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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-19 · 20 (19.5.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 379 Nr. 20, Oestrrrrtchtsche Wochenschrift zu aPPelliren, indem er nämlich für seine Clientin auch die Verzugszinsen für die 5000 fl', in der Höhe von 171 fl. ansprach-. Auch Herr Dr. Deckert als Obmann des Kirchenbauvereines. appellirte seinerseits gegen das Urtheil erster. Instanz. '.- Die zweite Instanz, das Oberlandesgericht, bestätigte das Urlheil der ersten Instanz mit der Modification, daß der Klägerin auch die Verzugszinsen zugesprochen wurden. " Herr Dr. Deckert legte .gegen diese beiden-Urtheile Revision ein, und nunchatte sich der Oberste Gerichtshof als letzte Instanz mit der Sache zu beschäftigen. Das. ist nun jene letzte Instanz,. deren Urtheil Herr Dr. Deckert in seiner Berichtigung als. zu seinen.Gunsten entscheidend hinstellt. Welcher Werth dieser Behauptung beizumessen ist, erhellt nun aus der Thatsache, daß mit oberstgerichtlichem Urtheil (Urtheil dritter, letzter Instanz) Zahl 5726 ex 1891 das Revisionsbegehren des Dr. Deckert als - ein muthwilliges und vollkommen unbegründetes zurückgewiesen, das Urtheil der zweiten Instanz vollinhaltlich bestätigt und Dr. Deckert nicht nur in die Procetzkosten, sondern auch zu 23 fl. Revisionskosten, verurtheilt wurde. In der Begründung dieses Urtheils letzter Instanz wird in scharfen Worten ausgeführt, daß weder eine Nichtigkeit noch eine offene Ungerechtigkeit der beiden vorhergehenden Urtheile Herrn Dr. Deckert zur Einlegung der Revision berechtigten, ferner daß gar kein Zweifel über.die Verpflichtung des Kirchen banvereines bestehen konnte, eine wirkliche Billa mit Grund und Boden zu liefern, da sonst. die Worte der Losanfschrift „Villa in der.Nähe von Wien" keinen Sinn geben würden. Das Urtheil weist den Kirchenbauverein an, binnen vierzehn Tagen dieser Entscheidung nachzukommen. Nun ist es wohl klar, zu wessen Gunsten dies Urtheil letzter Instanz spricht. Fräulein Zin k hat mithin in. allen drei Instanzen gegen Herrn Dr. Deckert Recht behalten, und in seiner Berichtigung spricht Herr Doctor Deckert einfach nicht die — Wahrheit. Die Geschichte der „Lustvilla" ist aber hiemit noch nicht beendet. Bekanntlich .hatte das Urtheil der drei Instanzen dem Kirchenbauve'-ein die Wahl gelassen, entweder eine Villa mit Grund und Boden oder. 5000 fl. sammt Verzugszinsen der Klägerin. auszufolgen. Das Unerwartete geschah, die „Luftvilla" hatte sich festgesiedelt,. und zwar auf einem vom Pfarrer Dr. Deckert dem Weinhauser Kirchenbauvereine verkauften, früher dem Herrn Pfarrer Dr. Deckert gehörigen Gartenflrunde in Sievring. Dort hatte der Kirchenbauverein ein Fundament, Keller und Grundmauern Herstellen lassen, auf denen die „Luftvilla" endlich festen Fuß faßte und nun der Gewinnerin des Haupttreffers als Gewinnstobject übergeben werden sollte. Frl. Zink fand nun diese Villa nicht ihren Anforderungen entsprechend, eine Untersuchung ergab auch technische Mängel des Baues, und die Gewinnerin bestand auf Aussolgung des Ablösüngsw'erthes. Ihr Vertreter, Dr. Benedikt, klagte auf Executiou der 5000 fl. sammt Verzugszinsen; indeß wurde in dieser Klage von der erst-m Instanz'gegen die Klägerin entschieden. Die zweite Instanz jedoch verwarf das. Urtheil des Landesgerichtes undsprach dem Fräulein Zink die Ablösungssumme zu. Diese Sache kam mnj ebenfalls' vor den Obersten Gerichtshof und fand ihren Abschluß in einem Urtheil dieser letzten .Instanz, welches wieder die Entscheidung des Landesgerichtes restituirteund somit indieser Sache, also nicht in dem Process e, ob. eine „Luftvilla" als Gewinnstobject den Verpflichtungen des Kirchenbauvereines, respective des Herrn Dr. Deckert entspreche, entschied die letzte Instanz für den Kirchenbauyerein. Dies ist wahrheitsgemäß die Geschichte der „Luftvilla". Herr Dr. Deckert ist also im eigentlichen. Proceffe in allen drei Instanzen sachfällig geworden. . - -' i -" * * ,-k- Für wen „Verhängnißvöll?" Ferner spricht der „hochwürdige" Herr Deckert von dem „verhängnißvollen Brief", des- Paulus Mayer. Für wen ist eigentlich dieser Brief „verhängnrßvoll?". Das. wird der. weitere Verlauf der Angelegenheiten. an den Tag bringen. Die Sache, wird ja .vor Gericht kommen, da der hochwürdige Pfarrer