Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 20 (19.5.1893)
- Date
- 1893-05-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 380 Oestrrreichischr WochenfÄrrist Nr. 20 Juden, namens Servadio Jsacco bekannt, der infolge - seines Handels viel in Ascoli verkehrte. Eines "'Tages berief er dresen zu sich, zeigte ihm seine Schriften, die er soeben auf Wunsch jenes Ministers eines katholischen Staates in den Druck geben wolle. Er gab ihm zu verstehen, welche Vortheile er von der Publication seiner Schriften zu. erwarten habe, insbesondere von dem Gedichte, das. seinen .Namen, denen der ersten Dichter Italiens einreihen werden Wer weiß, ob^sein thörichter Geist nicht von einem Triumph auf den Kapitolium träumtet Außerdem, fügte er hinzu, habe der Münster ihm eine Rente von zwölf Thalern monatlich auf Lebenszeit zugesichert, ein ehrenvolles Diplom und ein reiches Geschenk:/ Indessen, da er ein guter Christ sei, beschwere,es sein Gewissen, seinem Nächsten Böses, zu thun. Er sei von dem großen Nachtheilen, die aus seinen Gedichten für -die Juden resultiren würden, umsomehr überzeugt, als er die Köpfe des Volkes mit seinen bezaubernden Reimen, seinem schwungvollen Stile und "den neuen rhetorischen Figuren hinreißen werde. Er wolle deshalb auf so viele Vortheile gerne verzichten, wenn d ie^i s raeli t ische Gemeinde von Ancona ihm eine entsprechende Entschädigung für gehabte Mühe und Zeitverlust anbieten wolle. Nur unter dieser Bedingung sei er bereit, seine Manuscripte dieser Gemeinde zu übersenden und sein Ehrenwort zu verpfänden, daß er nichts weiter" gegen die Juden geschrieben habe. Servadio schrieb an den Vorstand jener Gemeinde, sie möge sich schleunigst mit Herrn Giordano in Verbindung setzen. Im Archive dieser Gemeinde werden noch verschiedene Briefe, sowie jene Bücher in Prosa und Versen und die übrigen auf die Sache bezüglichen Briefe aufbewahrt. Unser Dichter verlangte zuerst dreitausend Thaler, dann beschied er sich auf zweitausend, die er unbedingt zur Zahlung seiner Schuld brauchte. Auf Verlangen der Gemeinde sandte er ihr eine Abschriftfeiner Schn ft en um zu'beweisen, welche Bedcutung dieselben hätten und daß der verlangte Preis nicht zu hoch sei. Die Gemeinde aber schickte einen ihrer-Repräsentanten nach Rom, um Seiner Heiligkeit den Papst Pius "VI. ein Gesuch, zu unterbreiten. In diesem wurde dem Papste dafür gedankt, daß er in demselben Jahre die Verbreitung der Geschichte des „San Simoncino" (von Giordano) und des Buches „Die Jrrthümer" von Ridolfi aus Ancona, verboten habe, dieselben Maßregeln wurden gegen Giordano erbetender seine schurkische Gesinnung mit seinen Briefen bewiesen habe: Dem Gesuche waren die Briefe und Manuscripte Giordano's beigefügt. Der Papst schrieb auf das Gesuch: „An Monsignore Affeffore del S. O *); um darüber zu sprechen." Dieser Monsignore schrieb an S. I. den Bischof von Ascoli, folgendes: Es befindet sich in Ihrer Stadt ein gewisser Giacomo Giordano, den man für einen Mann von Talent und Bildung hält. Er hat ein Gedicht in sechs: Gesängen verfaßt, betitelt „Der Jude im Exil", außerdem eine Schrift von zehn Seiten, enthaltend ein Antwortschreiben an einen Minister eines, katholischen Staates, um dessen Souverän, die Gründe auseinanderzusetzen; aus denen die Juden in den katholischen- Staaten nicht geduldet werden dürften. Er rühmt sich der unnützen Mühe, die er aufgewandt, hat, um alles: das zusamt men zu schaffen, was. jemals' über diesen Stoff gesagt und geschrieben ist. Er hat Unterhandlungen mit den Juden Anconas angeknüpft, denen er bedeutete, daß er von der Idee, das Gedicht und die- Schrift drucken zu laffen, Abstand nehmen wolle, wenn sie. ihm durch einen Rabbiner in einer-Art antworten würden, die geeignet sei, ihn.