Arbeit hatte entsagen müssen, und dem es erst jetzt wieder wohl geworden war, da er spät, aber noch rechtzeitig seinem tvahren Berufe sich wiedergegeben sah. Hier, wo der Unterricht ein Lernen war, jeder Augenblick seiner Thätigkeit der Wiffenschaft zu Güte kam, eine auserlesene Bibliothek gleichsam zum Zulangen und zum Ergreifen litterarischer Ausgaben heraussorderte, hier erwachte in Rosin die zurückgehaltene Mittheilsamkeit, die in einer reichen und gedeih, lichen Lehrthätigkeit sich nicht ersättigte, sondern zu litterarischen Unternehmungen zu drängen anfing; der Jahresbericht von 1876 brachte die Ethik des Maimonides. Mit einem Bienenfleiße, dem kein Atom des gesammelten Stoffes gleichgültig ist, war hier aus zerstreuten und gelegentlichen Aeußerungen Maimuni's ein glänzendes Bild von der erhabenen und wie alle Aeußerungen dieses reichen und großen Geistes durch ihren

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