Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1893)
- Date
- 1893-05-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 364 &cftdxetdgtjxii£ UDaaienjrtpirt 'Jtv. 19 später durch dritte Personen Mittheilung erhielt; zweifelsohne hätte derselbe, rechtzeitig verständigt, gegen die Vermiethung Einspruch erhoben. Hochachtungsvoll „Equitable" Lebens - Bersicherungs - Gesellschaft der Bereinigten Staaten in Nelv-Dvrk. General-Repräsentanz für Oesterreich in Wien. Oscar von Stahl. E. B. Wien. An tisemitismus im Wasa Gymnasium.) Am Wasa Gymnasium wirkt E Zeichenprofessor, welcher einen Sport darin sucht, die jüdischen Schüler unablässig zu verhöhnen. Dieser Zeichenprofeffor — noaiina sunt odiosa — wurde schon einmal vom Unterrichte auf drei Monate beurlaubt, demungeachtet hört er nicht auf, die jüdischen Gymnasiasten in antisemitischer Weise zu behandeln. Wohl wurde ihm über eine erstattete Anzeige vom Gymnasialdirector letzthin in der Classe vorgehalten, daß ein derartiges Benehmen eines Professors gegenüber seinen Schülern unstatthaft sei und nicht geduldet werden könne, allein da ihn die zeitweilige Suspension vom Lehramte nicht kirre gemacht hat, so wird er sich durch den platonischen Tadel des Directors kann abhalten lassen, mit der continuirlich getriebenen Judenf' j>e einzuhalten. Es darf wohl der Erwartung Raum gegeben werden, daß die Unterrichtsverwaltung ihres Amtes mit allem Nachdrucke walten werde. Wien. (Ein literarischer Diebstahl) Ernst Vergani ist nicht nur ein Freund von Pauschalien jüdischer Banken und Aktiengesellschaften! Seine seltene Aneignungsfähigkeit erstreckt sich auf Alles, was Geldeswerth besitzt. Seit einiger Zeit erscheint im „Deutschen Volksblatt" eine amerikanische „Originäl"-Novelle „Die Ansiedler von Topeka" von Max G (ingold) Stärk, Der Corruptionstödter aus Sollenz hat diese Novelle in irgend einer deutsch-amerikanischen Zeitung entdeckt, und da vorläufig mit Nordamerika noch kein Vertrag zum Schutze des literarischen Eigenthums existirt, hat er dieselbe frischweg annektirt. Der unglückliche Zufall will es nun, daß Max Gingold Stärk nicht blos ein Wiener sondern auch ein — Jude ist. Ernst Vergani verzapft also seinen arischen Lesern jenen specifisch semitischen Geist, dessen zersetzende Wirkungen nach der Behauptung der antisemitischen Wortführer auch in der schönen Literatur in so erschreckender Weise hervortrat. Dabei ist Max Stärk wiederholt gegen die Judenhetze in Europa ausgetreten und wenn Herr Vergani zufällig mit seinem unfreiwilligen Mitarbeiter zusammen käme, so würde er dessen Verachtung in der deutlichsten Weife zu fühlen bekommen. Im Uebrigen paßt dieser in einem Juden verübte literarische Diebstahl vollkommen zu der antisemitischen Moral, welche die Beraubung der Juden für zulässig und verdienstlich erklärt. Wien. (Arischer Humor). Vor uns liegen zwei Proben arisch-antisemitischen Humors. Dieselben bieten einen interessanten Beleg dafür, auf welche Weise dem deutschen Volke an Stelle des naturalistisch-semitischen Geistes ideale Anschauungen beigebracht werden sollen. Bei dem letzten antisemitischen „Bürgerfeste" in Troppau wurde eine sogenannte .„Juxzeitung" vertheilt, welche Folgendes, mit der Abbildung eines Todtenkopfes geziertes Inserat brachte: Antisemitischer Arzt behandelt nach beschleunigter Methode im Interesse der Menschheit Juden unentgeltlich. Auswärtige brieflich. Selbst uufrankirte Briefe werden sofort beantwortet. Zuschriften unter „Schmerzlos und schnell", Troppau, postlagernd. — Die zweite Blüthe antisemitischen Witzes findet sich ini Böckel'schen „Reichsherold", wo es heißt: „Der „Steinheimer Beobachter" meldet, daß die hiesigen Juden die Absicht haben, sich einen Todt.mwagen anzuschaffen. Hoffentlich einen recht großen aber!" — Die Troppauer und Ste'nheimer können ruhig sein. Der Antisemitismus wird längst schon ein Object für unsere socialen Aerzte und Todtengräber sein, wenn das Judenthum mit erhöhter Kraft seine weltgeschichtliche Culturmission wieder ausgenommen haben wird. Kremsier. Die Wiener Blätter melden :Aus Kremsier, 8. d., wird berichtet: Samstag Nachmittag hat unter außerordentlich großer Bethciligung der Bevölkerung des Bezirks der Einzug des Fürsterz- bis chof Dr. Theodor Kohn in seine hiesige Sommerresidenz stattgefunden. An demselben nahm nebst den Vertretern der politischen und Gemeindebehörden auch der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde theil und wurde eine Deputation derselben, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Frankl-Grün und den Vorstehern Liebmann und Pollak, durch den