Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 384 - OxMrreirtzische Wortzrnfltzripk . - ' Nr. 20 der Kriege statt der Nächstenliebe > — der blinde und verblödete I Menschenhaß. Wer schildert meinen Seelenzustand, in welchem I ich die letzten Jahre arbeiten mußte?! Während ich in meinem! Pariser Atelier Die Gestalten unserer Helden „Ermak" und „Nestor" modellirte, mußten meine Glaubensgenossen in Rußland endlose Verfolgungen erdulden; meine armen Brüder fanden dort nirgends ein Wort des Mitleids, dagegen umsomehr Hohn und Grausamkeit. Vergebens wendete ich mich an einfluß-> reiche Freunde mit der Bitte, die Sache der Verfolgten in die Hand zu nehmen, ihre Stimmen für die Opfer zu erheben.' Niemand antwortete mir. Nichtdestoweniger war und ist mein Glaube an das russische Volk stärker als mein Schmerz, und ich verzweifle nicht au. den guten und von Gerechtigkeit erfüllten Gefühlen des russischen Volkes. Denn ich bin überzeugt, daß die Ursache dieser schmerzlichen und grausamen Ereignisse nicht im Herzen des russischen Volkes ihren Sitz hat, sondern von jenen Elementen ausgeht, die einem - von Außen kommenden Einfluß willfährige Dienste leisten." Petersburg. (A b r a m I s s a k o w i t s ch Sack.) Eine der hervorragendsten Persönlichkeiten der Petersburger Finanzwelt, Abram Jssakowitsch Sack, ist am 1. Mai "gestorben, Er war seit 1870 General-Director der Disconto-Ban k Vorsitzender anderer bedeutender Institute und erfreute sich der größten Anerkennung und des.vollsten Vertrauens Alexander II uyd Alexander HI. Unter den Finanzministern Greng und Abasa vermittelte er in Paris den Abschluß großer Staatsanleihen. Sack, der als kaiserlich-russischer wirklicher Staatsrath gestorben ist, begann seine Laufbahn als kleiner Privat-Beamter. Doch bald brachten ihn seine hervorragende Begabung, seine gründlichen Kenntnisse des Bankwesens und seine großen Charactereigenschasten zu den höchsten Ehren. Wie groß mußten Sack's Verdienste gewesen sein, wenn er als Jude in der Zeit der grausamsten Judenverfolgungen in Rußland eine so bedeutende Stellung erringen konnte. Sack entstammte einer vornehmen jüdischen Familie und erhielt eine -ausschließlich talmudische Bildung. Erst in reiferen Jahren eignete er sich Sprachkenntnisse und moderne Wissenschaft an. Er sprach nebst russisch noch deutsch^ französisch und englisch sehr..fließend und war ein großer Kenner und Verehrer der schönen Künste. - Sein Wohnhaus auf der Segeiwskaia, einem der fashionabelsten Theile Petersburgs, gleicht einem Museum mit großen seltenen Kunstschätzen,- seine Gemäldesammlung ist eine der reichhaltigsten Privatgalerien der Hauptstadt. Durch das Hinscheiden Sacks geht auch ein interessanter' „Salon" Petersburgs ein, der die vornehmsten Geister der politischen Finanz- und Künstlerwelt an bestimmten Tagen der Wintersaison zu vereinen pflegte. An diesen festgesetzten „Musikabenden" oder ^rsuts" konnte man die heterogenste, auserlesenste Gesellschaft des In-und Auslandes finden: den deutschen, französischen, englischen Botschafter, Herbert Bismarck, Jgnatieff, Bleichröder, Baron Günzburg, Rubinstein, Sofie Menter, Alice Barbi, Grünfeld und auch viele andere Künstler und Finanzmänner. Musiker, wie Rubinstein, Dawidow, Auer, verkehrten als Freunde des Hauses und nicht selten spielte Sofie. Menter einen Walzer zum Tanz' auf. Biel klassische Musik, besonders Quartette wurden an diesen Donnerstag-Abenden zu Gehör gebracht. Nicht dem Reichthum, vielmehr .seiner interessanten Persönlichkeit dankte der Verstorbene seine Beliebtheit in den verschiedensten Kreisen. Was würden Luegex, Ahlwardt und ihr Anhang zur That- -sache sagen, daß.ein Jude, der an der Spitze.des größten Bank-Institutes des großen Czarenreiches steht, täglich Millionen verwaltet, selbst keine Millionen besitzt und daß ein „Blutsauger", -ein „Geldjud" einen angebotenen Barontitel ablehnt?! Sack hat keine Millionen angehäuft. .Er lebte von seinem allerdings reichlichen Einkommen und ließ ein gut Theil davon Unterstützungen und gemeinnützigen Zwecken zukommen. Unzählige mittellose Kinder von Talent ließ er in Italien, Frankreich und Rußland ausbilden. ' . Er stirbt kinderlos und hinterläßt keine Millionenwohl aber die Erinnerung an eine vornehme, hochbegabte Individualität. L. F. Wien. (Trauung.) Dienstag am 23. Mai 1 Iltir Nachmittags findet im isräel. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Frl. Johanna Schiller, Tochtee des Cantors an der' Wiener ifrael. Cultusgemeinde, Herrn I. Sch i l l e r, mit Hörrn'Hugo B r ss l l statt. — Dienstag am 4 6. Mai fand in Neudörfl d. a. L. die Trauung des Frl.