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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-19 · 20 (19.5.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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SÄe 382. Orsterreichifchr Wochenfitzritz -__ _ E.20" Drmkbarkett scheint demnach, nicht die stärkste Seite dieses Herrn Maul zu sein, für den immerhin noch der mildernde Umstand geltend gemacht werden kann,.daß er durch das laute Bekenntniß seines Antisemitismus seine wichtigsten Interessen schädigt. Andere von der gleichen Sorte, sind, schon geriebener! MLen. Zur Geschichte der „Luftvilla" erzählt in einem Wiener Tagblatt vom 17., Mai die Gewinnerin des oft erwähnten Haupttreffers, Schriftstellers Jenny Zink-Mörishof: „Mir war es, als mir der, Haupttreffer der Weinhauser KirchenbaU'Lotterie zufiel, aus pribtrten Gründen .erwünscht, nicht als Gewinnerin genannt zu werden. Aus diesem Grunde wandte - ich mich an eine Bank von ünbezweifelbarster' Ehrenhaftigkeit mit dem Ansuchen, meinen Gewinn, und zwar in Baarem, für mich zu erheben. Herr Pfarrer Deckert jedoch wies den Bevollmächtigten . derselben unter verschiedenen Ausflüchten ab und verlangte — was ganz rechtswidrig war — die Nennung des Gewinners-. Trotzdem entschloß ich mich, seinem Begehren nachzukommen , und fuhr, in Begleitung meines Anwaltes Herrn D'r. Benedikt zu Herrn. Dr. Deckert, ihm jetzt persönlich -vor meinem Vertreter meinen.Antrag wiederholend, den sowohl der Bevollmächtigte der Bank, als auch Herr. Dr.. Benedikt Herrn Dr. Deckert bereits gemacht hatten,-den Antrag, ich wolle gegen eine: Abfindungssumme von 3500 Gulden meine Ansprüche auf den mir zugefallenen Gewinn als gedkckt betrachten." Herr Dr:'Deckert ging nicht, auf diesen meinen Vorschlag ein. sondern.stellte den Gegenantrag, .ich solle ihm eine in Salmannsd.orf gelegene, ihm gehörige Wiese zum Preise von 10 fl. per Quadratklafter abkaufen, und dort werde, er . mir dann die gewonnene Villa aufftellen lassen. Da mir dies nicht convenirte, war ich gezwungen, die Klage gegen den Kirchenbauverein zu erheben. Die Angelegenheit machte großes und gerade in kirchlichen Kreisen sehr nachtheiliges Aufsehen. Nun nahm die Angelegenheit den ganz richtig geschilderten Verlauf. Inzwischen hatte Herr Dr. Deckert auf dem ihm gehörenden Grunde, dessen Ankauf ich abgelehnt hatte, sowohl die bewegliche Villa/aufgestellt und auch ein zweites kleines,. steinernes H^us. aufführen lassen. Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes zu meinen Gunsten stellte er mir auf dem' Wege 'durch unseren Rechtsvertreter die Wahl zwischen diesen. Heiden Objecten frei, wobei er bemerkte, daß zu dem steinernen Häuschen der hinter demselben liegende Gartengrund gehöre, zu der hölzernen Villa aber das Terrain, zu einem Garten von mir gekauft werden müsse: Er verpflichtete sich, mir diesen zu dem Preise von zehn'Gulden per Quadratttafter abzulassen. Da ich mittlerweile auf Auszahlung des Geldes geklagt hatte, konnte ich mich vorläufig, nicht für die Annahme dieses Vorschlages entscheiden. Als das oberstgerichtliche Urtheil im zweiten Proceß dahin entschied, daß. ich die Villa annehmen müsse, wollte Doctor Deckert nur. von -Uebergabe der Hölzeryen Villa ohne Garten-: grund etwas, wissen. Ich fand mich auch damit ab und suchte dieselbe zu veräußern. Ich fand auch einen Käufer, dem ich,, hierin ein Dementi seitens des Dr. Deckert für nicht denkbar annehmend, die Erwerbung des Gartengrundes zu zehn Gulden per Quadratklafter in Aussicht stellte. Der Mann war klüger als ich — er verlangte die Zusage des Herrn Dr.