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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-19 · 20 (19.5.1893) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
20 (19.5.1893)
Date
1893-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 20 Wien, 19. Mai 1883. X. Jahrgang. Crntrslorgmi für die gelammten Interessen des Iudenthnms. M Kl PosshilUinssrnÄ'nl - ' Clrsrrngdrrkehr Lrr. 8iO.V76. Nedsrlion. m,d AdnUniprsNon: UVirn . " Frank Jostfs-Dilak Nr. 3. telephon-Nr.6535, W—-- - - ==^g -# Ergrnthümer: Rerchsraths-Adgeordnrter Dr. Stoch. -- Erscheint jeden Freitag. Man sdomnrt bei allen " Ppflanfiattr» I dr» In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 st. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltete Petitzeile 12 kr. jtz-- * Inhalt : L eit a r 1 i k e l: Ein edles Brüderpaar. II. Die E.kärnng Deckert's gegen die „Oesterr. Wochenschrift." Ein Telegramm aus Peters- } _ bürg. Die Eitthüllungen eines'katholischen Priesters und Universilälsprosessors. Die Villa in der Luft. Für wen „Verhängnißvoll?" — Ein'Vorgänger des Brüderpaar's. — Correspondenzen: Wien, Hannover, Köln, Rendsburg, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Budapest, Aussee, Holleschan, Prag, Teplitz, Gruz, Prerau, Triest, Leipzig, Frankfurt a. M., Rom, Bukarest, Petersburg, London, Mogador, Persien. — Feuilleton: Emigration Stimmen' aus dem Publicum. — Inserate. (Schluß.) — Fürstengunst VII. — W o chenkalender. — Briefkasten. Ein edles Vrnderpaar. .. XL. \ y Pfarrer Dr. Josef Deck ert ibentificirt sich vollständig : mit dem Hn ünserer letzten Nummer genügend gekennzeichneten Paustts Meyer. Er tritt nicht allein für die Glaubwürdigkeit der upnWetzterem erdichteten Ritualmordgeschichte ein, er sendet ' glicht Berichtigungen aus, zu denen nach Form und Inhalt nicht der Pfarrer von Weinhaus, sondern Paulus Meyer allein ' yberufen ^wäre. Die Nummer 134 des „Vaterland" vom 16. - Mai -d. I. bringt einen Artikel Dr. Deckert's „Zur Abwehr", , :itx welchem eine, gerichtliche Klage gegen den Abgeordneten ' Dr. Bloch ln Äilssicht gestellt wird. Wir sehen dieser rechnüng", wie Herr- Dr. Deckert sich ausdrückt, mit Ungeduld entgegen-, und es wird sich bei derselben.zeigen, ob unsere Behauptung, daß hier „eine Schurkerei sondergleichen" ^begangen, wurde, begründet ist oder nicht. Angesichts der von Pfarrer Deckert angekündigten Klage gehen wir heute in das Meritum .' des. Streites .nicht weiter ein,, zumal ja durch die an anderer : Stelle^ reproducirte Erklärung des Professors Dr. Gustav Bickell und die aus St.' Petersburg gemeldete Thatsache, daß es einen Ort oder eine Stadt Ostrowo in Rußland nicht gibt, der Werth des von Paulus'Meyer über seine persönliche Anwesenheit bei einem Ritualmorde an Deckert gerichteten Briefes schon jetzt in das richtige Licht gesetzt erscheint. Unsere Aufgabe ist es heute lediglich, zu zeigen, wie Herr Pfarrer Deckert „berichtigt", welcher Mittel sich dieser " Priesterbedient, um der Wahrheit ein Schnippchen zu schlagen und die öffentliche Meinung auch weiterhin irrezuführen. Auf Düfteleien und Wortklaubereien, wie jene, ob die Weinhauser . Kirche vom Erträgnisse der durch den Kirchenbauverein veranstalteten Lotterie erst gebaut, oder ob von diesem Erträgnisse nachf kräglich die Bauschulden getilgt wurden, ob ferner mit diesen . 