Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020972-3020973--02407-3026494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 19 Vestrrreichifche Wochenschrift Seite 367 Druckfehler-Berichtigung In dem Aufsatze „Ein l sechshundertjähriger Gedenktag" soll es heißen: Seite 340, Spalte 2, Zeile 10 v. u. anstatt „Am nächsten Tage Jom Kippur" richtig: „Am nächsten Jom Kippur", dto. Zeile 6 v. u. anstatt „die Zuschriften bezeichnen" richtig: „die Inschriften enthalten". Hochachtungsvoll Dr. Samuel Back. Wien, den 8. Mai 1893. Samstag, den 6. d. M. feierte der akademische Verein „Kadimah" unter zahlreicher Betheiligung der jüdischen Studenten in Hatschek's Restaurant den Erössnungsabend des 21. Semesters seines Bestandes. Vereinspräses Dr. jur. Jacob Kohn eröffnete den Abend mit einer von großen Gesichtspunkten getragenen Ansprache. Er demonstrirte den nothwendigen Bankerott der Partei, welche die Zerstörung des Volksgeistes und der Religion im Judenthum bezweckt und bewies, daß die Judenfrage vor der socialen Frage gelöst werden müsse. Nach dieser mit großem Beifall aufgenommenen Rede entwickelte das Vereinsmitglied Med. Dr. Arnold Reich in längerem Bortrage die Tendenz und das Actionsprogramm der Kadimah, welche nunmehr in das zweite Decennium ihres Bestandes trete. Prag, 4. Mai. Die jungczechische Wählerschaft der (zumeist von Israeliten bewohnten. D. Red.) Prager Josefsladt richtete an den Jungczechenclub die Aufforderung, angesichts der Koliner Ereignisse seine Stell u n g zum Antisemitismus zu präcisiren. Schlan. Infolge des in Nr. 14 veröffentlichten Aufrufes sind für den kranken Lehrer nachträglich folgende Beträge eingegangen: Sammlung durch Herrn Dr. Hoff in Proßnitz: Löbl. isr. Frauenverein .fl. 3 Frau Nina Singer. 2 . Frau Johanna Lasus.„1 Herr Joachim Polak, Kleiderfabrkt. 1 Coupon 2*/» fl. „ 2 Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Hoff.„1 Durch Herrn Oberlehrer M. Blatt Troppau vom Lehrkörper der deutschen Volksschule und einigen Schulfreunden .. . . . „10 Herr S. Schwarz, Spinnfabrik in Brünn . . . „ 5 C. und D. . . ... „ 5 Svetla. Löbliche Nedaction! Ich bitte auf Grund des § 19 des P.-G. die S. C. in Nr. 18 vom 5. Mai a. c. „Svetla" dahin richtig zu stellen, daß dieJuformationen Ihres Berichterstatters in so weit nicht das Gepräge der Verläßlichkeit trugen, als der hiesige Lehr körp er dieser Angelegenheit in jo ferne passiv gegenüberstand, als nach meiner Ueberzeugung die vorgebrachten Klagen der jüd. Kinder tendenziöser vorgebracht wurden, als sie in Wirklichkeit waren; desgleichen kann unter „wenn ein anderer, höher gestellter geistlicher Würdenträger" nicht der hies. Dechant gemeint sein, weil dieser wegen seiner bekannten Friedensliebe zu einer solchen Aeußerttug niemals sich Hinreißen ließe. Ignaz Tschaßni, Religionslehrer. 1. 2. Lemberg, den 7. Mai 1893. Heute haben wir unser intelligentestes Mitglied der Bernsteiu'schen Stiftung, den vielseitig in der hebräischen, englischen und französischen Literatur bewanderten Herrn Victor Goldbaum, zur ewigen Ruhe gebettet. Der Verblichene hatte ein für das Judenthum warmfühlendes Herz. In ihm verliert wie seine trauernde Familie so auch die Bernstein'sche Stiftung ihren geistigen tbatkräftigen Führer, der sich stets bemühte, die Juden zum Ackerbau und Handwerker heranzubilden. An seiner Bahre gab Rabbiner Doctor Caro in erhebenden Worten der berechtigten Trauer über den Verlust des Mitgliedes unserer Gemeinde Ausdruck. Constantinopel. Der Sultan hat seiner Excellenz, Herrn Salomon Hirsch, dem gewesenen Gesandten der Vereinigten Staaten von Nordamerika bei der hohen Pforte den Medschidje- Orden 1. Classe zu verleihen geruht. Eine Emigration. Erzählung aus der jüngsten Vergangenheit von Leo Hrrzbrrg-Fränkel. (Fortsetzung.) Mönche und Pfaffen, Meßner, Pfründer und all' das Volk, das an dem Wohlstand der Klöster und Kirchen schmarotzt, verbreiteten mit Schreckensmienen die Mähr' von der Entweihung der beiden Klöster, der Ausstörung ihrer frommen Bewohner durch die von Juden gedungene Polizei, welche einen angeblich geraubten Knaben, der niemals abhanden gekommen und -den die Juden blos versteckten, um an