- zu. überzeugen^ Erereiferte-sich sehr für unsere katholische Religionaber sein Eifer endetemit dem Wunsch, einen Kramladen - zu i eröffnen, von den Judm -einige Tausend Thaler durch das Versprechen zu erschleichen, seine Wecke nicht zu publiciren und ihnen die Originalien zu übergeben, _um sie zu versichern,- daß; binnen einiger *) Beisitzer des heiligen Amtes. Frist eine gleiche Brandschatzung (riccato) nicht versucht werden würde. Die .Beschwerden der Juden sind mit den erforderlichen Documenten an den päpstlichen Stuhl gelangt und mir über-, geben, um Seiner Heiligkeit zu berichten, welcher nach Erwägung der Sache mir befohlen hat, Ihnen folgendes zu. schreiben. Seine- Heiligkeit will> daß Sie -den genannten Giacomo , Giordano zu sich rufen lassen, ihm eiöffnen, wie - sehr gefährlich-fein Werk sek, mit dem er riskire, Tumult wegen einer Sache zu erregen, die so oft geprüft sei und .üb erweich e man nicht mehr ernstlich disputiren könne, ihn deswegen zurechtzuweisen und im Namen Seiner ' Heiligkeit zu befehlennie wieder über eine solche oder ähnliche Frage etwas zu Papier zu bringen. Außerdem solle er alle/ Mannscripte und jedes.Papier, daß die beiden Werke -ietriffr-r Ihnen übergeben, damit nichts mehr in seinem Besitze bleibh unter Androhung, daß bei der geringsten UebertretungGefängniß und andere schwere Züchtigungen nach Bestimmung Seiner Heiligkeit folgen würden und mit dem Ansdrucke des Unwillens des Heiligen Vaters. Da man aber nicht darauf vertrauen kann, daß er Alles herausgiebt, wird es sich empfehlen, daß Sie, während er sich mit Eurer Excellenz untechält, in sein Haus schicken und alle besagten Papiere suchen und wegnehmen laffen. Oder senden Sie Jemand, den Sie für geeignet halten, daß er ihm obige Befehle und Vorschriften eröffne und zu gleicher Zeit die bezeichneten Schriften und Papiere wegnehme, so daß nichts bei ihm bleibt. Es empfiehlt sich endlich, mit der größten Vorsicht und Verschwiegenheit vorzugehen, damit kein Rumor entsteht. Wenn Sie, wie angegeben, verfahren sind, wollen Sie mir Bericht erstatten und mir die Papiere, welche dem Giordano abgenommen sind, nebst den Unterhandlungen zwischen ihm und den Juden von Ancona übersenden, damit ich dem heiligen Vater vorstellen kann,' mit welcher Genauigkeit Sie seine hohen Befehle ausgeführt haben.. Indem ich mir Alles von Ihrer Weisheit verspreche u. s. w,' ' / ‘ /-'/ Mbnsignör Bischof von Ascoli antwortete dem Monsig-. nore Affeffore del S. O. in Rom, er habe den Giordano zu sich berufen. Nachdem er ihm eine "scharfe Ermahnung ertheilt und- - ihm die betreffende Weisung gegeben, habe er seinen Secretär in dessen Haus gesandt und alle auf die betreffende Angelegenheit bezüglichen Papiere wegnehmen lassendarunter auch einen Brief von Giordano an den Drucker Sartori in Ancona, in welchem es sich unr den beabsichtigtem: Druck des Gedichtes' handelte. Er werde Alles in einem Schreibeneinsenden, habe es aber für Pflicht gehalten, zunächst über das zu. berichten, was er gethan habe. Wien, 1.1. Mai. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Reichsraths- Abgeordneten. Tr. Bloch. Gebieterisch', drängt es mich. Ihnen hier die vollste,, wärmste Anerkennung auszusprechen für die so überaus kräftige, alle jüdischen Herzen wahrhaft erquickende Weise, mit der Sie wiederum den neuestens gegen uns versuchten Affront entgegentreten. In der so trüben, Zeir, die leider über uns gekommen, erscheinen Sie als' der von der Vorsehung prädestinirte Mann, um mit einer wie seltenen Schlagfertigkeit und unentwegten Zähigkeit, zugleich aber auch mit einer wahrlich nicht alltäglichen Sachkenntniß und reichen Belesenheit den gegen uns stets neu entbrennenden Kampf siegeskräftig abzuwehren. - Ich fühle mich aber auch fest überzeugtdaß diese Worte wärmster und. gerechtester Anerkennung,., die' ichhier zum.-Ausdruck 'bringe^ in vielen Tausenden gleichfühlenden! Herzen lauttönenden Wiedevhall finden werden. Hochachtungsvvllst Rabbiner Dx.'Schmie dl. WiM.^(Ui yg.es e/nd.et). HZrr Dr. Pfarrer Deckert'beklag^. sich/f irmVasexland, - daßen schlimme-Grsahtungen. mit Juden-, gemacht und.traMigeH. erlebf. Warüun dlMt dieser edle Pfarrer nicht bei semer Herde und verschwendet seine müßige