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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-19 · 20 (19.5.1893) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Mottos Oefirrreichische Wochenschrift Mr. 20 „Bat«kand" und im eigenen Organe des. Dr. Deckert, im „SendHoien -es Heiligen Josef" erfolgt? . -Lustig ist-er Vorwurf, den Herr Deckert. gegen die MWtHsNAeter der Gewinnerin des Haupttreffers, deren Zugehörigkeit zu einer, nichtkacholischen Conieffion er als ein „Unglück" bezeichnet, erhebt, daß derselbe als ein „wahrer Shylock" auf seinem Schein bestand. Jawohl, das „Unglück" wollte cs, daß sich-die: Gewlnnerin picht dupiren lassen wollte/ das „Unglück wollte es, daß dem. armen Deckert ein Rechtsvertreter gegenüberstand/ der das Recht nicht beugen lassen wollte ander geschastsmännischen Geriebenheit des Pfarrers Deckert -as bindende Versprechen entgegenhielt. Die Rechtsbegriffe des Pfarrers -Deckert sind .ebenso sonderbarer Natur, wie seine Wahrheitsliebe und seine Dankbarkeit. - Darum also, weil der erwähnte Rechtsvertreter pflichtgemäß nicht zuließ, daß seine Protestantische Clientin von Deckert in der plumpsten Weise.übervortheilt werde, ist er ein „Shylock." Dr. Deckert hat mit dieser Auffassung das Capitel von der christlich arischen Moral um .rin interessantes Moment bereichert. Pfarrer Deckert ist bei der ganzen Hanpttreffergeschichte mit demselben speculativen Geschäftsgeiste vorgegangen, den er bei der Ausschrottung des Paulus Meyer zu seinen verwerflichen Zwecken bekundet. Er erklärt, daß er Letzteren die 100 fl. nicht als vertragsmäßiges monatlichcs Honorar, sondern als „Vorschuß" gegeben habe. Als Vorschuß — wofür? Paulus Meyer hat die Verpflichtung übernommen, Herrn Deckert erdichtete Bluttexte zu liefern. Nachdem er nun die ersten 160 fl. erhalten hatte, lieferte er — offenbar gleichfalls als „Vorschuß" auf seine weiteren Fälschungen, den bekannten Brief über den Blutmord in der nicht existirenden Stadt Qstrowa. Also Vorschuß gegen Vorschuß! Was übrigens der Ausgang des HaupttrefferProcesses und den von Deckert geleugneten Vertrag zwischen ihn und Paulus Meyer betrifft, so verweisen wir auf die an anderer Stelle veröffentlichte .Darstellung des erwähnten Processes und auf die bedeutsame' Erklärung des katholischen Priesters, Professor Dr. Gustavs Bickell. AM beiden Publikationen geht hervor, daß Her-r Doctor Deckert sich kein großes Gewissen daraus macht, der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen. Der Schluß des Deckert'schen Artikels im „Vaterland" ist so-recht geeignet, die Kampfweise dieses Mannes zu kennzeichnen. Er verweist die Leser des „Vaterland" auf eine im Hahre 1884 bei Sintenis (fetzt „Lesk und Schwidernoch") erschienene Broschüre: „Ist Dr. Bloch ein Vertheidiger des J-ldeuthums?" Aus -Leser anonymen-Broschüre können die Leser des „Vaterland" sich über die Persönlichkeit Dr. Bloch's mit derselben Gründlichkeit informiren, als Deckert selbst über den Trienter Blutmord-Prozeß, dessen Acten er angeblich eingesehen haben will, sich unterrichtet hat! Er war im Verlaufe des ganzen Streites bekanntlich nicht in de.' Lage auch nur eine einzige Quelle genau zu ciüren. Er hat über diesen Prozeß nur ein Pamphlet gelesen — und. adgeschrieben! Herr Pfarrer Deckert will glauben machen, Dr. Bloch hätte seinem edeln Bruder Paulus Meyer für einen Widerruf Geld Angeboten; er nennt sogar den Betrag mit 1000 fl. B'i der Gerichtsverhandlung'wird er erfahren, daß Dr. Bloch für sein Geld bessere Verwendung weiß! Deckert mag für Bluttexte Geld aufbringey, nns genügt das Zeugniß des Pastors von Bodelschwing in Birleeld, der erklärt, er „habe in seinem ganzen Leben von tiefer 'Gesunkenheit, Bosheit, Lügenhaftigkeit — überhaupt von bodenloser Gemeinheit kein solches Beispiel kennen gÄernt", als diesen Paulus Meyer —^ um ein solches Subject uns möglichst ferne zu halten. Deckert nahm ihn in feine Wohnung, bewachte dieses seltene Exemplar wie seinen Augapfel und „berichtigt" in gewohnter Wahrheitsliebe, Laß er b« ihm nicht wohnt. Gs hätte heißen sollen nicht m eh r wohnt, oder derzeit nicht mehr wohnt. Das edle Brüderpaar hat es /inzwischen ' für "richtige gehalten, sich wenigstens -vor der Welt zu separirm. Deckert hat sogar die Stirne, abzuleugnen, daß sein edler Bruder Paulus'Meyer bei Dr. Bloch inrerveniren ließ, er wöge ihn ans den Händen D e ck e r t's retten lassen und er werde „Enthüllungen über die. Schandthaten.der Antisemiten" -Publiciren.