ihrem Osterfeste die Delice einer Kircheuschändung zu genießen. In allen Kneipen, Theehäusern und Straßenecken besprach man in wachsender Erregung und steigenden Uebertreibungen das ergiebige Thema, welches bald zu einer Ungeheuerlichkeit aufschwoll, die das Volk um so gläubiger aufnahm, je mehr fie die Phantasie erhitzte. Man erzählte sich von einem Ueberfall und einer Ausplünderung der Klöster, Verhaftung der Mönche, Empörung der Nonnen, Schändung der Heiligenbilder durch die von Juden begleitete Polizei. „Der Junge ist nicht mit einem Schritt aus dem väterlichen Hause gekommen," schrie ein breitbärtiger Kazape. „Wollt Ihr Euch überzeugen, so gehen wir hin!" „Padiom, hieß es von allen Seiten, gehen wir. 'gehen wir!" und ein zahlreicher, lärmender, gestikulirendcr und sich fortwährend vermehrender Schwarm allerlei Gesindels, bewegte sich in die ausschließlich von Juden bewohnte Gaffe, in welcher das Haus des Eckenstock stand, in das zum nicht geringen Schrecken seiner Einwohner ein Menschenstrom sich ergoß. „Wo ist der Junge, der Euch geraubt jein soll" schrieen gleichzeitig mehrere Stimmen. Die erschrockene Mutter umklammerte zitternd ihren Sohn. „Hier ist er, er ist heute wiedergekehrt." '„Wiedergekehrr, Ihr Bestien, Ihr Schufte und Kirchenschänder!" „Wiedergekehrt, als ob er je gefehlt hätte, Ihr elenden Juden!" Und was im Zimmer stand oder hing, wurde zertrümmert. Von innen flogen Möbelstücke zu den Fenstern hinaus, von außen Steine hinein. Scheibengeklirr, Jammertöne der Einen, Jubelnffe der Andern, Gejohle und Geschrei vermischten sich zu einem heillosen Lärm, der eine würdige Begleitung zu den Scenen thierischer Rohheit und entfesselter Bosheit war. Das Klirren der Scheiben wirkte wie ein Trompe'.ensignal zu einem allgemeinen Angriffe, der sich rasch über die ganze Straße ausdehnte. Man beschränkte sich bald nicht mehr aus Fenster und offene Thüren; man begann die des Feiertages halber, verschloffenen Eingänge zu den Schenken zu erbrech.n, die Vorgefundenen Spirituosen zu sausen und was nicht mehr getrunken werden konnte, strömte bachartig aus den geöffneten Fässern in die Gaffe. Flaschen und Gläser und jene Hausgeräthe, die nicht leicht mitgenommen werden konnten, folgten. Die durch Ruse ihrer Führer, durch den überreichen Genuß des Schnapses und den leichten Erfolg berauschte Menge wuchs immer mehr durch den Zuzug des verwe'flichsten Gesindels, das aus den entfernteren Stadttbeilen herbeiströmte, um an dem Vergnügen und dem Raube th eilzunehmen. Die Straßen waren so enge, die Menge darin so gedrängt, daß die Polizei nicht eindringen konnte, oder auch nicht eindringen wollte. Der Pöbel in seinen niedrigsten Elementen ward Herr über Leben nnd Eigenthum der wehrlosen und erschreckten jüdischen Familien. Inzwischen war es Nacht geworden; eine finster bewölkte Nacht. Oben kein Stern, unten kein Licht. Im Innern der Häuser, in den entferntesten Winkeln, bedroht und schreckgelähmt zusammengekauerte Menschen; in den Straßen eine stürmende, heulende wnthentbrannte Menge, die unter dem Schutze der Finsterniß das begonnene Werk der Zerstörung, beutegierig fortsetzte. Fenster und Thüren waren gebrochen, die Einrichtungen der Wohnungen zerstört, aber noch standen die Waarenlager mit ihren vergitterten Fenstern und üsenbeschlagenen Thüren unversehrt da und ihr verschlossener Inhalt reizte um so mehr die Habgier des entfesselten Mob's. Da zischte aus einem Winkel eine kleine Rakete auf, der Lärm verstummte und alle Blicke wandten sich nach der Stelle, von der das Licht aufstieg. „Brüder"! ries's von da, als sich wieder die frühere Finsterniß über die Stelle gelagert und die verdutzte Menge noch schwieg, Feiglinge, die Ihr Euch mit einem Becher Wudka begnügt und hier Schätze liegen lasset, die die Juden da in ihren Läden aushäusten; Saufende, die bellen und heulen und nicht beißen! An die Gewölbe, sprengt die Gewölbe, Ihr Bestien — es ist alles Euer, Alles unser!" Niemand sah den Rufer, aber Alle hörten ihn; es herrschte tiefe Finsterniß und einen Moment tiefes Schweigen, wie in der gewitterschwangeren Natur, bevor der Sturm, der Donner, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.