Dr. Deckert den'Abgeordneten Dr. Bloch zu klagen gedenkt. Bei der gerichtlichen Verhandlung wird die Glaüluvürdigfeii; des Paulus Meyer ^ohne'Zweifel genau geprüft werden, und erweist sich '.diese. als eine wurmstichige, so wird der betreffende Brief nicht blos für besagten Paulus Meyer' „verhangnißvoll" werden. Zum Schluffe seiner „Berichtigung" , bemerkt Herr Doctor Deckert, er sei „durchaus nicht der Ansicht, daß für solche Blut- ’ thaten fanatischer Juden ohneweiters alle Israeliten verantwörtlich gemacht werden können". Die „Jsraeli.en" morden also nicht „rituell", sondern blos „fanatische Juden". Die vorurtheilslofen Christen glauben nicht an den rituellen Blutmord, nur die fanatischen Antisemiten thun es. Herr Deckert versucht ferner in der Berichtigung an das „Wiener Tagblatt" es so darzustellen, als ob er erst durch den heftigen Angriff der „Oesterr. Wochenschrift" in der Nummer vom 7. April gegen sein Pamphlet über den rituellen Mord des Knaben Simon dazu gedrängt worden, den Paulus Meyer in seine Dienste zu nehmen. In Wahrheit ist der schriftliche Vertrag zwischen den beiden Ehrenmännern am 1. April dieses Jahres abgeschlossen, worden. In Kenntniß der Thatsache, daß Deckert sich der Dienste des Paulus Meyer für die Dauer von'sechs Monaten versichert hatte, war der Artikel geschrieben, um — die Herrschaften aus dem Versteck hervorzulockeu, das Complott rechtzeitig vor aller Welt aufzudecken. Heute dürfte Herr Deckert und sein Genosse bereits selber es bedauern, daß sie zu schnell — auf den Leim gegangen sind. Es war — ich gestehe es — eure peinliche, eine unapetittiche Aufgabe, einen solchen, im Verborgenen aufgefpeicherten Kehrichthaufen aufzurnhren; der Geruch, welcher sich da verbreitete, konnte für zarter organifirte Geruchsnerven nicht angenehm sein. Allein, es.schien doch immer vernünftiger, die auf solche Weise künstlich gezüchteten Miasmen mit einer kräftigen Carbol-- lösung. unschädlich zu machen, als daß man ruhig zusah, wie sich inmitten dieser ohnehin bereits tief durchseuchten Stadt ein neuer Jnfectionsherd in aller Heimlichkeit bildete. Mn Vorgänger des „Vrüderpaar's". Das Blutmärchen vom heiligen Simon von Trient ist schon vor mehr als hundert Jahren von einem Vorgänger des Pfarrer Deckert aus..ebtU-.et worden. Derindustriöse Mann hieß Giacomo Giardanounb lebte in Ascoli. Wir geben im Nachfolgenden eine actenmäßige Darstellung jenes Erpressungsversuches nach einem italienischen Artikel des in Casal Montferrat erscheinenden Vesillo, dervon einem Berliner Juristen für die „P. W. M. Bl.“ in Frankfurt a. M. wörtlich übersetzt wurde: Im- März 1775 hatte der arcadische Schriftsteller Giacomo Giordano von Ascoli ein kleines Buch in neuer und vermehrter Auflage erscheinen lassen. Dasselbe führte den Titel: „8an Simoncino“, nach dem Namen eines Knaben von dem es hieß, daß die Juden ihn getödtet, um sein Blut zur Mazzesbereitung zu Verwendern Der damals regierende Papst' Pius VI.,, der die Unhaltbarkeit der Anschuldigungen erkannte, ließ alle gedruckten Exemplare wieder einziehen unb .verbot ihre Verbreitung. Im Juli desselben Jahres verbot derselbe Papst die Verbreitung eines anderen Schriftchens von Carlo Ridolfi, aus Ancona, betitelt „die Jrrthümer der Juden", eine Verleumdungsschrift, deren Zweck es war, Haß und Verachtung gegen die jüdische Rasse unter der Christenheit zu erregen. Jnl September desselben Jahres schrieb derselbe Giacomo Giordano aus Ascoli ein humoristisches Gedicht „Der Hebräer im Exil", in sechs Gesängen, mit Inhaltsverzeichnissen. und einem Antwortschreiben an den Minister eines katholischen Staates über die beabsichtigte Austreibung der Juden. Dasselbe war dem Papst Pius VL gewidmet. Giordano hatte aber mit seinen Schriften wenig Glück. Der arme Teufel befand sich in etwas zerrütteter Vermögenslage. Er brauchte durchaus 2000 Thaler, um seine Schulden zu bezahlen, und im Fluge seiner Pindar'schen Phantasie ' gedachte, er, sie sich von den Juden bezahlen zu kaffen. Er' that, als habe er von dem Minister eines katholischen Staates den Auftrag, zwei Bücher, eines in Prosa, einesin Versen, gegen die Gebräuche und Sitten der Juden zu schreiben, damit.jener seinen. Souverän überreden könne, sie aus seinem Gebiete zu vertreiben. Der Dichter war mit einem

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