-Herr Pfarrer Deckert versichert, Pam l u s Meyer „kennt den Dr. Bloch nicht und habe ihn nie gesehen". Das ist richtig und der Versuch, die persönliche Bekanntschaft des Dr. Bloch . zumachen, ,ware?.eiiym Paulus Meyer auch nicht zu empfehlen. Mein, daß dessenungeachtet unsere Mittheilungen in allen Stücken der Wahrheit entsprechen, für diese Thatsache liegt nuurpehr das öffentliche.Zeugniß eines Mannes vor, dessen autoritäre Stellung als katholischer Priester und hochangesehener Professor an der Wiener Universität auch die Kühnheit eines Deckert nicht antasten und-nicht .erschüttern wird. Jene diversen Manipulationen, welche Herr Deckert in seinen später einmal noch näher zu-beleuchtenden Privatgeschäften mit Erfolg anwendet, sind in diesem Falle nun einmal nicht am Platze, sie versagen den Dienst. Dr. Deckert fügt seinem Namen,-mit welchem er seine „Abwehr" zeichnet, das Wort ^Pfarrer" bei, offenbar, um durch diese Anführung seines. Berufes das Gewicht .seiner unwahren Behauptungen zu erhöhen. Und in der That, das Amt des Seelsorgers ist-ein so-ernstes und würdevolles, daß die Träger desselben auf besonderes Vertrauen bei der Bevölkerung Anspruch erheben können. Dieses Amt legt aber auch eben, deshalb eine hohe Verantwortung auf, und wer unter-dem Schutze .derselben-.die Wahrheit in Lü e, das Recht in Anrecht, die Liebe, in Haß verkehrt, macht sich der hohen Obliegenheiten feiner Stellung unwürdig.. Pfarrer Dr. Deckert ist an jener „sch weren Verirrung", von welcher Professor Bickell sagt,daß.sie „die furchtbarsten Folgen -haben kann und entsetzlich auf dem Gewissen des Urhebers lasten müsse", nicht nur mitschuldig, sondern er hat sie veranlagt. Billigt -das Wiener Ordinariat das Vorgehen des Pfarrers Deckert und hält Cardinal Grusch a, der mit Recht als -eine Zierde des Priesterstandes gilt, dieses Vorgehen mit der Stellung und Würde eines Seelsorgers'der Wiener Diöcese vereinbar? * * * Die Erklärung Deckert's gegen die ^Oesterr. Wochenschrift". Die im vorstehenden Artikel erwähnte Einsendung im ,-Vaterland" Nr. 134 vom 16. Mai hat folgenden Wortlaut: „Abwehr." Löbliche Redaktion! Dr. Bloch greift mich in seiner-Wochenschrift neuerdings in geradezu infamcr Weise an als moralischen „Urheber einer Schurkerei" s ndergleichen und dergleichen. Ich werde mit diesem Ex-Rabbi an einem anderen Orte Abrechnung halten, erlaube mir uur, einige gegen mich gerichtete persönliche Anwi'ufe dieses Schimpfboldes, die ans seinem Blatte Eingang in die gleichgesinnten Tagetzblätter gefunden haben, richtig zu stellen. Der Proceß Jenny Zink evvtrn Kirchenbauverein wird so hingestellt, als wäre er gegen meine Person geführt worden und.nicht gegen den Verein, dessen Borstano ich bin und dessen.Interessen ich zu vertreten hatte. Die ganze Darstellung des Sachverhaltes ist entstellt und strotzt von Unwahrheiten und Verdrehungen. Es ist unwahr, daß vom Erträgnisse der Lotterie die.Kirche in Weinhaus erst gebaut wurde; sie war schon im Rohbau vollendct; cs handelte.sich um die Tilgung der Bauschulden. ..Wenn .sich einige Juden gn der Lotterie betheiligten durch Ankauf Von Losen; je mm, ..dos konnte man nicht verhindern und das wird den Ausschlag nicht gegeben haben. Diese edlen Kinder Judas chattengewiß inehr die 'Gewinnste im Auge - als die Erbauung der Kirche. Jedenfalls wuchst der Kirchenbaufonds nicht durch die von den Juden abgenommenen Lose zu einer beträchtlichen Höhe, wie Bloch so sicher weiß. Der Kirchenbäufond ist im Gegentheile passiv und' ich glaube kaum, daß Dr. Bloch oder Irgend ein reicher Jude unsere 60:lM fl. Bauschulden decken wird. Daß unsere Joseph-Kirche .in. Weisthaus prächtig ist und -eine. Zjerde von. Neu- Wien, freut mich aus diesem Munde bestätigt zu Hören —7 doch ein stylvolles, mit allem.Comfort äusgestattetes Pfarrhaus hatder Verein - nvch nicht erbaut? 'Ichkann also-dasselbe Vicht in' allernächster Zeit beziehen, wie Dr. Bloch mir zumuthet.

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