- Eugcnie U l l m a n n aus Gloggnitz mit Herrn Moritz Stvßl aus Neun kircheu statt. Wien. 7. Verzeichnis; der Bücherspenden für die Bibliothek des ' Rabbinerseminars in Wien. Bon Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Mühsam, Rabbiner in Graz : Beer Hetew Joredea, Ehoschew Hamischpot, Orach Chajim und Ewen Haescr, Das Staatswesen der alten Hebräer von Ehrlich, .Schul- und Hausbibel von Dr. Auerbach,, die Philosophie der Religion in 5 Bänden, Einleitung ins alte Testament von Dr. Auer? bach und weitere verschiedene Werke biblischen und talmudischen - Inhaltes, zusammen 60 Bände. ' Aus dem Nachlasse des verstorbenen Herrn Leov. Löw-Beer, ge- . wejenen Vorstehers des Tenipelvereines iw 6. Be;.. Stumpergasse 42: ] Talmud Babli 12 Bände. Aisassi 4 Bände, Tun in 5 Bände, Urim Wetumin 2 Bände, Rambams zweierlei Ausgaben zu je 4 Bänden, ss Schulchan. Aruch, Mögen Äwruhom, One-Jhoschua 4 Theile, Moreh Nwochim, Concordanz-Aruch 5 Theile von Moses Landau, Prag, ein. komplettes Tnach von Mendeliohn in 18 Bänven, Machzrs Haschekel, viele Rischonim, Acharonins, Schaaloth-Utschuwatt, Bibelausgaben mit verschiedenen Commentaren, sehr viele Werke biblischen und talmudischen Inhaltes zusammen 140 Bände. Die Vereinslcitung richtet au die hochgeehrten Glaubensgenossen die dringende Bitte, dieses heilige Unternehmen thalkräftigst zu unterstützen und wird höflichst ersucht, Bücherspenden an das Vereinsbureau der „Oesterr. is rael. Union", Wien I., Schottenring 23 zu senden. Wien. (Todesfall.) Die alte jüdische Garde Wiens hat einen herben Verlust erlitten in Anton .Bing, der vorige Woche hochbetagt zu Grabe getragen wurde; Bing war in früheren Jahren Mitglied des Wiener Cultusvorstandes, nahezu 40. Jahre Vorsteher der Synagoge in der Schönlaterngasse, ebenso lange Zeit Präses des Talmud-Thora-Vereines, in welcher Eigenschaft er eine besondere ersprießliche Wirksamkeit entfaltete; er war ferner Obmann des Wohlthätigkeits-Vereines „ChonwiDalim“ und „Nasi“ von Palästina, durch dessen Hand läniintliche Spenden für die israelitischen Armen in Palästina, . gtngen. Bei aller Frömmigkeit war er von humaner, menschenfreundlicher Gesinnung getragen und seine humanitären Bestrebungen, für welche er viel Zeit und viele Mittel opferte, kannten keinerlei Unterschied der Confession. Bing gehörte allen Wohlthätigkeits-Vereinen Wierrs, die er werkthätig und materiell förderte, an. Anton Bink besaß bedeutende talmudische Kenntnisse, war ein Schüler der berühmten Preßburgcr Rabbinats-Anstalt und Widmete seine Mußestunden der jüdischen Literatur. In einer ergreifenden Grabrede schilderte Oberrabbiner Dr. G üd em a nn den Lebenslauf des Dahingeschiedenen, hervorhebend, daß in der Gegenwart der Verlust eines so hingehenden treuen Glaubensgenossen doppelt zu beklagen iss. Wien. (Bezirks auss ch üß wach l am Alsergrund.) Wie vorauszusehen war, wurden gestern die liberalen Candidaten aus dem zweiten Wahlkörper für den Bezirksausschuß Alsergrund, die Herren Josef G er in, Gastwirth, und Anton Reitmayer, trotz der fieberhaften Agitation der Antisemiten mit überwiegender Majorität gewählt. Abgegeben wurden 714 giltige Stimmen.« Hievön entfielen auf Herrn Ge rin 490 und auf Herrn Reit m,a y er 506 Stimmen. Bon den antisemitischen CandidateN blieben Rechnungsrath Wimmer mit 208 und Gastwirth Plach mit 199Stimmen in der Minorität. Wien. (Generalconsul I uliu s G o l d sch m i d t.) Der Generalconsul Der Vereinigten Staaten Herr Julius Goldschmidt, welcher im December 1891 in Folge seiner außerordentlichen, dem Unternehmen gewidmeten Dienste zum Ehrencommissär der Weltausstellung in Chicago für Oesterreich-Ungarn ernannt worden war und sich in, unermüdlicher Weise der Ausstellungsangelegenheiten annahm, hat soeben seitens des General-Directoriums der Ausstellungsbehörde in Chicago ein in den schmeichelhaftesten Ausdrücken verfaßtes Dankschreiben erhalten, in welchem dem. Ehrencommissär die vollste Anerkennung seiner Verdienste um die österreichische Betheiligung an der Weltausstellung und der wärmste Dank der Behörde für die geleisteten Dienste besonders vor der Ernennung der k. k. österreichischen Commiffion und des k. k. Generalcommissärs ausgesprochen wird. Wer die Vorgeschichte der Betheiligung Oesterreichs an der Weltausstellung in Chicago kennt, weiß die Bemühungen des Generalkonsuls nach dieser Richtung zu schätzen. Wien. Unters deck Neueren Componisterr hat sich> unser Glaubensgenosse Herr' D. Kah an e in kurzer Zeit einen hervor-