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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 370 Oesterrektzische Wochrnsitzrkst Nr. 19 daß es uns einige seiner schönsten Provinzen zugestehen mußte und hofft bei einer paffenden Gelegenheit, etwa wenn Oesterreich wieder in einen Krieg verwickelt oder durch innere Unruhen beschäftigt würde, diese zurückzuerobern. Das Deutsche Reich hat sich im höchsten Grade unzuverläffig erwiesen. Die protestantischen Fürsten sind schon als unsere Glaubensfeinde auch unsere politischen Gegner. Der König von Preußen, dessen Haus der Huld allerhöchst Ihres Vaters seine Königskrone verdankt, rivalisirt mit Oesterreich, unterhandelt oft insgeheim mit Frankreich und hatte Lust bei der letzten Kaiserwahl als allerhöchst Dero Gegencandidat änfzutreten. Der preußische Gesandte Bartholdi hatte sogar die Vermessenheit, zu erklären, es sei gerecht, daß die deutsche Kaiserkrone auf ein protestantisches Fürstenhaus überginge. In welchem erbärmlichen Zustande sich die Reichsarmee befand, wie widerwillig die einzelnen Reichsstände ihre Contingente zu unserer Armee stoßen ließen, aus welchem unbrauchbaren Materiale sie bestanden, ist aus den Berichten unseres lorbeergekrönten Fcldherrn seiner Durchlaucht des Herrn Generalissimus genugsam bekannt. Höchst Derselbe hat mehrmals ausdrücklich erklärt, daß ihm die Reichsvölker mehr zum Schaden als zum Nutzen gereichten. Die meisten der deutschen Reichsstände sind nur eine Last für Oesterreich, sie fordern dessen Schutz, wenn sie bedroht sind,'aber sie haben in den letzten Kriegen nur sehr wenig zur Verstärkung der österreichischen Hausmacht beigetragen. England und die Generalstaaten waren nur so lange unsere Verbündeten, als es sich darum handelte, eine Vergrößerung Frankreichs zu verhindern. In dem Augenblicke, wo ihnen ihr Zweck erreicht schien, in dem entscheidensten Momente des ganzen Krieges, versagten die Armeen unserer unverläßlichen Alliirten, unserer geheimen Gegner, ihre Mitwirkung, hielten Oesterreich in seinem Siegesläufe auf und schloßen endlich einen Separatfrieden mit Frankreich. Ueberhaupt können Staaten, wo nicht der mächtige Wille eines Monarchen, wo ein Parlament das Staatsruder führt, nie Oesterreichs dauernde Verbündete werden, ebensowenig das Wahlreich Polen. Schweden und Dänemark sind Erbfeinde des heiligen deutschen Reiches und blos von Rußland wäre eine aufrichtige Bundesgenössenschaft zu erwarten, weil die beiden Staaten gemeinschaftlich die Türken, den Erbfeind der Christenheit bekämpfen; aber von Rußland trennt uns das verschiedene Glaubensbekenntniß und ein großes Stück Erde. Bei dem Ausbruche eines Krieges hätte ein russisches Hilfscorps viele Monate zu marschiren, bis es auf dem Kriegsschauplätze zu unserer Unterstützung anlangte. Ganz anders aber gestaltet sich das Verhältuiß Savoyens zu Oesterreich. Schon durch ihre Lage find die beiden Staaten aufeinander angewiesen, sie werden auch von dem festen Bande der Glaubensgleichheit umschlungen, Savoyen hat genau so wie Oesterreich eine Vergrößerung Frankreichs zu fürchten. Alle diese Gründe lassen es als heilige Pflicht erscheinen, dafür zu stimmen, daß Ew. Majestät die Werbung König Victor Amadäus', um die Hand allerhöchst Dero Nichte für seinen Sohn nnd Thronerben hnldreichst anzunehmen geruhen." — Der Kaiser hatte während der langen Rede des Erzbischofs mehrmals zustimmend mit dem Kopfe genickt, nur bei den Schlußworten runzelte er leicht die Stirne und sprach: „Wir müssen uns nicht deutlich ausgedrückt Haben, wir sind von dem hochwürdigsten Herrn Erzbischof uicht vollkommen richtig verstanden worden. . . . Man wirbt nicht sofort um die Nichte des deutschen Kaisers. Der König hat vorläufig nur zu erfahren gesucht, wie seine Werbung ausgenommen werden dürste." — „Gewiß durch seinen erlauchten Vetter, seine Durchlaucht den Prinzen Eugen?" riskirte der Erzbischof und glaubte selbst nicht, was er sprach. - Dev Kaiser war verletzt, daß man es wagte, durch eine direct an chn gerichtete Frage etwas erfahren zu wollen, was er auszusprechen nicht für gut befunden und er that, als wenn er die Worte überhört hätte; allein