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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-19 · 20 (19.5.1893) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 378 Orsterrekhtfche WochrnschrM Nr. 20 „Geehrte Redaction! Der Umstand, -aß der hochwürdige Herr Pfarrer Dr. Deckert in seiner Zuschrift von heute meinen Namen nannte, veranlaßt mich, hier meine Beziehungen - zu der Meyer'schen Angelegenheit klarzustellen. Herr Paul Meyer kam Ende März mit einem sehr warmen Empfehlungsschreiben meines alten Freundes, Herrn Kanonikus Professor: Dr. R o hling, zu mir. Auf seinen Wunsch begleitete ich ihn bald dy- ' rauf zu Herrn Dr. ©eifert, wo ich aber gleich bestimmt erklärte, daß ich mich für Herrn Meyer nur menschlich und wissenschaftlich interessire. Als das. Gespräch auf das Blutrituale kam, sagte ich, die bisher dafür beigebrachten Stellen seien ab-> solut nichtig, ebensowenig seien neue zu erwarten, da solche schon längst durch Convertiten bekannt geworden sein würden. Ich glaube daher nicht.einmal an die auf der Folter konstatirten mittelalterlichen Kinderschächtungen, zumal die Kirche den lokalen Cult seuer Kinder nur eben: dulde. Herr Dr. Deckert konnte mich also unmöglich für einen Gesinnungsgenossen . quo.ad lioc halten. Bei dieser Gelegenheit sah ich den Entwurf eines Con- - tracts, wonach P. Meyer ein Werk über den Ritualmord , schreiben sollte, wogegen ihm auf fünf Monate monatlich.lOO fl. zugesichert waren. : Bon da an redete ich Herrn Meyer wiederholt zu, diesen Vertrag nicht abzuschließen, sondern eine rein gelehrte Thätigkeit zU ergreifen. Ich schlug ihm vor, mir Unterricht im Tal-, mudlesen zu geben, bemühte mich auch (leider vergeblich), ihn - mit der Katalogisirung der großartigen hebräischen Handschriftensammlung einer hiesigen Ordensgemeinschaft beauftragen zu lassen. Im tiefsten Vertrauen sprach ich schon damals mit einem .... Gelehrten von europäischen Rufe über die Sache, welcher meinte, er werde leicht eine genügende Geldsumme aufbringen können, . wenn der Mann, dadurch von verderblichen Schritten abgehülten werden könnte. : Gleichwohl hätte ich die Sache ihren ruhigen Gang weitergehen lassen, wenn sich Paulus Meyer auf das Zusammenstellen von Zitaten aus der jüdischen Literatur beschränkt . hätte; denn solche Zitate lassen sich ja nachschlagen und coüüvliren, würden sich daher alsbald, wie bisher, als Irrlichter Herausstellen, wie er denn auch.mir gegenüber nie ein einziges vorgebracht hat. Aber die Ankündigung des Briefes, worin ein angeblicher Augenzeuge die Schlichtung eines Christeukindes beschreiben sollte, brachte die'Katastrophe herbei. Ich wollte nicht durch Stillschweigen an einer eveütnellen Massakrirung von Juden mitschuldig werden und stellte daher Paulus Meyer zyr Rede. Anfangs gab er sich nicht als den Brief- * schreiber zu erf eint en,- ließ jedoch bald seine Autorschaft durchblicken. Den Inhalt des Briefes hat er mir gegenüber nie als wahr vertreten, sondern auf. meine Borwürfe über die Erdichtung immer nur geantwortet, die Juden hätten ihn .nicht so sehr reizen vnd erbittern sollen. Kurz vor-der Publikation des Briefes verlangte er aufein halbes'Jahr monatlich 120 fl., die er auch ohne Weiteres erhalten hätte, westn. er vorher seine angeblichen persönlichen Erlebnisse über Kinder-' schächtungen zurückgenommen hätte; das wollte er aber' erst nachher thun, man solle ihm „mit Vertrauen und Liebe enigegenkommen" und dazu mochte sich der obenerwähnte Gelehrte nicht entschließen. Nach Publikation des Briefes ließ ihm Letz- . terer durch mich noch einmal 1000 fl. unter derselben Bedingung anbieteu. Herr Meyer erklärte sich bereit, das Geld bei mir anzusehen und alsdann, nach Ausstellung des Widerrufs, in Empfang zu nehmen. Einen Augenblick war ich geneigt, auf diesen Vorschlag einzugehen, sah aber .bald ein, daß ich mich nicht solchen demüthigenden Bedingungen aussetzen dürfe, und schrieb ihm daher vorgestern, daß ich alle Beziehungen zu ihm auf s» - lange abbreche, als er nicht aus eigenem Antriebe das begau- " gene schwere Unrecht zu sühnen bereit sei.' Noch bemerke ich, das; ich Herrn Dr. Bloch ans die dringende Bitte Herrn Meyer's besucht habe, um von ihm eme schonende Behandlung des Letzteren zu erwirken. Nebgn- -. bei bemerkt, war dies mein erster Besuch bei Herrn Dr. Bloch; ) . wir dürsten also doch nur sehr schwäch miteinander „in Verr* bindung stehen". ' ' . _.; Das Obige genügt wohl zum Beweise, daß ich mich nur .. .bemüht.habe, einen Mitmenschen