- Deckert schriftlich.. Ich wandte mich an diesen und erhielt eine zur Charakterifirung des Herrn Dr. Deckert - vollgenügende Antwort. Er schrieb: „Da ich nicht auf seine Proposition:. (er drehte damit den Sachverhalt geradezu um!) mich mit der Auszahlung von dreitausendfüvfhundert- Gulden zu begnügen, eingegangen sei, sondern dem Kirchenbau-Verein durch meinen Proceß große Kosten verursacht habe (ich!!?), da ich ihn ferner bei seinem Vorgesetzten angeschwärzt bätte —, verlange er jetzt per Quadratklafter fünfunddreißig Gulden und werde den Preis sür den Grund von Jahr zu Jahr steigern, wenn ich ihn jetzt nicht nähme. Der Verkauf der Villa zerschlug, sich in Folge dieses seltsamen Vorgehens des Herrn Doctor Deckert und dieselbe ist jetzt für den geringen Jahreszins von 250 fl., der höchstens dem Ertragnisse eines Objetts im Werthe von 3000 fl. entspricht vermiethet. . Wien. (Ein muthiger, charakterfester jüdischer Ebgaordneter.) Die jungczechischen Deputationen, welche fich bei den Abgeordneten des conservativen Großgrundbesitzes im. böhmischen Landtage einfinden, um deren Abstimmung über dje Abgrenzungsvorlagen zu beeinflussen,, versteigen sich sogar schon zu Drohungen. Die ^Narodni Listy" meldeten gestern, eine solche Deputation aus dem Seltschamr Bezirke sei Sonntag bei dem Großgrundbesitzer Herrn L. Pollak in Stetkowitz erschienen, „um ihm im lebten Momente die 'Befürchtungen der patrwtffcheM'Bürg erschüft angesichts ' der - Abgrenzüngsvorlagen auszusprechen und ihn zu ersuchen, dass er im Landtage" ms^ i den übrigen nationalen Abgeordneten stimme".' - Dann . heißt es im Berichte weiter-: „In fr eünö schaftkichem Gespräche sprach der Herr Abgeordnete - der Deputation gegenüber die Hoffnung aus, daß diese Vorlagen gar nicht' - in das Plenum - zur Verhandlung gelangen Werden, und versprach bestimmt, für nichts, tvas der Nation'schädlich sein - könnte, '-Und namentlich - nicht für die Abgrenzüngsvorlagen stimmen zu wollen". Wie ' das „freundschaftliche" Gespräch beschaffen wa'r, darüber.-'wird . man aus einem heute vorliegenden Berichtender „Hlas Naroda"? klar. Danach legte Abgeordneter - Pollak nach " per -Ansprache; des Führers der Deputation die Sachlage-dar, erwähnte.'dabei der drei Minoriiätsvoten, von denen keines Aussicht habe durch- - zudringen, und sagte dann: Wenn gleichwohl die-SachelN das Plenum käme und die Deutschliberalen für dew Trakal'schen Äst- - trag stimmen würden, so würde er (Abgeordneter Pollak)^ dies für ein großes Glück ansehen. Er erklärte es' für unmöglich; daß er für irgendwelche Zerreißung des- Königreiches Böhmen ' stimme, was aber auch seitens des ganzen Großgrundbesitzer-- clubs .nicht geschehen werde. Hierauf ergriff der Sprecher'der Deputation neuerlich das Wort und sagte, daß'der Herr Abgeordnete jetzt bei d er bestehen den Arbeiter- und so c i'ald em okratisch en Beweg,ung doch sich an die Abstimmung der „freisinnigen" Partei halten sollte. . Erregtdurch diese Drohung habe der Abgeordnete Po llak gerufen: „Nun, so schicken Sie aus Se lisch a n