Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Snrr 386 Srfterreirtziptze Wochenptzrtft vcr. 20 unerhörter Beleidigungen des Justizministers v. Schölling und der Geheimräthe Kayser und v. Ei chhorn aus dem auswärtigen Amt. Paasch, bekannt durch eine Schmähschrift: „Eine jüdische deutsche Gesandtschaft", mit schamlosen Jnvektiven gegen den Gesandten v. Brandt in Peking, Rudolf Lindau, den Reichsgerichtspräsidenten v. Simson rc. Er hat seitdem seine Injurien ins Ungeheuerliche getrieben und Caprivi, Schölling und andere hochgestellte Männer in so beispielloser Weise angegriffen, daß er auf seine geistige Gesundheit hin untersucht werden mußte. Die Äerzte haben ihn für gesund erklärt und so hatte er sich heute im ersten, eines ganzen Bündels non Prozessen zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab eine unglaubliche Schimpfsreudigkcit dieses Patrons. In Broschüren und Petitionen beschuldigte Paasch den Justizminister eines skandalösen Verhältnisses mit einer Prostituirten und bezeichnete ihn als. „von den Juden bestochen", wie — der Prozeß Buschhoff beweise. Im auswärtigen Amte herrsche Korruption ärger als in Frankreich. Aenhlichen Genres sind Paasch's Angriffe auf die obengenannten Beamten, Bor Gericht spielte Paasch eine klägliche Rolle, halb dumm und halb unverschämt. Sein Bertheidiger war Doctor Hertwi g. Der Gerichtshof lehnte die Entlassung des Verurtheilten aus der Haft wegen Fluchtverdachts ab. Budapest. (Rabbinerwahlen.) Zwei Rabbinatscandidaten, die ihre Studien erst vor Kurzem an der Budapester Landes-Rabbinenschule absolvirten, wurden im Laufe der vergangenen Woche in nicht ungarischen Gemeinden zp-Rabbinern gewählt. Wie„Egyenl." mittheÄ, wurde nämlich Är^ Jacob Spira aus Hommona in Bisenz gewählt und am IO. d. wählte die jüdische Gemeinde in Vukovgr einstimmig Dr. Julius Diamant, den Sohn des gelehrten Rabbiners von Trencsin, einstimnsig, zu ihrem Rabbiner. Bon den 33 Rabbinern, die das Seminar seit seinem Bestände ausgebildet hat, sind 7 außerhalb Ungarns zu Rabbinern gewählt worden. Aufsee. Die hier seit Jahren bestehende koschere Restauration des Herrn Jakob Sonnenschein ist im Laufe des letzten Winters wesentlich erweitert worden. Herr Sonnenschein hat seinem Speise-Salon auf das Eleganteste renovirt' und mit allem . Eomfont ausgestattet. Das genannte Etablissement, welches sich bei unseren Glaubensgenossen mit Recht eines ausgezeichneten .Rufes erfreut und hinter den übrigen Restaurants in keiner. Hinsicht zurücksteht, darf daher den jüdischen Curgästen auf's Beste empfohlen werden. Auch für die Bekenner der orthodoxen Richtung hat Herr Sonnenschein durch das Engagement eines Schochet aus Lemberg Vorsorge getroffen, welcher über Zeugnisse Sr. Ehrwürd'en des Erlauer Rabbiners S. Sofer und Sr. Ehrwürden des Preßburger Rabbiners Schreiber verfügt. Holleschau, am 15. Mai 1893. In der am. 11. d. M. stattgefundenen General-Versammlung der hiesigen isr. Cultusgemeinde wurde Se. Ehrwürden Herr Dr. Jacob Freiman, Rabbiner in Kanitz zum Rabbiner der hiesigen Eultusgemeinde mit überwiegender Majorität gewählt und somit wird unser, durch drei Jahre vacant gewesenes Rabbinat nunmehr wieder besetzt. Herr Dr. Freimann, entstammt einer alten Gelehrten- Familie und genießt den Ruf eines tüchtigen Talmudisten und gewiegten Kanzelredners, wovon derselbe schon bei seiner Probepredigt Zeugniß ablegte. Prag. . Die feierliche Eröffnung der Ceremonienhalle auf den neuen isr. Friedhof in Zizkow. Sonntag, den 14. d. M. fand um 4 Uhr Nachmittags die Eröffnungsfeier statt. Am 6> Juli 4890 wurde' mit der Beerdigung auf diesem Friedhofe begonnen, am 4. September 1891 wurde der Grundstein zu diesem Gebäude gelegt, im Frühjahr 1893 wurde der Bau mit göttlicher Hilfe fertig gestellt. Das neue vom Architecten Herrn Münzberg fertig gestellte Gebäude bildet eine große, lichte, prachtvoll ausgestattete Halle über-deren mittleren Theile sich eine hohe Kuppel wölbt. Dieser Ceremoniensaal mit den für Dienstwohnungen und Ämtslocalitäten bestimmten Anbauten, so wie alle auf. diesem Friedhofe befindlichen und sonstigen Gebäude, ferner die ganze Friedhofarea, u. zw. der heute bereits eingefriedete, wie auch der außerhalb der Umfriedung, gelegene, nach Osten fortlaufende Theil, im Gesammtausmaße von 74.037 Quadratmeter sind Eigenthum der Prager israel. Beerdigungs- Bruderschaft, welche den ganzen diesbezüglichen Kostenaufwand aus ihren eigenen Mitteln bestritten hat. , Die Feier ward durch eine gediegene Ansprache des Obmannes der BeerdlgungsfBruderschaft Herrn David Lieben eröffnet, welche euren kurzen Abriß der Geschichte des Friedhofes besprach