von einerschweren Verirrung, welche die furchtbarsten Folgen h a brn..kam n um d en ts etz li ch auf dem G ew.issvn - des U r h e b e r s laste n w ür d e, a b z u bring en... Den.. Widerruf konnte ich. ohneweiters verlangenda - die ErdiÜH-. tung der Schächtgeschichte an sich einleüchtet und von Herrn Meyer im Gespräche mit mir stets stillschweigen d vor a üs gef etzt ward. - 1 ’ Hochachtungsvoll Wien, 15. Mai 1893. Prof. Dr. G. Bickell. . Ergänzend sei bemerkt, daß Herr Professor Bickell, als er in der Redactiou der „Oesterr. Wochenschrift" um Schonung-des Paulus Meyer bat, dieser Letztere die Autorschaft des MoÄbriefes noch geleugnet und interessante „Enthüllungen" über die Antisemiten in Aussicht gestellt hat. . - * -, * Die Villa in der Lust. Das „Wiener Tagblatt", welches den Artikel der „Oesterr. Wochenschrift" übernommen hat, bedachte der wahrheitsliebende Deckert ebenfalls mit einer Berichtigung. Die .Redaction begleitete dieselbe mit nachstehenden Bemerkungen: Im § 6 der vorstehenden Berichtigung erklärt Herr Dr. Deckert, daß der Proceß über die famose transportable Villa von der Klägerin Fräulein Jenny Zink in letzter Instanz verloren worden sei. . Wir haben -uns an den hiesigen Hof- und Gerichtsadvo- - katen Herrn Dr. Edmund Benedikt, welcher in dem proceß Frl. Zink vertreten hat, gewendet, um einen authentischen Aufschluß über diese Angelegenheit zu erhalten. Man wird aus dieser Darstellung einen ganz merkwürdigen Einblick in die .Casuistik des Herrn Dr. Deckert gewinnen. Man spricht von „Luftschlössern", die selbstverständlich nicht existiren; hier aber wird die Geschichte einer „Luftvilla" vorgeführt, der endlich durch ein Urtheil des Obersten Gerichtshofes der nothwendige Grund auf Erden gegeben werden mußte, auf dem sie sich schließlich niedergelassen hat. DiesenProceß hat. der Kirchenbauverein, dessen Vorstand Herr Dr. Deckert war, auch in letzter Instanz verloren. Die Sache nahm folgenden Verlauf: Wir haben bereits in unserem Blatte vom 12. d. die merkwürdige Geschichte der Weinhauser Kircheubau-Lotterie erzählt. Nach dem Wortlaute der Aufschriften jener Lose sollte „eine Billa in der Nähe von Wien im Werthe von fünftausend Gulden" den,Haupttreffer bilden, Der Wortlaut der Losaufschriften ließ gar keinen Zweifel an der Verpflichtung des Kirchen bauvereines zu, dem glücklichen Gewinner des Haupttreffers entweder eine Villa oder, im Falle derselbe Bargeld vorziehen sollte, 5000 Gulden auszufolgen. •* Wie groß war aber das. Erstaunen der Gewinnerin des Haupttreffers, eines Fräulein Jenny Zink aus Neulengbach, als sich, hera.usstellte,.die Billa sei keine gewöhnliche. Villa, sondern 'ein transportables und zusammenlegbares Gebäude nach dem System Schubert, eine „Luftvilla", die vollkommen werthlos erschien, dader Kirchenbauverein zu dieser Villa keinen Grund und- Boden beistellte. - •. ,, ' Es ist erklärlich, daß die Dame, in ihrer Aussicht auf 'eine Villa, getäuscht,, wenigstens darauf bestand, den Ablösuügswerth des für sie werthlosen Gewinnstobjectes, 5000 Gulden vom -Kirchenbauverein ausbezahlt zu erhalten. ' - . Derselbe, respcctive der Obmann desselben, Herr Doctor Deckert, weigerte, sich dies zu thun und erklärte, allen seinen Verpflichtungen Genüge gethan zu haben, wenn er die erwähnte transportable Villa als Haupttreffergewinnst Fräulein-Zink übergebe. . - ' - . Gegen diese Anschauung ihr Recht zu wahren, trat nun Frl. Zink durch ihren- Vertreter Hoff und Gerichtsadvocaten Dv. Eduard Benedikt,, gegen Herrn Pfarrer Dr. Deckert klag- : bar auf. . : D.ie erste Instanz, das Wiener Landesgericht, entschied nun im Sinne der Klägerin, indem der Kirchenbauverein: verurtheilt wurde, dem Fräulein Zink entweder eine Villa .iw der Nähe, von Wien, zu welcher selbstverständlich Grund und Boden gehört, oder die Ablösungssumme von '5000 fl.' auszufolgen, sprach jedoch dem Kirchenbauvereine das Recht zusich für ^eine dieser beiden Eventualitäten zu entscheiden. - . Dr, Benedikt wäre berechtigt, .gewesen, mit: Aussicht: auf Erfolg: die letztere Bestimmung auf. dem Recurswege zu> bekämpfen,' indessen nahm er im Einvernehmen mit seiner Clientin hi.eyon Abstand, da dieselbe sich mit dem .Bargelde..zufrieden geben wollte, welches der Kirchenbauverein voraussichtlich als 7 Haupttreffergewinnst auszählrn würde, da Herr Dr. Deckert bis - dahin nur über eine „Luftvilla" verfügte: — Ein anderes Moment bewog indeß'Herrn Dr. Benedikt, an die zweite.Jlistanz

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