her, wen Sie wollen. Mehr als. das Leben können Sie mir nicht nehmen, und der Boden bleibt meiner Familie". Der Sprecher leugnete darauf, daß er gedroht babe';> er habe nur das Verlangen vorgetragen, daß der Herr Abgeordnete mit der „freisinnigen" Partei stimme. Herr Pollak wiederholte, daß er bei einer Zerreißung des Königreiches niemals mithelfen werde; die Entscheidung aber,, was als eine solche zu betrachten sei, behalte er seiner Einsicht und seinem Gewissen vor. Zuletzt erklärte der Abgeordnete Pollak, daß er sich in seiner Partei glücklich fühle, da in der-- selben Jedermann in seiner Nationalität und Coufession geschützt sei. Mit der „freisinnigen" Partei könne? er aber n i em als-zusamm eng ehen, weder al s'B öhnre, noch als Jude: er brauche da wohl nur auf die Ber- Hetzungen der junaczechischen Pr esse hi nzu w eis em.? Hannover, 3. Mai.' Ueber den Äntisemitenführer' Leuß, welcher früher das Stöcker'sche „Volk" in Berlin redigirtet i wird der „Mindener Zeitung" aus Hannover, das er jetzt mi, . feiner christlich-social-autisemitischen Weisheit beglückt, geschrieben: An einem der letzten Abende der vergangenen Woche betraten' vier angeheiterte junge Leute, Staatsbeamte, unter /,Heil"-Rufen,^ diesem neuesten Sportausdruck der Antisemiten, das van dem; besten .Publicum Hannovers besuchte Theater - „Cafe Sander",, in welchem.sich gerade der.Besitzer befand. War schon dieses'.' Heilrufen ostentativ zur Beleidigung'der anwesenden jüdischen Gäste angethan, so zeigte das weitere, ganz -ungualificirbare.: Benehmen der vier jungen Beamten auf das Unzweideutigste,^ daß sie absichtlich es auf grosse Insulte gegen die anwesenden Juden abgesehen hatten. Ihr Betragen wurde - schließlich ein derartiges, daß das gelammte Publicum.den bier- und streitseligen „gebildeten" Radaumachern höchst fühlbare - Beweise seiner Entrüstung über ein solches . Gebühren . gab, und daß-; schließlich die. jungen Streithähne durch den Hausknecht und den Maschinisten .des Cafes in. einem allerdings' sehr abgekürzten Verfahren an die frische Luft, geleitet wurden- Damit wäre die Sache erledigt gewesen;' denn ein bei dieser Gelegen- , heit schwer beleidigter und. thatsächlich insultirter-jüdischer Herr ' hatte unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die? jungen Leute angezecht waren, und daß eine Anzeige bei ihrer vorqesetzten Behörde ihnen wahrscheinlich ihre Carriere. für immer ruinirt hätte, von einer solchen Abstand genommen.. Diese, den Character des Beleidigten höchst ehrende Erledigung der Affaire ' war aber keineswegs nach dem Sinne des Herrn Leuß. Gin, paar Tage darauf erschien er früh Morgens um 4 "Uhr in dem genannten/Cafe und stellte den Wirth desselben, Herrn Sander, zur .Rede über die Behandlung,' die. jenen vier jungen' Leuten zu Theil geworden war. Der Wirth entgegnete sehr richtig; man könne über den Antisemitismus denken, wie man? wolle, aber in seinem Locale dulde er antisemitische Exzesse und Beleidigungen seiner jüdischen .Gästeauf keinen Fall. Dazu - bemerkte' ein Freund des Wirthes, eist Herr/Robby (NB. ein Christ), das wäre für einen. Wirth? .der einzig richtige! Standpunkt, worauf Herr Leuß ist sehr erregter Weise 'fragte, wie/er . überhaupt dazu komme, sich in ihr Gespräch - zst mischen. Als"

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