der, Prinz sprach mit seiner klangvollen Stimme: „Neinl Mein Vetter König Amadäus ist ein kluger Mann, er weiß, daß ich diese Mission nicht übernehme, daß ich zu einer Verbindung unserer Prinzessin mit seinem Thronerben nicht zurathen, im Gegentheil mit aller Entschiedenheit abrathen werde." Der Kaiser streifte den Prinzen mit einem unwilligen Blicke üttd sprach: „Wir beabsichtigten eben uns auch Ihre geschätzte Wohlmeinung zu erbitten aber Sie haben soeben Ihren Standpunkt mit zweifelloser Deutlichkeit gekennzeichnet. — Meine Herren Räthe, es wurden über die Ihnen vorgelegte Frage zwei einander entgegengesetzte Ansichten ausgesprochen. Diese kann nur mit „ja" oder „nein" beantwortet werden. —. Ich bitte jene Herren, welche der Meinung des Herrn Erzbischofs sind, sich von ihren Sitzen zu erheben". „Euer Majestät", ließ sich Graf Windischgrätz vernehmen, „ich möchte allerunterthänigst bitten, es allergnädigst zu gestatten, daß ich mich der Abstimmung enthalte ... Auf allerhöchst Dero huldvolle Nachsicht bauend, wage ich es zu gestehen, daß ich mir nicht die Schlagfertigkeit zutraue, mir so rasch ein Urtheil über eine so wichtige Frage zu bilden". „Wir haben nichts dagegen einzuwenden", erwiderte der Kaiser. „Wir erkennen es. von Neuem mit Befriedigung mit welcher Gewissenhaftigkeit Sie Ihre Vota abgeben". Graf Windischgrätz schritt, um die Abstimmung nicht zu beirren, geräuschlos zu dem nächsten Bogenfenster. „Meine Herren Räthe", frug der Kaiser, „befindet sich noch Einer unter Ihnen in gleicher Lage mittunserem lieben Reichshofpräsidenten?" und als sich Niemand meldete, fuhr er - nach kurzer Pause fort . ' . „So schreiten wir, in der von uns angegebenen Weise, zur Abstimmung". Auf der linken Seite erhoben sich alle Herren, von den deutschen Herren nur Einer, Graf Leopold Schlick. Der Kaiser ließ den Blick über die Tafelrunde schweifen und sprach: „Stimmengleichheit! . . Wir werden diese wichtige Angelegenheit reiflich erwägen und hoffen, daß der Allmächtige uns erleuchten und uns die richtige Entschließung fassen lassen - wird". Der Kaiser erhob sich und schritt, sich durch ein Kopfnicken von den Mitgliedern der StaatsiConferenz verabschiedend der Thüre zu, die in seine Appartements führte. Als die Minister' einzeln die Treppe hinunter gingen, schlossen sich dem Prinzen seine treuesten Anhänger, Trautsohn und Seilern, von denen der Erstere vor Kurzem in den Fürsten- und Letzterer in den Grafenstand erhoben worden war, am „Das war die kürzeste Conferenzrathssitzung, der ich je ungewohnt", meinte Trautsöhn, -nachdemersich worsichtigMmgesehen,. ob er nicht behorcht werden könnte. „Der Kaiser hat bisher" ausnahmslos jeden Berathungsgegenstand einem R-ferenten zur Berichterstattung zugewiesen; auch bot er sonst Jedem Gelegenheit seine Ansicht zu begründen". , „Fast würde ich glauben" ergriff jetzt Seilern das Wort' „der Graf Windischgrätz hat mit der Begründung seiner Bitte, sich der Abstimmung enthalten zu dürfen, nur beabsichtigt den Kaiser in zarter Weise auf die Unterlassung der üblichen Gepflogenheit aufmerksam zu machen . . . Wie erklären Sie, durchlauchtiger Prinz, sich diese Ungewöhnlichkeit?" „Die Gedanken und Absichten eines Andern, lassen sich schwer errathen", erwiderte Eugen in seiner ruhigen Weise., „Der Kaiser sprach von Stimmengleichheit" meinte wieder Trautsohn. „Er sollte billig die Stimmen wägen und nicht zählen. Ihre Meinung, Herr Generalissimus, sollte" ihm maßgebend sein; aber der Kaiser scheint diese Verbindung zu wünschen! . . . Glauben Euer Durchlaucht, daß diese in der That zu Stande kommen wird?" Die Minister waren jetzt an dem Fuße der Treppe angelangt, die Equipage des Prinzen fuhr hart an diese vor und Eugen sprach, während er einen Fuß auf den Wagentritt setzte. „Mein lieber Fürst, das läßt sich nicht Voraussagen — bekanntlich werden alle Ehen im Himmel geschlossen!" ' ' (Fortsetzung folgt.) Wochenkalender. Jjar-Sivan 5653. — Mai 1893. Freitag 26 12 E. d. N. 8^ 10 9°° Samstag 27 'mpna-w 13 Sonntag 28 14 Montag 29 15 - Dienstag 1 Rosch-Chodesch w 16 Mittwoch 2 - 17 Donnerstag 3 12 Freitag 4 19

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