'Lotteriege-ldern ein P s a r rhaus oder Beneficiatenhaus - errichtet wurde, lassen wir uns nicht weiter ein. Jm wesent- ‘ lichen muß Dr. Deckert zugeben, daß sich Juden an der erf wähnten'' Lotterie betheiligten, daß also dem Kirchenbau und I demf Byü dcs Benesiciatenhäuses.Judengelder zugeslossen sind.. ° Die; Art,' wie. Pfarrer Deckert dieses Zugcständniß macht, ist characteristisch für die ganze Denkweise dieses Mannes: Er ' . 'schreibt:.„ W eyn sich ein i ge Jud en an d er L ott er i e f bot'h eilig ten durch Äsirkauf von Losen, je nun, . chas konnte man. nicht verhindern und daswird. den Aus.schlag nicht gegeben haben. Diese edlen ' -K.r'nd er Judas hatten gewiß mehr die Gef -tvinn st e im Äuge als die Erbauung der Kirche". Diese nichtsnutzige Unterstellung ist der Dank, den Dr. Deckert den jüdischen Förderern des Kirchenbaues abgestattet'. nachdem er deren Gelder ohne die geringste Skrupel in Empfang genommen. Man konnte, sagte Herr Deckert, die Becheiligung von Juden an der Lotterie nicht hindern. Aber weit entfernt, diese Betheiligung hindern zu wollen, hat man sie eifrigst gesucht. Wir haben schon mitgetheilr, daß die Lose serienweise an reiche Juden gesendet wurden, genau so, wie eben jetzt das Holleschauer Pfarramt an Tausende von Juden Bittschreiben um Beiträge zur Errichtung eines katholischen Gcsellenhauses in Holleschau versendet. Die Annahme, daß diese reichen Juden die Lose nur in der Hoffnung des bekanntermassen sehr fragwürdigen Haupttreffers, eines transportablen Häuschens im Werthe von 6000 sl., abgenommen haben, ist zu läppisch, als daß sie einer ernsten Widerlegung bedürfte. Daß es Juden gibt, die' den Institutionen der katholischen Kirche Achtung'entgegenbringen und zu Opfern für dieselbe bereit sind, das weiß der Pfarrer von Weinhaus sehr gut. aus der Baugeschichte der G er st h o f e r K ir ch e, die sich ja in der unmittelbaren Nachbarschaft befindet. Deckert windet und wendet sich in weiterem Verkaufe seines „Abwehr"-Artikels, um über die leidige Haupttreffergeschichte hinwegzukommen. Er erzählt, daß der Kirchenbauverein ursprünglich wirklich „ein Haüs mit Grund im Auge gehabt habe," daß aber der Verlosung eines solchen das Lotterie-Patent im Wege gestanden fei, welches das Ausspielen von unbeweglichen Sachen verbietet. Diese angebliche Absicht des Kirchenbauvereines muß aber doch .schon vor der behördlichen Bewilligung zur Lotterie fallen gelassen worden sein, da sonst die Erlaubniß überhaupt nicht ertheilt worden wäre. Trotzdemhat jedoch Dr. Deckert (nach erhaltener Bewilligung), d. h. also, nachdem bereits fest stand, daß eine Villa o h n e Grund ausgetheilt werde, als Haupttreffer „eine Villa in der Nähe von Wien" ungekündigt, er hat also mit vollem Bewußtsein den falschen Schein zu erwecken gesucht, daß die Villa irgendwo „in der Nähe von Wien" mit wirklichem, festem Fundament bestehe. Im klebrigen bestätigen ja sämmtliche gerichtlichen - Erkenntnisse, daß hier eine „Irreführung" beabsichtigt war. Herr Deckert beruft sich ferner daraus, daß in der „Wiener Zeitung" späterhin erklärt wurde,- die.Villa sei eigentlich , keine Villa, sondern ein transportables Haus. Der - Schlaumeier hat zu dieser . Publication wohlweislich das amtliche Organ gewählt, von dem er wußte, daß es vom großen Publicum nicht gelesen werde. Wenn es ihm thatsächlich um eine - möglichst intensive Verlautbarung zu thun war, warum y ist dieselbe nicht in allen Blättern, oder -doch wenigstens, im

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