und dem Staats- und den städtischen Behörden so wie der hiesigen isr. Eultusgemeinde Repräsentanz den innigsten' Dank für ihre Unterstützung aussprach und' somit'die Halle ihrer Bestimmung übergab. Hierauf trug.der verstärkte Männer-' chor des Tempels in musterhafter Weise einen Psalm vor, worauf, der .Oberrabiner Dr. Ehrenfeld die Kanzel bestieg und mit Meisterschaft an die Inschriften erinnerte die in der Halle in Bibelsprüchen angebracht sind. Nach dem Schlußchoral würde in dem neuen Betlocale das Minchägebet verrichtet. * Die Feier wird gewiß jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben. Das Gebäude welches mit exotischen Pflanzen geschmückt war ist acustisch gebaut. Unter den zahlreich erschienenen Anwesenden waren die Rabbiner nnd Prediger Dr. Gelbhaus, Kisch und Stark. Der Präses und Bice-Präses der Prager isr. Eultusgemeinde mit den Mitgliedern Herren Jac. Edler v. Dormitzer, kaiserlicher. Rath Beer, der Obmann der Landesjudenschaft, Herr Magistratsrath Dr. Mally sämmtliche Synagogen und Vereinsvorstände ebenso eine große Anzahl von Damen. Teplip in Böhmen. Gold e n e Hochze i t.) Am 18. d. M.. feiext Herr S. .L a n d e m a n n, welcher sich in seiner Eigenschaft als vieljähriges Mitglied der verschiedensten^ städtischen Beteine von Teplitz durch gemeinnütziges, humanitäres Wirken namhafte Verdienste erworben und sich der vollsten Achtung allerseits erfreut, das Fest der goldenen Hochzeit mit seiner an Tugenden reichen Gattin Anna. Graz, am 14. Mai 1893. „In der am 29. April d. I. stattgefundenen XXXH. ordentlichen Plenarversammlung des akademischen Vereines „Humanitas" in Graz wurden für das Sommersemester 1893 in den Ausschuß gewählt die Herren: - Cand. med. Eugen Pollak als Obmann (wiedergewählt), Drnd. med Veno Neumann als Obmannstellvertteter (wiederg.), Cand. med. Leop. Pollak als Cassier (wiederg.), . Drnd. Phil. Emil Kohn als Schriftführer, Cand. med. Henryk Zipper als Schriftführer (wiederg.). Ferner wurde Herr Drnd. med. Hugo Mühsam zum Cassmevisor wiedergewählt," Prerau. In der 42. Versammlung der deutschen Philologen und Schulmänner in Wien wird Herr Dr. Jacob Tauber, Oberrabbiner in Prerau, einen Vortrag über „Darlegung der geschichtlichen Thatsachen zu den Proverbiis" halten. E. B. Triest. (Jacob Brunner.) Vorige Woche verschied hier Jacob Brunner im hohen Alter von 82 Jahren. Der Verewigte bedeutete für Triest ein Stück neuerer Geschichte der Entwicklung dieser Hafenstadt. Als Sohn eines kleinen Fleischhauers und Viehhändlers in Hohenems, kam Brunner vor sechzig Jahren ohne Geld und ganz fremd nach Triest. Mit außerordentlichem Scharfblick bedacht, fand er bald das Gebiet heraus, welches demselben die Möglichkeit bot, sein kaufmännisches Genie vollauf zu bethätigen. Er cultivirte den Export englischer, und schweizer Maaren über Triest nach dem Oriente und wußte mit unbeugsamer Energie bald die Schwierigkeiten, die sich seinem Unternehmen gegenüberstellten, zu überwinden. Später cultivirte er auch das Bankgeschäft und gründete im Vereine mit seinem hochbegabten und talentirten Bruder Marco Brunner eine Sucursale in St. Gallen, welche sich zum größten Bankgeschäfte der Schweiz ausgestaltete. Noch heute ist die Firma Jacob Brunner das größte Manufakturgeschäft in Triest. Der Verblichene war von puritanischer Einfachheit und Bescheidenheit und als einer der Reichsten Triests verschmähte er es, die vielen Ehrenftellen, welche demselben angeboten wurden, anzunehmen. Brunner wor ein seltener Character, von strengster Solidität und ließ sich niemals in eine Spekulation irgend welcher Art ein. Den Armen und Verwandten gegenüber war er ein bewährter Helfer und er figurirte als Mitglied aller wohlthätigen Vereine Triests und seiner Vaterstadt Hohenems. * Welch? eminente Stellung Brunner in socialer Richtung besessen, zeigte dessen Begräbniß, an welchem sich die Honoratioren Triests ausnahmslos betheiligten. Leipzig. 23. April. In -der Nummer vom Sonntag, den 4. Februar 1893, erschien in der antisemitischen „Neuen Deutschen Zeitung" unter der Rubrik „Vermischtes" ein Llufsatz: „Folgender Beitrag zur jüdischen Corruption. wird uns aus Geringswalde gesandt." In dem Artikel war ausgeführt, daß der jüdische Arzt S. mit der Frau eines Schuhmachers, die er habe untersuchen sollen, unsittlich verkehrt habe. Die Angelegenheit scheine nicht vor Gericht zu kommen, denn sie sei mit jüdischem Gelbe aus der Welt geschafft, aber die Frauen und Mädchen in Geringswalde würden sich fernerhin schon hüten, 5. zu consultiren, dieser sei Kassenarzt, doch werde er im Laufe der nächsten Tage als solcher cassiert ’k.; vor allen Dingen