Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1893)
- Date
- 1893-05-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Leu«' 366 OesterreÄrlsrhe WortzenfihrM Nr. 19 dürfte bald fadenscheinig werden, deshalb sehen vorsorgliche Häupter sich bei Zeiten nach einer plausibleren Beschuldigung um: „Die Juden ernten und säen nicht". Es ist schwer zu glauben, daß Leute, die ein vermeintes Unrecht so grausam rächen wollen, eine wirkliche Benachtheiligung sich gefallen ließen. Wenn man nur mit gleichem Maße messen wollte, so würden wir die Probe schon bestehen. Da heißt es immer: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte — in der Theorie. — In der Praxis aber — mißt man nur die Pflichten mit Scheffeln, die Rechte kaum mit Löffeln. Haben wir trotzdem Erfolg, so betrachtet man ihn als Sünde, haben wir Mißerfolg, als Verbrechen. Das Recht des Stärkeren ist es, das man gegen uns anwendet; zu einer Thür drängt man uns hinaus, die andere hält man vor uns verschlossen. Es ist schwer, den physischen und moralischen Druck, der auf uns lastet, zu ermessen. Am meisten thun uns unsere armen Kinder leid, anstatt des Lebens sich zu freuen, wird ihnen die Jugend vergällt und vergiftet. Sollen wir bei solchen Zuständen schweigen, wie Manche glauben? Ich denke, es ist unser Recht, ja es ist unsere Pflicht, uns zu vertheidigen und zwar mit Ernst und Ruhe, wie es Leuten geziemt, die ein gutes Gewissen haben und die fälschlich beschuldigt werden. Heute glaubt kein vernünftiger Mensch mehr an diese Mordgeschichten, vor einigen Jahren noch ließen sich sogar Gerichte, von unseren Verleumdern beirren. Wir wären nicht so weit, hätten wir nicht selbst und hätten nicht Ändere für uns gesprochkn. Schwere Zeiten sind sür uns gekommen; es erfordert Mannesmuth und Ausdauer, um nicht wankend zu werden. Kein Wunder, wenn ängstliche Gemüther verzweifeln wollen und die Frage erwägen, ob sie sich vielleicht nicht taufen lasten sollen. Das wäre der richtige Ausweg nicht. Wem sollte auch damit gedient sein? 'Dem Antisemiten nicht, denn dieser sagt: „Jud bleibt Juv, wenn getauft noch so gut!" dem wirklichen Christen anch nicht, denn dieser weiß, daß man aus schlechten Juden (und unaufrichtig ist schlecht) keine guten Christen machen könne; uns selbst auch nicht, denn können wir denn unser innerstes Wesen verleugnen? Können wir den Spruch außer Acht lassen: „Wenn ich -nicht bin , was ich bin — dann bin ich nicht!" Es wird daher wohl das Beste sür Alle Betheiligten fein, „wir bleiben, was wir sind." Und wie wär's, wenn wir erinnerten, daß wir eine Religion haben, bei der wir sonst Trost suchten und fanden; wenn wir uns erinnerten, daß wir eine Geschichte haben, die uns lehrt, wieschwer die Zeiten auch sein mögen, wir schon schwerere glücklich überstanden und wie wäre es wenn wir uns enger aneinander schließen würden zur Erreichung unseres gemeinschaftlichen Zieles d. i. der allumfassenden Menschenliebe?! Wie«. (Personalnachrichten) Dienstag, am 16. Mai, 12 Uhr Mittags, findet in Tarnopol die Trauung des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Ludwig Herzberg-Fränkl mit Frl. Therese Somm erstein aus Tarnopol statt. — Am selben Tage findet im Grand Hotel zu Prag die Trauung von Frl. Bertha Weinberg mit Herrn Hch. Mestitz aus Raudnitz statt. Wien. (Verein der österr. Malzfabrikavten) Bei der am 6. Mai abgehaltenen Generalversammlung dieses Vereins wurde Handelskammerpräsident Mautner zum Ehrenmitgliede ernannt. Gewählt wurden: Zum Vereinspräsidenten Herr Eduard Hamburger, zum Vicepräsidenten Herr Wilhelm Brieß und zum Cassaverwalter Herr Sigmund Zweig, sammtlich Malzfabrikanten in Olmütz. Wie«. (Die Protector-Medaillen für die Jahresausstellung im Künstlerhause.) Dem Maler Leopold Horovits in Budapest für sein Oelgemälde- Porträt des Herrn Franz v. Pulszky und dem Maler Adolf Hirschl in Wien fiir sein Oelgemälde Aphrodite die Schaumgeborene, wurden je eine „goldene Medaille für Künstler des Inlandes verliehen. Wie«. Der Opernsänger Szengery, bekanntlich ein Sohn unseres Obercantors Singer, wurde nach erfolgreichem Probefingen vom Herrn Hofrach Pollini auf drei Jahre mit steigender Gage an die Hamburger Oper engagirt. Wien. Herr Adolf Freund aus Klagenfurt ersuchj uns zu constatiren, daß die „Deutsche Allgemeine Zeitung" in Villach zwar ein entschieden nationales Blatt ist, dabei aber streng fortschrittlich und von allen antisemitischen und reactionären Bestrebungen sich fern hält. In der That haben wir uns überzeugt, daß das genannte Blatt ein vollständig fortschrittliches ist und für die liberalen Ideen wacker eintritt. Wien. (Verein.zur Unterstützung Israel. Handwerker und Klein gewerbetreiben de r.) Am 6. Mai d. I. fand im Sitzungssaale der Israel. Cultusgemeinde die 4. ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingewerbetreibender unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny statt, Dem von dem Schriftführer, Herrn Dr. Bela Taußig zur Verlesung gebrachten Jahresberichte entnehmen wir, daß der Verein 14 Stifter und 289 Mitglieder zählt, sowie, daß er seit seinem Bestände 131 Darlehen in der Höhe von über fl. 14.000 an Handwerker und Gewerbetreibende verabfolgt hat. Die Versammlung gab ihrer Theilnahme an dem Ableben des Vorstandsmitgliedes Herrn Leopold Quittner, sowie der verewigten Frau Bettina Freifrau von Roths ch i l d durch Erheben von den Sitzen Ausdruck und gedachte dankend des Freiherrn Albert, von Rothschild, welcher aus der Berlassenschaft seiner edlen Gattin dem Vereine eine Spende von fl. 500 zugeführt hat. Ebenso wurde dem Vorstande der israel. Cultusgemeinde dem Bereins-Vicepräsidenten, Herrn Dr. Arthur Kuranda, für die uneigennützige rechtsfteundliche Vertretung und dem Rechnungsführer Herrn k. k. Commercialrath Alfred Pollak Ritter von Rudin, für das mühevolle Amt der Cassa- Verwaltung, endlich den Redactionen der „Neuzeit" und der „O e ste rrei ch isch e n W o ch e n s ch r i f tt" für die werkthätige Unterstützung der Vereinszwecke der Dank votirt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder die Herren: B ernhard Ko hn, Bethaus-Vorstand Alois Reich, D r. Bela Taußig und k. k. Baurath Siegmund Taußig wurden e i n st i m m i g wieder-, Herr D. Bloch einstimmig neu gewählt. . . .. Ehenso wurden die Revisoren, Herren F erd. Pick, M. Sonnenschein und Alfred Waizner über Antrag des k. k. Baurathes Ritter von Goldschmidt p er Acclamation wieder gewählt. Wien, 2. Verzeichniß der Beiträge für die isr. Feriencolonie, welche bei Frau Dr. Grünfeld einliefen: Frl. Mitzi Lothringer 5 fl., Herr Moriz Bauer 10 fl., Frau Katharina Heller 2 fl., Herr I. Kantor 10 fl., Herr Moriz Karpeles 15 fl., Frau Helene Kuranda 5 fl., Herr S. Landauer 2 fl., Herr Alois Pollak 5 fl.. Herr Otto Reiser 5 fl., Herr Wilhelm Taußig 2 fl., Herr Gustav Weidmann 2 fl., Frau Weidmann 1 fl., Herr Dr. Leop. Weinberger 5 fl., Frau Fanny Mayer 5 fl., Frau Jda Kary 10 fl., Frau Dr. Blum 2 fl., Frau Eleonore Pechkranz 10 fl., Frau Minna Kün 5 fl., Baron Hirsch-Stiftung 100 fl., Herr Julius Reitlinger 25 fl.. Frau Regine von Baiersdorf 3 fl., Herr David Fanto 6 fl., Frl. Jenny Fanto 2 fl. 60 kr., Frau Hedwig Fanto 1 fl., Frau Julie Fanto 1 fl., FraU Linda Fanto 1 fl., Frau Ernestine Hosmann2 fl.. Frau Hermine Schwarz 1 fl., Frau Bertha Ausländer 1 fl., Frau Rosalie Singer 1 fl.. Herr Leop. Kühner 1 fl., Frau Charlotte Simon 5 fl., Frau Softe Hayduska 5 fl., Frau Helene Niedermann 2 fl. Frl. Rifa König 5 fl. und Frau Fürth 5 fl. Wien. (Berichtigung). Im Spendenverzeichniß für die Feriencolonie findet sich der Name Dr. Wilhelm Schmidl 5 fl., sollte jedoch heißen: Dr. Adolf Schmiedl. (Druckfehler - Berichtigung.) Löbliche Redaction! In dem Aufsatze „Basedow und der Unterricht bei den Juden rc." vom 5. Mai 1893 haben sich folgende Fehler während der Drucklegung ergeben, welche ich mir hiermit zu berichtigen erlaube : ' Seite 341, 2. Spalte, 1. Absatz, Zeile 12 soll Schar anstatt Schaar, 2. Abs., Z. 6 soll i anstatt x, 6. Abs., Z. 13 soll viertes anstatt vierte stehen; Seite 342, 1. Spälte, 3. Abs., Z. 5 soll fünftes anstatt fünfte, 2. Spalte, 2. Abs., Z. 17 soll drittes anstatt dritte, Z. 23 soll Erstes anstatt Erste, Z. 27 soll Zweites anstatt Zweite, Z.. 31 soll Erstes anstatt Erste, Z. 7 soll Propheten anstatt Profeten und 3. Abs., Z. 1 soll jenen anstatt jenem stehen. Hochachtungsvoll Alexander Stößl städtischer BoUsschullehrer, Wien, X.