Fürsterzbischof in Audienz empfangen. Rabbiner Dr. Frankl begrüßte den Fürsterzbischof im Namen der Religion, deren Prophet Maleachi den menfchenverbrüdernden Gedanken ausgesprochen: „Fürwahr! Wir alle haben einen Vater, Ein Gott hat uns erschaffen! "und fuhr dann fort: „Diesen Grundsatz haben alle Vorgänger auf ihrem Throne zur Richtschnur ihres Wirkens gemacht und dank diesem Wohlwollen war das einträchtige Zusammenleben in dieser Stadt nie getrübt. Nur die Glaubensbrüder in den Nachburgemeinden Holleschau und Kojetein (wo jüngst antisemitische Exceffe stattfanden) werden zeitweilig durch grundlose.Beschuldigungen in ihrer Ruhe gestört. Ich hege die zuversichtliche Hoffnung, daß eine aufklärende Kundgebung aus dem Munde des ersten Priesters der Diöcese die wohlthuendsten Folgen haben wird. Ihr edles erlösendes Wort würde uns ein treues Bild eines würdigen Priesters vergegenwärtigen, der nur die Lehre der Wahrheit im Munde führt und Viele von der Sünde abhält." Fürsterzbischof Dr. Kohn erwiderte: Er mißbillige selbst die bedauerlichen Vorgänge in den Nachbargemeinden auf das Entschiedenste, weil er stets von dem Grundsätze ausgehe: Suuui cuique! Doch lassen sich die gegenwärtigen Zustände nicht mit einemmale beheben, das Vorurtheil nicht mit einem Worte bannen. Es bestehe ein krankhafter Zustand, der nur mit der Zeit geheilt werden kann, und uuu dann, wenn die kranken Theile ausgeschieden werden, allein er werde Alles — soweit es in seiner Kraft stehe — anwenden. um dieses Uebel nach und nach in seiner Diöcese zu beheben, damit der Geist des Friedens wieder einkehre. Er hoffe, daß auch die Priester seiner Diöcese in diesem Sinne wirken werden. Hierauf erinnerte Herr Liebmann, daß die Gemeinde fünf Jahrhunderte unter dem Schutze des Erzbisthums stand und daß sie sogar die Erbauung eines Gemeinde und Gotteshauses — welches noch heute das fürstbischöfliche Wappen trägt — einem hochherzigen bischöflichen Schutzherrn verdankt. Fürsterzbischof Dr. Kohn dankte für die Begrüßung in herzlichen Worten und entließ mit der wiederholten Versicherung seiner steten Huld die Deputation. Nöhrenbach bei Horn. In Nr. 17 dieser der Wahrheit gewidmeten Zeitschrift hat sich ein Anonymus aus Eggenburg erlaubt, den Vorstand der Cultusgemeinde Horn der Pflichtvergessenheit und Pflichtverletzung zu beschuldigen, daß der Vorstano dem Religionsunterrichte nicht das nöthige Augenmerk schenke und daß er die von der israelitischen Allianz erhaltenen Uuterstützungsgelder nichtbestimmungsgemäß verwende. ‘ In Wirklichkeit verhält es sich folgendermaßen: - In unserer Cultusgemeinde sind fünf Religionslehrer angestellt. Der Unterricht wird in sechs günstig gelegenen.Hauptorten der politischen Bezirke Horn und Ober-Hollabrunn unentgeltlich ertheilt. Den in deren Umgebungen wohnenden Israeliten steht es frei, ihre Kinder hinzusenden, oder den betreffenden Lehrer gegen mäßiges Honorar zu sich zu laden und auch wo letzteres der Fall ist, sind die Lehrer gehalten, die hinzukommenden armen Kinder kostenfrei zu unterrichten. Ursprünglich war eine weit größere Zahl von Unterrichtsstellen geplant, deren Errichtung konnte jedoch aus .finanziellen Gründen nicht stattfinden. Der Mann, welcher gegenwärtig in Eggenburg nebenher Religionsunterricht ertheilt, erhälr wohl kein seinen Fähigkeiten angemessenes, doch immerhin ein unter den obwaltenden Verhältnissen den Leistungen entsprechendes Honorar. Nach dem Ausweise der Schulbehörden sind in Eggenburg und nächster Umgebung 22 israelitische Schüler vorhanden; für diese ist gewiß vorgesorgt. Die Lehrer werden bei uns durchaus nicht als Aschenbrödel betrachtet; das erhellt schon aus dem Umstande, daß vier Fünftel der Gesammteinnahmen zu ihrer Besoldung bestimmt sind, mehr als genügend. In jener Vorstandssitzung, an welcher dieDelegirten von Eggenburg und Ravelsbach nicht theilgenommen, wurde beschlossen, daß auch in dem entlegenen Orte Ravelsbach durch den Lehrer von Eggenburg Religionsunterricht ertheilt werden soll, nur hätten die bemittelten Eltern an deiüselben für jedes Kind einen Gulden per Monat zur Vergütung'seiner Zehr-und Reisespesen zu entrichten. Diese schreckliche Zumuthung hat so manches Gemüth in Wallungen versetzt; denn was kann einem Vaterherzen näher liegen, als das Kind?! — Mitunter die Brieftasche. Der Unterricht unterblieb; das hat der Vorstand, der eine höhere Besteuerung der Gemeindemitglieder nicht gewagt, damit es nicht gar zu sehr Recurse regne, wirklich auf dem Gewissen. Nachdem der CultusVorstand über keine polizeiliche Gewalt verfügt, kann er für Unterlassungssünden der Eltern nicht